Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 44, Bd. 3, 1884)

Konkurrenzwesen. — Literaturbericht. — Bautechnische Notizen. 
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Besitzern der Grundstücke am Nordabhange des Krenzberges Ver— 
)andlungen wegen Ankaufes derselben angeknüpft worden. Wie 
s heißt; würde sogar vielleicht schon im Herbst mit der Anlage 
»es Parkes begonuen werden. Auch die Durchlegung der York— 
traße nach der Potsdamer Vorstadt soll binnen Jahresfrist bevor⸗ 
tehen. Der Eisenbahnminister soll den ihm vordelegten Plan ge⸗ 
iehmiat haben. 
ür die beste Arbeit über die Reinigung des Eisendrahtes vom 
Hlühspan, 2) die silberne Denkmünze und 1500 M. für die be— 
riedigendste Lösung der Frage: „Welchen fördernden oder schä— 
igenden Einfluß haben übliche Beimischungen zu Kautschuk und 
u' Guttapercha auf die zur technischen Verwendung nothwendigen 
Figenschaften dieser Körper?“ 
Dresden. Der Steinmetzstrike ist auch hier noch nicht 
deendet, doch hat die Mehrzahl der Arbeiter die Arbeit wieder 
ufgenommen. Wie von dort gemeldet, erschienen diejenigen Ge— 
ellen, welche den Strike fortsetzen, heute während, der Vormittags— 
tünden auf den Werkplätzen, um ihr Handwerkszeug abzuholen, 
uden die Arbeitskästen auf mitgebrachte Handwagen und durch— 
ogen sodann in langem Zuge die Straßen der Stadt, verhielten 
ich aber dabei vollständig ruhig. 
Leipzig. Die Hoffnung, daß der Strike der Maurer 
ind Zimmeéerer, der jeßt bereits drei Wochen dauert, mit dem 
Schlusse der vorigen Woche zu Ende gehen würde, ist getäuscht 
vocden. Zwar haͤben 5060 kleinere Meister den Forderungen 
der Gesellen nachgegeben und ebenso hat ein kleinerer Theil der 
Irbeiler die Arbeu unter den von den Meistern gestellten Bedin— 
Jjungen wieder aufgenommen, aber das Gros sowohl der Arbeit— 
jeber als der Arbeitnehmer verräth keine Neigung dem anderen 
Theile irgend welche Konzession zu machen. Die Strikenden haben 
dies ihrerseits noch gestern durch die in einer großen Versamm—⸗ 
ung gefaßten Resolutionen sehr entschieden betont. In dieser Ver⸗ 
ammlung wurde übrigens auch gegen die Behauptung, daß die 
pzialdemokratische Partei hinter der Lohnbewegung stehe, protestirt 
ind einer der Redner brachte, um seine Loyalität zu beweisen, 
zals nachträgliche Geburtstagsgratulation“ ein Hoch auf den König 
ius, in welches die Versammlung lebhaft einstimmte. Im Laufe 
des heutigen Tages kam es auf verschiedenen Bauplätzen, wo neue 
Arbeiter die Arbeit aufgenommen haben, zu Störungen, indem 
zort Strikende eindrangen. Einige Störer wurden verhaftet und 
zie Plätze zum Schutze der Arbeiter mit Polizeiposten besetzt. 
Zuzüge böhmischer Arbeiter, die von verschiedenen Seiten in Aus— 
icht gestellt waren, sind noch nicht hier eingetroffen. 
Das Polizeiamt hat sich heute zu fsolgender „Warnung“ 
eranlaßt gesehen: „Nachdem in den letzten Tagen und insbesondere 
m Laufe“ des heutigen Tages die zur Zeit strikenden hiesigen 
Maurer und Zimmerleute wiederholt den Versuch gemacht haben, 
zurch Bedrohungen und sonstige unerlaubte Meittel die von aus— 
värts zugereisten, an den hiesigen Bauten beschäftigten Arbeiter 
in Fortsehung der Arbeit zu hindern bez. dieselben zur Wieder— 
ibreise zu zwingen, hierdurch aber Ruhestörungen, zum Theil nicht 
merheblicher Art, verursacht worden sind, sieht sich das Polizeiamt 
heranlaßt, öffentlich bekanut zu geben, daß von jetzt an gegen ein 
olches Gebahren der strikenden Arbeiter mit aller Energie einge— 
chritten werden wird. Die Polizeimannschaften haben den be— 
timmten Befehl, nicht zu dulden, daß auf den öffentlichen Straßen 
und den Bauplätzen die arbeitenden Maurer und Zimmerleute von 
henjenigen, welche die Arbeit eingestellt haben, fernerweit behelligt 
verden, Zuwiderhandelnde haben nach 8 153 der Gewerbeord—⸗ 
iung Gefaͤngnißstrafe bis zu drei Monaten zu gewärtigen, dafern 
uicht nach den allgemeinen Straigesetzen eine härtere Strafe ein— 
ritt“ 
Literaturbericht. 
Weber's Adreßbuch für das gesammte deutsche 
Baugewerbe und verwandte Geschäftszweige, II. Jahrg. 1884. 
Nach amtl. Quellen bearbeitet und herausgegeben im Selbstverlage 
es Verfassers Theophil Weber in Frankfurt a. M. Ein 
tarker Band von 1007 Seiten gebunden. 
Als im vergangenen Jahre der erste Jahrgang des obigen 
Unternehmens erschien, haben wir dasselbe freudig begrüßt und 
hen Wunsch ausgesprochen, es möge dem Herausgeber gelingen, 
obiel Theilnahme in den weiten Kreisen des Baugewerbes zu 
inden, daß sein Adreßbuch von Jahr zu Jahr mit steter Ver⸗ 
zesserung regelmäßig ausgegeben werden könne. 
Heute liegt nus der Jahrgang 1884 vor, und seine Durch⸗ 
icht sowie eine Vergleichung mit dem vorhergehenden lassen außer 
Zweifel, daß unsere Wünsche Erfüllung fanden. Die zahlreichen 
Hngel und Lücken, welche jedem Versuch naturgemäß anhaften, 
ind beseitigt, wir finden jetzt ein vollständiges, sehr über— 
ichtliches Nachschlagebuch über alle Zweige des Bau— 
Jsewerbes vor und seine Zuverläßigkeit ist, dadurch verbürgt, 
zaß der Herausgeber sich vorzugsweise an Behörden behufs Be— 
chaffung des erforderlichen Adressenmaterials gewandt hat. 
Unserem Leserkreise empfehlen wir aus bester Ueberzeugung 
die Anschaffung obigen Adreßbuches; nach dem, was geboten wird, 
önnen wir den Preis von 18 Maärk als durchaus gerechtfertigt 
ezeichnen. V — 
Bautechnische Notizen. 
Eisenbahnen für gewöhnliche Wägen. In England 
vird gegenwärtig ein Experiment von mehr als gewöhnlicher Bedeutung 
ingestellt. Eine Anzahl hervorragender Schiffs-Rheder und Kaufleute 
jat einen großen Garantiefond subskribirt und sucht nun die Erlaubniß 
es Parlamentes nach, um' eine Reihe von Straßen, welche von Liver— 
»ool nach den großen Centren der Industrie im südlichen Lacashire aus— 
nünden, mit einer Doppelreihe eiserner Platten belegen zu dürfen, welche 
ür gewöhnliche Güterwägen, welche von Traktionsmaschinen gezogen 
verden, zur Bahn dienen sollen. Man glaubt auf diese Weise Güter 
illiger befördern zu können als gegenwärtig auf Eisenbahnen. Die 
»auptersparniß wird hierbei in der Vermeidung des Umladens bestehen. 
Die Wägen, welche denen im allgemeinen Gebrauch ähnlich sind, mit 
lusnahme der Achse, werden von derselben Länge sein und direkt vom 
Dampfer oder der Fabrik aus beladen und dann von Pferden bis zur 
zächsten Station des Plattenweges gezogen, hier aber an eine lange 
Reihe ähnlicher Gefährte mit einer Lokomotive an der Spitze angekoppelt. 
Am Orte der Bestimmung angekommen, werden die Wägen wieder von 
Pferden zu den Fabriken oder Dampfern gezogen. Die Metallplatten 
ollen in zwei parallelen Reihen gelegt werden und sollen an ihrem 
iußeren Ende Flanschen gezogen haben, um die Wägen auf der Bahn 
u erhalten. Man denkt mit 175000 Doll. per Meile eine solche Bahn 
serstellen und equipiren zu können, sowie das die Unterhaltungs- und 
Hetriebskosten verhältnißmäßig gering sein werden. 
Zur Beseitigung des Schimmels in den Malz⸗ und 
Gährkellern der Bierbrauereien. Hierzu wird in neuester Zeit 
die Anwendung des doppelt⸗schwefligsauren Kalks dringend empfohlen. 
Manchem Bierbrauer dürften nachstehende Vorschristen zur Anwendung 
hesselben will kommen sein. 1) Man bestreiche die Wände der Malztennen 
nit einer Mischung von 1Theil doppelt-schwefligsaurem Kalk und 
10. Theilen Wasser. Dieselben sollen dann frei von Schleim und 
Zchimmel bleiben, eine vollständige Desinfektion der Räume soll erzielt 
verden und die Reinigung solcher Räume soll viel gleichmäßiger vor 
ich gehen. — 2) Mit einer gleichen Lösung von doppelt⸗schwefligsaurem 
talk (wie bei 1) bestreiche man die Wände der Gähr-, Schenk- und 
ragerbierkeller, und es soll diese Anwendung von so weitgehender Wich— 
nigkeit sein, daß kein Brauer diese Vorsichtsmaßregeln unterlassen wolle. 
— Endlich wird noch empfohlen, daß man Maaischbottiche, Kühlschiffe, 
Hährbottiche ꝛc, ebenfalls vortheilhaft mit verdünnter Lösung von unter— 
schwefligsaurem Kalk reinigen, und daß man die Flaschen damit reinigen 
uud sogar die Spähne wieder brauchbar machen könne. 
Die neue Dujeprbrücke, die soeben vollendet, soll im nächsten 
Monat dem Verkehr übergeben werden. Dieselbe ist die drittlängste 
Brücke Europas. Die neue Dnjeprbrücke bei Jekaterinoslaw, nach einem 
Projekte des Ingenieur Beleljubski vom Ingenieur Beresin erbaut, mißt 
392 Faden (die Viadukte nicht mitgerechnet) und steht 5,88 Faden über 
»em Niveau des Dnjepr; sie hat 15 Bogen uͤnd ist nach dem spogenannten 
dolländischen System erbaut, in 2 Etagen: unten für den Eisenbahn— 
ind darüber für den Wagen- und Fußverkehr. Der Bau wurde im 
Jahre 1881 in Anariff genommen. 
Köln. Der Um- und Neubau des Zentralbahnhofs hat 
ꝛegonnen. Circa 130 Häuser mit 1600 Insassen müssen dem 
Riesenbau das Feld räumen, und es wird namentlich dem Mittel⸗ 
tande schwer fallen, neue passende Wohnungen zu finden. Die 
Arbeiten am Zentralbahnhof sollen demnächst in zwei Schichten 
Tags und Nachts gefördert werden, und zwar soll elektrisches Licht 
vährend der Dunkelstunden die Tageshelle ersetzen. 
Paris. Es wird projektirt drei neue Badeanstalten 
in Paris zu erbauen, welche mit großen Schwimmbassins von 
110 m Länge auf 22 mm Breite und mit einer mittleren Tiefe 
»on 2 m auszurüsten wären. Vermittelst eines sehr ingeniösen 
Apparates kann das Wasser, welches den städtischen Leitungen ent— 
nommen würde, in diesen Bassins innerhalb sehr kurzer Zeit er— 
neuert und beständig auf einem beliebigen Temperaturgrade er— 
jalten werden, so daß diese Schwimmbassins zu jeder Jahreszseit, 
ilio auch im Winter, benuutzbar wären. 
Konkurrenzwesen. 
Preisausschreiben des Vereins zur Beförderung 
des Gewerbefleißes in Berlin. Der „Verein zur Beför 
derung des Gewerbefleißes in Berlin“ hat für die Jahre 1884 
ind 1885 iolgende Preise und Honorare ausgeschrieben: 1) 300 M. 
Redaktion: HB. Diesener in Berlin. — Verlag von Julius Engelmann in Berlin. — Druck von H. S. Herma an in Berun 
Unter Verantwortlichkeit des Verlegers.
	        

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