Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 44, Bd. 3, 1884)

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Hochfeuerfester Phönix⸗Cement und verbesserter feuerfester Dinas-Cement. — Nicht explodirende Cirkulations-Röhren-Dampi⸗Kessel. 758 
Hochfeuerfester Phönirx⸗Cement 
und verbesserter feuerfester Dinas-Cement. 
Seit ca. 9 Jahren wird von der chemischen Fabrik von 
Franz Coblenzer in Nippes-Köln unter dem Namen „Ver— 
besserter feuerfester Dinas-Cement“ ein Material in den Handel 
gebracht, das sich durchaus bewährt hat. Es ist jedoch der 
Firma nach vielfachen Bemühungen gelungen, ein noch besseres, 
auch den weitgehendsten Anforderungen genügendes Material von 
hoher Plastizität herzustellen, welches nach einer Reihe von damit 
angestellten Versuchen alle bisher bekannten feuerfesten Cemente. 
namentlich in Bezug auf seine Feuerbeständigkeit, weit übertrifft, 
und welches alle möglichen erreichbaren Eigenschäften, die an ein feuer— 
festes Material überhaupt gestellt werden können, in sich vereinigt. 
Diesem neuen Fabrikate hat die Firma den Namen „Hochfeuer— 
fester Phönix-⸗Cement“ gegeben. 
Wir geben zunächst ein Gutachten des Herrn Dr. Karl 
Bischof wieder, welches derselbe über dieses neue Material abge— 
eben hat. 
„Gutachten. Das Handlungshaus Franz Coblenzer in 
Köln, bei welchem das stetig fortgesetzte Streben anzuerkennen, 
etwaige Mängel der bisherigen feuerfesten Cemente und namentlich 
in hochfeuerfester Hinsicht zu verbessern, übersandte mir eine Durch' 
schnittsprobe des unter dem Namen „hochfeuerfester Phönix-Cement“ 
in den Handel zu bringenden Materials zur eingehenden pyro— 
metrischen Untersuchung. 
Das pulverförmige Material sieht bläulichgrau aus, fühlt 
sich mehlig an und ist stark abfärbend, enthält aber kantige Qnarz— 
körner, sowie glänzende Blättchen. 
Die mit Wasser angemachte Masse giebt einen bildsamen 
Teig, der sehr bald eigenthümlich sich steifend, alsdann ohne an— 
zuhaften und trotz einer gewissen Kürze, jedwede Formgebung so— 
wohl in recht scharfkantiger als zarter Weise zuläßt. 
Die Luftschwindung des Cements ist eine bemerkenswerth 
geringe und dabei von der Menge des zur Teichbildung ver— 
brauchten Wassers, innerhalb gewisser Grenzen, unabhängig. Sie 
—DV— 
von 20 Gewichtstheilen auf 100 Theile NMasse und völligem Aus— 
trocknen selbst bis zu 1700 C. — 3 pCct. — Proc. linear; erhöhr 
man denselben in mehr als ausreichender Menge bis auf 25 Theile, 
so hat die Sprredeunng mit en mon on α α ιαα. 
geblieben. 
Die getrocknete, dichte und ziemlich feste Masse, geglüht in 
Silber⸗Schmelzhitze, brennt sich ohne Risse und Sprünge fast weiß 
mit nur wenigen eingestreuten schwarzen Pünktchen. Der Bruch 
ist körnig, einsaugend und machen sich die Quarzstückchen bemerk— 
lich. Sie zeigt dabei ein geringes Schwinden von 2, pCt. linear 
Wird der Hitzgrad höher gesteigert, so kann derselbe bis 
Platin-Schmelzhitze getrieben werden, ohne daß eine Formänderung 
eintritt. 
Die Probe ist nur mit einem geringen Schmelz überzogen 
und zeigt der Bruch kaum einen solchen, sondern erscheint ölig. 
Der verbesserte Cement, welcher im Allgemeinen die Eigen— 
schaften der Plastizität und sehr günstiger Formbarkeit des soge— 
nannten plastischen Dinas-Krystalls theilt, thut sich durch seinen 
hohen Grad von Fenerfestigkeit eminent hervor. 
Seine Schwerschmelzbarkeit beträgt über 50 pCt., ja nähert 
sich theils 60 pCt. und nimmt damit das Fabrikat eine einzig 
hohe Stellung ein, die meines Wissens bis dahin kein feuerfester 
Tement auch nur irgend annähernd aufweist. 
Das Material ist in der That als ein außerordentlich hoch— 
jeuerfestes zu verzeichnen. 
Wiesbaden, 25. Juli 1883. gez. Dr. Carl Bischof.“ 
Beide Cemente sind von hoher Plastizität und dürfen, bei 
richtiger Anwendung, als ein Zeit und Geld ersparender, die Arbeit 
vereinfachender Ersatz für alle Arten won seuerfesten Steinen, 
Chamotie ꝛc. bestens empfohlen werden. Dabei ist die Art der 
Verwendung eine so einfache, daß wenige Worte genügen werden, 
um den Techniker mit der Behandlung vertraut zu machen. Die 
Masse wird in der Fabrik so fertig gestellt, daß nach dem Hinzu—⸗ 
fügen von Wasser und Durcharbeiten zu einer gleichartigen Masse, 
dieselbe sofort zur Verwendung kommen kann. 
Jeder Techniker kennt die Schwierigkeit der Herstellung einer 
Feuerungsanlage in einer gewissen Form mit fertigen Steinen. 
Die feuerfesten Cemente gestatten die komplizirteste Formgebund 
mit Leichtigkeit, weil dieselben plastisch sind. 
Da naturgemäß, wie jede plastische Masse, die feuerfesten 
Cemente die Zwischenräume, welche von Wasser erfüllt sind, beim 
Trocknen auszufüllen streben, so wird dasselbe sein Volumen ver— 
ringern. Weil aber das dadurch bedingte Schwindmaß vom Wasser 
abhängig ist, hat man es in der Gewalt, dasselbe durch möalichst 
zeringen Wasserzusatz auf ein Minimum zu reduziren; es empfiehlt 
ich daher, um Schwinden und Reißen zu vermeiden, diese Cemente 
nit so wenig Wasser anzumachen, daß nur eine feuchte, noch 
röckliche und zusammenhanglose Masse entsteht, die erst durch 
Kneten oder Schlagen mit einer Holzkeule oder am besten, wo dies 
möglich, z. B. bei Anfertigung von feuerfesten Gewölben, durch 
Treten Zusammenhang gewinnt. 
Wird diese Vorschrift des minimalen Wasserzusatzes gewissen— 
haft befolgt, so kann man sicher sein, daß das Werkstuck beim 
Trocknen keine Risse bekommt — und dies wird immer der Fall 
sein, wenn man auf 1 Centner seuerfesten Cement nicht mehr als 
7 Liter Wasser zum Anmachen verwendet. — Sind aber bei 
Nichtbeachtung dieser Vorschrift in Folge zu reichlichen Wasserzu⸗ 
atzes Risse entstanden, so ist man genöthigt, dieselben vor der 
zölligen Austrocknung des Werkstückes zuzudrücken, oder nach der⸗ 
elben mit einem Reibebrett unter vorherigem Bespritzen der Ober— 
läche zu verstreichen. 
Sollen irgend welche Formstücke angefertigt werden, z. B. 
Schmelztiegel, Formsteine, Gasretorten, Kassetten ꝛc., so ift der 
Masse dieselbe Konsistenz wie oben zu geben und dieselbe alsdann 
in die Hohlform möglichst fest einzuüstampfen. 
Ein besonderer Vorzug der feuerfesten Cemente ist der, daß 
dieselben völlig lufttrocken üm Feuer ihr Volumen fast gar nicht 
berändern. 
Gegen andere feuerfeste Materialien, z. B. feuerfeste Steine, 
gewähren diese feuerfesten Cemente eine bedeutende Ersparniß durch 
die Leichtigkeit und Schnelligkeit, mit welchen Reparaturen gefertigi 
werden können; man hat nur die beschädigte oder beispielsweise 
durch Schlacke abgefressene Stelle mit neuer Masse auszufüllen. 
Eine bedeutende Ersparniß läßt sich ferner dadurch erzielen, daß 
man schon einmal gebrauchte Masse oder sonst gute feuerfeste 
Steinstücke, welche natürlich schlackenfrei sein müssen, beim Ver— 
arbeiten unter die neue Masse mischt oder in dieselbe eindrückt. 
Bei der Ausführung von Arbeiten mit den feuerfesten 
Tementen sind folgende Regeln zu beachten: 
Der Gegenstand, welcher mit einem Putze von feuerfestem 
Tement überzogen werden soll, muß eine rauhe Oberfläche haben, 
sodaß sich das Material antragen läßt. Der Putz muß, wie jeder 
andere Cementputz, in verschiedenen Lagen aufgetragen werden, 
welche tüchtig eingeworfen und demnächst glatt geputzt werden. 
Das Mauexwerk muß also offene Fugen haben und bei event 
R. da tur des Putzes die Fläche rauh gemacht und an⸗euchtet 
werden. 
Je glatter die Oberfläche gerieben wird, um so eher brennt 
ich der Putz bei der Benutzung zu einem vollständigen innigen 
Befüge und ist ein Ansetzen von Schlacken auf das geringste Maß 
heschränkt. 
Um den Putz aus feuerfestem Cement luftrocken zu machen, 
—RD 
stande anzuzünden, wodurch in kürzester Zeit, in ca. 6 bis 10 
Stunden, der Zweck erreicht ist. Damit die feuerfesten Cemente 
gleichmäßig angefeuchtet und also eine gute Putzmasse ergeben, ist 
es vortheilhaft, das Material einige Stunden vorher mit Wasser 
zu einem steifen Brei anzumengen und dann erst anzutragen. Vie 
Dicke der Schicht, in welcher das Material aufgetragen werden 
muß, wechselt zwischen 70 bis 150 Millimeter, je nach dem Hitze— 
grad, welchem dasselbe ausgesetzt ist 2* 
Nicht exrplodirende Cirkulations-Röhren— 
DampfKessel. 
Sostem Steinmüller. 
(Hierzu 2 Fig.) 
Der von der Röhren-Dampfkessel-Fabrik von L. u. C. Stein— 
mühler in Gummersbach in Rheinpreußen angefertigte Kessel be— 
steht im Wesentlichen aus zwei Theilen, dem eigentlichen Dampf— 
erzeuger und dem mit diesem verbundenen. darüher liedenden 
Oberkessel. 
Der Dampferzeuger ist aus schmiedeeisernen Röhren zu— 
sammengesetzt; dieselben sind reihenweise in schmiedeeisernen Wasser—⸗ 
kammern vereinigt, nach hinten geneigt aufgestellt und so ange— 
ordnet, daß die Rohre der einzelnen Reihen gegen einander ver— 
setzt sind. 
Da der Oberkessel, an welchem sich der Wasserstand befindet, 
zur Hälfte Wasser enthält und mit dem darunter liegenden Röhren⸗ 
system vorne und hinten in Verbindung steht, so ist letzteres stets 
hollständig mit Wasser gefüllt. Der Rost befindet sich unter dem 
Röhrensystem; die Dampfbildung beginnt in dem vorderen Theile 
der Rohre sofort nach dem Anheizen. und vermöge der Differenz
	        

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