löst werden möchten. Herr Redner spricht sich mit großer
Entschiedenheit gegen den Antrag ans, würde aber auch noch
die Bedingung mehrjähriger praktischer Thätigkeit fallen lassen,
jedenfalls aber eine selbständige Stellung, in Ermanglung
einer solchen eine bestandene Fachprüfung des Aufnahme
Suchenden verlangen.
Herr Bauinspektor Kn oll stellt den Vermittlungsvorschlag:
eine zweijährige Praxis, wie sie vom Ausschuß aufgestellt
worden, fallen zu lassen, dagegen eine Fachprüfung (Diplomprüfung)
zu bedingen.
Herr Professor Laißle wünscht Polytechniker keineswegs
in den Verein aufgenommen zu sehen, erklärt sich im Uebrigen
mit Herrn Knoll einverstanden, nämlich eine Diplom- oder
Fach-Prüfung zu verlangen.
Herr Inspektor Reinhardt trägt vor, wie er in neuester
Zeit aus der hannoverischen Bauzeitung mit Befriedigung ersehen
habe, welche große Liberalität in Betreff der Aufnahme
in den Architekten- und Ingenieur-Verein dort herrsche. Er
glaubt, daß die Forderung des I. Staats- oder eines Diplomexamens
vollständig genügen dürste.
Herr Prof. Walter kommt nochmals auf den Berliner
Architekten-Verein zurück, räumt der dortigen Bibliothek den
gerühmten großen Werth ein, beharrt aber auch darauf, daß
die jüngern Mitglieder das Sammeln an Erfahrungen sehr
hoch angeschlagen haben, so hoch als die Bibliothek. Die
Concurrenzen seien zu seiner Zeit sehr zahlreich gemacht worden,
oft 10—12 in einem Monat.
Der Vorsitzende bemerkt, wie das Hereinziehen von Polytechnikern
den Charakter unseres Vereines total ändern würde,
auch dazu keine Veranlassung vorliege, indem dieselben selbst
Vereine, wie einen Polytechniker-, einen Architekten-, einen Ingenieur-Verein,
die Hütte rc. hätten, in denen sie neben der
Jugend gebührenden Fröhlichkeit fachlich sich in lobenswerther
Weise beschäftigen, und der Ausschuß immerhin glaube, durch
seinen Vorschlag den Eintritt in den Verein wesentlich zu erleichtern.
Der Walter'sche Antrag kommt nunmehr zur Abstimmung
und wird fast einstimmig verneint.
Der Antrag von Knoll und Laißle: Fachprüfung, aber
Verzicht auf Praxis, wird angenommen mit folgender neuer
Fassung:
Dem Ausschuß des Vereins, sofern er Aufnahms-Gesuche
jüngerer Fachgenossen vorzuberathen und zu begutachten haben
sollte, diene als Direktive: „Auf Grund einer höheren wissenschaftlichen
und technischen Bildung soll der um Aufnahme Nachsuchende
entweder eine selbständige Stellung als Architekt,
Ingenieur oder Maschinen-Bauer besitzen, oder wenigstens
eine Fachprüfung erstanden haben, wobei der Nachweis durch
eine kurze Darstellung über dessen Studien und etwaige praktische
Laufbahn zu geben ist."
3) Herr Oberbaurath v. Egle Übermacht Namens des
Vereins für ein Freiligrath-Denkmal die Einladung, der Verein
für Bankunde möge sich für diese Angelegenheit interessiren,
ein Gutachten abgeben, was in diesem Betreff mit einem Fond
von 3600 Mark zu erzielen sein möchte, ob etwa eine Marmoroder
Broncen-Büste, oder nur ein Medaillon? Am liebsten
aber würde es gesehen werden, wenn die Mitglieder des
Vereins für Baukunde mit Entwurfskizzen entgegenkommen
wollten.
Der Verein sichert seine Betheiligung bereitwillig zu, und
es erbieten sich sofort zur Lieferung von Skizzen die Herren
v. Morlok, Walter, Wolf (Baurath), Braunwald,
Schittenhelm, v. Seeger, Maier.
4) Von München läuft die Mittheilung ein, daß die Festgabe
der Verbandsversammlung um 7 Mark auch von denen
nachträglich zu bekommen sei, welche München damals nicht
besucht haben, und der Herr Vorsitzende bestimmt, daß zu
diesem Zweck eine Subskriptionsliste in Umlauf bei den
Vereinsmitgliedern gesetzt werden solle.
5) Der Herr Vorsitzende erinnert daran, daß der Verein
das hochgeschätzte Mitglied Baurath Spin dl er durch den
Tod verloren habe. Alle Anwesenden erheben sich von ihren
Sitzen, das Andenken an den allzufrüh Dahingeschiedenen
zu ehren.
6) Herr Baurath Demillas meldet seinen Austritt aus
dem Verein an, da er vorgerückten Alters halber die Versammlungen
nicht mehr nach Wunsch besuchen könne.
7) Zur Ausnahme werden vorgeschlagen:
a) von Herrn Bauinspektor Knoll;
Herr Baumeister Stapf, Jng.-Assistent im K.
Ministerium des Innern, hat beide Dienstprüfungen
erstanden;
t>) vom Herrn Vorsitzenden:
Herr Baumeister S ch mid, Jng.-Assistent im Dienst
der württ. Eisenbahn-Direktion seit 1871, hat
" ebenfalls beide Staatsprüfungen erstanden.
Beide Herren werden sofort in den Verein aufgenommen
als ortsanwesende Mitglieder. (Mit Umgang von der Kugelung).
8) Herr Oberbaurath v. Morlok hält nunmehr untersichtlich
großem Interesse der Anwesenden den angekündigten
Vortrag über die neue Zahnradbahn, die er in Wasseralfingen
vom Werk bis zur Erzgrube nach dem System Tiggenbach ausgeführt.
Höchst interessante Notizen in Bezug auf das Programm,
auf die Leistungsfähigkeit der Bahn und auf den
Kostenaufwand werden verlesen und kommt der Herr Vortragende
am Schluffe darauf zu sprechen, wie die Baukosten
der Eisenbahnen im Allgemeinen bei uns sich immer mehr ins
Bedenkliche steigern, und man dadurch zu den ernstesten Erwägungen
angeregt fühlen müßte, wie die Baukosten zu ermäßigen
sein dürften und hat derselbe seinen Vortrag in
Beilage 1 niedergelegt.
Der Vorsitzende bemerkt ergänzend gegenüber den Baukosten
unserer württemb. Eisenbahnen, daß die Donaubahn nach
Ausschluß der badischen Bahnhosantheile zu Mengen und Sigmaringen,
welche bei der Summe von 240,000 M. inbegriffen
seien, pr. Kil. nur 220,000 M., die Allgäubahn ohne den Bahnhofumbau
Auleudorf nur 189,000 M. gekostet habe und kündigt
bei diesem Anlaß an, daß er im Laufe des Winters eventuell
ein Projekt für eine Strecke einer Alp-Bahn vorlegen werde,
im Systeme der Gebirgsbahnen, was gleichfalls mit großem Interesse
entgegengenommen wird und schließt den Vortrag mit
Dank au den Herrn v. Morlok.
Der Rest des Abends und bis gegen Mitternacht wird
gesellig-technischer Unterhaltung gewidmet und entwickelt sich
dabei eine sehr erwünschte lebhafte Conversation.
Fünfzehnte ordentliche Versammlung vom 2. Dzbr. 1876.
Vorsitzender: Oberbaurath v. Schlicrholz.
Schriftführer: Professor Teichmann.
Anwesend 26 Mitglieder.
Herr Ingenieur Elsaß er wird von Herrn Bauinspektor Reinhardt
als East eingeführt.
Herr Baumeister Lang, bisher auswärtiges Mitglied,
ist als Assistent am Polytechnikum hieher übergesiedelt und
als erstmals anwesend vom Herrn Vorsitzenden begrüßt,
deßgleichen das auf Besuch anwesende auswärtige Mit-.glied,
Herr Professor Wagner aus Darmstadt.
Im Fragekasten findet sich ein Antrag auf Veröffentlichung
wichtiger Verhandlungen und von allgemeinem Jntereffe in
den Tagesblättern, namentlich mit Rücksicht auf die auswärtigen
Mitglieder, zu welchem
der Herr Vorsitzende bemerkt, daß dies jetzt schon in einzelnen
Fällen geschehen sei und noch geschehe.
Der Antrag findet übrigens allgemeinen Beifall und
wird einstimmig angenommen.
Vortrag von Herrn Bohringenieur Stoz über Erdbohrungen
und die neueren Bohrmethoden:
„Die Versuche, nützliche Mineralien und Wasser unter
der Erde aufzusuchen, datiren aus den ältesten Zeiten; bekannt