Volltext: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1876)

löst  werden  möchten.  Herr  Redner  spricht  sich  mit  großer
Entschiedenheit  gegen  den  Antrag  ans,  würde  aber  auch  noch
die  Bedingung  mehrjähriger  praktischer  Thätigkeit  fallen  lassen,
jedenfalls  aber  eine  selbständige  Stellung,  in  Ermanglung
einer  solchen  eine  bestandene  Fachprüfung  des  Aufnahme
Suchenden  verlangen.
Herr  Bauinspektor  Kn  oll  stellt  den  Vermittlungsvorschlag:
eine  zweijährige  Praxis,  wie  sie  vom  Ausschuß  aufgestellt
worden,  fallen  zu  lassen,  dagegen  eine  Fachprüfung  (Diplomprüfung) ­
  zu  bedingen.
Herr  Professor  Laißle  wünscht  Polytechniker  keineswegs
in  den  Verein  aufgenommen  zu  sehen,  erklärt  sich  im  Uebrigen
mit  Herrn  Knoll  einverstanden,  nämlich  eine  Diplom-  oder
Fach-Prüfung  zu  verlangen.
Herr  Inspektor  Reinhardt  trägt  vor,  wie  er  in  neuester
Zeit  aus  der  hannoverischen  Bauzeitung  mit  Befriedigung  ersehen ­
  habe,  welche  große  Liberalität  in  Betreff  der  Aufnahme
in  den  Architekten-  und  Ingenieur-Verein  dort  herrsche.  Er
glaubt,  daß  die  Forderung  des  I.  Staats-  oder  eines  Diplomexamens ­
  vollständig  genügen  dürste.
Herr  Prof.  Walter  kommt  nochmals  auf  den  Berliner
Architekten-Verein  zurück,  räumt  der  dortigen  Bibliothek  den
gerühmten  großen  Werth  ein,  beharrt  aber  auch  darauf,  daß
die  jüngern  Mitglieder  das  Sammeln  an  Erfahrungen  sehr
hoch  angeschlagen  haben,  so  hoch  als  die  Bibliothek.  Die
Concurrenzen  seien  zu  seiner  Zeit  sehr  zahlreich  gemacht  worden, ­
  oft  10—12  in  einem  Monat.
Der  Vorsitzende  bemerkt,  wie  das  Hereinziehen  von  Polytechnikern
  den  Charakter  unseres  Vereines  total  ändern  würde,
auch  dazu  keine  Veranlassung  vorliege,  indem  dieselben  selbst
Vereine,  wie  einen  Polytechniker-,  einen  Architekten-,  einen  Ingenieur-Verein, ­
  die  Hütte  rc.  hätten,  in  denen  sie  neben  der
Jugend  gebührenden  Fröhlichkeit  fachlich  sich  in  lobenswerther
Weise  beschäftigen,  und  der  Ausschuß  immerhin  glaube,  durch
seinen  Vorschlag  den  Eintritt  in  den  Verein  wesentlich  zu  erleichtern. ­

Der  Walter'sche  Antrag  kommt  nunmehr  zur  Abstimmung ­
  und  wird  fast  einstimmig  verneint.
Der  Antrag  von  Knoll  und  Laißle:  Fachprüfung,  aber
Verzicht  auf  Praxis,  wird  angenommen  mit  folgender  neuer
Fassung:
Dem  Ausschuß  des  Vereins,  sofern  er  Aufnahms-Gesuche
jüngerer  Fachgenossen  vorzuberathen  und  zu  begutachten  haben
sollte,  diene  als  Direktive:  „Auf  Grund  einer  höheren  wissenschaftlichen ­
  und  technischen  Bildung  soll  der  um  Aufnahme  Nachsuchende ­
  entweder  eine  selbständige  Stellung  als  Architekt,
Ingenieur  oder  Maschinen-Bauer  besitzen,  oder  wenigstens
eine  Fachprüfung  erstanden  haben,  wobei  der  Nachweis  durch
eine  kurze  Darstellung  über  dessen  Studien  und  etwaige  praktische ­
  Laufbahn  zu  geben  ist."
3)  Herr  Oberbaurath  v.  Egle  Übermacht  Namens  des
Vereins  für  ein  Freiligrath-Denkmal  die  Einladung,  der  Verein
für  Bankunde  möge  sich  für  diese  Angelegenheit  interessiren,
ein  Gutachten  abgeben,  was  in  diesem  Betreff  mit  einem  Fond
von  3600  Mark  zu  erzielen  sein  möchte,  ob  etwa  eine  Marmoroder ­
  Broncen-Büste,  oder  nur  ein  Medaillon?  Am  liebsten
aber  würde  es  gesehen  werden,  wenn  die  Mitglieder  des
Vereins  für  Baukunde  mit  Entwurfskizzen  entgegenkommen
wollten.
Der  Verein  sichert  seine  Betheiligung  bereitwillig  zu,  und
es  erbieten  sich  sofort  zur  Lieferung  von  Skizzen  die  Herren
v.  Morlok,  Walter,  Wolf  (Baurath),  Braunwald,
Schittenhelm,  v.  Seeger,  Maier.
4)  Von  München  läuft  die  Mittheilung  ein,  daß  die  Festgabe ­
  der  Verbandsversammlung  um  7  Mark  auch  von  denen
nachträglich  zu  bekommen  sei,  welche  München  damals  nicht
besucht  haben,  und  der  Herr  Vorsitzende  bestimmt,  daß  zu
diesem  Zweck  eine  Subskriptionsliste  in  Umlauf  bei  den
Vereinsmitgliedern  gesetzt  werden  solle.
5)  Der  Herr  Vorsitzende  erinnert  daran,  daß  der  Verein
das  hochgeschätzte  Mitglied  Baurath  Spin  dl  er  durch  den

Tod  verloren  habe.  Alle  Anwesenden  erheben  sich  von  ihren
Sitzen,  das  Andenken  an  den  allzufrüh  Dahingeschiedenen
zu  ehren.
6)  Herr  Baurath  Demillas  meldet  seinen  Austritt  aus
dem  Verein  an,  da  er  vorgerückten  Alters  halber  die  Versammlungen ­
  nicht  mehr  nach  Wunsch  besuchen  könne.
7)  Zur  Ausnahme  werden  vorgeschlagen:
a)  von  Herrn  Bauinspektor  Knoll;
Herr  Baumeister  Stapf,  Jng.-Assistent  im  K.
Ministerium  des  Innern,  hat  beide  Dienstprüfungen
  erstanden;
t>)  vom  Herrn  Vorsitzenden:
Herr  Baumeister  S  ch  mid,  Jng.-Assistent  im  Dienst
der  württ.  Eisenbahn-Direktion  seit  1871,  hat
"  ebenfalls  beide  Staatsprüfungen  erstanden.
Beide  Herren  werden  sofort  in  den  Verein  aufgenommen
als  ortsanwesende  Mitglieder.  (Mit  Umgang  von  der  Kugelung). ­

8)  Herr  Oberbaurath  v.  Morlok  hält  nunmehr  untersichtlich
  großem  Interesse  der  Anwesenden  den  angekündigten
Vortrag  über  die  neue  Zahnradbahn,  die  er  in  Wasseralfingen
vom  Werk  bis  zur  Erzgrube  nach  dem  System  Tiggenbach  ausgeführt. ­
  Höchst  interessante  Notizen  in  Bezug  auf  das  Programm, ­
  auf  die  Leistungsfähigkeit  der  Bahn  und  auf  den
Kostenaufwand  werden  verlesen  und  kommt  der  Herr  Vortragende ­
  am  Schluffe  darauf  zu  sprechen,  wie  die  Baukosten
der  Eisenbahnen  im  Allgemeinen  bei  uns  sich  immer  mehr  ins
Bedenkliche  steigern,  und  man  dadurch  zu  den  ernstesten  Erwägungen ­
  angeregt  fühlen  müßte,  wie  die  Baukosten  zu  ermäßigen ­
  sein  dürften  und  hat  derselbe  seinen  Vortrag  in
Beilage  1  niedergelegt.
Der  Vorsitzende  bemerkt  ergänzend  gegenüber  den  Baukosten ­
  unserer  württemb.  Eisenbahnen,  daß  die  Donaubahn  nach
Ausschluß  der  badischen  Bahnhosantheile  zu  Mengen  und  Sigmaringen, ­
  welche  bei  der  Summe  von  240,000  M.  inbegriffen
seien,  pr.  Kil.  nur  220,000  M.,  die  Allgäubahn  ohne  den  Bahnhofumbau ­
  Auleudorf  nur  189,000  M.  gekostet  habe  und  kündigt
bei  diesem  Anlaß  an,  daß  er  im  Laufe  des  Winters  eventuell
ein  Projekt  für  eine  Strecke  einer  Alp-Bahn  vorlegen  werde,
im  Systeme  der  Gebirgsbahnen,  was  gleichfalls  mit  großem  Interesse ­
  entgegengenommen  wird  und  schließt  den  Vortrag  mit
Dank  au  den  Herrn  v.  Morlok.
Der  Rest  des  Abends  und  bis  gegen  Mitternacht  wird
gesellig-technischer  Unterhaltung  gewidmet  und  entwickelt  sich
dabei  eine  sehr  erwünschte  lebhafte  Conversation.
Fünfzehnte  ordentliche  Versammlung  vom  2.  Dzbr.  1876.
Vorsitzender:  Oberbaurath  v.  Schlicrholz.
Schriftführer:  Professor  Teichmann.
Anwesend  26  Mitglieder.
Herr  Ingenieur  Elsaß  er  wird  von  Herrn  Bauinspektor  Reinhardt ­
  als  East  eingeführt.
Herr  Baumeister  Lang,  bisher  auswärtiges  Mitglied,
ist  als  Assistent  am  Polytechnikum  hieher  übergesiedelt  und
als  erstmals  anwesend  vom  Herrn  Vorsitzenden  begrüßt,
deßgleichen  das  auf  Besuch  anwesende  auswärtige  Mit-.glied,
  Herr  Professor  Wagner  aus  Darmstadt.
Im  Fragekasten  findet  sich  ein  Antrag  auf  Veröffentlichung
wichtiger  Verhandlungen  und  von  allgemeinem  Jntereffe  in
den  Tagesblättern,  namentlich  mit  Rücksicht  auf  die  auswärtigen ­
  Mitglieder,  zu  welchem
der  Herr  Vorsitzende  bemerkt,  daß  dies  jetzt  schon  in  einzelnen ­
  Fällen  geschehen  sei  und  noch  geschehe.
Der  Antrag  findet  übrigens  allgemeinen  Beifall  und
wird  einstimmig  angenommen.
Vortrag  von  Herrn  Bohringenieur  Stoz  über  Erdbohrungen ­
  und  die  neueren  Bohrmethoden:
„Die  Versuche,  nützliche  Mineralien  und  Wasser  unter
der  Erde  aufzusuchen,  datiren  aus  den  ältesten  Zeiten;  bekannt
	        
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