Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 44, Bd. 3, 1884)

Kezeptenkasten. — Bautechnische Notizen. — Brief⸗ und Fragekasten 
thunlich ist, soll wenigstens an der Hoffacade eine eiserne Leiter 
angebracht werden, deren unterste Sprosse 4 m hoch liegt, um 
den Einbrechern das Geschäft nicht zu erleichtern. Endlich sind 
die Lnitschächte mit einem Geländer zu versehen. 
Paris. (Weibliche Architekten.) Freunde der Frauen— 
Emanzipation werden mit Genugthuung davon Kenntniß nehmen, 
daß die französische Hauptstadt einen geprüften weiblichen Archi— 
jekten befitzt. Es ist dies eine junge Amerikanerin, Mistreß Laura 
Woite, eine talentvolle Elevin der Ecole des Beaux Arts. Außer— 
dem giebt es bereits mehrere weitere Angehörige des schönen Ge— 
schlechts, welche in der Bauindustrie als Atelier-Direktricen oder 
anderen höheren Posten thätig sind. Prächtige Tischlerarbeiten 
in der Mairie von Passy sind beispielsweise nach den Zeichnungen 
ind uͤnter Leitung einer Mademoiselle Langlois ausgeführt worden. 
Paris. (OHolzpflaster.) Schon früher war in allen 
größeren Städten“ der Versuch gemacht, die Straßen mit Holz⸗ 
pflaster zu versehen, allein man sah sich genöthigt, diese Art der 
pflasterung wieder aufzugeben, da dieselbe in keiner Weise den 
gestellten Änsprüchen an ein solides und dauerhaftes Pflaster ent— 
sprach. Vor nunmehr zwei Jahren übernahm es eine englische 
Gesellschaft, auf eigene Kosten einen Theil der Champs Elysées 
gach einem neuen Suystem mit Holz zu pflastern, das letztere hat 
sich so vorzüglich bewährt, daß die Stadtverwaltung von Paris 
beschlossen hat, hinfort die Holzpflasterung in großem Maßstabe 
duszuführen. Es wurden bereits mit Holz gepflastert: Die Rue 
de Rivoli, die Boulevards, Faubourg St. Germain und der Rest 
der Champs Elysées 
Entscheidungen. 
Reichsgerichts-Entscheidung. Die Forderungen aus 
den zu einem Hausbau geleisteten Arbeiten unterliegen nach einem 
Urtheil des Reschsgerichts, IV. Civilsenats, vom 7. Dezember 1883 
nicht der kurzen (zweijährigen) Verjährungsfrist, wenn der Bau— 
herr ein Maurermeister resp. Bauunternehmer ist, welcher für 
igene Rechnung baut, um die bebauten Grundstücke baldmöglichst 
wieder zu verkaufen und aus dem Bauen zunächst für eigene 
Rechnung einen Gewerbebetrieb macht. 
Rezeptenkasten. 
Gelochte Circularsägen. Man wird in Holzbearbei— 
rungs-Werkstätten und Sägemühlen nicht selten die Wahrnehmung 
machen, daß Circularsägen, welche aus bestem englischen Stahl 
erzeüugt und wohl geschärft sind, schlecht funktioniren, beziehungs— 
weise sich häufig erwärmen und werfen. Die Ursache dieies 
Uebelstandes liegt in den meisten Fällen darin, daß die Oeffnun— 
gen in den Zaähnlücken nicht groß genug sind, um das beim 
Schnitt erzeugte Sägemehl aufzunehmen und abzuführen, wo dann 
sich erhöhte Reibung und vorerwähntes Werfen des Sägeblattes 
als direkie Folge einstellt. — Bei Anwendung des gelochten Kreis⸗ 
saͤgeblattes der bewährten englischen Firma Taylor-Brothers, deren 
Vertreter für Deutschland die Mühlenbau-Firma Julius Fischl 
ist, wird sich eine Erwärmung oder gar ein Werfen desselben in 
deu seltensten Fällen ereignen. Durch die am Umfange der 
Scheibe, korrespondirend den Zähnen ausgesparrten zahlreichen 
Köcher circulirt nämlich während des Schnittes die Luft und be— 
wirkt hierdurch eine ständige Abkühlung; ebenso kann durch die— 
selben ein Theil des entstehenden Sägeniehles austreten, wodurch 
selbstverständlich die Reibhung herabgemindert wird. Ein weiterer 
Vortiheil dieser Sägen ist der, daß durch die Löcher das Ab— 
hrechen der Zähne thunlichst verhindert wird; auch bieten dieselben 
eine Richtschnur für den Feiler, da er durch deren fixe Position 
Staude ist, die Zähne in gehöriger Richtung und Größe zu 
dalten. 
Ein neues Verfahren, Holz behufs des Prä⸗ 
servirens zu imprägniren, besteht darin, daß man das 
Holz erst mit einer Lösung von Zink-Vitriol und dann mit einer 
Lösung von Chlorkalzium behandelt, wodurch ein schützender Ueber— 
zug auf dem Holze hervorgebracht wird. 
Einen Cement, welcher der Wirkung des Wassers voll— 
tändig widersteht, erhält man aus 2 Theilen feinen Cement, 
Theil pulverisirte Steinkohle und 18, Theilen gelöschten Kalk, 
welche maͤn zusammen mischi und dann das Gemenge mit Wasser 
mnrührt. Die dunkle Farbe dieses Cementes ist der einzige Uebel— 
stand, welcher dessen Anwendbarkeit beschränkt. 
Ein guter Kleister für Etiketten auf Flaschen ꝛe. 
kann zubereitet werden, wenn man Leim in starkem Essig erweicht, 
dann kochen läßt und Mehl dazu giebt. Dieser Kleister hängt sehr 
wit an und wird nicht schimmlig, wenn man ihn in öffenen 
Flaschen mit weiten Mündungen auibewahrt. 
Bautechnische Notizen. 
Eine lange Wasserleitungsröhre durch einen Meeres⸗ 
arm zu legen. Die längste Wasser leitende Röhre, welche je in das 
Zeit eines Flusses gelegt wurde, ist im November des verflossenen Jahres 
n den East Rider versenkt worden. Sie hatte eine Länge von 2200 Fuß 
ind reichte von der 138. Straße diagonal durch den Kanal nach North 
Brother Island. Der gehörige Einschluß dieser Röhre und dieselbe an 
Ort und Stelle zu bringen war eine schwierige Aufgabe, zu deren Lö— 
ung drei Monate nöthig waren. Der Einschluß besteht aus 2!/2 Zoll 
icken Planken. Die Roͤhren haben an ihren Enden Schraubengänge, 
welche 197, Zoll dicke eiserne Hülsen angeschraubt sind, deren eine 
ede mit 80 Pfund Blei solid dicht gemacht ist, Der Holzkasten ist mit 
Fement ausgefüllt und mit 31000 Pfund Eisenbolzen zusammenge— 
chweißt. Er dehnte sich rückwärts bis zum Southern Boulevard aus 
id machte eine tiefe Ausgrabung zwischen den Geleisen der Port 
-Fhester Eisenbahn nöthig. Er hät ein Gewicht von 850 Tonnen. 
Diesen mächtigen Kasten in das Wasser zu bringen, war keine leichte 
lufgabe. Zwei Dampfschlepper und eine Bagger-Maschine vermochten 
hn nicht auf den untergelegten Walzen von der Stelle zu bringen. Erst 
nachdem man zwei weitere Dampfschlepper zu Hülfe herbeigezogen hatte, 
jlitt der lange Kasten nieder in den Fluß. Die starke Strömung mitten 
m Flusse bog ihn wie ein Seil. Die Leitung soll das Hospital für 
ontagiöse Krankheiten auf North Brother Island täglich mit 1000000 
Hallonen Wasser bei gewöhnlichem Drucke versehen und kam., im Kon— 
rakte, auf 32000 Dollars zu stehen. 
Luftdichter Fenster-Verschluß läßt sich dem „Diamant“ 
ufolge in dieser Weise herstellen: Man bereite sich aus Gyps, Berg— 
reide und Oelfirniß einen dicken Kitt, und streiche ihn mittelst eines 
sachen Holzes oder sonstigen Werkzeuges in den sogenannten Falz des 
netreffenden Thür- oder Fensterstockes, welcher früher betreffs besserer 
Zaftung ein wenig mit Firniß bestrichen und halb eingetrocknet sein soll; 
as Fenster oder die Thür selbst, d. h. jener Theil (eigentlich auch ein 
Falz) welcher an den Rahmen oder Stock anschließt, bestreiche man gut 
nit Seife oder Federweiß oder sonst einem Material, welches das Haften⸗ 
leiben verhindert, und mache die betreffende Thür oder das Fenster gut 
u. Der Kitt drückt sich gut an und füllt den Raum, durch welchen 
onst der Zug entsteht, vollständig aus. Erst nach vollständiger Er— 
— 
in der'einen Seite, wo er angestrichen, gut haften und die andere Seite, 
vo sich die Seife befand, wird vollständig rein sein. Die so behandelten 
Thüren und Fenster sollen so gut schließen, wie dies auf keine andere 
Weise zu erreichen ist. Selbstverständlich muß auch in, der Mitte, bei 
Fenstern oder Doppelthüren, wo sie zusammenstoßen, ein beliebiger Flügel 
inks oder rechts bestrichen werden, am besten jener, welcher weniger glatt 
st. Bei halbwegs aufmerksamer Behandlung soll man für Jahre hinaus 
Jesorgt und vor der lästigen Zugluft Ruhe haben. Dafür muß man 
ber Beduld haben und nicht vorzeitig öffnen, sondern iedes Fenster ein— 
eln behandeln. 
Kalkanstrich. Es ist die Beobachtung gemacht worden, daß, 
venn man dem Kalkbrei, mit welchem Wände geweißt werden sollen, 
Kochsalz zusetzt, sich ein cementartiger Anstrich bildet, welcher dem Ab— 
vaschen widersteht, und welcher sich auch den Witterungseinflüssen gegen— 
iber als im hohen Maße dauerhaft erweist. Diese Beobachtung dürfte 
ür die Praxis von Wichtigkeit sein. 
Cementindustrie in Deutschland. Die norddeutschen 
Fementfabriken haben im abgelaufenen Jahre so gute Geschäfte gemacht, 
zaß eine Anzahl derselben, um der vermehrten Nachfrage zu genügen, 
hre Etablissements vergrößern will. Dies ist namentlich der Fall bei 
»er Aktiengefellschaft der Oppelner Cementfabrik, der Aktiengesellschaft 
der schlesischen Cementfabrik zu Groschowitz und der Schottländer'schen 
Lementfabrik. 
Die Squares in Maris und die öffentlichen Gärten und 
Promenaden werfen der Stadtverwaltung eine jährliche Gesammteinnahme 
son über 1300000 Franken für Vermiethung der darin aufgestellten 
Bavillons, Restaurants, Chalets, Concert- und Theaterlokale ab. Sie 
rhöhen also nicht nur den Gesundheitszustand der Stadt und bieten 
»en Bewohnern bedeutende Annehmlichkeiten, sondern sie bilden auch noch 
eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle für dieselbe. 
Pyrenäentunnel. Die zum Studium einer Durchtunnelung 
der Pyrenäen bestellte Kommission, welche zu gleichen Theilen aus fran— 
ösischen und spanischen Abgeordneten besteht, hat sich am 15. v. Mts. 
bersammelt, und einen endguͤltigen Bericht über diese die Handelsinteressen 
Frankreichs und Spaniens nahe berührende Frage abzugeben. 
Brief⸗ und Fragekasten. 
Herrn Maurermeister K. in J. Betreffs Ihrer Anfrage nach guten 
Aufzügen verweisen wir Sie auf den von der Berlin⸗-Anhaltischen Maschinen⸗ 
zau⸗Aktien-Gesellschaft zu Berlin NW. Moabit soeben herausgegebenen Ka— 
alog, dessen Reichhaltigkeit Ihnen jedenfalls erschöpfende Informationen ge⸗ 
vähren wird. Wir bemerken ganz besonders, daß sich die Fabrik mit Her— 
stellung von hydraulischen Aufzügen als Spezialität befaßt und auf diesem 
Bebiete Vorzügliches leistet. Der Katalog verdient auch die Beachtung der— 
enigen unserer Leser, welche gerade jetzt keinen Bedarf nach dieser Richtung 
jaben sollten. 
Die geehrten Leser unseres Blattes bitten wir, den Brief⸗ und Frage—⸗ 
'asten in auüsgedehnter Weise benutzen zu wollen, jedoch können nur solche 
Fragen von Äbonnenten Beantwortung finden, welche an uns mit Au—⸗ 
Jabe der vollen Adresse gestellt werden. Die Antwort erfolgt stets unter 
Thiffre, im Falle dieselbe aber zu umfangreich ausfallen sollte, auch brieflich. 
Die Redaktion. 
Redaktion: H. Diesener in Verlin. — Verlag von Jutius Engelmann in Berlin. — Druck von H. S. Sermann in Berlin 
(Unter Verantwortlichitit des Verlegers
	        

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