Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 44, Bd. 3, 1884)

Berichte aus verschiedenen Städten. — Mittheilungen aus der Praxis 
»lendsteinen und Sandsteineinfassung, errichtet. Der nah, dem 
Auger zu gelegene Flügel und der in der Mitte sich erhebende 
sothische Thurm sind nahezu vollendet. Der letztere hat bereits 
m Volksmunde die Bezeichnung „Stephansthurm“ erhalten Der 
iach der Schlosserstraße gelegene Fliigel wird erst in Angriff ge— 
sonimen werden, nachdem der jetzige Theil des Baues so weit 
ertig gestellt ist, daß derselbe bezogen werden kann und dadurch 
der Abbruch der jetzt nuch in Benutzung befindlichen alten Ge— 
ände in der Schlosserstraße möglich wird. Auch die Privat- 
Bauthätigkeit ist in Erfurt gegenwärtig sehr rege. Dieselbe ist 
ber auch im hohen Grade nothwendig, denn es herrscht hier eine 
Wohnungsnoth, wie sie im Verhältniß in Berlin zur Gründer— 
seit kaum ärger gewesen ist. In nicht geringem Maße, hat dazu 
er im vergangenen Jahre erfolgte Massenzuzug der Berlin-An— 
altischen Eifenbahnbeamten beigetragen, da schon vorher Wohnungs— 
nangel in Erfurt vorhanden war. Daß die Miiethspreise dem— 
entsprechend in die Höhe gegangen sind, bedarf wohl kaum der 
Bestätigung. Dieselben sind ziemlich so hoch wie in Berlin, be— 
sonders für Mittelwohnungen. Daß unter solchen Umständen die 
Spezies „Haustyrann“ kräftig emporblüht, ist ebeuso selbstver— 
tändlich.“ Die Zahl der Kinderchen, das verpönte Pianino, das 
Heschäft des Miethers sind alles Gegenstände, die der biedere 
Zauswirth recht sehr bei der Abgabe einer Wohnung in Betracht 
Feht. Und er kann sich das hier augenblicklich leisten. In einigen 
Jahren wird das freilich etwas anders werden, vorausgesetzt, daß 
Zie Bauthätigkeit so lebhaft wie gegenwärtig bleibt oder gar, wie 
zie Fama hier kürzlich wissen wollte, die königliche Eisenbahn— 
direktion von Erfurt wieder fortgelegt werden würde. 
München. Die hiesige Gemeindeverwaltung, Magistrat 
ind Gemeindebevollmächtigte haben vor Kurzem folgende Beschlüsse 
gefaßt: Es sind aus Gemeindemitteln folgende Zuschüsse zu leisten: 
Zum Baue dreier katholischer Kirchen je 100000 Me. also 450000 M. 
„einer evangelischen13530000, 
„ einer israelitischnn 30000, 
Zur Deckung dieser Summen sind ab 1884 folgende Posten 
n den Etat einzusetzen 
für die drei katholischen Kirchen je 10000 also 30000 M. 
„ eine evangelische * 10000 M. 
„„ eine israelitische 2000 M. 
ind sollen diese Kapitalien, bis die betreffenden Objekte in Angriff 
senommen sind, in Werthpapieren bei der bayr. Hypothek- und 
Wechselbank deponirt und verziust werden. Die Leistung der Zu— 
chüsse ist auf 15 Jahre normirt. Gegen diese Beschlüsse der 
Kollegien hat nun ein Theil der Einwohnerschaft, iusbesondere die 
Altkatholiken, welche nicht berücksichtigt wurden, in einer Volks— 
»ersammlung protestirt und sucht man durch einen Adressensturm, 
velcher aber schwerlich von Erfolg sein dürfte, eine nachträgliche 
Reduzirung obiger Summe herbeizuführen. — m. 
Muünchen. Der Verein der Münchener Ziegelei— 
pesitzer stellt in seiner Generalversammlung vom 28. Januar 
eine Besserung des Geschäftes im abgelaufenem Jahre fest. Der 
Absatz war ein normaler und haben sich die Vorräthe so gemindert, 
daß z. 8. bei den Vereinsmitgliedern noch 5400000, bei den we— 
nigen der Gesellschaft nicht angehörigen Produzenten der Branche 
noch 1400000 Stück lagern, was bei einem Durchschnittskonsum 
von jährlich 70—580 Millionen nicht von Bedeutung ist. Der 
Vereinspreis wurde für das Jahr 84 auf 27 M. p. Mille gew. 
zutgebrannte Bachsteine festgesetzt. HV. — 
Muünchen. Der soeben ausgegebene Jahresbericht des 
Münchener Handelsvereins äußert sich über das Holz— 
jeschäft Bayerns im Jahre 1883 günstig, indem das Geschäft 
ebhaft, die Preise aber normal ohne große Schwankungen waren. 
Der Export an Tannen- und Fichtensägewaaren betrug vom hie— 
igen Bahnhof aus allein 600 Wagenladungen mehr als 1882. 
Es wurden im abgelaufenen Jahre expedirt 5692 Waggons Bretter 
ind Latten, die Belastung à 10000 kg, und 362 Waggons Bau— 
solz à 20000 kg Belastung, und zwar meistentheils nach Mann— 
seim, um von da auf dem Wasserwege nach dem Niederrhein und 
dolland geschafft zu werden; auch nach Frankreich war der Export 
»edeutend, abgenommen im Konsum hatte Elsaß-Lothringen. Rund— 
solz wurde besonders in den Monaten Meärz, April ünd Mai in 
olchen Mengen ausgeführt, daß die Bahnverwaltungen den An— 
orderungen an Fahrmaterial zeitweise nicht entsprechen konnten. 
Beliefert wurde meist nach Marktbreit, Ochsenfurt, Würzburg und 
Deilbronn am Neckar, da von diesen Orten die Waare dem ent— 
prechenden Wasserweg übergeben werden konnte. Daß die Preise 
der Schnittwaaren bei dem großen Absatze nicht in die Höhe 
zingen, liegt daran, daß unsere Sägewerke ihre Einrichtungen sort— 
vährend erweitern und verbessern und in Folge dessen die bedeu— 
endsten Lieferungen anstandssos ñhernehmen können! v. NR. 
Mittheilungen aus der Praris. 
Aus Süddeutschland wird uns geschrieben: 
Es kommt häufig vor, daß Leimsiedereien, Cellulose- und 
ihnliche Fabriken dadurch mit ihrem Betrieb in große Unannehm— 
ichkeiten verwickelt werden, daß ihnen die Schuld beigelegt wird, 
zurch Einleitung ihrer Abwässer in Flüsse ein massenhaftes 
Ubsterben der Fische in denselben herbeizuführen. Die 
Chemiker-Zeitung“ theilt nun in Nr. 3 de 1884 mit, daß Prof 
Zuxtey, Jnspektor der britischen Seefischereien, genaue Unter— 
uchungen über diese Fischesterblichkeit angestellt habe und zu dem 
sdesultat gekommen sei, daß diese mit dem Auftreten eines Pilzes 
n innigem Zusammenhang stehe. Diese Fischkrankheit, welche 
zereits im Jahre 1877 in England beobachtet wurde, wird her— 
norgerufen durch einen Pilz aus der Familie der Saproleqgnia, 
zer sich auf dem Thiere ansiedelt und selbes in ähnlicher Weise 
»ernichtet wie unser Mauerschwamm Holzwerk und Mauern zer— 
tört. Jedenfalls dürfte dadurch nachgewiesen sein, daß obenge— 
nannte Fabriken an dieser Fischepidemie keine Schuld tragen und 
iin mit dem Baue solcher betrauter Techniker die Ableitungsvor— 
ichtungen der natürlich nicht anderweit schädlichen Abwässer in 
iahegelegene Flußläufe unbeanstandet auch fernerhin anordney 
ürfte. — d — 
In neuester Zeit wird ein Zwischendeckenmaterial, 
velches die Mängel der seitherigen Wickel und Streifböden mit 
Auffüllung gänzlich beseitigen soll, unter dem Namen Schilf— 
bretter den Bautechnikern vielfach empfohlen. Diese Schilf— 
hretter, deren Fabrikant G. E. Giraudi in Bern ist und welche 
»ereits in Bern, Luzern, Zürich und anderen Schweizerstädten, 
owie auch im Elsaß Eingang gefunden haben, bestehen aus einer 
irca 5 em starken Schicht von parallel gelegtem Schilfrohr, dessen 
wischenräume mit Gyps ausgegossen sind und werden auf diese 
Weise Platten von 3 m Länge bei 20 em Breite und 5—27 cm 
Dicke hergestellt. — Abgesehen davon, daß Gyps als Zwischen— 
»eckenmaterial keineswegs als vorzüglich bezeichnet werden kann, 
»a selber gemäß seiner Porösität jede Feuchtigkeit, welche ihm 
zurch die Spalten der Fußböden zugeführt wird, energisch auf— 
iimmt und nur sehr schwer wieder abgiebt, dadurch aber insbe— 
'ondere die Schwammbildung erfahrungsgemäß sehr begünstigt, 
»ürften die zahlreichen hohlen Schilfröhrchen, welche die Hauptmasse 
dieses Fabrikats bilden nicht nur kleinem Ungeziefer willkommene 
Herstecke und Brutstätten bieten, sondern insbesondere für alle, 
inserer Gesundheit so schädlichen Spaltpilze und deren Bakterien 
iinen nicht beizukommenden Entwickelungsherd schaffen. Wir 
nöchten deshalb die Techniker vor allzu sorgloser Verwendung 
dieses Materials zu Zwischenböden aus hygienischen Gründen be— 
'onders gewarnt haben. v. R. 
Als ein der Schwammbildung entgegenwirkendes, die 
gesundheitsschädliche Schuttfüllung unserer Zwischendecken ersetzen— 
des Mittel wird von verschiedenen Orten der Schweiz aus der 
»atentirte imprägnirte Isoltrteppich von Ingenieur A. Gies— 
ser in Zürich empfohlen. Es besteht dieser aus einer Rollen— 
»appe, auf welche mittelst Holzcement eine Schicht durch Im— 
»rägnirung unverbrennbar gemachte Wolle, welche auch jedem Un— 
jeziefer unzugänglich sein soll, befestigt ist. Der übliche Blind— 
hoden wird bei Anwendung dieses Materials mit der Oberkante 
»er Balken (Trame) in eine Ebene gelegt, hierauf der Isolir— 
eppich und auf diesem der betreffende Fußboden befestigt. Einc 
Probe zu machen, dürfite unseren Bäumeistern wohl auem— 
jdhlen sein. — mn. 
Parquet-Böden, die ähnlich wie Teppiche weggenommen 
ind anderweitig verlegt werden können, bilden zur Zeit in Amerika 
inen guten Handelsartikel. Es dürfte sich daher empfehlen, daß 
iuch in Deutschland Industrielle diesen vielversprechenden Artikel 
n die Hand nehmen. Zur Herstellung dieser Böden bedient man 
ich eines groben Tuches, auf welches die Holzplatten, ähnlich wie 
jei Parquet-Tafeln, in beliebigen Mustern aufgekittet werden. Die 
nus den verschiedensten Pölzern bestehenden Platten und Streifen 
verden dann geschliffen und ganz so behandelt wie Parquet. Die 
nuf diese Weise hergestellte Fläche kann wie ein festliegender Fuß— 
‚oden gescheueit, gewaschen, geölt oder gewichst werden und hat 
ioch nebenbei den Vortheil, daß sie transportabel ist und bei 
Wohnungsveränderung in ein anderes Zimmer gelegt werden kann. 
Bei großen Flächen oder bei langer und schmaler Form werden 
zur besseren Befestigung der Platten schmale Gurte auf die Unter— 
eite geleinmt und dann durch kurze starke Nägel oder Schrauben 
nit dem Holze in Verbindung gebracht. Durch massenhafte An— 
ertigung dieser transportablen Parquet-Fußböden ist auch dem 
Minderbemittelten die Möglichkeit gegeben, sich den Genuß eines 
ruten Fußbodenbelages zu verschaffen.
	        

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