Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 44, Bd. 3, 1884)

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Hesetzwesen. — Bautechnische Notizen. 
unterstellt geblieben, und spricht die Präsumtion des Gesetzes dafür, 
daß der Vater es hieran habe fehlen lassen, weil ohne dies der 
Sohn das Vergehen nicht verübt haben würde. Wenn nun auch 
der soustige güte Ruf, und die vorwurfsfreie Bergangenheit des 
Beklagten im Allgemeinen dafür spricht, daß die Eltern ihrem 
Sohne eine gute Erziehung angedeihen ließen, so muß im gege— 
»enen Fall doch als entscheidend hervorgehoben werden, daß es 
Pflicht des Vaters war, dem Sohne die Ermahnung zu geben, 
veun er im Taglohn mit andern nud namentlich ältern Arbeitern 
usammentreffe, verträglich und nachgiebig zu sein. Auch hätte er 
hn besonders auf den Kläger Deck aufmerksam machen müssen, 
dessen schlimme Eigenschaften, die Folge seines Gebrechens der 
Taͤubstummheit, allgemein bekannt gewesen sind. Der Vorfall be— 
veist, daß er dies zu thun unterlassen hat, und es konnte daher 
zuf den anerbotenen Beweis, daß er die That seines Sohnes nicht 
jabe vermeiden können, bei dem ohnehin durch die stattgehabte 
Untersuchung klar am Tage liegenden Sachverhalt nichts mehr an— 
ommen. Was die Klage in der Richtung gegen Guth betrifft, so 
estreitet dieser dieselbe als unzulässig, weil der Sohn Hust nicht 
n demjenigen Verhältnisse zu ihm gestanden habe, wonach er für 
hn wegen des von ihm verübten Delikts, das überdies mit der 
hin übertragenen Arbeit in keinem Zusammenhange gestanden, für 
erantwortlich erklärt werden könnte. Jedoch gleichfalls mit Un— 
recht. Hust war sein Arbeiter, er war von ihm einer Arbeit vor— 
zesetzt Preposé), mit der Arbeit betraut. (Urtheil des Reichs— 
berhandelsgericht in Puchelt's Zeitschrift IV. S. 313, vgl. Aubry 
ind Rau IV. 8 444, welche das Wort ouvrier gleichbedeutend 
nit domestique gebrauchen) und finden sonach die Worte des 
Hesetzes auf Beklagten Guth direkte Anwendung. Hierbei kommt 
s nicht darauf an, daß Hust nicht sein ständiger Arbeiter gewesen 
sstt und nur zeitweise bei ihm als Taglöhner arbeitete; das Gesetz 
interscheidet nicht, und liegt demselben die Anschauuug zu Grunde, 
aß der Dienstherr sich eine Nachlässigkeit habe zu Schulden kommen 
assen. Im Hinblick auf diese ratio des Gesetzes ist der Dienst— 
jerr aber civilrechtlich verantwortlich nicht nur, wenn der Arbeiter 
nn Verrichtung der ihm übertragenen Arbeit einen Schaden ver— 
irsacht hat, sondern für jeden Fehler, jedes Vergehen und selbst 
Verbrechen, welches derselbe bei der ihm übertragenen Arbeit be— 
jangen hat (Paris 15. V. 1851 J. d. P. 2 1851 S. 264 und 
die Note hierzu. Paris 19. V. 1874 J. d. P. 1876 S. 1019). 
Auch ist kein Unterschied darin zu machen, ob der Dienstherr bei 
Verübung des Delikts zugegen gewesen ist oder nicht, wie es denn 
ruch nicht zulässig ist, zu beweisen, daß er die That seines Arbeiters 
iicht habe verhindern können. Uebrigens ist der Beklagte Guth 
»ei dem Vorfalle, für dessen Folgen er hastbar erklärt werden soll, 
zugegen gewesen. Er kam hinzu, als Deck und Hust auf der 
Wiese, auf welcher sie arbeiteten, schon mit einander handgemein 
vurden, und machte hier dem Streite ein Ende. Um zu verhüten, 
)aß die Thätlichkeiten von Neuem ihren Anfang nehmen, hätte er 
iun beide thunlichst trennen müssen. Es wäre ihm dies um so 
eichter gewesen, als er einen Theil seiner Arbeiter auf eine andere 
Wiese zur Arbeit schickte. Statt dies zu thun, ließ er aber sowohl 
dust als Deck auf die andere Wiese gehen; es genügte nicht, daß 
er sie nicht zu gleicher Zeit dorthin schickte, im Gegentheil bewirkte 
Rics, daß beide allein dorten zusammentrafen, daß er auch selbst 
aicht zugleich mitging, und so war die That geschehen, als er 
päter an Ort und Stelle gekommen ist. Von diesem Gesichts— 
zunkte aus wäre er sogar gemäß Art. 1383 0. c. direkt haftbar, 
da er in Außerachtlassung der erwähnten Vorsichtsmaßregeln die 
chädigende Handlung seines Arbeiters nicht verhütet hat. —s. 
Handelt es sich bei dem bedungenen Werk um eine nicht 
ewegliche Sache, so ist der Werkverdingungsvertrag so zu ver— 
teuern, als wenn ein Lieferungsvertrag über die zu dem Werk 
rforderlichen von dem Unternehmer anzuschaffenden beweglichen 
vegenstände in demjenigen Zustande, in welchem sie mit dem 
Hrund und Boden in dauernde Verbindung gebracht werden sollen, 
ind außerdem ein Arbeitsvertrag, abgeschlossen wäre. In dem 
VKertrage muß daher angegeben werden, wie viel von dem be— 
zungenen Preise einerseits als Preis der erwähnten beweglichen 
Begenstände in dem bezeichneten Zustande und andererseits als 
ßergütung für die alsdann noch mit denselben anszuführende 
Urbeit anzusehen ist. Fehlt es an einer solchen Angabe, so ist 
»er Lieferuugsstempel nach dem bedungenen Gesammtpreise zu 
erwenden.“ 
Aus den Motiven des Gesetzentwurfs ist dann noch folgende 
im Wortlaut wieder gegebene Stelle wesentlich: 
„Bezieht sich das übernommene Werk auf einen unbeweg— 
ichen Gegenstand (sogenannten Bauentreprisevertrag z. B. Auf— 
ührung eines Gebäudes, Herstellung einer Chanssee und dergleichen), 
o entspricht es deu bisherigen Verwaltungsgrundsätzen, den Werk— 
nerdingungsvertrag zum Zweck der Steuerberechnung in einen 
tieferungsvertrag über die zur Herstellung des Werks erforder— 
ichen beweglichen Gegenstände in demjenigen Zustande, in welchem 
ie mit dem Grund und Boden in dauernde Verbindung gebracht 
derden sollen (Mauersteine, Thürschlösser u. s. w.) und einen 
rbeitsvertrag zu zerlegen, und von dem Werth jener Gegenstände 
»en Lieferungsstempel von 3 pCt., dagegen für den Arbeitsvertrag 
»en allgemeinen Vertragsstempel von 1,50 Mk. zu fordern.“ 
Aus diesen Mittheilungen ersieht man, daß es Absicht ist, 
den alten gefallenen Stempel in ziemlich genau derselben Form 
von neuem einzuführen, mit denselben groben Unjgerechtigkeiten, 
die dieser Abgabe früher anhafteten und mit denselben Willkürlich— 
eiten der Feststellung, wie sie früher bestauden haben. 
Indem wir uns heute auf eine bloße Mittheilung dieser 
Thatsache beschränken, hoffen wir damit die Anregung zu einer 
jffentlichen Diskussion zu geben, bezw. dazu, daß in Petitionen 
ius betr. Kreisen dem Abgeordnetenhause das Bedenkliche eines 
zorgehens im Sinne dieses Gesetzentwurfs klar gemacht und auf 
ine Umgestaltung desselben hingewirkt werde, welche namentlich 
der einen prinzipiellen Auforderung gerecht wird: daß jeder Unter— 
iehmer schon in dem ersten Stadium des Kontraktschlusses ein 
senaues Bild über die Höhe der Stempelabaabe sich zu machen im 
Stande sei 
Bautechnische Notizen. 
Ueber die Bearbeitung der zu den agegyptischen Pyra⸗ 
niden verwendeten Baumateri«lien. Die meisten Aegypto— 
ogen und Archäologen überhaupt beschäftigen sich mehr mit der histo— 
ischen und litterarischen Seite ihrer Studien, als daß sie die technischen 
STchwierigkeiten bei der Herstellung der alten Kunstbauten zum Gegen— 
tand ihrer Forschungen machten. So wissen wir leidlich genau, waänn 
ie und die Geschlechter der Pharaonen gelebt und was sie an littera— 
ischen Schätzen nachgelassen haben; wie aber von ihren Künstlern und 
dandwerkern, die feinen sowohl als die kolossalen Kunstwerke hergestellt 
purden, darüber schweigt sich einer nach dem andern gründlich aus. 
tetztere Fragen dürften aber wohl am meisten gerade den Techniker in— 
eressiren. Während wir Aelteren in den Schuͤlen noch gründlich mit 
en Kriegen und Heldenthaten der Alten heimgesucht wurden, lernen 
insere Kinder jetzt, wie die Alten daheim lebten; und eine ganze Reihe 
üngerer Forscher strebt dahin, gerade die Details des Lebens der alten 
ölker mehr und mehr ans Licht zu ziehen. 
So hat jetzt ein Engländer Flinders Petrie einen Winteraufent— 
zalt am Fuße der alten Phramiden, in Gizeh dazu benutzt, aus bei 
Zeite geworfenen Werkstücken und fertigen Arbeiten der alten Aegypter 
u ermitteln, auf welche Weise sie vermocht haben, die Steine zu den 
Zyramidenbauten, und zu den großen Särgen in den Pyramiden nicht 
allein, sondern auch die kleinen zierlichen Putze und Schmuckgegenstände 
iller Art aus hartem, wie weichem Gestein zu bearbeiten. Bas Ergeb— 
niß seiner Untersuchungen läßt sich dahin zusammen fassen, daß sie' die 
zarten, Gesteine mit Werkzeugen, die mit Diamantspitzen versehen waren, 
earbeitet haben, nämlich mit geraden oder Kreissägen, massiven oder 
öhrenförmigen Bohrern (Trepanirbohbrer,) oder mit Meißeln, während 
veichere Gesteine mit Spitzeisen und mit Winkeleisen und geraden 
'atten, zu ebenen Flächen gehauen wurden. Viele Werkstücke zeigen 
nerkwürdig gleichmaäßige Rillen, wie man sie an grob in der Mühle ge— 
chnittenen Holze wahrnimmt, und ist es überraschend zu sehen, daß nie— 
nals Sprünge oder Absätze vorkommen, selbst wenn das Werkzeug ploötzlich 
»on hartem (Basalt, Granit) in weiches (Alabaster etc.) Gestein über— 
ritt, Die Werkzeuge müssen durch erstaunliche Kräfte (Wasser oder 
hierische) mit großem Ueberschuß an Gewalt getrieben worden sein, was 
zuch durch, die großen Entfetnungen der einzelnen Rillen von einander 
»estätigt wird. Die Bohrlöcher zeigen den Gebrauch unserer Drechsler— 
zeräthe in erhöhtem Grade, da Bohrlöcher in verschiedenen Gesteinen 
'on 0,24 bis zu 18 Zoll von Petrie aufgefunden sind. Ueberall zeigt 
ich der charakteristische Zug, daß das zu bearbeitende Gestein unter uist 
ehenden, Schneidewerkzeugen hin und her bewegt ist, wie bei unseren 
dobelmaschinen der Eisenindustrie, und nicht geschliffen wurde, wie auf 
»n Mrehscheihen der Zuwelieve 4 
Gesetzwesen. 
Wiedereinführung der Stempel-Verpflichtung 
für Bauverträge. Die deutsche Bauzeitung schreibt darüber: 
Die mittelst Verfügnung des Finanzministers vom 28. Juli v. J. 
ingeordnete Einstellung der Erhebung des besonderen Stempels 
ür Bauverträge hat' einen beträchtlichen Ausfall bei den pro 
188485 im Staatshaushaltsetat veranschlagten Jahreseinnahmen 
der preußischen Stempelverwaltung in Aussicht gestellt. Diese 
Aussicht hat bei der Etatsberathung zu besonderen Verhandlungen 
Unlaß gegeben, in Folge deren der Finanzminister dem Abgeord— 
letenhause soeben cinen vom 13. d. M. datirten Gesetzentwurf 
yorgelegt hat, durch welchen die früher bestandene — durch reichs 
Jerichtliche Erlenntnisse gefallene — besondere Stempelabgabe für 
Bauverträge von neuem eingeführt wird, wenn — wie kaum zu 
nezweifeln ist — der Gesetzentwurf in heiden Häusern des Kand— 
ags zur Annahme gelangt 
Der bezügl. Paragraph des Gesetzentwurfs hat folg. Wortlaut: 
„Werkverdingungsverträge, inhalts deren der Uebernehmer 
iuch das Material, für das übernommene Werk ganz oder theil⸗ 
veise anzuschaffen hat, sind, falls leßteres in der Herstellung be— 
veglicher Sacheun besteht, wie Lieferungsverträge unter Zugrunde— 
equnq des für das Merk bedungenen Genntisces u ——n 
daftienn D z in aat 
Rersag von Julius Engelmann in Berlin — E — 
tee M
	        

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