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Mittheilungen aus der Praxis.
ich eine Oeffnung zum Rauchabzug, die mit einem Griffstein
verschließbar war. Daß der Abzug den Rauch nicht vollstandig
entweichen ließ, ist erklärbar und unsere Vorvordern mußten sich
an diesen Quälgeist gewöhnen, wie noch heute im bayerischen
Oberlande und Tyrol ein großer Theil des Rauches durch die
Schindeldächer entweichen muß.
Wie angeführt, war der Kachelofen im Prinzip von der
Gothik erfunden, mit mächtiger Basis und breiter Ofenbank, die
als Sitz⸗ und Schlafstelle benutzt wurde. Zur Zeit der Gothik
ritt er schon theils grün glasirt, theils matt polychrom, theils mit
eingebrannten Glasuren auf. Ein prachtvolles Exempiar von
letzterem befindet sich im Germanischen Museum zu RNürnberg,
ein ebensolches im Fürstenzimmer der Veste Hohensalzburg, beide
aus der Zeit von 14901501. Das schönste, das Leben Christi
nit völlig freistehenden Figuren zeigend und matt polychrom be—
nalt ist im Nationalmuseum zu I
Die Kacheln und Gesimse aus dieser Zeit sind alle noch aus
freier Hand hergestellt und modellirt, ohne jegliche Benutzung
einer Form. Die Kacheln wurden sehr tief auf der Scheibe ge⸗
»reht, um eine möglichst große Heizfläche zu gewinnen; der vier—
rckige Rand wurde einfach herumgelegt.
Die Meister der Renaissance hatten schon leichteres Spiel,
iundem zu jener Zeit die Formen aus Thon erfunden wurden—
vodurch es möglich war, selbst die Gesimse und Kacheln zu ver—
einern. Die Modelle waren alle aus Holz geschnißt und wenn
ein damaliger Bildhauer etliche Stücke fertig hatte, so begab er
ich auf, die, Wanderschaft, kehrte bei den Töpfern ein und ließ
jegen Vergütung dieselben in Thon abdrucken“ Daher findet sich
oftmals ein und dasselbe besser oder schlechter abgedrückte Stück in
—F weit von einauder entfernten Orten vor. Männer wie Al—
recht Dürer scheuten sich nicht, auf solche Weise den Nürnberger
Töpfern an die Hand zu gehen.
Noch Größeres leistete die Renaissance in der farbigen Be—
jandlung der Oefen. Von dem Zauber dieser polychromen Be—
Jandlung geben noch erhaltene Originale Zeugniß. In den Farben
pielte grün und bröonzegrün immer die Hauptrolle.“ Ueberall tritt
uns der Ofen als anspruchsvoller Kameraͤd der Zimmereinrichtung,
als Hauptdekorationsstück, entgegen. Meiit breiter Sißbank umt
zeben, beansprucht er den ihm gebührenden Platz als bester Haus—
reund, um den sich die Familie des Hausherrn gruppirt.
Abgesehen von den Prachtöfen in Majolika, die in der
Schweiz und Deutschland gemacht wurden, konnte sich der hohe
Farbensinn dieser Zeit den einfachen bürgerlichen Ofen gar nicht
inders als grün denken, mit dunklerem Grün in den vertieften,
nit hellerem in den erhabenen Stellen. Andere Farben kamen
erst später an die Reihe.
Nüchtern in den Farben wirkten die Oefen der Barock- und
Zopfzeit des 17. und 18. Jahrhunderts, die meistens hellgrün,
fenbeingelb, chokolades und schwarzbraun, giftig grün und später
auch gauz weiß ausgeführt würden. Doch' finden sich aus dieser
Zeit im Schlosse zu Brühl und Würzburg inmmer noch wirkliche
Prachtexemplare vor. Der ganze Ofen wurde in weichen Thon⸗
dlatten aufgebaut, so daß die zu erhaltende Form in Kopf und
Hand des Arbeiters lag, worauf dann die Verzierungen meistens
ius freier Hand modeilirt aufgelegt und fret herausgeschnitten
vurden. Der Ofen wurde dann im ziemlich aroße Stucke zer—
chnitten.
Die Selbständigkeit des Arbeiters ging in der darauf folgen⸗
den weißen, farblosen Zeit vollständig unter und ist erst in neuester
Zeit wieder rege geworden. Die Herstellung der weißen Email—
Jasur hat Unsummen Geldes verschlüngen, da diese Glafur immer
Beheimniß von wenigen Familien bis in die neueste Zeit blieb.
Der sogenanute Berliner weiße Kachelofen (von Berlin ging näm⸗
ich diese weiße Ofenfarbe aus) spielt heute noch in Norddeutsch⸗
and eine große Rolle und ist überall dort eingebürgert. Ein—
ichtsvolle Männer und Architekten arbeiten aber schon lange an
einer Regeneration; es mag theils am Fabrikanten, der statt seiner
ꝛwigen glatten Kacheln nuͤn neue Modelle braucht, welche Geld
uind zwar sehr viel Geld kosten, theils auch am Publikum selbst
iegen, daß die farbigen Oefen sich so langsam in Norden vin—
ürgern. J J
Um wenigstens einige Abwechselung in das weiße Einerlei
zu bringen, patroniren jetzt viele Fabrikanten schöne hellblaue und
osarothe Verzierungen auf ihre Kachein Immerhin if dies ein
Fortschritt. Auch die Schweiz fängt an, ihre weißen Oefen wieder
nit Blau zu bemalen. In Süddeutschland, hauptsächlich in Bayern,
Tirol und Niederösterreich hat dagegen der weiße Ofen sich nie
echt eingebitrgert. Er findet sich nur in danz dereingelten Crem—
plaren hier und da vor. Die kunstgewerbliche Bewegung auf
diesem Gebiete hat daher auch hier bisher das aroͤßt⸗ Entgegen⸗
kommen gefunden.
Mittheilungen aus der Praris.
Eine Originalität im Gebiete des Bauwesens bilden jeden⸗
alls die von J. G. G. Döcker, Rittmeister a D., in Dänemark
rfundenen und ausgeführten Bauten aus Filz. Die Filz—
afeln werden nämlich in Holze oder Eifenrahnmen eingespannt,
ꝛeiderseitig mit Oelfarbanstrich versehen und mittelst beweglicher
daken ꝛc. entsprechend unter einander verbunden. Lazarethbaracken
on 1080 m Länge, 5 m Breite und 2,20 Höhe bis Anfang des
Daches haben sich nach Prüfungen ärztlicher Kommissionen bei
dospitalepidemien vom Herbst 1881 bis Herbst 1882 vorzüglich be⸗
vährt; selbe können bei Bedarf in wenigen Stunden auf jedem
»orher geebnetem Terrain aufgeschlagen werden, bieten der Källe
einen bedeutend größeren Widerständ als Zelte oder Holzbaracken,
»hne einer kräftigen Ventilation zu entbehren, und sind schließlich
bbenso rasch abzubrechen. Die einzelnen Theile werden nach vor⸗
rwähntem Gebrauche vorerst mit Seifenwasser oder einer be—
timmten desinfizirenden Flüssigkeit gründlich gereinigt, wodurch
»ei event. Wiedergebrauch jede Gefahr des Auftretens einer In—
ektionskrankheit ausgeschlossen ist, und nimmt deren Aufbewahrung
iur sehr wenig Platz ein. Ein Filzhaus von vorerwähnten Dimem
ionen ist um 2800 Vek. herzuüsteilen und soll eine Dauer von
?õ Jahren haben. Nach denselben Prinzipien stellt nun der Er—
iuder auch Häuschen von geringeren Längen- und Breitendimen—
ionen her, welche unaufgestellt, mit all ihren Theilen je in einer
nittelgroßen Kiste, welche später als Tisch zu verwenden ist, auf—
»ubewahren sind, und empfiehlt selbe insbesondere Touristen, welche
n wenig bewohnten Gegenden sich einige Zeit aufzuhalten gedenken.
der Preis eines solchen Häuschens ist nach „Reclam's Gesundheit“
12 Mek., wogegen ein gleichen Zwecken entsprechendes Zelt auf
venigstens 225 Mk. kommen würde. Es ist hierdurch auch in
einfachster Weise ein Mittel geboten, in landschaftlich hervorragen⸗
»en Gegenden den theuren und lästigen Fremdenkasernen aus—
veichen und in größter Selbständigkeit dem Raturgenuß sich hin—
jeben zu können; vielleicht bemächtigen sich in nächster Zeit schon
ie reisepraktischen Söhne Albions der Sache und beleben die
dochthäler unserer Alven mit Kolonien von mobilen Fozhanhern
Fäulniß der Hölzer. Um die Fäulniß der Hölzer zu
erhindern, die zum großen Theile durch den Hausschwamm
Merulius lacrimans) bedingt wird, empfiehlt Socokin folgende
Mittel als das Resultat seiner ausgedehnten Versuche: 1 Zugluft
»ertilgt den Hausschwamm binnen 24 Stunden. 2. Auch das
Licht ist der Entwickelung des Schwammes sehr hinderlich. Wird
derselbe zu gleicher Zeit der Einwirkung des Lichtes und der Zug⸗
uft ausgesetzt, so vertrocknet er schon binnen wenig Stunden.
3. Das Begießen des Holzes mit einer Kochsalzlösung verhindert
»as Auftreten des Holzschwammes. Je konzentrirter die Lösung—
im so nachhaltiger ist die schüutzende Wirkung. 4. Eine (besonders
onzentrirte) Kupfervitriollösung ist der Kochsalzlösung vorzuziehen,
5. Die Karbolsäure tödtet den Merulius sehr schnell. 6. Gewöhn
icher Birkentheer ist ein durchaus wirksames Miittel gegen den
dausschwamm. Durch Bestreichen der Balken, der inneren Fläche
der Fußbodenbretter ꝛc. mit demselben wird fast sicher dem Auf
reten des Schwammes vorgebeugt. Die Billigkeit dieses Ma—
eriales und die Einfachheit seiner Verwendung machen den Birken—
heer zu einem der bequemsten und praktischsten Meittel gegen das
genannte Uebel.
Kalkmilch ist als ein vorzüglicher Anstrich eiserner
Kamine, wie selbe bei Fabrikanlagen hänfig zur Ausführung
jselangen, zu empfehlen, da selbe bei Erhitzung des Bleches sich
licht verändert und auch nicht abspringt. Die anzustreichende
Fläche muß zunächst von Glühspan befreit, also metallisch gemacht
verden und bildet sich auf ihr nach dem ersten Anstrich mit Kalk—
nilch sofort Rost, welcher das innige Haften des weiteren Kalf-
instriches veranlaßt.
Da hygienische Untersuchungen nachgewiesen haben, daß die
Infizirung eines Wohnraumes duͤrch Bakterien veranlaßt
verden kann, welche in dem zum Anstrich der Wände verwendeten
Leimwasser oder in dem zum Aufziehen der Tapeten gehrauchten
dleber sich befanden und unter günstigen Umständen sich dann
weiter entwickelten, so empfiehlt sich als Vorsichtsmaßregel: Tüncher
ind Tapezierer zu veranlassen, ihrem Leimwasser, Kleber oder
Leim eine geringe Quantität Borsäure zur Desinfektion dieser
zäufig bereits schon im Fäulnißzustand befindlichen Materialien
heianmengen.
Normalien des Berliner Baumarkts über die Klassifizirung
der Kachelöfen nach Material und Arbeit. Der Berliner Bau—
markt hat in seinem Marktbericht die Qualitäts-Unterscheidung
zer Oefen in „fein weiß“, „weiß“, „halb weiß“, „bunt“ u. s. w
n —