Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

MNittheilungen aus der Praxis. 
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Schmutzwasser durchläßt. In solchen Kanälen kommen auch wegen 
der inneren Rauhheit und des ungeeigneten Querschnittes gewöhnlich 
hiel Schmutzanhäufungen vor, weiche schließlich die Leitungen ganz 
verstopfen können. 
Dabei erfährt die Ablagerung eine langsame Zersetzung und 
erzeugt eine große Quantität fanler Gase, welche bei sonstiger 
chlechter Anlaͤge das ganze Haus systematisch infiziren können. 
Kommt dann noch ein Leck in dem Hauskanal vor, so saugt sich 
)»er ganze Untergrund mit faulen Stoffen voll, und die daraus 
tfanal; für größere Häuser nehme man ein 6—zölliges Rohr, falls 
»ies ungenügend ist, sind zwei 6-zöllige Röhren einem großen 9— 
»der 12zölligen Rohr vorzuziehen. Hierbei spielt natuͤrlich das 
zur Verfügung stehende Gefälle auch eine Rolle. Bei einem Ge— 
äälle von 1 zu 25 bis 1 zu 40 sind 4-zöllige Röhren genügend. 
Bei sehr schwachem Gefälle mag es nothwendig werden, künstliche 
Spülvorrichtungen anzuwenden, z. B. einen automatischen Kipp-Trog, 
deber⸗Apparat oder dergl. 
Wo Röhren in einander einmünden, sollen die Verbindungen 
niemals unter rechtem Winkel zu einander, sondern unter spitzem 
Winkel in der Richtung des Gefälles gemacht werden, um An— 
schwemmungen von Sinkstoffen möglichst zu vermeiden. 
Um den Hauskanal genau überwachen und etwaige Undichtig— 
keiten leichtr bemerken und repariren zu können, wird gerathen, 
denselben nicht unter der Kellersohle, sondern über derselben an 
einer Wand oder unter der Decke des Kellers entlang zu führen, 
wenn die Passage dadurch nicht gestört wird oder andere Umstände 
eine unterirdische Legung vortheilhafter erscheinen lassen. Im 
letzteren Falle wird eine besondere Fundirung für das Rohr nöthig 
und müssen natürlich mehrere Mannlöcher für Reparaturen u. s. w. 
porgesehen werden. In New-York verlangt man für das Haus— 
Rohr sogar einen besonderen gemauerten und bedeckten Kanal, was 
aber wohl eigentlich nicht nöthig wäre. 
Die vertikalen Fallröhren, welche den Inhalt aus den Aus— 
zußgefäßen in den Hauskanal führen, zerfallen ihrer Aufgabe gemäß 
in zwei Klassen, solche, welche nur Flüssigkeiten, Spül-, Bade-, 
Waschwasser, zu leiten haben, und solche, welche den Inhalt von 
Wasserklosets zu entfernen haben. Doch können die letzteren 
natürlich auch als Leitungen für Schmutzwasser mit benutzt werden. 
Für beide Zwecke benutzte man früher häufig Bleiröhren, 
welche sich jedoch deshalb nicht so gut wie eiserne dazu empfehlen, 
weil die Löthstellen leicht undicht werden, das Blei von faulen 
Basen angegriffen wird und die schweren Röhren im Laufe der 
Zeit „sacken“. Sie sind zwar im Junern sehr glatt, dafür aber 
ruch schwierig aufzustellen. Jedenfalls aber ist es verwerflich, die 
Bleiröhren einzumauern, da ihr Zustand sich dann nicht überwachen 
äßt. Auch ist es schon vorgekommen, daß beim Einschlagen von 
Nägeln in die Wand die Bleiröhren durchbohrt wurden, so daß 
die Kanal-Gase direkten Zutritt in die Wohnräume fanden. 
(Fortsetzung folgt.) 
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Fig. 6. 
entwickelten Gase dringen durch den Kellerboden hindurch in das 
Haus ein. Das letztere macht sich besonders im Winter bemerkbar, 
venn der Boden rings um das Haus herum zugefroren ist und 
dieser Ausweg den sich in der Erde entwickelnden Gasen verschlossen 
ist. Der Hauskanal soll eine glatte Innenfläche, einen rundlichen 
und wenigstens keinen eckigen Ouerschnitt, ein gutes Gefälle und 
keinen zu großen Durchmesser haben, damit sich kein bedeutender 
Niederschlag darin bilden kann, oder derselbe bei der nächsten 
Gelegenheit wenigstens wieder mit fortgeschwemmt wird. 
Das durchfließende Wasser-QOuantum ist gewöhnlich nur gering 
ind man kann keine große Spülkraft davon erwarten, falls ein 
zroßer Querschnitt gewählt wird. Gemauerte Kanäle sind für 
diesen Zweck nicht zu empfehlen, und verdienen Röhren aus 
Lement oder glasirtem Steingut unbedingt den Vorzug, weil sie 
eine glättere Innenfläche bieten. Beim Legen ist den Fugen oder 
Verbindungen dieser Röhren besondere Sorgfalt zu schenken, damit 
ein Leck vorkommt und das Dichtungsmaterial sich nicht nach 
Innen durchdrückt, wodurch der Kanal im Innern sonst rauh wird 
und Ablagerungen begünstigt werden. In Deutschland benutzt man 
zum Dichten der Verbindungen Ringe von Thon, hier fast nur 
Cement. Der Thon gewährt der Leitung eine gewisse Biegsam— 
keit und Elastizität, während der Cement den Rohrstrang starr macht. 
Für den Rohrstrang sollte man immer eine gute Fundirung 
)erstellen, um ein späteres Senken und daraus foigendes Brechen 
der Röhren zu vermeiden. In aufgefülltem Grunde sollte man 
äberhaupt lieber eiserne Röhren benutzen, ebenso an Stellen, wo 
iefwurzelnde Bäume oder Sträucher wachsen, weil die Wurzeln 
nancher Arten sich gern in den feinen Spalten einkeilen und im 
Innern der Kanäle oft so wuchern, daß sie eine vollständige Ver— 
tobjung hervorbringen können. 
Im, Innern der Gebäude sollte man eigentlich nur eiserne 
Röhren benutzen, bei deren Legung große Soͤrgfalt nöthigist, 
wenn, ‚man ein lust- und wasserdichtes Rohr-System haben will. 
Die Wandstärke soil etwa 8,“ betragen, und müssen die Muffen 
utsprechend verstärkt sein, damit sie ein kräftiges Verstemmen des 
Dichtungsbleies aushalten können. Es kaun auch mit einem Eisen— 
itt gedichtet werden: Cement aber ist hierfür verwerflich. Man 
ehe, daß die Rohren alle gleich stark und nicht auf einer Seite 
zu dünn und auf der andern zu dick find. 
Der Durchmesser des Hauskanal-Rohres wird häufig viel zu 
Jroß genommen, indem man glaubt, dadurch die Gefahr einer 
Verstopfung zu verringern. Das ist aber nicht richtig, deun wenn 
die Röhren zu weit sind, werden sie durch“ das“ durchlaufende 
Wasser nicht gut gespült und es bilden sich darin Ablagerungen, 
deren Entfernung nachher oft viel Schwierigkeiten verursacht. dür 
ein gewöhnliches Grundstück genügt ein 4zbllides Rohr 318 Gou 
Mittheilungen aus der Praris. 
Ueber Holzkonservirung. Aus Süddeutschland wird 
ins geschrieben: 
In Nr. 48 dieses Blattes ist Petroleum als Mittel gegen 
den Hausschwamm empfohlen worden und es ist wohl begreiflich, 
»aß dasselbe der Pilzbildung wirksam entgegenzutreten vermag. 
Ob dies in allen Fällen zutrifft, ist aber zweifelhaft, denn einer— 
eits fehlen dem Petroleum die hervorragend antiseptischen Be— 
tandtheile und andererseits wird ein Imprägniröl nur dann 
durchgreifend gegen Schwammbildung wirken, wenn es in 
yeißem Zustande aufgetragen werden kann und dadurch vollständig 
in das Holz eindringt. Petroleum darf aber bei seinem 
niedrigen Siedepunkt nicht erwärmt werden und ist auch seiner 
Feuergefährlichkeit wegen zum Tränken von Holzwerk in Häusern 
in keiner Weise anzurathen. 
Ein im Kostenpunkt fast ebenso billiges, aber in Folge seiner 
antiseptischen Eigenschaften und seines hohen Siedepunktes in jeder 
Hinsicht wirksameres Holzkonservirungsmittel ist das Garbolineum 
Avenarius, welches sich seit Jahren nicht nur gegen Schwamm 
und feuchte Wände bewährt hat, sondern auch zur Dauerhaft— 
machung von Holzwerk jeglicher Art von höchstem Werth ist. Ein 
derart billiges und zweckmäßiges Antisepticum dürfte als Prä— 
servatiomittel immer größere Verwendung verdienen, denn die 
relativ kleinen Kosten stehen in keinem Verhältniß zu den Er— 
parnissen, die erzielt werden, zu den Unannehmlichkeiten, denen 
»amit vorgebeugt wird. Ueberall, wo irgendwie bei Neubauten 
zeuchtigkeit befürchtet werden muß, kann der Anstrich mit Car- 
»olineum Avenarius für untere Balkenlagen, in Kellern ꝛc., wie 
ruch für Kellerthüren, für Läden, Giebel, Holzverzierungen und 
Bertäfelungen, fir Schuppen und Umzäunungen, Baugerüste ꝛc. 
ehr empfohlen werden. 
Auch anstatt Oelfarbe bietet Carbolineum Avenarius sowohl 
in der Dauerhaftigkeit wie im Kostenpunkt große Vortheile: Wo 
hearbeitetes Holz der Witterung und Nässe ausgesetzt werden muß, 
hört man häufig berechtigte Klagen über dessen baldigen Verfall. 
Alle bisherigen Anstriche mit Oelfarben oder Theer vermögen 
nicht, diesem Uebelstande abzuhelfen, denn sie decken nur, die 
Poren verstopfend, d. Oberfläche des Holzes und halten so im 
»esten Falle äußerlich Luft und Nässe ab. Bei nicht vollständig 
trockenem Holze hindern sie dagegen die Verdunstung und führen 
Verstockung herbei, so daß bei gar nicht gestrichenen Hölzern oft
	        

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