Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Erfindungen. — Entscheidungen. 
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24 Jahren in England fast verdoppelt, in Amerika und Deutsch— 
sand mehr als vervierfacht und sind noch in stetem Wachsen be— 
zriffen. Mit der Steigerung der Betriebsverhältnisse von In— 
zustrie und Gewerbe einerseits und des eng damit verkuüpfien 
Verkehrs andererseits sind nun leider auch die üblen Folgen, welche 
sie nothwendig mit sich bringen, belästigend in den Voͤrdergrund 
getreten. Das gilt vor Allem vom Staube auf den Verkehrs— 
vegen und in den Arbeitsräumen und vom Auswurfe der Schoͤrn— 
teine und Essen. Während man sich aber gegen den Staub, 
welchen der lebhafte Verkehr auf den Straßen erzeugt, durch An— 
age von Fußsteigen, durch Pflasterung, regelmäßiges Fegen und 
Besprengen der Straßen nicht ohne Ersolg zu 'schützen sucht, 
ist gegen die Rauchplage bisher noch wenig gethan worden, und 
dieses wenige ist — soweit es in allgemeinen gesetzlichen Vor— 
schriften oder polizeilichen Maßnahmen besteht — fast ganz er— 
olglos gewesen.“ 
Indem Weiling zunächst die Schwierigkeiten einer gründ— 
ichen Besserung des Uebels, von dessen gänzlicher Beseitigung 
elbstverständlich nicht die Rede sein kann, hervoͤrhebt, sucht er die 
Ursachen des bisherigen Mißerfolges zu ermitteln. Dabei scheidet 
er die Haushaltungsfeuerungen aus der ferneren Betrachtung aus, 
da diesen nur durch ein einziges, zwar einschneidendes, aber doch 
unicht ganz aussichtloses Mittel, nämlich durch die Heizung der 
Defen mit Gas aus einer Central-Gasanstalt, zu helfen ist.“ Die 
Arsache der Mißerfolge aller bisherigen Verfuche, die Feuerungs— 
inlagen der Industrie möglichst rauchfrei zu machen, findet nun 
»er Vortragende in dem Umstande, daß man einerseits einzelne 
Punkte von wesentlichem Einfluß und gerade solche, die einer be— 
timmten Regelung fähig gewesen wären, bisher außer Acht ge— 
assen habe, während andererseits allgemein bindende Vorschriften 
iber solche Dinge aufgestellt worden seien, die wegen der Viel— 
gestaltigkeit der Betriebe eine Erörterung von Fall zu Fall ver— 
angen, wenn nicht die Industrie in unerträglicher Weise belastet 
verden soll. 
Als allgemein durchführbare, den Betrieb nie hemmende, 
ondern stets günstig beeinflussende Mittel führt der Vortragende 
wei auf: 
die Erhöhung der Essen auf ein gewisses, je nach der 
Art der Anlage und dem Orte zwar verschieden zu bestimmendes, 
iber doch behördlich vorzuschreibendes Mindestmaß; 
sodann die behördliche Forderung eines Fähigkeits nach— 
veises der Heizer, verbunden mit der Einrichtung von Heizer— 
chulen etwa durch die Industriestätte und durch die Beihülfe des 
Staates. 
Ein derartiges Heizergesetz ist in Oesterreich bereits für den 
janzen Kaiserstaat erlassen und, soviel bekannt, von Ingenieuren 
ind Industriellen mit Wohlwollen aufgenommen worden. Es 
interliegt wohl keinem Zweifel, daß diese beiden Vorschläge durch— 
aus zweckmäßige sind und geeignet erscheinen, das in Rede stehende 
llebel sehr zu mildern. Insbesondere ist es allgemein anerkannt, 
daß ein einsichtiger und tüchtiger Heizer nicht nur das Rauchen 
iner Feuerungsanlage sehr einzuschränken vermag, sondern auch 
zegenüber einem ungeübten oder nachlässigen Arbeiter mehr an 
Brennmaterial sparen kann, als die sinnreichste Bauart der Anlage. 
Als drittes, ebenso unumgängliches, aber zur allgemeinen 
Regelung nicht geeignetes Mittel empfiehlt Weiling dasjenige, auf 
welches man das Augenmerk bisher nicht zu richten pflegte: nämlich 
zie Verbesserung der Feuerungsanlagen selbst. 
Auch hier ist ein behördliches Eingreifen seiner Ansicht nach 
nicht zu entbehren. Dasselbe darf aber nicht durch Vorschreiben 
bestimmter Konstruktionen, oder durch den Erlaß zu allgemeinen, 
ind deshalb wirkungslosen Vorschriften erfolgen; es sollte vielmehr 
eine Beaufsichtigung aller Feuerungsanlagen durch Sachverständige 
eingeführt werden, welche von Fall zu Fall zu ermessen hätten, 
ob die ganze Feuerungsanlage zweckmäßig ist, ob der richtige Brenn— 
toff gewählt ist, welche Aenderungen etwa rathsam sein möchten 
ind öb der betreffende Industriezweig die hiermit verknüpfte, zeit— 
veilige Belästigung zu ertragen im Stande sein würde. Die ge— 
hörig zu begründenden Gutachten dieser Sachverständigen könnten 
dann mit Fug und Recht als Grundlage der behördlichen Ent— 
cheidung dienen. Von solchem Vorgehen ist nicht nur keine Schädigung 
»er Industrie zu befürchten, sondern selbst eine Verbesserung ihrer 
Einrichtungen neben der erstrebten Verminderung der Rauchplage 
zu erhoffen. 
Betriebe in 88 35, 36 bestimmt, daß dieselben binnen einer Woche, 
iachdem der Unternehmer Mitglied einer Berufsgenossenschaft ge— 
vorden ist, der unteren Verwaltungsbehörde angezeigt und daß die 
Anzeigen binnen einer Woche nach ihrem Eingang von den unteren 
Verwaltungsbehörden den betreffenden Genossenschaftsvorständen 
nitgetheilt werden müssen. Diese Bestimmung gewinnt erst mit 
»em Inslebentreten der Berufsgenossenschaften Geltung. Soweit 
edoch schon jetzt nachträgliche Anmeldungen derartiger Betriebe 
zurch die Verwaltungsbehörden dem Reichs-Versicherungsamte ein— 
jesandt wurden, fauden dieselben bei den Einladungen zu den 
Feneralversammlungen Berücksichtigung. Das Reichs-Versicherungs— 
amt hält diese nachträglichen Anmeldungen auch aus dem Grunde 
iür wünschenswerth, damit den Vorständen der Berufsgenossen— 
chaften demnächst behufs Aufstellung der Genossenschaftskataster 
»in möglichst vollständiges Material von Seiten des Reichs-Ver— 
icherungsamts mitgetheilt werden könne. 
Unfallversicherung. Fortgesetzt gelangen an das Reichs— 
Versicherungsamt Vorstellungen von Betriebsunternehmern, welche 
inter Darstellung der thatsächlichen Betriebsverhältnisse eine Ent— 
cheidung darüber erbitten, ob ihr Betrieb unter das Unfallver— 
icherungsgesetz falle oder nicht. — Das Reichs-Versicherungsamt 
prach in allen Fällen sich dahin aus, daß die Entscheidung dar— 
iber, ob ein bestimmtes einzelnes Unternehmen nach den konkreten 
Betriebsverhältnissen als versicherungspflichtig im Sinne des Un— 
allversicherungsgesetzes zu erachten sei, gemäß 8 37 a. a. O. end— 
ziltig erst nach Konstituirung der Berufsgenossenschaften durch die 
Benossenschaftsvorstände in erster, durch das Reichs-Versicherungs— 
imt in zweiter und letzter Instanz erfolgen könne, und daß das 
etztere daher nicht in der Lage sei, schon im gegenwärtigen Sta— 
ium zu derartigen Eingaben Stellung zu nehmen. 
Fensterscheiben zu reinigen. Wenn Maurer oder 
Gipser an einem Hause gearbeitet haben, so sind die Fenster, be— 
onders wenn es längere Zeit gedauert hat, nur sehr schwer wieder 
cein und blank zu bringen. Durch Anwendung von Bürsten oder 
zurch kräftiges Scheuern mit groben Lumpen werden die Glas— 
cheiben leicht zerkratzt; wenn man sie aber mit scharfem Essig oder 
nit verdünnter Salzsäure benetzt, so werden die grauen matten 
Stellen, die sonst gar nicht weichen wollen, ganz von selbst ver— 
chwinden, und nach dem Abspülen mit reinem Wasser wird das 
Vlas wieder klar und durchsichtig erscheinen. („Kunst und Gewerbe.“ 
Erfindungen. 
Unter Nr. 30159 (vom 18. Inni 1884 ab) ist den Herren 
Alexander Issaeff und Wassily Popoff in St. Petersburg ein Pa— 
ent auf eine Maschine zur Anfertigug von Parquet— 
ußböden und Holzpflasterklötzen ertheilt worden. Das 
Wesentliche der durch diese Maschine verrichteten Holzbearbeitung 
»esteht in Folgendem: Die Klötze werden in genügend vorbereitetem 
Zustande durch Zuführungsrollen vor eine Kreissäge gebracht, 
velche rechtwinklig gegen den Klotz zum Abschneiden eines Stückes 
vorgeschoben wird. Das hier abgeschnittene Stück wird von einem 
Breifer erfaßt und vor eine entsprechend geformte Matrize gebracht, 
durch welche das Stück mittelst eines Stanzbalkens gedrückt wird, 
um auf einen bestimmten Querschnitt gebracht und aleichzeitig ge— 
glättet zu werden. 
Es kann den Klötzen ein vierkantiger oder bei Verwendung 
entsprechender Matrizen auch ein sechskantiger Querschnitt ertheilt 
werden. Sollen die Klötze zur Holzpflasterung verwendet werden, 
so werden sie noch in der Matrize von zwei seitlich vorgeschobenen 
Bohrern angebohrt. — 
Entscheidungen. 
Der Käufer eines Hauses bemerkte schon wenige Wochen 
nach dessen Uebernahme, daß die Keller desselben nicht wasserdicht 
varen. Er verlangte deshalb Herabminderung des noch nicht voll— 
tändig gezahlten Kaufpreises, die der Verkäufer jedoch verweigerte, 
rreichte aber auf Klage folgende günstige Entscheidung: Jeder 
Mangel, welcher den ordnungsmäßigen Gebrauch einer gekauften 
Sache in erheblichem Maße hindert, ist als ein zur Aufhebung des 
Vertrages oder Preisminderung berechtigender Fehler zu betrachten 
Daß die verkaufte Sache selbst, mit dem Fehler behastet sein muß, 
st selbstverständlich. Keller eines Grundstücks sind integrirende 
Theile desselben; mangelhafte Beschaffenheit solcher Keller ist also 
ein Fehler des verkauften Hauses selbst. Ihre Bestimmung ist, 
zen Einflüssen zu widerstehen, welche Wetter und Temperaturver— 
sältnisse äußern, namentlich solche Gegenstände dagegen zu sichern 
eren Erhaltung einen trockenen und möglichst gleichmäßig temperirter 
Aufbewahrungsort erfordert. Nothwendige Eigenschaft eines fehler 
Unfallversicherung. Auf wiederholte Anfragen von 
Verwaltungsbehörden und Privaten, wie es hinsichtlich der An— 
neldung solcher Betriebe gehalten werden solle, welche erst nach 
dem 1. September 1884 entstanden oder unfallversicherungspflichtig 
eworden sind, erwiderte das Reichs-Versicherungsamt: Das Ün⸗— 
allversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884 hat bezüglich der nach dem 
. September 1884 cröffneten. bder versichecungspflichtig gewordenen
	        

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