Volltext: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Erfindungen. 
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tragenden Konstruktionen durch unverbrennliches Material, d. h. 
dnrch Anwendung von Stein und Eisen für Wände, Stützen und 
Träger, und in den Balkenlagen und Decken durch Anwendung der 
üblichen Schutzmittel überall mindestens soweit gesorgt werden, wie 
dies für Wohngebäude verlangt wird. Aber auch üher diese An— 
forderungen hinaus müssen freie Bretterwände und Verkleidungen 
auf das geringste, mit dem Zwecke der betr. Gebäude noch verein— 
bare Maaß eingeschränkt werden. 
Bei großen Lokalen mit mehrfachen, übereinander liegenden 
offenen Gallerien, welche an sich einige Zeit zu ihrer Räumung 
prauchen, und bei sehr großen Sälen, welche etwa mehr als 
3000 Persouen fassen, würde, wenn dieselben direkt unter dem 
Dache liegen, die Anordnung eiserner Dächer und Decken dem 
gegenmäriigen Stand der Technik entsprechen. 
Die Beleuchtungsfrage befindet sich zur Zeit auf einer Durch— 
zangsstuse, auf welcher eine obligatorische Anwendung des elek— 
rischen Lichtes noch nicht genügt. Es werden deshalb für die 
Gasbel euchtung die bekannten Sicherheitsmaßregeln hinsichtlich der 
Leitungen, der einzelnen offenen Flammen, somie zur Absperrung 
der Zuleitungen von Außen und die Theilung der Rohrleitungen 
in mehrere Systeme, soweit dies durch die besonderen Verhältunisse 
solcher Lokale geboten ist, zur Anwendung kommen müssen. Nach 
Einführung des elektrischen Lichtes wird indessen, wenn andere 
Flammen überhaupt nicht mehr erforderlich und sonstige Feuer— 
stellen in geführender Nähe nicht vorhanden sind, die Feuersicher— 
heit des inneren Ausbaues eine geringere sein können. 
Von besonderer Bedeutung hinsichtlich der Feuersicherheit 
»aulicher Anlagen ist die Zugänglichkeit derselben für die Feuer— 
löschgerärlhe und die Anordnungen, welche an Ort und Stelle zur 
Beschränkung und Dämpfung eines entstandenen Brandes getroffen 
werden. Wo Wasserleitungen mit entsprechendem Druck vorhanden 
sind, werden Hydranten und Feuerhähne innerhalb der betreffen⸗ 
den Gebäude zweckmäßig sein. In Theatern sind z. B. die eisernen 
Vorhänge zum Abschluß der Bühne gegen den Zuschauerraum, die 
Anordnung von Ventilationsschloten, und in inneren Brandmauern 
die, Anwendung eiserner selbstschließender Thüren vor Oeffnungen, 
welche nicht entbehrt werden können, nach den bisherigen Erfahrungen 
als zweckmäßig zu erachten. Die Anordnung der Zufahrten und 
Höse für die Zuführung der Feuerlöschgeräthe wird von der jeweiligen 
Einrichtung, Tragweite und Beweglichkeit der letzteren, also von 
zffentlichen lokalen Einrichtungen abhängig bleiben müssen. 
Von noch größerer Wichtigkeit für die Sicherheit der Personen 
in großen Versammlungsräumen ist aber die Anordnung und An— 
zahl der Ausgänge für das Publikum, denn fast alle größeren 
Unglücksfälle, von welchen zahlreiche Personen in solchen Lokalen 
betroffen wurden, sind dadurch herbeigeführt, daß bei einer eintreten 
den oder nur drohenden Gefahr die Räumung solcher Lokale nicht 
chnell und sicher genug erfolgte. 
Wenn man die ungünstigsten Verhältnisse, unter welchen 
größere Menschenmengen versammelt zu sein pflegen, annimmt, 
also Räume mit künstlicher Beleuchtung, die Zeit der Dunkelheit 
Naußen, eine größere Entfernung von“ öffentlichen Straßen oder 
freien Plätzen und innerhalb der Gebäude die Vertheilung der 
Menschen in mehreren, durch zahlreiche Treppenstufen uͤnd nur auf 
weiteren Verbindungswegen erreichbaren, an sich engen und un— 
gewohnten Räumlichkeiten voraussetzt, so wird, auch bei den besten 
Einrichtungen, immer ein nicht gaüz geringer Zeitraum vergehen, 
hevor die in solchem Lokal eingeschlossenen Personen, wenn' auch 
alle gleichzeitig aufbrechen, bis in's Freie gelangen können. Je 
kürzer dieser Zeiraum aber ist, desto ruhiger wird das Publikum 
im Augenblick der Gefahr sein und desto geringer wird an sich die 
Wahrscheinlichkeit für ernstere Unfälle werden. 
Man wird aber wünschen müssen, daß die Zeit, in welcher 
eine Räumung öffentlicher Anlagen dieser Art ausführbar sein soll, 
moͤglichst gleichmäßig bemessen werde, um dem Publikum an allen 
solchen Orten das gleiche Gefühl der Sicherheit zu geben und daß 
hierbei nicht allein den Rückfichten auf möglichst sichere und schnelle 
Räumung Rechnung getragen wird, sonden daß die zu treffenden 
Anordnungen sich auch an übliche Einrichtungen anschließen und 
mit nicht zu großen Opfern durchführbar sind. Hierfür das Richtige 
zu finden, ist der Kern der vorliegenden Frage. 
Schluß folat. 
zäufig, besonders im Hochsommer, wenn die Sprossen durch die 
Ditze auseinanderrücken und sich verlängern, so daß das Glas auf 
Zug in Anspruch genommen wird. Der Versuch, durch Zinkblech— 
innen am Sparren das durchdringende Wasser aufzufangen, hat 
elten den gewünschten Erfolg und kann selbstverständlich das Los— 
ösen der oberen Verkittung nicht verhindern. Das folgende, von 
Professor Göller am Kgl. Polytechnikum in Stuttgart vorgeschlagene 
und ihm patentirte Verfahren (D. R.“P. 30955) verspricht, wie 
dem „Bauunternehmer“ gemeldet wird, ein dauernd dichtes Glas— 
dach zu liefern und die erwähnten Spannungen in den Tafeln durch 
die nöthige Beweglichkeit derselben zu vermeiden. Es werden 
Streifen aus Blei, nicht über 0,7 wmm stark, vor dem Verlegen 
»er Tafeln in der Werkstätte an die seitlichen Ränder des Glases 
zesetzt. Beim Verlegen kommen diese Streifen auf die Unterfläche 
der Tafel zu liegen und legen sich mit ihrem beweglichen Theil 
ain die Mittelrippe des Sprossens, über die sie hinübergeschlagen 
werden. Zum weiteren Verschluß der Fuge, sowie zum Schutz 
zegen das Heben und Abrutschen der Tafeln wird der Sprossen 
ioch mit einer Zinkblechkappe bedeckt, die im Profil wie ein Zoroͤs— 
eisen gestaltet ist und durch horizontale Mutterschrauben an die 
Zprossenrippe gepreßt wird. Der durchschnittlich 4 mmn hohe 
Hohlraum zwischen dem schwach nach außen abfallenden Fuß der 
dappe und dem Glas wird von der Seite her mit Kitt ausgestrichen, 
um den Wasserandrang zu den Bleistreifen, wenn nicht aufzuheben, 
o doch einzuschränken, ferner um Genauigkeit der Arbeit beim 
Falzen der Kappen überflüssig zu machen. Jede Glastafel wird 
uuf dem Sprossen durch Aufkleben von gefalztem Staniol auf dessen 
Flantschen beweglich gelagert, wodurch der Kitt vom Eisen getrennt 
ind von dessen Ausdehnung unabhängig ist, indem er nach seinem 
Frhärten mit dem oberen Theil des Staniolfalzes als Fuß auf 
»em Sprossen gleiten kann, wodurch ferner die gleichmässige Druck— 
nertheilung zwischen Glas und Sprossen nicht beeinträchtigt ist. 
Auch die Beweglichkeit einer Tafel auf der nächstunteren wird bei 
zleichzeitigem dichtem Fugenverschluß durch Einlage gefalzten Staniols 
in die Verkittung erreicht. 
Die Verbindung der Bleistreifen mit den Tafeln, von deren 
dauernder Wosserdichtheit diejenige des ganzen Daches in erster 
kdinie abhängig ist, besteht darin, daß man sie zwischen die Tafel 
ind einen auf sie gehefteten, etwa 15 mm breiten Stab aus ein— 
ach starkem Glas einklemmt und diesen durch Zinkblechklammern 
in den Tafelecken gegen jede seitliche Verschiebung sichert. Zwischen 
Hlesstab, Bleistreifen und Tafelraud wird mit gewöhnlichem Glaser— 
eitt gedichtet; die Blechklammern werden mit einem schnell erhärtenden 
ditt aus Schellacklösung und Bleiglätte angesetzt und kommen auf 
dem Dach so zu liegen, daß sie sich nicht verschieben können, auch 
venn das Bindemittel sich nicht mehr am Glas festhalten würde. 
Eine solche Klammer kommt auf etwa 3 Pf. zu stehen; die Glas— 
täbe können bis zu Längen von 1,25 m noch aus einfach starkem 
Blas geschnitten werden. Die Glasbedachung mit Randstreifen 
etzt größere Tafeln voraus, von denen nicht über 6 auf den Quadrät— 
neter gehen; bei kleineren Tafeln würden die Auslagen für Blei 
uind Klammern zu groß. Die obere Grenze der Tafelgröße ist 
agegen unbeschränkt. 
Ein in Stuttgart im Oktober 1884 ausgeführtes Dach von 
10 qm hat sich bisher auch bei den heftigsten Regengüssen als 
»urchäus wasserdicht bewährt, und es wird nun die neue Eindeckungs— 
veise auch am Museum der bildenden Künste und am Kunstschulgebäude 
aselbst zur Anwendung kommen. Die Mehrkosten gegenüber dem 
jewöhnlichen Kittdach betragen mit Einschluß der Sprossenkappen 
etwa 2-21/, Mik. pro Quadratmeter, und es sind für die Ausführung 
einerlei Einrichtungskosten nothwendig. 
Die Rauchverbrennung — ein gelöstes Problem.“') 
Auf allen Gebieten hat sich der menschliche Erfindungsgeist in 
»ahnbrechender Weise geäußert und unerreichbar erscheinende Pro— 
»leme wurden in scharfsinniger Weise gelöft. Trotzdem gibt es 
uoch manche Aufgabe, deren endgiltige Lösung gewiß den Dank 
der Menschheit verdienen würde. Ein solches dankbares Feld 
hietet bekanntlich die Rauchverzehrung, welche nicht nur den Zweck 
hat, bedeutende Ersparnisse an dem zur Feuerung verwendeten 
Material herbeizuführen, sondern auch die so überaus lästiae Ver— 
inreinigung der Atmosphäre zu vermeiden. 
Einem Amerikaner, Herrn Franklin B. Giesiler, Ingenieur 
in North-Point, soll es nach Ackermann's „Ill. Gew-Ztg.“ ge— 
lungen sein, einen Rauchverzehrungsapparat zu konstruiren, der 
ven angestrebten Zweck vollkommen erreicht. Der sehr einfache, 
virksame Apparat besteht aus einer über dem Kessel angebrachten 
Trommel aus starkem Eisenblech, welche als Reservoir für den 
ich bei der Feuerung bildenden Rauch in Verbindung mit den 
sich dabei entwickelnden Gasen dient. Letztere werden durch eine 
*) Siehe Nr. 18 über denselben Gegenstand. Die Lösung dieses Pro— 
lems wird sich erst im Laufe der Reit erproben müssen 
Erfindungen. 
Eine neue Glasbedachung. Die gewöhnliche Her— 
stellungsweise der Glasdächer auf Eisensprossen mit Verkittung hat 
bekanntlich den Nachtheil, daß die Verkittung durch Ausdehnung 
und Kontraktion der eisernen Verbandstücke bei Temperaturänderung 
immer wieder zerreißt, wodurch nicht nur eine häufige Ausbesserung 
nöthig wird, sondern trotz derselben fast immer schadhafte Stellen 
vorhanden sind. Aus denselhen Ursachen zerspringen aucb die Tafeln
	        
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