295
Erfindungen.
296
tragenden Konstruktionen durch unverbrennliches Material, d. h.
dnrch Anwendung von Stein und Eisen für Wände, Stützen und
Träger, und in den Balkenlagen und Decken durch Anwendung der
üblichen Schutzmittel überall mindestens soweit gesorgt werden, wie
dies für Wohngebäude verlangt wird. Aber auch üher diese An—
forderungen hinaus müssen freie Bretterwände und Verkleidungen
auf das geringste, mit dem Zwecke der betr. Gebäude noch verein—
bare Maaß eingeschränkt werden.
Bei großen Lokalen mit mehrfachen, übereinander liegenden
offenen Gallerien, welche an sich einige Zeit zu ihrer Räumung
prauchen, und bei sehr großen Sälen, welche etwa mehr als
3000 Persouen fassen, würde, wenn dieselben direkt unter dem
Dache liegen, die Anordnung eiserner Dächer und Decken dem
gegenmäriigen Stand der Technik entsprechen.
Die Beleuchtungsfrage befindet sich zur Zeit auf einer Durch—
zangsstuse, auf welcher eine obligatorische Anwendung des elek—
rischen Lichtes noch nicht genügt. Es werden deshalb für die
Gasbel euchtung die bekannten Sicherheitsmaßregeln hinsichtlich der
Leitungen, der einzelnen offenen Flammen, somie zur Absperrung
der Zuleitungen von Außen und die Theilung der Rohrleitungen
in mehrere Systeme, soweit dies durch die besonderen Verhältunisse
solcher Lokale geboten ist, zur Anwendung kommen müssen. Nach
Einführung des elektrischen Lichtes wird indessen, wenn andere
Flammen überhaupt nicht mehr erforderlich und sonstige Feuer—
stellen in geführender Nähe nicht vorhanden sind, die Feuersicher—
heit des inneren Ausbaues eine geringere sein können.
Von besonderer Bedeutung hinsichtlich der Feuersicherheit
»aulicher Anlagen ist die Zugänglichkeit derselben für die Feuer—
löschgerärlhe und die Anordnungen, welche an Ort und Stelle zur
Beschränkung und Dämpfung eines entstandenen Brandes getroffen
werden. Wo Wasserleitungen mit entsprechendem Druck vorhanden
sind, werden Hydranten und Feuerhähne innerhalb der betreffen⸗
den Gebäude zweckmäßig sein. In Theatern sind z. B. die eisernen
Vorhänge zum Abschluß der Bühne gegen den Zuschauerraum, die
Anordnung von Ventilationsschloten, und in inneren Brandmauern
die, Anwendung eiserner selbstschließender Thüren vor Oeffnungen,
welche nicht entbehrt werden können, nach den bisherigen Erfahrungen
als zweckmäßig zu erachten. Die Anordnung der Zufahrten und
Höse für die Zuführung der Feuerlöschgeräthe wird von der jeweiligen
Einrichtung, Tragweite und Beweglichkeit der letzteren, also von
zffentlichen lokalen Einrichtungen abhängig bleiben müssen.
Von noch größerer Wichtigkeit für die Sicherheit der Personen
in großen Versammlungsräumen ist aber die Anordnung und An—
zahl der Ausgänge für das Publikum, denn fast alle größeren
Unglücksfälle, von welchen zahlreiche Personen in solchen Lokalen
betroffen wurden, sind dadurch herbeigeführt, daß bei einer eintreten
den oder nur drohenden Gefahr die Räumung solcher Lokale nicht
chnell und sicher genug erfolgte.
Wenn man die ungünstigsten Verhältnisse, unter welchen
größere Menschenmengen versammelt zu sein pflegen, annimmt,
also Räume mit künstlicher Beleuchtung, die Zeit der Dunkelheit
Naußen, eine größere Entfernung von“ öffentlichen Straßen oder
freien Plätzen und innerhalb der Gebäude die Vertheilung der
Menschen in mehreren, durch zahlreiche Treppenstufen uͤnd nur auf
weiteren Verbindungswegen erreichbaren, an sich engen und un—
gewohnten Räumlichkeiten voraussetzt, so wird, auch bei den besten
Einrichtungen, immer ein nicht gaüz geringer Zeitraum vergehen,
hevor die in solchem Lokal eingeschlossenen Personen, wenn' auch
alle gleichzeitig aufbrechen, bis in's Freie gelangen können. Je
kürzer dieser Zeiraum aber ist, desto ruhiger wird das Publikum
im Augenblick der Gefahr sein und desto geringer wird an sich die
Wahrscheinlichkeit für ernstere Unfälle werden.
Man wird aber wünschen müssen, daß die Zeit, in welcher
eine Räumung öffentlicher Anlagen dieser Art ausführbar sein soll,
moͤglichst gleichmäßig bemessen werde, um dem Publikum an allen
solchen Orten das gleiche Gefühl der Sicherheit zu geben und daß
hierbei nicht allein den Rückfichten auf möglichst sichere und schnelle
Räumung Rechnung getragen wird, sonden daß die zu treffenden
Anordnungen sich auch an übliche Einrichtungen anschließen und
mit nicht zu großen Opfern durchführbar sind. Hierfür das Richtige
zu finden, ist der Kern der vorliegenden Frage.
Schluß folat.
zäufig, besonders im Hochsommer, wenn die Sprossen durch die
Ditze auseinanderrücken und sich verlängern, so daß das Glas auf
Zug in Anspruch genommen wird. Der Versuch, durch Zinkblech—
innen am Sparren das durchdringende Wasser aufzufangen, hat
elten den gewünschten Erfolg und kann selbstverständlich das Los—
ösen der oberen Verkittung nicht verhindern. Das folgende, von
Professor Göller am Kgl. Polytechnikum in Stuttgart vorgeschlagene
und ihm patentirte Verfahren (D. R.“P. 30955) verspricht, wie
dem „Bauunternehmer“ gemeldet wird, ein dauernd dichtes Glas—
dach zu liefern und die erwähnten Spannungen in den Tafeln durch
die nöthige Beweglichkeit derselben zu vermeiden. Es werden
Streifen aus Blei, nicht über 0,7 wmm stark, vor dem Verlegen
»er Tafeln in der Werkstätte an die seitlichen Ränder des Glases
zesetzt. Beim Verlegen kommen diese Streifen auf die Unterfläche
der Tafel zu liegen und legen sich mit ihrem beweglichen Theil
ain die Mittelrippe des Sprossens, über die sie hinübergeschlagen
werden. Zum weiteren Verschluß der Fuge, sowie zum Schutz
zegen das Heben und Abrutschen der Tafeln wird der Sprossen
ioch mit einer Zinkblechkappe bedeckt, die im Profil wie ein Zoroͤs—
eisen gestaltet ist und durch horizontale Mutterschrauben an die
Zprossenrippe gepreßt wird. Der durchschnittlich 4 mmn hohe
Hohlraum zwischen dem schwach nach außen abfallenden Fuß der
dappe und dem Glas wird von der Seite her mit Kitt ausgestrichen,
um den Wasserandrang zu den Bleistreifen, wenn nicht aufzuheben,
o doch einzuschränken, ferner um Genauigkeit der Arbeit beim
Falzen der Kappen überflüssig zu machen. Jede Glastafel wird
uuf dem Sprossen durch Aufkleben von gefalztem Staniol auf dessen
Flantschen beweglich gelagert, wodurch der Kitt vom Eisen getrennt
ind von dessen Ausdehnung unabhängig ist, indem er nach seinem
Frhärten mit dem oberen Theil des Staniolfalzes als Fuß auf
»em Sprossen gleiten kann, wodurch ferner die gleichmässige Druck—
nertheilung zwischen Glas und Sprossen nicht beeinträchtigt ist.
Auch die Beweglichkeit einer Tafel auf der nächstunteren wird bei
zleichzeitigem dichtem Fugenverschluß durch Einlage gefalzten Staniols
in die Verkittung erreicht.
Die Verbindung der Bleistreifen mit den Tafeln, von deren
dauernder Wosserdichtheit diejenige des ganzen Daches in erster
kdinie abhängig ist, besteht darin, daß man sie zwischen die Tafel
ind einen auf sie gehefteten, etwa 15 mm breiten Stab aus ein—
ach starkem Glas einklemmt und diesen durch Zinkblechklammern
in den Tafelecken gegen jede seitliche Verschiebung sichert. Zwischen
Hlesstab, Bleistreifen und Tafelraud wird mit gewöhnlichem Glaser—
eitt gedichtet; die Blechklammern werden mit einem schnell erhärtenden
ditt aus Schellacklösung und Bleiglätte angesetzt und kommen auf
dem Dach so zu liegen, daß sie sich nicht verschieben können, auch
venn das Bindemittel sich nicht mehr am Glas festhalten würde.
Eine solche Klammer kommt auf etwa 3 Pf. zu stehen; die Glas—
täbe können bis zu Längen von 1,25 m noch aus einfach starkem
Blas geschnitten werden. Die Glasbedachung mit Randstreifen
etzt größere Tafeln voraus, von denen nicht über 6 auf den Quadrät—
neter gehen; bei kleineren Tafeln würden die Auslagen für Blei
uind Klammern zu groß. Die obere Grenze der Tafelgröße ist
agegen unbeschränkt.
Ein in Stuttgart im Oktober 1884 ausgeführtes Dach von
10 qm hat sich bisher auch bei den heftigsten Regengüssen als
»urchäus wasserdicht bewährt, und es wird nun die neue Eindeckungs—
veise auch am Museum der bildenden Künste und am Kunstschulgebäude
aselbst zur Anwendung kommen. Die Mehrkosten gegenüber dem
jewöhnlichen Kittdach betragen mit Einschluß der Sprossenkappen
etwa 2-21/, Mik. pro Quadratmeter, und es sind für die Ausführung
einerlei Einrichtungskosten nothwendig.
Die Rauchverbrennung — ein gelöstes Problem.“')
Auf allen Gebieten hat sich der menschliche Erfindungsgeist in
»ahnbrechender Weise geäußert und unerreichbar erscheinende Pro—
»leme wurden in scharfsinniger Weise gelöft. Trotzdem gibt es
uoch manche Aufgabe, deren endgiltige Lösung gewiß den Dank
der Menschheit verdienen würde. Ein solches dankbares Feld
hietet bekanntlich die Rauchverzehrung, welche nicht nur den Zweck
hat, bedeutende Ersparnisse an dem zur Feuerung verwendeten
Material herbeizuführen, sondern auch die so überaus lästiae Ver—
inreinigung der Atmosphäre zu vermeiden.
Einem Amerikaner, Herrn Franklin B. Giesiler, Ingenieur
in North-Point, soll es nach Ackermann's „Ill. Gew-Ztg.“ ge—
lungen sein, einen Rauchverzehrungsapparat zu konstruiren, der
ven angestrebten Zweck vollkommen erreicht. Der sehr einfache,
virksame Apparat besteht aus einer über dem Kessel angebrachten
Trommel aus starkem Eisenblech, welche als Reservoir für den
ich bei der Feuerung bildenden Rauch in Verbindung mit den
sich dabei entwickelnden Gasen dient. Letztere werden durch eine
*) Siehe Nr. 18 über denselben Gegenstand. Die Lösung dieses Pro—
lems wird sich erst im Laufe der Reit erproben müssen
Erfindungen.
Eine neue Glasbedachung. Die gewöhnliche Her—
stellungsweise der Glasdächer auf Eisensprossen mit Verkittung hat
bekanntlich den Nachtheil, daß die Verkittung durch Ausdehnung
und Kontraktion der eisernen Verbandstücke bei Temperaturänderung
immer wieder zerreißt, wodurch nicht nur eine häufige Ausbesserung
nöthig wird, sondern trotz derselben fast immer schadhafte Stellen
vorhanden sind. Aus denselhen Ursachen zerspringen aucb die Tafeln