Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Mittheilungen aus der Praxis. 
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ogenannte Rauchzentrifuge aus dem Reservoir gezogen und mit 
dem nöthigen, durch eine Klappe zu regulirenden Quantum Sauer— 
toff vermischt, mittelst Druckes dieser Zentrifuge unter den Rost 
zurch die glühenden Kohlen des Feuerherdes gezwängt und so 
deren Verbrennung herbeigeführt. Da der Schornstein durch eine 
lappe geschlossen ist, so können weder Rauch noch Gase durch 
enselben nach oben entweichen, müssen sich daher in dem Reservoir 
insammeln, von welchem aus sie einen beständigen Kreislauf über 
en Feuerherd anzutreten genöthigt sind. In Folge der Zentrifuge 
werden nicht nur die in der Trommel befindlichen Gase den 
Jlühenden Kohlen wieder zugeführt, sondern letztere auch beständig 
n höchster Gluth erhalten. Die kleine Quantität unverbrennbarer 
Base wird durch eine fünfzöllige, mit einem stellbaren Ventil ver— 
ehene Röhre abgeleitet und ist es durchaus nicht nöthig, daß dies 
aach oben hin geschieht, da diese Ableitung ebenso gut und viel 
zilliger unterirdisch geschehen kann. Es wird somit in Zukunft 
auch nicht mehr nöthig sein, hohe Fabrikschornsteine zu bauen, 
»a mit dem neuen Apparat am Dampfkessel ein Schornstein ge— 
nügt, dessen Luftzug hinreichend ist, um das Feuer unter dem 
Kessel in Brand zu setzen. 
Folgende, mit größter Genauigkeit mit dem Apparate in einer 
dortigen Fabrik vorgenommenen Proben ergaben nachstehendes 
Resultat, welches besser, als alle theoretischen Abhandlungen, ge— 
eignet ist, die Brauchbarkeit des Apparates praktisch und über— 
zeugend darzuthun: Bei zehnstündiger Arbeitszeit wurden ohne 
den Apparat bei einem Quantum von 4368 Pfund Wasser 6,22 
Pfund Wasser per Pfund verbrannten Heizmaterials verduustet, 
während mit dem Apparate bei einem Quantum von 5116 Pfund 
Wasser eine Verdunstung von 9,93 Pfund Wasser per Pfund ver—⸗ 
»rannten Heizmaterials, somit ein Gewinn von 61,8 Prozent bei 
der Dampferzeugung erzielt wurde. Am ersten Tage wurden 
700 Pfund Kohlen zur Feuerung gebraucht, am zweiten dagegen, 
eben in Folge des der Feuerung durch die Centrifuge beständig 
zugeführten, gleichmäßig starken Luftdrucks nur 515 Pfund, während 
rußerdem am zweiten Tage noch ein bedeutend größeres Quantum 
Arbeit verrichtet werden konnte. Ein anderer, sicherlich nicht zu 
uinterschätzender Vortheil besteht darin, daß am ersten Tage ge— 
iebte „Pea“-Kohle zu 2,50 Dollars per Tonne zur Feuerung benutzt 
verden mußte, wo hingegen mit dem Rauchverbrennungsapparate 
in Folge des durch denselben herbeigeführten stärkeren Luftzuges 
dohlenstaub verwendet werden konnte, der nur 75 Ets. (also 
och nicht den dritten Theil) per Tonne kostet. 
»urch Benutzung desselben zur Weide für seine Viehheerden und 
zurch Ausrechen des von den Bäumen gefallenen Laubes, um das— 
elbe als Lager für das Vieh in den Ställen zu verwerthen. Das 
Kieh hat eine große Vorliebe für die jungen Schößlinge der edlen 
raubhölzer, verschmäht aber meist die harzigen und stacheligen 
Nadelholztriebe, und so ist es vielfach geschehen, daß jene nicht auf— 
ommen konnten, während letztere unbehelligt in die Höhe wuchsen 
und schließlich den ganzen Bestand bildeten. 
Durch das fortwährende Ausrechen des Laubes, das dem 
Walde ungefähr dasselbe ist wie dem Acker der Dünger, wurde der 
Waldboden in vielen Gegenden derartig entkräftet, daß er die 
Fähigkeit verlor, die einen kräftigen Boden beansprucheunden edlen 
Laubhölzer auch fernerhin zu produziren, und es samten sich statt 
hrer genügsamere Holzarten, namentlich Kiefer und Birke, an, 
»der wurden auch künstlich angepflanzt. Daß auch in jetziger Zeit 
'ei einer anerkannt pflegsamen Forstwirthschaft die Nadelhölzer die 
dlen Laubhölzer, namentlich die prächtige Rothbuche, immer weiter 
zurückdrängen, hat unter Anderem seinen Grund auch in finanziellen 
ürwäqungen, denn die Nadelhölzer sind unsere hervorragendsten 
Rutzhölzer und rentiren gut, während die Buche meist nur als 
Brennholz verwendet wird und bei dem niedrigeu Vreise desselben 
aur ungenügende Erträge abwirft. 
Jene herrlichen, reinen Buchenwälder, in deren dunklem 
Schatten die nach frischer Luft sich sehnenden Städter so gern lust— 
vandeln, bilden heutzutage im Großen und Ganzen nicht mehr das 
Ideal des Forstmannes, denn unser erwerbsüchtiges Jahrhundert 
st mit seinen Ansprüchen auch in unsere einst so stillen Wälder 
zedrungen und fordert von dem Forstmann, daß er rechne und sehe. 
wie er dem Walde die größte Rente abgewinne. 
Fußboden-Kitt. Die Bildung von Fugen in den 
Zimmerdielen, welche durch das allmälige Austrocknen des 
Holzes entstehen und welche, ganz abgesehen von dem unschönen 
Aussehen, eine Ablagerungsstaͤtte für Staub und Kehricht dar— 
tellen, ist eine unvermeidliche Zugabe in neuen Wohnungen 
ZStatt des seither am meisten gebraͤuchlichen Ausspänens der Dielen 
vendet man nach der „Baug.-Zeitung“ vortheilhafter das Aus— 
itten an. Der Kitt vesteht aus 1Gewichtstheil Ocker, aus 
JGewichtstheil Sägemehl und aus 1 Gewichtstheil Kölner Leim. 
Der Leim wird 24 Stunden vor dem Anfertigen des Kitts in 
eine flache Schüssel gelegt, mit Wasser bedeckt, wodurch er zu 
einer Gallerte quillt; sodann rührt man den Ocker mit Wasser zu 
einem Brei an, fügt die Leimgallerte sammt dem noch überstehenden 
Wasser demselben bei und stellt das Gefäß am Heerd über das 
Feuer, wobei man fleißig umrührt, bis sich die Gallerte vollständig 
Jjelöst hat. Ist dies geschehen, so entfernt man das Gefäß vom 
Feuer und rührt das Sägemehl partieweise ein, wobei man er— 
orderlichenfalls so viel Wasser zugiebt, bis der Kitt die nöthige 
donsistenz erreicht hat. Dieser Kitt darf erst nach vollständigem 
Frkalten angewendet werden. Sehr geoße Fugen wird man vor— 
theilhaft vorerst mit Werg oder altem Zeitungspapier ausstopfen 
ind dann erst den Kitt hineindrücken. Ebenso ist es vortheilhaft, 
tleine Fugen zuerst mit einer Messerklinge zu durchstoßen, dann 
»en Kitt mit den Fingern der rechten Hand hineinzudrücken, ihn 
nit der Klinge zu verstreichen und schließlich mit einem Leinwand— 
appen gleichzuwischen. Dieser Kitt wird nach einigen Tagen stein— 
sjart und bricht nie, indem er von den Sägespänen immer zu 
ammenaehalten wird. 
Eine erprobte Dachbedeckung. (Von Herrn Dr 
Burger in Michelstadt i. O.) Die durch die Firma M. Ehret jir 
u. Co. in Philadelphia in den Handel gebrachte fertige Dachbe— 
deckung besteht aus zwei- und dreispaltigem Filz, mit einer Lage 
vasserdichten Cements zwischen jeder Spalte, aus Asphalt-Cement 
ind aus BlechKrampen. Der Filz wird in Rollen verpackt und 
ist mit Anweisungen zum Handhaben desselben beim Dachdecken 
bersehen; jede Rolle hat eine Größe von 10, auf 10 Fuß. Der 
Asphalt'ist in Barrels und Kannen verpackt, kann sofort nach dem 
Auspacken gebraucht werden und wird bei der Anwendung hart. 
Die Blech-Krampen verhindern das Eindringen des Nagelkopfes in 
den Filz. Diese fertige Dachbedeckung spaltet nie, weil sie wie 
Schicfer u. s. w. nebeneinander gelegt wied, sie ist durchaus wind— 
und wasserdicht und gegen Feuchtigkeit unempfindlich, sowohl für 
chiefe, als auch für flache Dächer anwendbar, und kann von irgend 
Jemand in viel kürzerer Zeit und mit viel geringeren Auslagen 
Jelegt werden, als jede andere Bedachung, kostet ferner 24 weniger, 
ils Bleche oder Eisendächer. Diese Dachbedeckung hat ohne Zweifel 
— 
Heliebt, daß obige Firma in St. Louis ein Zweiggeschäft errichtet 
hat, auch bereit ist, jede gewünschte Auskunft, sowie Zirkulare und 
Kreislisten überall hin mitzutheilen. 
Mittheilungen aus der Praxis. 
Das Verschwinden einzelner Holzarten aus 
deutschen Wäldern. Die Erscheinung, daß in den Wäldern ge— 
wisse Holzarten immer mehr verschwinden und dafür andere an 
zeren Stelle treten, ist eine auch in unserem waldreichen deutschen 
Vaterlande häufig beobachtete Thatsache. Im allmählichen Zurück— 
weichen sind bei uns die sämmtlichen edlen Laubhölzer, wie Eiche, 
Buche, Ulme, Ahorn und Esche, begriffen, und zwar hat sich dieser 
Prozeß hauptsächlich erst in den beiden letzten Jahrhunderten voll— 
‚ogen, wie man vielfach aus alten Forstkarten und vergilbten Forst— 
ekten direkt nachweisen kann, und wird im Laufe der folgenden 
Jahrhunderte voraussichtlich noch größere Fortschritte machen. 
ün die Stelle jener Laubhölzer sind, wie dem „Centralbl. f. Holzind.“ 
Jeschrieben wird, entweder die sogenannten Weichhölzer: Birke und 
Aspe, und Nadelhölzer, wie Kiefer und Fichte, auch Lärche nebst 
Tanne, getreten. Mehr Terrain als all' die Hölzer zusammen hat 
iber die Kiefer allein gewonnen, da dieselbe für viele Bodenver— 
yältnisse nicht nur für den waldanbauenden Forstmann, sondern 
iuch fuͤr die Natur die ultima ratio bildet, um eine herunter— 
Jewirthschaftete Waldblöße wieder in den Bestand zu bringen. 
Die so übel beleumundete Lüneburger Haide hat vor vielen 
Jahrhunderten einmal an vielen Stellen starke Buchen und Eichen 
Jetragen, wie uns alte Stämme dieser Holzarten, die man noch 
zfters in den Mooren findet, zeigen, waͤhrend jetzt daselbst nur 
;zde mit Haidekraut und einzelnen krüppeligen Kiefern besteckte 
Flächen vorhanden sind, die wieder vollständig mit Kiefern in Be— 
land zu bringen sich unsere Forstlente unter Aufwendung großer 
Mühe und Kosten befleißigen. Die Schuld an dem Verschwinden 
»er edlen Laubgewächse ist aber theils direkt, theils indirekt allein 
dem Menschen zuzuweisen, der früher in unverantwortlicher Weise 
eine schönen Wälder mißhandelt hat; nach der Natur und den 
Lebensbedingungen jener Laubhölzer ist keine Nothwendigkeit vor— 
handen, weshalb dieselben im freien Kampfe um's Dasein mit ihren 
Konkurrenten, den Radelhölzern und weichen Laubhölzern, unter— 
iegen müßten. 
Am schlimmsten hat der Mensch sich am Walde versündigt
	        

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