Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

kEntscheidungen. — Konkurrenzwesen. — Berichte aus verschiedenen Städten. 
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Entscheidungen. 
Unterschied zwischen Zufall und Unfall. Eine 
wichtige Entscheidung für Bauunternehmer und Bau— 
yandwerker jällte das Reichsgericht, III. Civilsenat, in seiner 
A—— 
»ei dem Manrermeister Mirre zu Helmstedt in Arbeit. Bei der 
Aufführung einer hohen Giebelwand fiel G. von dem zu diesem 
Zwecke aufgeführten Gerüst. Der Sturz des G. hatte dessen jahre— 
ange Arbeitsunfähigkeit zur Folge: er klagte deshalb auf Zahlung 
einer Entschädigungssumme von 10,000 Wek., indem er ausführte, 
daß der Gewerbeunternehmer vermöge des Dienstvertrages, den er 
nit seinen Arbeitern schließt, die kontraktliche Pflicht übernehme, 
zie für die Sicherheit von Gesundheit und Leben derselben erfor— 
)erlichen Einrichtungen und Vorkehrungen zu treffen und dafür, 
»aß dies geschehe, die Verantwortung zu übernehmen. Der Kläger 
st jedoch in erster Instanz, als auch in der an das braunschweigische 
Oberlandesgericht eingelegten Berufung mit seinem Klageantrage 
abgewiesen. Nunmehr wandte sich G. an das Reichsgericht. Dasselbe 
yat das Urtheil beider Vor⸗Instanzen bestätigt. In den Urtheils— 
zründen wird seitens des Reichsgerichts geltend gemacht: „Dem 
läger sei in den von ihm angeführten Gründen völlig Recht zu 
zeben. Zu weit geht er dagegen, wenn er in erster Linie behauptet, 
in dem Falle, wie dem vorliegenden, hafte der Gewerbennternehmer 
nuch für den Zufall, indem er durch Stellung des Gerüstes zum 
Hebrauch für die Gesellen eine Garantie auch für jenen übernommen 
dabe. Der Kläger hat nun allerdings den Versuch gemacht, die 
zedachten thatsächlichen Feststellungen anzugreifen. Er hat nament— 
ich geltend gemacht, dieselben seien durch den Erfolg selbst wider— 
egt; nachdem das gelieferte Gerüst thatsächlich zusammengebrochen 
ei, so sei dasselbe so lange als untüchtig und unzulänglich anzu— 
iehmen gewesen, als der Beklagte nicht einen außerhalb seiner 
Beschaffenheit liegenden Grund seines Zusammenbruches dargethan 
jabe. Alle Erwagungen dieser Art, so berechtigt sie sein mögen, 
siegen auf dem thätsächlichen Gebiet, und wenn der Berufungs— 
cichter den Schluß, welchen der Kläger für allein richtig hält, auf 
Brund der erstatteten sachverständigen Gutachten nicht geglaubt hat 
iehen zu dürsen, so verstößt er damit nicht gegen Rechtsgrundjätze. 
Wenn der Revisionskläger aber noch den Vorwurf erhebt, daß der 
Berufungsrichter sich nicht hätte begnügen dürfen, die von ihm dem 
Kläger) speziell hervorgehobenen Mängel in dem Gerüstbau zu 
hrufen, sondern die Tauglichkeit desselben überhaupt hätte prüfen 
müssen, so entbehrt diese Rüge, abgesehen davon, daß auch sie keine 
Besetzesverletzung zum Gegenstande hat, der thatsächlichen Begrün— 
zung. Endlich sei erwiesen, daß Beklagter seiner Verbindlichkeit 
iachgekommen und seinen bei dem fraglichen Bau beschäftigten 
Arbeitern ein jolides und hinreichend traafähiges Gerüst gestellt 
jabe.“ U-V.⸗8. 
ind bei plötzlicher Abkühlung verhalten und welcher Art und 
Form dieselben sein müssen, um möglichst große Sicherheit zu 
zieten. Es soll auch in Rücksicht gezogen werden, welcher Grad 
yon Sicherheit von gemauerten Pfeileru im Gegensatz zu Eisen 
rwartet werden darf. 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
New Nork's Riesengebäude. Wenn man von der See— 
eite her das Prosil des gewaltigen Häusermeers New-PYoöork's be— 
bachtet, so fallen Einem gewaltige Gebäude auf, die zu solcher 
Höhe emporragen, daß man verwundert frägt, zu welchem Zwecke 
iese Gebäude wohl dienen mögen und was der Grund fur die 
Frrichtung solcher Kolosse sein mag. Die Antwort auf diese Frage 
iegt in den euormen Preisen, welche für Grundstücke, besonders 
m Geschäftstheile der unteren Stadt, verlangt werden. Dies führt 
ur Ausnützung des theuren Grundes durch Konstruktion von hohen 
sRiesen-Gebäuden, welche dann auch wieder Riesen-Renten ab— 
verfen sollen. 
Es ist etwas über zehn Jahre her, seit die Sucht, einander 
»urch Aufführung von Mammuth-Gebäuden zu überbieten, unter 
»en New-Yorker Bauherren Platz zu greifen begann. Der eigent— 
iche „Pionier“ dieser Bewegung war der Erbauer des „Tribune“⸗ 
Bebäudes, welchem bald eine große Anzahl Anderer nachfolgte. 
Dann nahm die Epidemie einen anderen Charakter an und 
vandte sich mehr der oberen Stadt zu. Der Traum eines jeden 
Rew-NYorker's ist es, in seinem eigenen Hause zu wohnen, aber 
ziesen Traum in Wirklichkeit zu verwandeln, ist mit jedem Jahre 
chwieriger geworden, und zwar in Folge der durch die lang— 
gestreckte, halb insulare Lage New-York's bedingten Preishöhe der 
Brundstücke. So hielten das „French Flat“ und die „Apartment“⸗ 
däuser ihren Einzug in New-York, und auch die wohlhabenderen 
Zevölkerungs-Elemente, die es bisher ihren ärmeren Mitbürgern 
iberlassen, in hilligen Tenement-Häusern eng zusammengedrängt zu 
eben, mußten sich jetzt zu diesem Schritte bequemen. Zuerst baute 
nan nur drei⸗ oder vierstöckige „Flat“-Häuser auf einem Grund— 
tück (Lot), später vereinigte man zwei, drei oder mehrere dieser 
rots und errichtete nach dem Vorbilde der Riesen-Geschäfts-Häuser 
inn der unteren Stadt auch in den oberen Stadttheilen 120 Fuß 
yohe, ja, noch höhere Miethshäuser mit einer Unzahl von Stock— 
verken. So haben die sogenannten „Navarro-Flats“ an der West 
9. Straße, von denen der „Techniker“ unlängst eine ausführliche 
Beschreibung nebst Abbildungen brachte, in der Front 11 und an 
»er Rückseite 14 Stockwerke aufzuweisen. Und dabei sind die 
„Navarro-Flats“ keine einzeln dastehende Erscheinung, sondern in 
edem aristokratischen Stadtviertel New-York's kann man ähnliche 
HPtiethspaläste bereits bewohnt oder im Ban begriffen sehen. 
Natürlich machten die Uebelstände, welche mit dem Vorhanden— 
ein solcher Riesengebäude verknüpft sind, sich bald in der unan— 
genehmsten Weise bemerkbar. Die Feuerwehr stand machtlos da, 
wenn in einem der oberen Stockwerke dieser Häuser Feuer aus— 
zrach, oder sich bis in eines der höheren Stockwerke verbreitete. 
Man versuchte es, um diesen Uebelstand zu beseitigen, mit 
»er Konstruktion eines beweglichen „Wasserthurmes“, aber über den 
ichten Stock hinaus wird auch dessen Wirksamkeit illusorisch. Die 
zei diesen Gebäuden stets unvermeidlichen Aufzüge (Elevatoren) 
sieten außerdem mit ihren kaminähnlichen Schächten jedem in den 
interen Geschossen entstehenden Feuer ein so bequemes Mittel zum 
Imsichgreifen, daß das Einschreiten der Feuerwehr, so vorzüglich 
ieselbe auch geschult ist, in den meisten Fällen wirkunaslos 
leiben mußte. 
Man behauptet zwar, die Gebäude wären alle feuerfest, aber 
s genügte in allen Fällen ein Brand, um die Hinfälligkeit dieser 
Behauptung zu zeigen. Das beste Beispiel lieferten hierfür die 
„St. George Flats“ an der Ost 17. Straße, bei deren Errichtung 
zie Reklame nicht genug von der „Feuerfestigkeit“ des Gebäudes 
u erzählen wußte. Ein etwa eine hälbe Stunde währender Brand 
uinirte dasselbe vollständig und zeigte, daß es nichts weiter als 
ine „Menschenfalle“ der schlimmsten Sorte war. 
Ein anderer Uebelstand dieser Gebände, der nicht so offen— 
undig zu Tage tritt, dafür aber um so gefährlicher ist, als seine 
chlimmen Folgen unaufhörlich die Gesundheit der darin Wohnenden 
edrohen, legt darin, daß in solchen Riesen-Häusern infolge des 
Senkens derselben, veraulaßt durch deren kolossale Wucht, die 
stöhren-Anlage außer Ordnung geräth und die Häuser dann im 
vahren Sinne des Wortes Heerde für die Verbreitung ansteckender— 
chleichender Krankheiten werden. 
Mehrere der hervorragendsten Aerzte New-York's haben be— 
onders aus diesem Grunde gegen das Errichten solcher Riesen— 
geböude geeifert, dann aber auch deshalb, weil durch dieselben 
Konkurrenzwesen. 
Preisagusschreiben des Vereins zur Beförderung 
des Gewerbfleißes in Preußen. Der Vorstand des oben 
genannten Vereins hat für die Jahre 1885 und 1886 eine Anzahl 
Preisausschreiben erlassen, worunter wir von den soldgenden Kennt— 
niß geben. Es werden ausgesetzt: 
1. 3000 Mek., nebst der silbernen Denkmünze für die beste 
Abhandlung über das Vorkommen der verschiedenen Marmor— 
irten in Deutschland, ihre charakteristischen Eigenschaften, Ge— 
winnung, Leistungsfähigkeit der betr. Brüche, Eignung der beschriebenen 
Arten für besondere Zwecke, Fürbung und Aderung. Es sind der 
Arbeit fertig ausgeführte Skizzen, sowie Handstücke mit einer 
»olirten Flaͤche beizufügen. 
2. 1000 Mik. für die beste Arbeit, enthaltend Kritik der 
zebräuchlichen Werthziffern für Eisen und motivirten Vor— 
ichlag für eine brauchbare Werthziffer. 
3. 1000 Mit. für eine vergleichende Prüfung der bis jetzt 
zur Härtebestimmung von Metällen benutzten Methoden 
und Darlegung ihrer Genauigkeits-Grenzen und Fehlerquiellen. 
Erstrebt wird die Erlangung einer sich für die allgemeine Anwen— 
dung empfehlenden Methode zur Härtebestimmung der Metalle 
und Metall-Legirungen. 
4. 3000 Mit. für die beste Arbeit über die Widerstands— 
fähigkeit auf, Druck beanspruchter eiserner Baukon— 
struktionstheile bei erhöhter Temperatur. Die Motive 
der Aufgabe nehmen direkt Bezug auf das bekannte Verbot der 
Berliner Baupolizei, der Verwendung gußeiserner Säulen als 
ragende Konstruktionstheile unter gewissen baulichen Verhältnissen. 
Es soll, so weit thunlich, auf dem Wege des Versuchs nachgewiesen 
werden, wie sich auf Druck beanspruchte eiserne — auch schmiede— 
iserne — Baukonstruktionstheile thatsächlich bei erhöhter Teinbcrnmne
	        

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