Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Die Sandstein-Verblendung des Königl. Schauspielhauses in Berlin. 
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sommen, welche mit der Steinsäge geschnitten und ringsherum 
charf gefugt waren und außerdem Gußnuthen von 1 em Seite 
eigten. Nach dem Wegstemmen des Putzes und des Mauerwerks, 
— D wurden 
diese dann aufgestellt, durch eingegipste, etwa 10 om lange Klam⸗ 
nern von 3 uum starkem Messingdraht — je zwei in der Ober— 
uge einer Platte — mit dem Mauerkern verbunden, die Fugen 
e einer Schicht sorgfältig mit Thon zugestrichen und der Mörtel, 
Jachdem etwaige größere Hohlräume mit kleineren Ziegelbrocken 
rusgefüllt waren, in flüssigem Zustande, aus einer Mischung von 
Weißkalk und Gips bestehend, bis zur gänzlichen Ausfüllung der 
Schichtfuge hintergossen. 
In'diesem Zustande hatte diese Probe-Verblendung bis zum 
Mai 1883 gestanden und nicht die geringste, äußerlich wahrnehm— 
zare Veränderung hinsichtlich ihrer Stabilität gezeigt. Ja, die 
u Nr. 26 Jahrg. 3 des „Centralbl. der Bauverwaltung“ gege— 
hene ausführliche Beschreibung der gewaltsamen Entfernung dieser 
Platten läßt deutlich ersehen, daß die Verbindung der, neuen 
Haut“ mit dem alten Manerkörper, offenbar das Schwierigste in 
zem ganzen Problem, vollkommen gelungen war, obschon hier so— 
wohl“ die Platten hinsichtlich ihrer Stärke, wie auch der Mörtel 
in Betreff der Dauerhaftigkeit seiner Bindekraft immerhin zu 
vünschen übrig ließen. 
Wenn daäher auf Veranlassung der Königl. Akademie des 
Bauwesens für die Ausführung eine Verstärkung der Platten, und 
war für das Sockelgeschoß auf 18 resp. 12 em Dicke, für die 
Obergeschosse auf 12 resp. 6Gcm, gewählt und statt des Mörtels 
svon Gips und Weißkalk ein solcher ausschließlich von hydraulischem 
dalk zur Verwendung bestimmt worden ist, so hat man damit 
vohl das äußerste Maß nöthiger Vorsicht angewandt. 
Im Uebrigen verfuhr man bei der Ausführung selbst ganz 
vie bei der Probeverblendung, d. h. die Werkstücke wurden nach 
Fortstemmung des erforderlichen Mauerwerks trocken auf Blei— 
zlättchen versetzt und durch gegossene Broncedübel von mindestens 
mun Seite mit dem alten Nauerwerk nach untenstehender Skizze 
nerbunden.“) Jeder Stein hat mindestens zwei dieser Dübel er— 
yalten, und außerdem sind an Stellen, wo erhöhte Vorsicht ge— 
hoten schien, z. B. an allen vor- oder einspringenden Ecken, noch 
»esondere Stoßklammern aus demselben Material verwendet worden. 
Die Dübel wurden im Sandstein mit Blei vergossen und verkeilt, 
im alten Manerwerk hingegen eingegipst. Wenn so eine gewisse 
Anzahl Platten in einer Schicht versetzt war, wurden alle Stoß— 
ugen und die untere Lagerfuge sorgfültig mit Lehm verstrichen 
ind die Zwischenräume zwischen Platten und Mauerwerk auf eine 
zewisse Höhe — etwa , der Schichthöhe — mit Ziegelbrocken für 
Jas erstmalige Vergießen mit flüssigem Mörtel angefüllt. Sah 
nan dann, oder ließ sich annehmen, das das überfluͤssige Wasser 
im Mörtel von Mauerwerk und Platten aufgesogen war, und daß 
o alle Zwischenräume vom Meörtel ausgefüllt waren. so wurde 
ine neue Schicht Ziegelbrocken eingeschüttet und mit dem Ver— 
zießen in gleicher Weise vorgegangen, wie zuvor, und so fort, bis 
zie betreffende Quaderschicht vis zum obersten Rande gefüllt war. 
Es erhellt hieraus, daß das beschriebene Verfahren die 
Verwendung eines recht erheblichen Wasser-Quantums bedingt, 
ind daß es deshalb nicht ohne Weiteres bei jedem Bau ohne 
achtheilige Folgen für die Innenräume anwendbar sein dürfte. 
haben auch die sehr dicken Umfassungen des Schauspielhauses an 
einer Stelle irgend eine Veränderung an ihrer Innenseite in 
Folge der aufgesogenen Wassermengen gezeigt, so muß hier doch 
iuf' die Gefahr hingewiesen werden, welche für Wände von ge— 
ingeren Dimensionen, wenigstens für eine gewisse Zeit. entstehen 
önnte. 
Wie die zuvor beschriebene Ausführung der Verkleidung der 
Vandflächen ist auch die der gequaderten großen Eckpfeiler des 
Zauses erfolgt, und nur die kleineren Pfeiler der Etagen und des 
beren Mittelbaus sind bei sorgfältiger Absteifung des betreffenden 
Architravs aus vollen Quaderstücken hergestellt. 
Fast alle Gesimse, namentlich auch das große Hauptgesims, 
velches sich rings um den herrlichen Bau zieht (ausschließlich der 
Zahnschnittreihe an demselben, die Schinkel in Stuck ausgeführt 
satte), waren von vornherein aus Sandstein. Nur das Haupt— 
jesims des oberen Mittelbau's entbehrte an den Langseiten einer 
nassiven Sima. Daher wurde die vorhandene Zink-Sima ent— 
ernt und statt derselben, nachdem sorgfältige Untersuchungen über 
zie Tragfähigkeit der mit den Konsolen aus einem Stück ge— 
irbeiteten Hängeplatte angestellt waren, ebenfalls eine Sandstein— 
Zima versetzt. 
Die Säulen der imposanten Vorhalle und die Fenster— 
Zwischenpfeiler der Fronten am Schillerplatz waren gleichfalls 
son Schinkel in Sandstein ausgeführt worden und sollten, wie 
zuch alle sonstigen alten Sandsteintheile, nur mit Schrubber und 
Bürste von ihrem Schmutz-, resp. Farben-Ueberzug gereinigt 
verden. Es stellte sich jedoch bei der Ausführung heraus, daß 
diese Theile nicht den Kalkfarben-Austrich, welchen das Haus im 
Ullgemeinen zeigte, erhalten hatten, sondern daß die Säulen 
viederholt mit Oelfarbe und große Partieen der Gesimse mit 
»iner Cement-Mischung gestrichen waren, so daß das ver— 
inschlagte Reinigungs-Verfahren sich als vollständig unzureichend 
rwies. Um all diese Theile gleichwohl mit dem neuen Sand— 
tein-Material in Einklang zu bringen, das man doch unmöglich 
nuder gleichen, alles Leben im Stein erstickenden Weise über— 
ünchen konnte, wurde daher eine sorgfältige Abarbeitung der alten 
daut auf in der Regel nur 1wm Dicke durch geübte Steinmetzen 
orgenommen und dadurch in der That die beabsichtigte Wirkung 
oll erzielt, so daß sich gegenwärtig wohl kaum ein Unterschied 
wischen altem und neuem Material herausfinden lassen dürfte. 
Alle diejenigen alten Sandsteintheile hingegen, welche solch' 
in Abarbeiten mit dem Meißel nicht gestätteten, wie z. B. die 
Zäulen-Kapitelle, die Relief-Figuren am unteren Giebeldreieck am 
Schillerplatz und die neun freistehenden Figuren auf dem Dach, 
ind mit Oelfarbe gestrichen und, so lange dieselbe noch attraktions— 
ähig war, gesandet worden, ein Verfahren, welches auch bei den 
n ä Stuck verbliebenen Giebelfeldern an der Jäger- und der Tauben— 
traße, sowie am oberen Giebelfeld nach dem Schillerplatz hin. 
Anwendung gefunden hat. 
Das Sandstein-Material ist von Zeidler KWimmel in 
Bunzlau geliefert und den Brüchen dieser Firma in Wenig— 
Rackwitz entnommen worden. Es zeichnet sich sowohl durch feines 
uind sehr gleichmäßiges Korn, als auch durch große Härte und 
Wetterbestaͤndigkeit aus, wie dies durch theils aus dem 11. Jahr— 
vuundert stammende, nachweisbar diesen Brüchen entnommene 
Sandstein-Arbeiten in Löwenberg in Schlesien zur Evidenz er— 
viesen wird. 
Die Ausführung ist durch die bekannte Firma Wimmel & Co. 
erfolgt, welche auch schon unter Schinkel am selben Bau mit Her— 
tellung aller damaligen Sandstein-Arbeiten betraut gewesen ist. 
Die Kosten stellen sich, ausschließlich derjenigen für das 
Abarbeiten alter Sandsteintheile, auf eiwa 20 bis 25 Mk. pro 
Im Verblenduna. 7 
Hutachten, betreffend den Schutz der Personen 
in öffentlichen Versammlungsräumen. 
krstattet von einer Kommission des Architektenvereins zu Berlin. 
Schluß.) 
Als ein Zeitmaß für die Dauer der Räumung öffentlicher 
rokale, welches fast immer noch erreichbar, aber jedenfalls nicht zu 
veit gegriffen erscheint und welches deshalb für alle sich hieran 
'nüpfenden Anordnungen als maßaebend in Vorschlag gebracht 
—in 
—X 
*) Fig. 1 zeigt 
Uatten Facadenfläcken. 
zierbei die Ausführung bei gequaderten, Fig. 2 bei
	        

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