Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Literaturbericht. — Bautechnische Notizen. 
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daher der Irrthum, und die Bestimmung, wonach für in die Augen 
allende ungerügte Fehler einer Sache bom Käufer eine Gewähr⸗ 
leistung nicht gefordert werden kann ist nur eine Folge der An— 
wendung der Rechtsgrundsätze über den Irrthum. Eine Gewaͤhr—⸗ 
eifiung“ jür jene Eigenschaften findet daher erst statt, wenn der 
Tinfluß des Irrthums wirksam ist, für welchen aber die Schuld 
des Empfängers in Betracht kommt, d. h. das Recht auf Gewähr— 
leistung wegen jener Eigenschaften davon abhängig ist, daß der 
Fmpfänger nicht durch eigenes grobes oder mäßiges Versehen in 
Irrthum gerathen ist. Des Klägers Pflicht war es hier, sich vor 
Abschluß des Kaufvertrages von der Beschaffenheit des Baugrundes 
auf dem gekauften Grundstück Kenntniß zu verschaffen. Dadurch, 
daß er dies nicht gethan, ist er durch eigenes, mehr als mäßiges 
Versehen in Jirthum über die Beschaffenheit des Baugrundes ge— 
rathen, und dadurch ist wieder ein Anspruch auf Gewähr gewöhnlich 
vorausgesetzter Eigenschaften von selbst ausgeschlossen. 
Literaturbericht. 
Die vorliegende Lieferung enthält auf Blatt 41 eine Villa 
in Eisenberg (Archit. Arw. Roßbach in Leipzig), Blatt 42 die 
Innenperspektive der neuen Garnisonkirche in Stuttgart (Prof. 
Dollinger daselbst), Blatt 43 das Schwarz'sche Wohnhaus in 
Frankfurt a.M. (Archit. Schmidt daselbst), Blatt 44 Wohnhaus 
ür Prof. Defregger in München (Archit. Prof. G. Hauberisser 
daselbst), Blatt 45 Perspektivische Ansicht vom Speisesaal des 
Schieß'fchen Hauses in Magdeburg (Bauräthe Ende und Böckmann 
in Berlin), Blatt 46 Haus Frauz J in Paris (aufgenommen von 
Archit. P. Bouvier daselbst), Blatt 47 Eingebaute Häusergruppe, 
Bloͤchmannstratze in Dresden (Archit. Herrmann und Martin da— 
elbsty, Blatt 48 Villa Lewicki in Dresden (Baurath Prof. R. Heyn 
daselbst). — m. — 
Bautechnische Notizen. 
Zur praktischen Anwendung der bereits mehrfach in diesen Blättern 
»esprochenen Balmain'schen Leuchtfarbe berichtet man noch Folgendes: 
Die Balmainsche Leuchtfarbe ist im Ostseebade Cranz im Treppenhause und 
n Korridor der 1. Etage des Warmbades daselbst angewendet worden und 
Jat den Zweck, eine Orientirung im Dunkeln zu erleichtern, vollständig erfüllt; 
ie wurde in der Form eines mit Ornament verzierten Frieses in Meter⸗ 
öhe angebracht und dreimal aufgetragen. Ein größerer Versuch mit der 
Zuͤchtfarbe ist auf dem Gute Chatarinhöfen (Ostpreußen) gemacht. Da— 
elbfibist die ganze Wandfläche ornamental dreimal durch —2 mit 
er Farbe uͤbertragen worden. Die Leuchtkraft genügt, um bei Nacht 
n dem Raume alle Gegenstände und Personen hinreichend genau erkennen 
u können, gewährt außerdem einen so wunderbar phantastischen Eindruck, 
aß es eigentlich unbegreiflich erscheinen will, wie die Farbe sich nicht 
chon allgemein eingebürgert hat. Gegen die hellleuchtenden architektonischen 
mid ornamentalen Formen erscheint der Hintergrund, gleichgiltig welche 
Farbe er habe, gänzlich schwarz, die mit Balmngain'scher Farbe dagegen 
‚esitichenen Formen haben den Änschein, als ob sie aus leuchtender üIen 
nasse beständen und das Ganze erweckt den Eindruck eines Pavillons, 
zer aus hellleuchtenden Glasstaͤbchen mit reichen ornamentalen Formen 
Jergestellt ist. Die Farbe eignet sich trefflich zur Beleuchtung von Treppen⸗ 
Faufern, Vestibulen, Korridoren 2c., überhaupt von Räumen, die am 
Tage gut beleuchtet, jedoch am Abend finster sind. Sie wird sich daher 
ehl bald auf dem Lande einbürgern, da hier diese Bedingungen stets 
rorhanden, jedoch auch in Sltaädten wird die Beleuchtung der Treppen— 
hauser ꝛc. bei genügender Anwendung der Leuchtfarbe entbehrlich werden. 
Kei Verfuchen mit Leimfarbe ist während eines Zeitraums von 1t, Jahren 
keine Abnahme der Leuchtkraft bemerkt worden; jedoch ist es sehr wichtig, 
daß die Mauer, vollständig irocken ist, da in feuchtem Zustande eine Zer⸗ 
etzung der Farbe eintritt, die sehr bald die Leuchtkraft vermindert. Sollte 
ich die Leucht-Oelfarbe gut bewähren, so würde der Anstrich Garten— 
äuschen aus leichtem Stabwerk ꝛc. ein hoöchst reizvolles Ansehen verleihen. 
Es ist zu exwarten, daß die Tapelenfabtiken bald Muster mit der Leucht— 
farbe herstellen werden, auch eignet sich in kleinem Maßstabe dieselbe zum 
Anstrich von Paneelen, Treppengeländern, Stufen ꝛc. 
Gasleitungsröhren aus Papier werden nach dem „Gas— 
techniker“ in Amerika nach folgender Methode hergestellt. Ein endloser 
Streifen Hanfpapier, dessen Breite der Länge des herzustellenden Gas— 
cohres entspricht. wird durch einem mit geschmolzenem Asphalt gefüllten 
Behälter geführt und dann über einen kunden Eisenkern fest und glatt 
aufgewickelt, wodurch der gewünschte Durchmesser des Rohres erzielt wird. 
Wenn die auf diese Art Zufgerollten Papierlagen die nöthige Dicke ex— 
reicht haben, wird die Röhre einem starken Drucke unterworfen, die 
Außenseite mit feinem Saunde bestreut und das Ganze im Wasser ge— 
kühlt. Im kalten Zustande wird sodann der Cisenkern herausgenommen 
und die Innenseite des Rohres mit einer wasserdicht machenden Kom— 
position versehen. Die auf, diese Weise erzeugten Röhren sollen nicht 
aur vollständig dicht und bedeutend billiger als Eisen sein, sondern auch 
— Erschütterungen 
esitzen 
Vademekum des Ornamentzeichners. Taschenbuch, 
enthalsend 1150 Motive zu Entwürfen in vergrößerter Ausführung 
mit fortlaufenden Hinweisen in Bezug auf ihre Ausmalung, von 
dee Schulze, Zeichenlehrer am Kgl. Realgymnasium zu 
eichenbach in Schlesien. Leipzig. T. O! Weigel. 1885. Preis 
gebunden 4 Mark. 
Der Herr Verfasser giebt in dem kleinen Werke eiuen reich— 
haltigen Stoff von Ornamentmotiven zur freien Auswahl, wobei 
im allgemeinen eine gewisse Anordnung der Ornamente nach der 
Schwierigkeit der Darstellung erstrebt ist. Die Idee ist eine ganz 
portreffliche, denn, was man sonst mühsam aus dielen großen und 
theuren Werken zusammensuchen mußteé, findet man jetzt in einem 
kieinen handlichen Buche übersichtlich zusammengestellt. Wir geben 
den Inhalt der einzelnen Tafeln in Kürze wieder, damit sich der 
Leser ein Bild von dem reichen Schatze des Werkchens machen 
fann. J. Geometrische Elementar⸗-Ornamente. 2. Wagerechte Bän⸗ 
der, aus graden Linien gebildet. 3. Dreieck, Sechseck, Kreis. 
4. Rosetten; Füllungen und Bänder. 5. Rosetten. 6. Bänder, 
rus einfachen Bogen entstanden. 7. Wagerechte Bänder. 8. Die 
Schnecken und die Wellenlinie und ihre Anwendung. 8. Grund⸗ 
simien der Palmette. 10. Die Wellenlinie und ihre Anwendung 
zun einfachen Bändern. 11. Einfache Bänder. 12-14. Einfache 
Ränder. 15. Wagerechte Bänder. 16. Einfache Blätter. 17. Ein— 
fache Blatt und Blüthenformen. 18-18. Bluͤtheuformen. 20 bis 
217 23. Blätter und Blüthen. 24. Blätter und Früchte. Ver⸗ 
hindung von Blättern, Blüthen und Früchten. 265. Palmetten—⸗ 
artige Blüthen. 26—227. Verbindung von Blättern und Blüthen. 
28. Hdoderne Verbindungen von Blättern und Blüthen. 23. Symme— 
trische Berbindungen von Blättern und Blüthen. 30 -36. Bänder 
37 40. Aussteigende Bänder. 41. Einfache Rosetten, modern 
42. Einfache Rosetten im Quadrat. 43-44. Rosetten. 45. Kreis⸗ 
füllungen und Rosetten. 46. Gothische Eckfüllungen. 47. Eck⸗ 
füllungen. 48— 49. Füllungen. 50. Füllung von Rechtecken. 
51. Einfache Flächenmuster. 52. Flächenmuster. 53. Freie Endi— 
gungen, freie Ornamente und stilisirte Thiere. Außerdem sind die 
Mischungen von 68 verschiedenen Farbentönen genau angegeben, 
Tn venen 36 auf 3 Tafeln in Farbendruck dargestellt sind. 
*.— 
Formeln und Tafeln zu einfachen statischen Berechnungen 
der bei Hochbauten vorkommenden Eisenkonstruktionen. Zusammen— 
gestellt vdon O. Gruner, geprüfter Baumeister, Bau⸗Kommissar 
beim Baupolizei-Bureau zu Leipzig. Leipzig. Kommissionsverlag 
von Ednard Baldamus. 1885. 
Das Werkchen giebt auf 16 Seiten in klarer übersichtlicher 
Art die Formeln für die gebräuchlichsten Belastungsfälle bei balken— 
jörmigen Trägern und fäulenförmigen Stützen, die Koeffizienten 
für Zug- und Druckfestigkeit, das Eigengewicht der Steinmaterialien, 
Dedenkonstruktionen und Dachkonstruktionen, die zufällige Belastung 
der Zwischendecken, die Dachbelastung durch Schnee und Wind 
und die arößte zulässige freitragende Länge der Svarren in Metern. 
— r. — 
Architektonische Rundschau. Skizzenblätter aus allen 
Gebieten der Baukunst. Herausgegeben von Ludwig Eisentohr 
und Carl Weigle, Architekten in Stuttaart. Verlag von J. 
Engelhorn in Stuttgart. 
Drie vorliegende Lieferung 6 schließt sich würdig den bereits 
in diesem Blatt mehrfach besprochenen früheren Lieferungen an 
und kann das darüber ausgesprochene günstige Urtheil nur voll— 
staͤndig aufrecht erhalten und dieses Sammelwerk allen Fachgenossen 
bei dem beispiellos billigen Preise von 1,6 Mark für iede Lieferung 
dringend zur Anschaffnug empfohlen werden 
Die Kohlensäure aus Brunnen und Kellern zu ent⸗ 
fernen. Wie viele Unglücksfälle durch die in den unteren Luftschichten 
bon Kellern, Brunnen, Schachten ꝛc. sich sammelnde Kohlensäure herbei⸗ 
zeführt worden sind, ist ebenso bekannt, wie die oft vorhandene Schwie⸗ 
rigkeit, durch eine zweckmäßige Ventilation die Luft in solchen Räumen 
wieder zu reinigen. Dem Professor Hubbert am Dortmund Kollege (Nord⸗ 
amerika) verdanken wir, nach der „Dtsch. Ztg.“ ein leicht anwendbares und 
unfehlbares Mittel, die Reinigung der Luft vorzunehmen. Nach dem 
Rathschlage des Genannten sind in einem Kessel oder anderem dazu passen⸗ 
dem Gefäße glühende Holzkohlen bis nahe an die Oberfläche des Wassers 
in den Brunnen oder bis zum trockenen Kellerboden herabzulassen, welche, 
wenn sich Kohlensäure in dem Raum angesammelt hat, sobald sie in die 
oergiftete Schicht kommen, ohne Zögerung verlöschen. Da die ausge— 
zlühten Holzkohlen, wie schon früher Heobachtet und, nachgewiesen wurde, 
die Eigenschaft besitzen, binnen 24 Stunden das Fünfunddreißigfache ihres 
Volumens an Kohlensäure zu absorbiren, so beginnt natürlich sofort nach 
dem Herablassen der Kohlengefäße die Absorption. So lange nun eine 
von Zeit zu Zeit hinabgelassene brennende Kerze noch verlischt, wenn sie 
die infizirie Luftschicht erreicht ist der Absorptionsprozeß noch nicht hin— 
reichend' vorgeschristen und müssen stündlich weiter noch frische alühende 
Koblen hinabgelassen werden 
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J 
24 
hepin Berlin — 
Verlag von Julius Engelmann in Berlin. — Druck von H. S. Hermann in Rerlin 
öRter Verantworflichkeit des Nersedoeré
	        

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