Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Entscheidungen. — Rezeptenkasten. 
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oweit als möglich geglückt ist. Die Unterbringung aber eines so 
zroßen Raumes, wie der Hauptsitzungssaal es ist, im ersten Stock 
mußte nothwendigerweise für die Benutzung des Erdgeschosses und 
ebenso für den ganzen geschäftlichen Verkehr kleine Unbequemlich— 
keiten zur Folge haben, die diesen sonst so wohldurchdachten und im 
Einzelnen praktischen Entwurf gegen den Ende'schen zurückstehen 
cießen. 
In der Lösung der Architekten Schmieden und Weltzien ist 
das Hauptgewicht auf eine monumentale Betonung der Hauptaxe 
des Gebäudes gelegt, indem vom Eingange aus Vestibül, Vorraum, 
Foyer und Erfrischungsraum in einer Flucht bis zum Garten hin 
sich entwickeln, in den eine schöne Terrasse hinabführt. Der Saal 
ist hier ebenfalls im Erdgeschoß, aber im rechten Flügel gedacht 
und ganz besonders auf eine schöne Ausbildung der Treppen— 
häuser und eine bequeme Verbindung der Wohnung des Direktors 
hingearbeitet. Die Theilung der Hauptfaçade ist der Schwechten— 
cchen in mancher Hinsicht ähnlich; doch ist ihre Ausbildung unter 
Anwendung jonischer Doppelsäulen zierlicher und in hohem Grade 
ansprechend P. W. 
Ueber das Schmiedeeisen im Kunstgewerbe hielt 
Herr Regierungsbaumeister Schellen im Frankfurter Arch. 
ind Ing.Verein einen sehr interessanten Vortrag, aus welchem 
wir dem „Bauunternehmer“ das Folgende entnehmen: Zur 
Herstellung von Gegenständen auf kunstgewerblichem Gebiete ist es 
durchaus nothwendig, daß der Arbeiter das Material und dessen 
Eigenthümlichkeiten vollständig erfaßt und beherrscht; nur dann kann 
»s ihm gelingen, die Eigenschaften des betreffenden Stoffes für 
ein Werk richtig zu verwerthen und dasselbe aus der reinen Hand— 
verkstechnik in das Reich der Kunst herüberzuleiten. Die An— 
vendung des Schmiedeeisens und die Fortschritte in der Behandlung 
»esselbeun wurden nun bei den verschiedenartigsten Gegenständen 
bei Fenster-⸗und Thürgittern, Vordächern, Wasserspeiern, Beschlägen, 
Wetterfahnen, Kirchen und Grabkreuzen, bei Rüstungen für Roß 
ind Reiter und bei Geräthen der Kleinkunst) in den einzelnen 
Jahrhunderten und Epochen der Baufkunst besprochen und die 
kunstfertigkeit, welche im 18. Jahrhundert trotz der Verwilderung 
der Formen die höchsten Triumphe feierte, indem das Eisen für 
diese Periode nur noch die Weichheit des Wachses zu haben scheint, 
ntsprechend beleuchtet. Der Verfall des Eisen-Kunsthandwerks trat 
chnell ein, als die Einfachheit zur Regel wurde, und als die Be— 
chläge nicht mehr auf den Gegenständen angebracht, sondern in 
dieselben versteckt wurden. — Frauberger macht sehr interessante 
Angaben über die Flächen, welche in den verschiedenen Epochen der 
Baukunst von den Beschlägen bedeckt wurden, beispielsweise giebt 
er für Zimmerthüren folgende Zahlen an: Es kommt in der Gothik 
ruf 1 qm Eisen 7 qm Holz: in der Renaissance: 1 auf 9 qm; 
Rokoko:? 1 auf 240; Empirezeit: 1 auf 800 und in der Gegenwart 
kommen auf 1 qm Eisen nicht weniger als 2800 qm Holz. Erst 
seit einem Jahrzehnt beginnt es sich wieder in den Kreisen der 
Kunstschmiede zu regen, aber nur langsam vollzieht sich die Wendung 
zum Besseren, da das Handwerk und die Kunst sich zu lange 
zegenüberstanden. Soll das Handwerk gehoben werden und sich 
ein einstiges Gebiet wieder erobern, so müssen die technischen 
Bearbeitungsweisen der vergangenen Jahrhunderte studirt, ja zum 
Theil wieder entdeckt werden — Dies bezieht sich besonders auf 
das Gebiet der Block-, der Blech-Arbeit, des Bundeisens bezw. 
Drahtes, des Aetzens, Tauschirens. Ciselirens und Damascirens. 
Hewerbebetrieb geliefert worden seien, wenngleich das betreffende 
Haus nicht für einen anderen gebaut, sondern sein Eigenthum ge⸗ 
olieben und in seiner Hand subhastirt worden ist. Das Gesetz 
giebt nicht an, in welchen Fällen eine Forderung als in Beziehung 
auf den Gewerbebetrieb des Empfängers entstanden anzusehen ist; 
die Bestimmung hierüber kann vielmehr nur aus den Umständen 
des einzelnen Falles hergeleitet werden. Ob die für den Gewerbe. 
betrieb des Empfängers geleisteten Arbeiten zu einem Hausbau ge— 
liefert sind, den der Empfänger für sich selbst und nicht für andere 
ausgeführt hat, das ist für den Begriff der Liefernng in Beziehung 
uuf den Gewerbebetrieb ohne Einfluß. 
Rezeptkasten. 
Nach dem „New-Yorker Techniker“.) 
Firniß-Bereitung. Im Allgemeinen nimmt man auf 
Theil grob zerstoßenes Harz (Schellack) 4 Theile 85 proz. Alkoho 
ind läßt es in verstopften Gefäßen in gelinder Wärme unter 
zfterem Umschütteln so lange stehen, bis die Auflösung erfolgt ist. 
Um dem Firniß seine Sprödigkeit zu nehmen, setzt man dem 
Schellack , bis /0 Mastix zu. Dieser Zusatz ist bei gebleichtem 
—ADD 
rentrirter zu machen, nimmt man etwas mehr Schellack, als oben 
angegeben. 
Zur Filtration des Firnisses läßt man denselben in ge— 
linder Wärme nach der Auflösung einige Zeit stehen, bis sich die 
chleimigen Theile des Schellacks gesetzt haben, worauf die klare 
Flüssigkeit, so weit es thunlich ist, abgegossen, der Rest bei ge— 
linder Wärme durch Fließpapier ꝛc. filtrirt und der Firniß in 
Bläsern mit weiter Muͤndung aufbewahrt wird. 
Zu manchen Zwecken sind gefärbte Firnisse nöthig, 
namentlich der etwas röthliche, sogenannte Gold-Firniß. Man 
kann zwar die färbenden Harze zugleich mit dem Schellack auf— 
lösen, für welchen Fall 
7 Drihenbimt aufgelöst in 50 Th. 
4 Th. Gummigutt 3. Aikohs 
8 Th. gebleichter Schellack prog 
einen stark goldgelben Lackfirniß auf Messing von ganz ausge— 
eichneter Art geben; allein da man doch gewöhnlich nicht gern 
zu vielerlei Firnißgläser herumstehen haben will, so löst man am 
Festen die Farbharze für sich abgesondert auf, filtrirt dieselben und 
etzt bei Gebrauch dann nach dem iedesmaligen Bedürfniß den 
Farbeton zusammen. 
Einen haltbaren Goldfirniß liefert folgende Vorschrift: 
2 Unzen des besten Garancin werden mit 6 Unzen Alkohol durch 
12 Stunden digerirt, sodann ausgepreßt, filtrirt und diese erhaltene 
Tinktur in Gläsern aufbewahrt. Anderseits löst man hellen, 
drangefarbigen Schellack auf kaltem Wege in Alkohol auf, filtrirt 
die Auflösung durch Fließpapier, läßt diesen klaren Lack verdunsten, 
his derselbe die Konsistenz eines dünnen Syrups hat, und setzt so— 
dann von der Garancin-Tinktur soviel hinzu, bis durch eine auf 
einer polirten Metall-Fläche aufgestrichene Probe nach dem Trocknen 
die Goldfarbe erscheint. Ein Zusatz von einer intensiven Safran— 
Tinktur (welche ebenso wie die Garancin-Tinktur bereitet wird) er— 
cheilt dem etwaig in's Bräunliche gehenden Strich des Lacks die 
virkliche Goldfarbe und bleiben die mit diesem Lackfirniß be— 
strichenen Gegenstände, welche vortheilhaft nur bei gelinder Wärme 
getrocknet werden dürfen, Jahre lang unverändert. 
Andere Goldlackfirnisse werden dargestellt aus: 
1 Unze Copal 
Unze Bernstein 
inze Schellack in Körnern 
inze Sandarak 
Unze Aloe 
alles pulverisirt 
ind giebt man der Reihenfolge nach diese Ingredienzien allmählich 
in 2 Unzen erhitztes Lavendelöl, setzt sodann 12 Unzen zuvor er— 
värmtes Terpentinöl und nach vollkommener Auflösung , Unze 
klaren Leinölfirniß hinzu, läßt nochmals aufwallen und filtrirt. 
Goldlackfirniß ohne trocknende Oele stellt man dar aus: 
l Unze Schellack in Körnern, 112 Unze Sandarak und , Unze 
Topal, welche Materialien man in 9 Unzen Alkohol löst und 
mischt diese Lösung mit einer aus *, Unze Curcuma, zd Unze 
Drachenblut, /, Unze Gummigutt bereiteten weingeistigen Tinktur. 
Oder: Man pulverisirt 2 Unzen Schellack, 2 Unzen Gummigutt, 
2 Unzen Drachenblut, 2 Unzen Orlean und . Unze Safran, 
edes Ingredienz für sich mit Alkohol zu einer klaren Tinktur be— 
reitet, und mischt dann diese Tinkturen in dem Verhältniß, welches 
die beabsichtigte Nuance erfordert. 
Entscheidungen. 
Der Klage eines Handwerkers wegen Bezahlung 
von Arbeiten, die für den Bau eines einem Maurermeister ge— 
jörigen Hauses vor länger als zwei Jahren geliefert worden 
waren, setzte der Verklagte den Einwand der Verjaͤhrung entgegen; 
dieser wurde aber durch folgende bemerkenswerthe gerichtliche Ent⸗ 
cheidung zurückgewiesen: Die Behauptung, daß die geltend ge— 
machte FJorderung nach dem Gesetze wegen Einführung kürzerer 
Verjährungsfristen vom 31. März 1838 verjährt sei, ist zu ver—⸗ 
neinen, weil die Arbeiten, für welche die Forderung entstanden ist, 
zu dem Gewerbebetrieb des Schuldners geliefert worden sind. Der 
Schuldner ist Maurermeister in Berlin, und diese Gewerbetreibenden 
dauen notorisch in zahlreichen Fällen Häuser mit eigenen, meistens 
äber mit fremden Miitteln zunächst für sich und für eigene Rechnung, 
immer aber zu dem Zweck, um sie nach der Fertigstellung bald⸗— 
möglichst wieder zu verkaufen. So hat auch der Schuldner mehrere 
Jahre hindurch gehandelt. Aus der allgemeinen Gestalt, welche 
das Geschäft der eiste in Berlin angenommen, und aus 
der Art und Weise, wie insbesondere der Schuldner dasselbe be— 
trieben hat, mußte die Ueberzeugung gewonnen werden, daß die zu 
einem solchen Bau für den Klaͤger geleisteten Arbeiten für dessen
	        

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