Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Heiz- und Ventilationsosen für Eisenbahn-Stationen. 
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nach dem Preßcylinder und schließt sich in eutgegengesetzter Rich— 
tung; endlich ist bei ein Sicherheitsventil angebracht, welches 
auispringt und dem Wasser den Austritt nach außen gestattet, 
wenn der Druck im Preßcylinder so stark geworden ist, daß die 
Wandungen desselben Gefahr laufen, zu zerspringen. 
beginnt, deren Vorgang und Verlauf weiter unten beschrieben 
werden soll, tritt das gepreßte Wasser zwischen die beiden Leder— 
lappen und drängt sie auseinander; der innere Lappenst wird 
gegen den Preßkolben, der äußere Lappen s gegen die Cylinder— 
wand angedrückt. Je mehr der Druck im Preßcylinder zunimmt 
und je eifriger das Wasser zu entweichen sich bestrebt, um so 
stärker werden die beiden Lappen auseinander gedrängt und es ist 
eicht begreiflich, daß das Wasser nirgend hin entweichen kann, so 
daß eine vollständige Dichtheit beim Durchgange des Kolbens vor— 
Janden ist. Diese Vorrichtung nennt man die „Bramah'sche 
kolbenliederung“. 
(Schluß fola 
Heiz⸗ und Ventilationsofen für Eisenbahn 
Stationen. 
Alle hier genannten Ventile sind in der Zeichnung der Deut— 
lichkeit wegen als Klappenventile dargestellt, besser ist es jedoch 
denselben eine kegelförmige Gestalt zu geben, die in dem ebenfalls 
kegelförmigen Sitz genau und vollkommen wasserdicht sich an 
chließen. 
Eine besondere Sorgfalt und Aufmerksamkeit erfordert die 
dichte Liederung beim Duͤrchgange des Kolbens aus dem Prefß— 
cylinder, weil auch nur die geringste Undichtheit an dieser Stelle 
bei der starken Pressung das Wasser in solcher Menge durchlassen 
wiirde, daß eine andauernde Spannung im Cylinder nicht zu er— 
zielen wäre. Die gewöhnlichen Verdichtungsmittel, wie sie bes 
den Druckpumpen, Dampfmäschinen ꝛc. angewendet werden, er— 
weisen sich hierbei als unzureichend. Nach vielfachen Versuchen 
gelang es Herrn „Bramah“, eine sinnreiche Vorrichtung zu er— 
finden, die den Vorzug besitzt, einen um so besseren Verschluß zu 
gewähren, je größer die Spannung des gepreßten Wassers im 
Cylinder ist. Fig. 4 zeigt diese Vorrichtung in arößerem Maaß— 
tabe. 
Fiad 
In einer ringförmigen Aushöhlung am Halse des Preß- 
cylinders wird ein vollstaͤndiger Ring r eingeseßt, über welchen 
eine Lederkappe so aufgesetzt wird, daß zu beiden Seiten des Ringes 
zwei Lappens und t herabhängen. Während der innere Lappent 
sich an den Preßkolben anschmiegt, legt sich der äußere Lappen s 
an die Wand des Preßchlinders an. Sobald nun die Pressung 
Die Heiz- und Ventilationsvorrichtungen für Eisenbahn— 
stationen und Werkstäiten bilden eine Frage, welche Seitens der 
Eisenbahn-Ingenieure, wenn man von den Centralheizungsanlagen 
absieht, bisher nicht genügend gewürdigt worden zu sein scheint. 
Es ist fast unmöglich, irgend einen Raum unserer großen 
»der kleinen Stationsanlagen zu betreten, ohne zu bemerken, wie die 
einfachsten Gesetze der Ventilation- und Temperaturregulirung ge— 
radezu vernächlässigt werden. 
Man muß zugeben, daß die Schwierigkeiten in vielen Fällen 
ganz erhebliche sind. Die baulichen Eigenthümlichkeiten der 
Stationen machen es besonders schwierig, unter völligem Ausschluß 
jeder Zugwirkung dennoch in allen Räumen für die Verwaltung 
und ebenso in den Wartesälen ꝛc. eine gleichmäßige und angenehme 
Temperatur aufrecht zu erhalten. Was aber am' meisten auffallen 
muß, ist die geradezu erschreckliche Ausdehnung des verhälniß- 
mäßig nutzlosen Kohlenverbrauches. 
Unter solchen Verhältnissen muß jede Neuerung willkommen 
sein, welche eine Umgestaltung nach dieser Richtung anstrebt und 
welche die leitenden Ingenieure in den Stand setzt, die vorhandenen 
Schwierigkeiten, die bisher unübersteigbar schienen, zu überkommen. 
Der Ofen, welcher dem angedeuteten Zwecke in denkbar voll— 
kommenster Weise entsprechen soll, ist die Konstruktion eines Herrn 
A. B. Reck in Kopenhagen; er hat auf der Health-Exhibition in 
London Furore gemacht und wird in hervorragenden Spezial— 
werken der englischen Fach-Literatur sehr günstig besprochen. 
Der Ofen ist ein Heiz⸗ und Ventilationsofen, der alle Vor— 
theile zu besitzen scheint, welche zur Beseitigung der im Eingange 
beregten Uebelstände geeignet sind. Er nimmt so wenig Raum ein, 
daß man ihn überall da hinstellen kann, von wo aus eine gleich⸗ 
mäßige und wirksame Vertheilung der Wärme gewünscht wird. 
Die Prinzipien, welche bei der Konstruktion dieses Ofens be— 
obachtet werden, bestehen darin, daß das Feuer in einem Gußeisen⸗ 
kasten im Innern des Ofens untergebracht ist, wohin die zur Ver⸗ 
brennung nöthige Luft gelangt, um den Kasten zu umspuͤlen und 
in vorgewärmtem Zustande in denselben einzutreteun Man erreicht 
dadurch eine vollkommene Verbrennung. Die frische Luft wird in 
der Kammer und Pfanne erwärmt, welche den Feuerkasten um— 
giebt; da aber die Flamme mit der Oberfläche nicht in Berührung 
kommt, welche die Luft erwärmt, so kanu sie nicht übermäßig er— 
hitzt werden. Das Feuer kann leicht regulirt und die Verbrennung 
nach Belieben verlangsamt oder beschleunigt werden. 
Der Ojen stellt sich als sehr ökonomisch heraus: 
. weil die Luft, welche den Feuerkasten umgiebt, durch den⸗ 
selben streicht und die Verbrennung fördert; 
2. weil das Feuer leicht angezündet und regulirt werden kann. 
Es kann jedes Feuerungsmaterial angewandt werden. 
Da kein Theil des Ofens, welcher mit der Luft in Kontakt 
kommt, rothglühend werden kann, so kann die Luft nicht überhitzt 
werden. Der Ofen enthält kein Mauerwerk, welches Reparaturen 
unterzogen werden müßte, sondern der Feuerkaften besteht aus 
schweren Gußeisenringen von großer Dauerhaftigkeit, die sich frei 
ausdehnen und zusammenziehen und von Zeit zu Zeit, wenn 
nöthig, leicht erneuert werden können und fuͤr jeden Sfen in be— 
treffender Größe fertig zu haben sind. 
Wenn die kleinen runden Luftventile an der Vorderplatte 
des Ofens offen gehalten werden, so heizt der Ofen sehr rasch. 
Werden diese Ventile jedoch ganz oder theilweise geschlossen, so er— 
hält sich dieselbe Temperätur mit Leichtigkeit in dem geheizten 
Raum lange Zeit auf derselben Höhe, ohne daß viel Kohle ver—⸗ 
brennt. Der Raum für die frische Luft in dem Ofen ist mehr 
als ausreichend groß. Die kalte Frischluft kann am Fuß des 
Dfens entweder unter demselben durch einen Kanal im Fußboden,
	        

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