Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Die Wasserversorgung der Stadt Trier. 
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schließt sich sofort das Ventil o am, Boden der Pumpe, wogegen 
das Ventil p durch denselben Druck sich öffnet und das Wasser 
aus der Pumpe durch das Rohr h in den Preßcylinder a gepreßt 
wird. Da aber dieser Cylinder bereits voll Wasser und letzteres 
nicht zusammendrückbar ist, so muß sich der Preßkolben b emit der 
Platte k heben, um dem zudringenden Wasser Platz zu macheu. 
Der ganze innere Raum des Preßcylinders mit dem Rohr h 
und der innere Pumpenraum enthalten demnach nur eine einzige 
zusjammenhängende Wassermasse, die von allen Seiten eingeschlossen 
ist: es findet daher das bereits erwähnte Prinzip der ungeschwächten 
Fortpflanzung des Druckes Anwendung, wonach jeder Flächentheil 
des Kolbenbogens b, der mit dem Querschnitt des Pumpenkolbens d 
Jleiche Größe hat, denselben Druck erhält, als der Kolben d. Ist 
B. der Querschnitt des Preßkolbens b 80 mal so groß als der 
Querschnitt des Pumpenkolbens d, so bekommt jener einen 80 mal 
so starken Druck als der auf den Kolben d ausgeübte Druck ist. 
Beträgt letzterer beispielsweise 100 kg, so wirkt auf die 80 mal 
größere Flaͤche des Preßkolbens b ein Druck von 520 100 - 8000 Kg, 
so daß, wenn man von der Reibung des Kolhbens an der Cylinder— 
wand, die allerdings einen Theil der Kraft absorbirt, absieht, die 
Gegeustände zwischen den Platten kK und l mit eben dieser Kraft 
würden zusammengepreßt werden. 
Durch das erste Herabdrücken des Pumpenkolbens d hat die 
Pumpe ihr Wasser an den Preßcylinder abgegeben und es muß 
daher, um sie wieder mit Wasser zu füllen, der Kolben dä mittelst 
des Hebels é wieder heraufgezogen werden, wobei sich das Ventil o 
öffnet. Das gespannte Wasser im Preßcylinder will nun sofort 
durch das Rohr huwieder in die Pumpe zurücktreten, wird aber 
daran durch das sich schließende Ventil p verhindert, so daß das 
Wasser in dem gespannten Zustande unter dem vorigen Druck ver— 
bleibt, indeß, wie bei jeder gewöhnlichen Saugpumpe, frisches Wusser 
aus dem Reservoir g nachgesaugt wird. Während dieses Vor— 
gangs steht selbstverständlich der Kolben im Preßcylinder unbeweg— 
iich still. 
Wird nun der Pumpenkolben d abermals herabgedrückt, so 
wiederholt sich die eben beschriebene Wirkung in allen Theilen und 
der Preßkolben b geht mit seiner Platte k zum zweiten Mal unter 
demselben Druck von 3000 Kg gegen das Widerlager J in die Höhe. 
Derselbe Vorgang wiederholt sich bei jedem Auf- und Niedergange 
des Pumpenkolbens, der Preßkolben b hebt sich ruckweise immer 
weiter gegen das Widerlager! und ist es leicht einzusehen, daß man 
unter Anwendung eines verhältnißmäßig geringen Drucks die 
GBegenstände zwischen den Preßplatten mit einer außerordentlichen 
Kraft zusammenpressen kann, wenn nur der Querschnitt des Preß⸗ 
kolbens bedeutend größer als der des Pumpenkolbens ist. 
Wird der Pumpenkolben bei jedem Niedergange um eine 
bestimmte Länge, z. B. um 0,4 mcoherabgedrückt, so kann (unter 
Beibehaltung der angegebenen Querschnittsverhältnisse der beiden 
Kolben) der Preßkolben nur um !0 von 0, 4 m, also nur um 
D, Ouh mm gehoben werden, weil das durch den Pumpenkolben ver— 
drängte Wasser im Preßcylinder unter der 80 mal größeren Quer— 
schnittsfläche des Preßkolbens sich ausbreiten kann. Wäre jedoch 
der Querschnitt des Preßkolbens nur halb so groß — 40 mal so 
groß als der des Pumpenkolbens, dann würde zwar die Presse 
nur mit der halben Kraft, wie vorher, arbeiten, dafür aber mit der 
doppelten Geschwindigkeit, d. h. der Preßkolben würde in derselben 
Zeit durch das gepreßte Wasser noch einmal so hoch wie vorher, 
also um 2 Xx 0,005 - 0,01 mm gehoben werden. 
In den meisten Fällen dürfte es sich empfehlen, im Anfange 
nur mit mäßiger Kraft, aber möglichst rasch zu pressen und erst 
dann, wenn die Pressung bereits bis auf einen gewissen Grad ge— 
diehen ist, den Druck zu verstärken und die Presse mit voller Kraft 
arbeiten zu lassen. Zu diesem Zweck verbindet man den Preß— 
rylinder mit zwei Druckpumpen von verschiedenen Querschnitten 
und zwar giebt man in der Regel dem Kolben der einen Pumpe 
zinen etwa vier mal so großen Querschnitt als dem der anderen 
Pumpe. Man arbeitet dann zuerst mit der weiten Druckpumpe, 
wobei, die Presse zwar nur den vierten Theil ihrer vollen Kraft 
entwickelt, dafür aber vier mal so schnell preßt. Erst wenn die 
Pressung so weit vorgeschritten ist, daß die Kraft zu einem weiteren 
Zusammenpressen nicht mehr ausreicht, schließt man das Ver— 
bindungsrohr zwischen dem Preßcylinder und der weiten Pumpe 
mittelst eines Hahnes ab, setzt den Preßcylinder durch einen andern 
Hahn mit dem nach der engen Pumpe führenden Rohr in Ver— 
bindung und arbeitet nun mit einem vier mal so großen Hruck, aber 
mit einer vier mal langsameren Pressung. Wenn nach beendigtem 
Pressen der Kolben b wieder an seine alte Stelle im Preßcylinder 
urückgebracht werden soll, läßt man mittelst eines Hahnes das 
Wasser aus dem Cylinder ab; der Kolben geht daun entweder 
durch sein eigenes Gewicht oder mittelst eines Druckes von oben 
an seine frühere Stelle Mrück 
Die hydraulische Presse findet die mannigfaltigste Anwendung: 
Mag bedient sich ihrer unter Anderem in den Tuch- und Kattun— 
iabriken zum Pressen und Glätten der Zeuge, in den Papierfabriken 
zum Glätten des Papiers, in den Buchdruckereien zum Pressen 
der durch den Druck uneben gewordenen Bogen, in der Rüben— 
zuckerfabrik zum Auspressen des Rübensaftes, in den Oelfabriken 
zum Auspressen der ölhaltigen Samenkörner, ferner zum Komprimiren 
erschiedener Stoffe zum Zweck ihres leichteren Transports ꝛc. Mit 
Hilfe der hydraulischen Presse werden die starken eisernen Schiffs- 
sabel, die Schiffsanker, Ketten und sonstige eiserne Bauartikel vor 
ihrem Gebrauch auf ihre Festigkeit geprüft; ebenso werden durch 
hren Druck die Räder der Eisenbahnwagen auf ihre Axen gepreßt. 
Je nach dem Zweck, zu welchem sie bestimmt sind, sind die 
Mydraulischen Pressen in ihren Dimensionen und Preßvorrichtungen 
nerschieden. 
Gegen den Vortheil einer sehr großen Druckkraft, eines ge— 
ringen, zur Aufstellung erforderlichen Raumes der gewöhnlichen 
Pressen und eines ruhigen von Erschütterungen freien Ganges, hat 
die hydraulische Presse den Nachtheil, daß sie nur langsam arbeitet, 
und steht in dieser Beziehung anderen Pressen, wie z. B. den 
Schraubenpressen, nach. ER. 
Die Wasserversorgung der Stadt Trier. 
Die alte römische Kaiserstadt Trier, die Augusta Trevirorum, 
ist jedenfalls unter den deutschen Städten diejenige, welche sich 
am frühesten der Wohlthat einer Wasserleitung erfreuen durfte. 
Aus den nicht seltenen Ueberresten des römischen Aquäduktes 
können wir auf deren Größe und Ausdehnung schließen. 
Der aus Backsteinen gemauerte, mit Bruchsteinen überwölbte 
rechtwinklige Kanal war sorgfältig innen mit Verputz ausgeglättet 
und hatte eine Höhe von 1,80 w und eine Breite von 1,25 m 
im Lichten. Er nahm seinen Anfang in der Nähe des Dorfes 
Waldrach im Ruwerthal und lief mit sehr schwacher Neigung an 
den Gehängen des Ruwerthales und denen des Moselthales hin 
in einer Längenansdehnung von etwa 12 km. Bei dem äußerst 
schwachen Gefälle wird der Kanal kaum mehr als etwa 200 Liter 
in der Sekunde an Wassererguß geliefert haben. 
Da die Spuren der römischen Wasserleitung sich nicht weiter 
als bis zu den Ruinen des Amphitheaters verfolgen lassen, so ist 
anzunehmen, daß in dessen Nähe die Vertheilungskammer des 
Wassers (Castellum, Dividiculum) sich befand, wo dann auch der 
Brunnenmeister (Castellarius) seine Wohnung hatte. Bereits im 
frühesten Mittelalter scheint die römische Wasserleitung ganz un— 
zrauchbar gewesen zu sein; denn aus Urkunden ist ersichtlich, daß 
nan damals schon eine nähere, aber auch viel weniger ergiebige 
Quelle als selbstständige Leitung der Stadt zugeleitet hatte, die 
irfprünglich „Taufborn“ genannt wurde und jetzt noch unter dem 
Namen „Herrenbrünnchen“ besteht. Bis auf die neueste Zeit war 
— B 
da ihr Erguß manchmal kaum 1Liter die Sekunde betrug, so ist 
es begreiflich, wenn der Stadtrath Alles aufbot, eine Vermehrung 
des Wasserzuflusses herbeizuführen. So wurde im Jahre 1863 
der bekannte Quellenfinder Abbé Richard nach Trier berufen; 
aber die an seine Angaben geknüpften Hoffnungen konnten auch 
dem Wassermangel nicht abhelfen. Die Stadt ließ sich im Laufe 
der Jahre von den verschiedensten Fachmännern Gutachten über 
Verbesserung ihrer Trinkwasserverhältnisse abgeben, ohne dadurch 
rgendwelche Sicherheit für ein weiteres Vorgehen in der Sache 
uu gewinnen. Inzwischen überzeugte man sich aber immer mehr 
»avon, daß die vorhandenen Pumphbrunnen nicht genügend und 
um Theil gesundheitsschädliches Wasser lieferten, und so entschloß 
ich der Stadtrath von Trier schließlich, den Entwurf und die 
derstellung einer befriedigenden allgemeinen Wasserversorgung 
iicht auf Rechnung der Stadt selbst durchzuführen, sondern hierfür 
eine Konzesffion auf eine längere Reihe von Jahren an eine 
zeeignete Privatperson zu ertheilen. 
Im Juli des Jahres 1883 kam Herr A. Marshall in 
Tunbridge-Wells in den Besitz dieser Konzession und übertrug 
die Leitung des Werkes, wie die „Köln. Zeitung“ berichtet. dem 
Tivilingenieur H. Gruner in Basel. 
Die nächste Aufgabe des projektirenden Ingenieurs mußte es 
ein, sich über die hydrographischen und geoldgischen Verhältnisse 
der Umgebung von Trier ein vollständiges und klares Bild zu 
berschaffen. Es wurden in der näheren und ferneren Umgebung 
der Stadt an den verschiedensten Stellen etwa 50 Nortausche 
Brunnen geschlagen, später mehrere Tiefbohrungen vorgenommen 
uind die erhaltenen Wasserproben in einer öffentlichen Unter— 
uchungsanstalt sorgfältig analysirt. Durch diese Studien und um— 
änalichen Vorarbéiten delang es schließlich, einen in ieder Be—
	        

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