Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Berichte aus verschiedenen Städten. — Mittheilungen aus der Praxis. 
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ziehung vorzüglich geeigneten Platz für Anlage der Wasserfassung 
zu finden, etwa 3 Kmä nordöstlich von der Stadt am Fuße der 
Gehänge gelegen, welche das Moselthal daselbst begrenzen. Sowohl 
die chemischen Eigenschaften als die Reinheit und ständige Tem— 
peratur von 81,, Grad Reaumur beweisen, daß daselbst ein vor— 
zügliches, von den benachbarten Anhöhen des Aweler Waldes her— 
abfließendes Trinkwasser gewonnen wird, welches sowohl in seiner 
hemischen Beschaffenheit, als hinsichtlich der Temperatur und Höhe 
— VV 
den Flußwasser der Mosel ist. 
Obschon über Größe und Leistungsfähigkeit des zu erbauenden 
Wasserwerkes in der Concession nichts näheres vorgeschrieben ist, 
so wurde dasselbe doch schon von Anfang an sehr reichlich berechnet 
und erbaut. Es genügt in seiner jetzigen Anlage dem Bedarf von 
40 000 Einwohnern mit einem Verbrauch von je 125 Liter, gleich 
5000 kbm ätäglichen Gesammtverbrauchs. 
Nachdem es gelungen war, Wasser von der obenbeschriebenen 
Güte aufzufinden, handelte es sich ferner darum, solches auch in 
der erforderlichen Menge von etwa 60 Liter in der Sekunde zu 
beschaffen. Hierzu war die Anlage von fünf Brunnen in einer 
gegenseitigen Entfernung von etwa 1200 m nothwendig. Die fünf 
Brunnen sind unter sich und mit den Pumpen durch gußeiserne 
Saugleitungen verbunden und können zusammen etwa 75 Liter 
Wasser in der Sekunde oder 60630 kbin auf den Tag liefern. 
Aus den Brunnen wird das Wasser mittels senkrechter, durch 
Dampfmaschinen getriebener Pumpen gesaugt und durch eine guß— 
eiserne Druckleitung von 350 mim innerem Durchmesser in das 
1000 kbm Wasser haltende Hochreservoir gehoben. Dieses aus 
Backsteinen in Cement gemauerte, überwölbte und mit 1,5 mm Erd— 
anschüttung überdeckte Hochreservoir liegt 30 m über der Straßen— 
fläche der Stadt und dient sowohl zur Kühlhaltung und Regelung 
des zu- und abfließenden Wassers, unter Sicherstellung eines stets 
vorhandenen großen Vorrathes, als auch zur Herstellung eines 
gleichmäßigen bedeutenden Druckes in allen Zweigen des sich durch 
alle Straßen der Stadt vertheilenden Rohrnetzes. 
In Entfernungen von durchschnittlich 100 m sind im Rohr— 
netz sogenannte Hydranten oder Feuerhahnen angebracht, von welchen 
aus durch Anschrauben der Schläuche direkt ein mächtiger Wasser— 
strahl mit 30—40 m Druck über die Dächer der benachbarten 
vanse und nöthigenfalls in Brandstätten geworfen werden kann. 
Das ganze Rohrnetz hat eine Gesammtlänge von etwa 30 kmiein 
gußeisernen Leitungen von 80—450 mmm innerem Durchmesser 
und enthält 210 Hydranten sowie 160 fschieber, letztere nöthigen— 
ialls zum Absperren einzelner Straßen. 
Die Vorarbeiten füllten die Monate August 1883 bis 
Februar 1884 aus, im April 1884 wurde mit den Bauarbeiten 
begonnen und im April dieses Jahres das Wasserwerk in Betrieb 
gesetzt. 
Die Konzessionsdauer ist auf 40 Jahre festgesetzt; nach deren 
Ablauf geht das ganze Wasserwerk mit allem Zubehör unentgeltlich 
in den Besitz der Stadt über. Auch schon nach Ablauf der ersten 
20 Jahre hat die Stadt das Recht, dasselbe gegen entsprechende 
Entschädigung zu übernehmen. Der Wasserpreis ist für Private 
auf 15 Pfennig für den Quadratmeter bebauter Fläche und für 
größere Abnehmer auf 15 Pfennig für den Kubikmeter, für das 
bon der Stadt selbst verbrauchte Wasser auf 10 Pfennig für den 
Kubikmeter vertragsmäßig festgesetzt. Freiwillig hat der Kouzessions— 
inhaber diesen billigen Preis von 10 Pfennigen für den Kubik— 
meter auch allen gemeinnützigen Anstalten. Krankenhäusern. Spi— 
tälern eingeräumt 
aflegung der in dem neuen Polizeigefängniß unterzubringenden 
Befangenen soll in Entreprise vergeben werden, und das Morgen— 
und Abendessen derselben aus Kaffee und Brot bestehen. Es 
wird daher nur eine Kaffeeküche vorgesehen. Von der Einrichtung 
einer Waschküche mit allem Zubehör wird abgesehen; die ge⸗ 
sammte Wäsche soll im Arbeitshause zu Rummelsburg gewaschen 
verden. 
Berlin. Das Projekt zur Errichtung eines neuen großen 
Hotels am Schloßplatze ist soweit gediehen, daß der Stadtver— 
ordneten-Versammlung eine diesbezügliche Vorlage hat zugehen 
können. Träger des Projekts sind die Kaufleutc Böhler und 
Wild, welche das Hotelgebäude auf den drei Gruagdstücken Stech— 
yahn No. 5, Schloßplatz No. 1 und Brüderstraße No. 1 aufzu— 
ühren gedenken. Dasselbe soll so gestaltet werden, daß es der 
Stadtgegend und der Umgebung des Schlosses voll entspricht; 
iamentlich soll es eine sehr schöne Façade erhalten. Die Ansicht 
)es projektirten Baues hat der städtischen Baudeputation bereits 
norgelegen und deren Beifall gefunden, wie ihm auch die Zu— 
timmung des Polizeipräsidiums in Aussicht gestellt worden iüst. 
Unter diesen Umständen ist der Magistrat geneigt, den genannten 
»eiden Unternehmern das erforderliche Bauterrain der städtischen 
Brundstücke Stechbahn 5 und Schloßplatz No. 1 für den Preis 
von 210 000 Maark zu verkaufen, um so mehr, als auf diese Weise 
endlich die lang entbehrte Regulirung der Südseite des Schloß— 
Aatzes und des Eingangs der Brüderstraße erreicht werden kann. 
Nach den getroffenen Vereinbarungen muß der Bau des neuen 
dZotelgebäudes spätestens am 1. April 1887 begonnen werden. 
Berlin. Ueber Berlius Friedhöfe spricht sich Baurath 
dyllmann in einem jetzt vorliegeuden Vortrage über die bauliche 
5utwickelung Berlins u. A. solgendermaßen aus: Eines der 
veniger erfreulichen Bilder bietet der Zustand der Friedböfe. 
In willkürlichsten Parzellen über das ganze Weichbild der Stadt 
erstreut, meist in höchst geräuschvoller Umgebung gelegen, entspricht 
aum einer derselben den Anforderungen einer architektonisch ge— 
zrdneten und gärtnerisch durchgeführten Anlage. Auch die 
zedeutenderen Monumente auf denselben haben fast sämmtlich 
»hne Rücksicht auf Axen und Zugänge disponirt werden müssen 
ind entbehren daher trotz der auf sie verwendeten künstlerischen 
draft und der Gediegenheit der Materialien eine bedeutsamere 
Wirkung. Die Enge und architektonische Oede der Kapellen — 
nit einer rühmenswerthen Ausnahme — vermindert in hohem 
Brade die Würde der Bestattungsfeierlichkeiten. Kurz, die Be— 
chaffung eines oder mehrerer Centralfriedhöfe in würdiger, analogen 
Vorbildern entsprechender Ausstattung, bleibt einedringend wünschens— 
verthe Aufgabe für die Architekten. wie für die Stadt 
Mittheilungen aus der Praxis. 
Pause-Verfahren auf gewöhnlichem Jeichen— 
papier. Man legt das Papier, anf welches die Zeichnung ge— 
ertigt werden soll, auf das abzuzeichnende Original und bestreicht 
»as obere Papier mit Baumwolle, welche mit gutem gereinigtem 
Benzol getränkt ist. Die bestrichenen Stellen des Papiers werden 
adurch, daß sie das Benzol aus der Baumwolle in ihre Poren 
ufnehmen, ebenso durchsichtig, wie das beste Pauspapier oder die 
»este Pausleinewand, so daß man die feinste Zeichnung auf der 
Anterlage, welche hierbei nicht im mindesten leidet, deutlich genug 
erkennt, um sie durchzeichnen zu können, auch wird das Papier 
zurchaus nicht faltig oder wellenförmig, sondern bleibt vollkommen 
zlatt und eben. Das auf solche Weise mit Benzol benetzte Papier 
äßt sich ebenso leicht mit Tinte, Tusche, Bleistift bezeichnen, als 
nit Wasserfarben bemalen, ohne daß die Tinte, Tusche ec. nur im 
nindesten ausläuft oder zerfließt. Dennoch haften die auf das 
nit Benzol getränkte Papier aufgetragenen Bleistift-, Tinte- oder 
Tuschstriche viel fester und dauerhafter auf demselben, als auf ge— 
vöhnlichem Zeichenpapier, und selbst sehr zart geführte Bleistift— 
triche lassen sich nachher nur schwer durch Gummi wieder ab— 
eiben. 
Sollen größere Zeichnungen durchgezeichnet werden, so be— 
euchtet man das Papier nach und nach mit dem Benzol, und 
ollte während des Durchzeichnens auf der eben befeuchteten Stelle 
»as Papier trübe werden, bevor man ganz fertig ist, so braucht 
nan nur wieder etwas nenes Benzol darüber zu streichen. Nach 
»eendeter Arbeit läßt man das Papier liegen, das Benzol verfliegt 
rasch und in demselben Maße wird auch das Papier wieder ebenso 
veiß und undurchsichtig, wie es zuerst war, ohne daß man vlecke 
»arauf oder irgend einen Geruch wahrnehmen kaun. Das reine 
Benzol riecht übrigens durchaus nicht unangenehm und übt sein 
Beruch auf den Dürchzeichner keinen nachtheiligen Einfluß aus. 
Durch diese Methode können Zeichnungen jeder Art, die nicht 
iuf Pauspapier oder Pausleinewand hergestellt werden sollen, 
ꝛbenso leicht mit Tinte, Tusche und Wasserfarben direkt auf un— 
durchsichtiges Brief-⸗ Schreib- oder Zeichenvapier übertragen 
erden 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
Berlin. Die schon angekündigte Vorlage wegen Erweite— 
cung des Bauprogramms für das Polizei-Präsidial-Dienstgebäude 
ist der Stadtverordneten-Versammlung jetzt zugegangen. Den 
Hauptpunkt bildet die Einrichtung eines vollstaͤndigen Polizei— 
gefängnisses nebst allem Zubehör, während früher seitens des 
Polizeipräsidiums nur die Einrichtung eines wenig Raum bean— 
spruchenden Polizei-Gewahrsams gefordert worden war. Da 
anßerdem anch noch dem Kommandeur der Schutzmannschaft, wie 
dem Adjutanten desselben eine Dienstwohnung im Präsidialgebäude 
deschafft werden muß, so reichen die ursprünglich für dasselbe ge— 
troffenen räumlichen Dispositionen nicht mehr aus, vielmehr muß 
das Gebäude, anstatt, wie im Bauprogramm angenommen, 3 Ge— 
schoß, durchweg 4 Geschoß hoch erbaut werden. Es ergiebt sich 
hieraus für das Gebäude eine durchschnittliche Gesammthöhe von 
23 m. Alles in Allem sind jetzt für das Polizei-Präsidial— 
Dienstgebäude 778 Fenster vorgesehen; davon entfallen 29 auf 
die Wohnung des Polizei-Präsidenten, 20 auf die Wohnung des 
Ober-Regierungsrathes, 14 auf die des Kommandeurs und 9 auf 
die des Adjutanten. Das Polizeigefängniß soll 100 Isolirzellen 
und außerdem Säle für gemeinschäftliche Haft enthalten, in denen 
304) Wersonen untergehracht werden fönnen. Die⸗ Msittadsper—
	        

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