Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Wohnhaus des Herrn W. Geub in der Neustadt Köln. 
Wohnhaus des Herrn W. Geub in der Neustadt Köln. II. 
(Hierzu 9 Fig.) 
Schon jetzt ist ersichtlich, daß die Neustadt Köln einen Ver— 
zleich mit anderen neueren Städten nicht zu scheuen haben wird, 
owohl in Bezug auf die ganze Anlage als auch die Entfaltung 
zeichen architektonischen Aufwandes. Auf letzteren Punkt werden 
vir noch bei Beschreibung der Fagaden des Geub'schen Neubaues 
iäher zurückkommen. Dabei wird auf dem südlichen Drittel, wo 
ine ausgedehnte, prächtige Lindenallee bestehen bleiben konnte, ein 
Stück der alten Stadtmauer mit mehreren Rundthürmen und vor— 
iegendem eskarpirtem Graben, nebst dem in der Geschichte der 
Stadt eine wichtige Rolle spielenden Ulre-Denkmal, inmitten 
chmucker, gärtnerischer Anlagen, von kleinen Wasserläufen malerisch 
urchzogen, die Erinnerung an die Vergangenheit den kommenden 
Beschlechtern wach erhalten. Hier werden theilweise die Häuser 
inen Villencharakter tragen, wodurch dieser Stadttheil weiteren 
Dem Bauherrn des Neubaues, in dessen nähere Besprechung 
vir nunmehr eintreten wollen, gelang es, am Friesenplatz ein für 
eine demnächstigen Wohn- und Geschäftsräume erforderliches, 12 m 
reites, etwa 60 mm tiefes Terrain zum Preise von 36 000' Mark, 
ilso pro qm rund 50 Mark, zu gewinnen. Dieser Preis war mit 
Rücksicht auf die besonders hervorragende Lage des Grundstückes 
ils ein mäßiger zu bezeichnen. In der ersten Zeit der Stadt— 
rweiterung im mittleren Drittel bewegten sich die bei Terrain— 
Verkäufen erzielten Preise, abgesehen von Eckgrundstücken ꝛc, meistens 
ijahezu auf dieser Höhe, während im später in Angriff genommenen 
üdlichen Drittel meist billiger verkauft wurde. So wurden bei 
inem großen Terrain zwischen Weyer- und Severinsthor an der 
Ecke der Ringstraße (Salierring) 55 Mark, an der Ringstraße 
elbst 40 Mark und an der alten Wallstraße nur 30 Mark gezahlt. 
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Fia 
Reiz gewinnt, um so mehr, als es bisher aus naheliegenden 
Hründen Köln an derartigen Anlagen durchaus fehlte. Ebenso 
oll auch das nördliche Drittel durch größere Anlagen am bis— 
herigen Sicherheitshafen, sowie durch Vorgärten und Alleen einen 
möglichst freundlichen Charakter erhalten. Im mittleren Drittel, 
wo auch das hier zu beschreibende Wohnhaus errichtet wurde, ent— 
wickelte sich schon sehr bald eine außerordentlich rege Bauthätigkeit, 
wozu die günstige Lage mit Bezug auf die sich in der Nähe aus— 
hreitenden bedeutenderen Vororte Köln's wesentlich beigetragen 
haben wird. 
Kann man das südliche Drittel mit Rücksicht auf die hier 
tark entwickelte Industrie und die projektirten Hafen- und Quai— 
Anlagen demnächst vorzugsweise als Handels-Viertel, den Norden 
dagegen nach seiner ganzen Anlage und wegen der Nähe der be— 
iebten Vergnügungslokale der besseren Stände, des Zoologischen 
Bartens, der Flora ꝛc. mehr als Wohnviertel des Wohlstandes mit 
einen Villen und Gärten bezeichnen, so ist der mittlere Theil der 
Neustadt, die Weststadt, in harakteriftischer Weise für das groß— 
taͤdtische Verkehrs- Läden- Gefchäfts⸗, Behörden- und Restaurations— 
Lehen ausgebildet 
In denjenigen Blocks an der Ringstraße, wo freistehende Villen 
»der Doppelhäuser errichtet werden mußten, war die Taxe auf 
30 Mark pro qm festgesetzt, dieselbe wurde aber meist bei den statt— 
gehabten Verkäufen bedeutend überboten. 
Der Friesenplatz muß jedenfalls als ein besonders hervor— 
ragender Punkt der Neustadt bezeichnet werden. Die alte Friesen— 
traße, welche in früheren Jahren Thorstraße gewesen, aber bis in 
zie jüngste Zeit, ob aus fortifikatorischen Rücksichten ist uns nicht 
jekannt, wegen des steten Verschlusses des thatsächlich vorhandenen 
Thores keine Verbindung nach außen gewährte, vermittelt nun— 
nehr auf direktestem Wege den von der festen Rheinbrücke, vom 
Dome, dem Centralbahnhofe und dem sogenannten Appellhofe, dem 
Sitz des obersten rheinischen Gerichtshofes, nach Ehrenfeld, dem 
edeutendsten Vororte Kölns flutheuden Verkehr. Direkt jenseits 
— 
Papierdrachens zu dem Friesenplatze, der in Folge dessen im Kölner 
ßolksmunde bereits in den ersten Tagen seines Bestehens den 
amen „Pattevuggels-Plätzche“ erhielt (den Papierdrachen nennt 
er Köluer in seiner volksthümlichen Mundart: „Pattepuggel“). 
Um äußeren Eude des mit qgärtnerischen Anlagen geschmückten
	        

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