Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Berichte aus verschiedenen Städten. — Baͤutechnische Notizen. 
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so in einen hohen Saal umgewandelt und derselbe zur Aufnahme 
der Kunstwerke eingerichtet werden, in ähnlicher Weise, wie der 
nördlich vom Treppenhause gelegene sogenannte lycische Hof, der 
im Erdgeschoß den egyptischen Tempelhof enthält. 
Brübhl. Vor einigen Tagen hat man mit dem Erweiterungs— 
bau unserer katholischen Kirche begonnen. Die, Fundamente sind 
bereits ausgehoben und die Maurer Arbeiten in Angriff genommen 
Einen wie mächtigen Aufschwung unser freundliches Städtchen in 
den letzten Jahren genommen, geht schon daraus hervor, daß die 
erweiterte Kirche zweieinhalb Mal so groß als die frühere werden 
soll. In architektonischer Beziehnng soll der Erweiterungsbau sich 
eng an die streng gothischen Formen des bestehenden Theiles an— 
schließen 
bauten verkauft, so das bekannte Palais des Herrn Baron von 
Linde in der Straße Unter Sachsenhausen, mit einer Gesammt— 
fläche von 60014m. Dasselbe ging für den Preis von 204000 Mk., 
also pro Quadraͤtmeter 640 Mark, in den Besitz des Oekonomen 
eines größeren Gesellschaftshauses über, der auf dieser Stelle in 
der Nähe des Zentralbahnhofes und des künftigen, in großartigsten 
Verhältnissen projektirten neuen Postacbäudes belegenen Stelle ein 
komfortables Hotel errichten will. 
Der Neuban des bekannten „Dom-Hotel“ schreitet rasch voran 
und ist bereits bis über die Bel Etage hinaus gediehen. Da wird 
wohl die weilere Freilegung des Domes, für welche der rührige 
Sladtbaumeister Stübben nach dem Einsturz des Dom-Hotels im 
April dieses Jahres einen allseitig mit Anerkennung aufgenommenen 
Plan aufgestellt hatte, zu den frommen Wünschen gehören. 
Köln beabsichtigt auch dem Beispiele Berlins zu folgen und 
baldigst mit der Errichtuug von geräumigen, allen berechtigten 
Anforderungen genügenden Markthallen vorzugehen. Bereits am 
23. Juni wurden auf dem Rathhause die Anerbietungen für die 
Arbelten und Lieferungen zur ersten Markthalle eröffnet. Die 
Forderungen bewegten sich bald über, hald unter dem Kosten⸗ 
nschlage. Das niedrigste Gebot betrug 23 pCt. unter, das höchste 
25 pCtꝰ uͤber dem Anschlage, die größte Preisdifferenz also 46 pCEt., 
sage und schreibe: sechsündvierzig Prozent! Wer wagt da noch 
die Behauptung, daß unser Submissionswesen nicht einer dringen⸗ 
den MNeform bedarf? 
Frankfurt a. M. Im nächsten Jahre findet ir 
Frankfürt die Generalversammlung des Verbandes deutscher 
Architekten- und Ingenieurvereine statt. Bei dieser Gelegenheit 
wird der hiesige Verein ein größeres Werk unter dem Titel 
„Frankfurt und seine Bauten“ herausgeben, welches außer dem 
Lingehenden Text eine große Zahl Illustrationen in Lichtdruck und 
Zinkotypie enthalten wird. Die Bearbeitung der einzelnen Ab— 
schnitte wurde den nachbenannten Herren übertragen: Allgemeines 
und Baugeschichte Frankfurts: Architekt Otto Lindheimer; Kultus— 
bauten: Professor Luthmer und Bauinspektor Koch; Gebäude für 
ffentliche Sammlungen: Professor Sommer; für Gesundheitspflege, 
Lehranstalten und Bauten der städtischen Verwaltung: Bauratlh 
Behnke; Bauten der Staats- und Reichsregierung: Baurath 
Wagner; Theater, Vergnügungslokale, und Gasthöse: Architekt 
Lieblein; Privatwohngebäude: Architekt von Hoven; Wasserbau. 
Brücken- und Straßenbaäu und Wasserversorgung: Baurath Lindley; 
siädtische Beleuchtung: Direktor Kohn; Eisenbahnbauten: Regie— 
— Riese: Industrielle Etablissements: Ingenieur 
Askenasn 
Bautechnische Notizen. 
Handwerkzeug der Vorzeit. Der bekannte dänische Alter- 
thumsforscher Kammerherr Sehested, der leider zu früh der Wissenschaft 
entrissen wurde, hat auf seinem Stammgut Broholmeim südlichen Fünen, 
dessen Boden er“ mit unnachahmlicher Sorgfalt Zoll für Zoll nach den 
Resten des Alterthums durchforscht hat, den Versuch gemacht, ein hölzernes 
Zaus zu errichten nur mit den Werkzeugen und Hilfsmitteln, welche dem 
Hleenschen in der späteren Steinzeit zu Gebote standen. Der Erfolg 
var ein uͤberraschend günstiger. Mit einer im Gebiete von Bro— 
solm gefundenen Feuersteinaxt fällte ein Arbeiter in dreißig Arbeits— 
Nunden 63 Bäume von 20 em Durchmesser und 60 von 9 ew, und die 
xt war nach Beendigung der Arbeit vollkommen unbeschädigt. Nur 
nit aufgefundenen Feuersieinwerkzeugen wurden die Balken beschlagen, 
serschnitten, gebohrt und mit Holznägeln zusammengefügt, und so ein ganz 
gettes Holzhaͤuschen zu Stande gebracht ohne Verwendung der geringsten 
Spur don Metäll. 'Es war also den Menschen jener frühen Periode 
hon möglich, sich viel mehr Lebensgenüsse und eine viel komfortablere 
Finrichtung zu schaffen, als man gewöhnlich annimmt. Auch die Herstellung 
der nöthigen Werkzeuge war leichter, als man glaubt, und die anscheinend 
so schwierige Durchbohrung der Steinwaffen erfolgte mit Knochen oder 
Dehsenhörnern und einer Bogensehne verhältnißmaßig rasch uud leicht. 
Vertilgung von Holzwürmern. Diese Insekten können das 
Benzin und dessen Geruch nicht vertragen; sobald daher die Bohrlöcher 
nit dieser Flüssigkeit gefüllt werden, sterben Insekten, Larven und Eier 
sehr bald. Möobel und Holzschnitzereien, welche schon stark von den An— 
zriffen der Holzwürmer gelitten haben, bringt man in gut verschließbare 
RKäume und laäßt in diesen bei Sommerwärme eine Schale mit Benzin 
Jefüllt verdampfen, wiederholt diese Operation so lange, bis man größere 
Mengen todter Würmer und Larven vorfindet. Zweckmäßig ist es, um 
aeue Möbel und Holzarbeiten gegen das Eindringen der Holzwürmer zu 
chützen, dieselben mit einem schwachen Ueberzug von Leim zu versehen. 
Letzterer ist thierischen Ursprungs und es steht fest, daß das Thier nur 
ooñ vegetabilischen Stoffen lebt. Um die Wirkung des Leims zu erhöhen, 
kann man auf 11 der Leimlösung noch 2 gr Quecksilberchlorid zu— 
setzen. Auf Grund eigener Erfahrungen kaun dieses Mittel zur Ver— 
tilauna der Holzwürmer bestens empfoblen werden. 
Desinfektionsmittel. Dr. Goolden giebt folgende Vorschrift 
für ein Desinfektionsmittel, welches sich ausgezeichnet bewähren soll 
i /Drachme salpetersaures Blei wird in Liter kochenden Wassers und 
2 Drachmen Kochsalz in einem Gefäß mit Waffser aufgelöst. Beide Lösungen 
werden zusammengegossen und stehen gelassen, bis sich ein Niederschlag 
gebildet hat. Die auf diese Weise erhaltene Flüssigkeit ist ganz geruchlos 
uͤnd soll das stärkste Desinfektionsmittel sein. Ein in diese Flüssigkeit 
ienden Tuch reinigt, wenn es in einem von faulen Gerüchen verpesteten 
Raume aufgehaͤngt wird, sofort die Luft. In Kanäle gegossen oder über 
Duͤngerhaufen gesprengt, wirke das Mittel gradezu wunderbar und unter— 
drücke sofort sede übelriechende Ausdünstuͤng; ebenso sei dasselbe — 
Desinfizirung von Wäsche, Kleidern ꝛc. ausgezeichnet zu verwenden. Die 
Haut werde durch die an sich giftige Lösung nicht affizirt. 
Helle und dunkle Nußbaumbeize. Nach einer Mittheilung 
in den Industrie-Blättern löst man zu dieser Beize 1 Theil übermang— 
saures Kali in 30 Theilen Wasser J und überstreicht mit dieser Lösung 
weimal das zu keizende Holz. Nach 5 Minuten Einwirkung wird das 
Holz mit Wasser gewaschen, getrocknet, geölt und, polirt. Ueberstreicht 
an das Holz'8 bis 4 mal mit dieser Beize, so erhält man eine dunkle 
Nußbaumbeize, auf welcher man die Adern mit essigsaurer Eisenbeize 
hervorbrinat. Dies Verfahren ist gut, einfach und billig. 
Köln. Unter dem Vorsitz des Herrn Regierungsrath Berg 
aus Berlin, als Vertreter des Reichsversicherungsamtes, tagte am 
18. Juni in dem großen Saale der „Lese-Gesellschaft“ die konsti— 
ruirende Generalversammlung der „Rheinisch-Westfälischen Bau— 
gewerks-Berufsgenossenschaft'. Es waren 284 Bercchtigte aus 
theinland und Westfalen erschienen, welche 2073 Stimmen ver— 
träten. Man schritt nach Verlesung der betreffenden Paragraphen 
des Unfall-Gesetzes zunächst zur Wahl eines Vorstandes. Zum 
Vorsitzenden wuͤrde Maurer- und Zimmermeister H. Müller von 
hier gewählt, zum Schriftführer Raurermeister A. Winter aus 
Barmen. Als Beisitzer wählte man folgende e die Maurer— 
meister Jac. Albertz-Köln, Gehring-Mäünster, Kannenwischer-Dort 
mund, Herrmann-Neuwied, Gerhardt Elberfeld, Wolff-⸗St. Johann 
a. d. Saar, Billstein-Aachen, Kroth-Andernach, Stadör-Ehrenfeld 
Zimmermeister Stolte-Bochum, Ziesen-Düsseldorf, Anstreicher— 
Hüsseldorf und Grunewald-Elberfeld. Nachdem der Vertreter der 
Regierung den Vorstand und die Genossenschaft für konstituirt er— 
klärt hatte, wurde in die Berathung der Statuten eingetreten. 
Hierbei wurde der vom Ausschuß vorgelegte, bereits vom Reichs— 
amte geprüfte Entwurf mit einigen unwesentlichen Aenderungen 
angenommen. Bei der dann folgenden Abstimmung über den Sitz 
der Genossenschaft fielen 1217 Stimmen auf Elberfeld und 865 auf 
Köln. Der Bezirk der Genossenschaft erstreckt sich über Rheinland, 
Westfalen (mit Ausschluß des Bezirkes Minden) und das Fürsten— 
ihum Birkenfeld. Die zugetheilten Erwerbszweige sind: Ver— 
fertiger grober und feiner Steinwaaren, Steinmetzen, Bauunter— 
nehmer, Maurer, Zimmerer einschließlich Mühlen- und Schiffsbau, 
Baulackirer, Bauklempner, Blitzableiter-Verfertiger und -Anleger 
Bauglaser, Bauanstreicher, Gypser, Tüncher, Weißbinder, Ver— 
putzer, Stuckateure, Dachdecker, Asphaltirer, Steinsetzer, Brunnen— 
macher, Gas- und Wasser-Anleger, Ofensetzer, Kunst- und 
Dekorationsmaler bei Bauten. 
Hinsichtlich der Stadterweiterung im letzten, dem nördlichen 
Drittel der Neustadt Köln herrscht auf der ganzen Linie eine so 
erfreuliche Rührigkeit, daß die Arbeiten zusehends vorschreiten. 
Diese erstrecken sich in der Hauptsache vorerst auf den Abbruch 
der äußeren Festungsmauern, die Abtragung der hohen Wälle in 
dem breiten und tiesen äußeren Festungsgraben. Die letztbezeich— 
nete Arbeit — die Einebnung dieses Grabens — ist bereits so 
weit gediehen, daß sie sich an einzelnen Stellen bereits ihrer Voll⸗ 
endung naht. Die Kanalisation dieses Stadttheils, soweit sie 
überhaupt vorläufig ausgeführt werden soll, wird auch so rasch 
wie möglich gefördert, und sind zu diesem Zwecke bereits die be— 
neee Arbeiten an einen Unternehmer Ansangs Juni vergeben 
worden. 
In der Altstadt herrscht ebenfalls eine außerordentlich rege 
Bauthaͤtigkeit. In diesen Tagen wurden wieder größere Bau— 
fomylexe gquf den Abhhbruch hehufs serritiuna von größoron Mou— 
Jedaftien 544— 
hen in Rorlin 
— Verlag von Julius Engelmann in Beriin. — Pruck von H. S. Hermann in Berlin 
Unfer Rerantworttichkäit des Verleders
	        

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