Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Das Straßenpflaster in amerikanischen Städten. 
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entsprechend den Pilastern, 4 Konsolen angeordnet, die Mitte ist 
purch ein reiches Renaissancewappen mit dem Namenszuge des 
Bauherrn noch besonders betont. 
Das im Ganzen gegen die Bauflucht um 55 em vortretende 
Hauptgesims besteht aus dem schon oben erwähnten, nur 24 em 
sohen Architrav mit Deckglied, dem 46 em hohen, zwischen den 
donsolen verbleibenden Fries, dem 20 em hohen Zahnschnitt nebst 
Anterglied des eigentlichen Krangesimses, der 19 em einschließlich 
»es Verbindungsgliedes hohen Hängeplatte und der mit dem Ablauf 
20 em hohen Sima. 
Ueber dem mittleren Theile der Vorderfront erhebt sich dann 
der auf Seite 424 bereits erwähnte Ziergiebel, der seinerseits sich 
vieder in zwei Hauptabstufungen ausbaut. Die untere Stufe ist 
von einem kreisbogenförmig geschlossenen, zierlichen Fenster durch— 
xochen, das von kleinen, reich ausgebildeten Pilastern flankirt wird. 
Die seitliche Begrenzung des Unterbaus ist in geschwungener, aus 
Figur 6 (Seite 407) und Figur 1 der heutigen Nummer zu er— 
ehender Linie geführt, welche in die Gliederung der beiden statt— 
ichen Obelisken übergeleitet wird. Ueber einem leichten, aus 
Architrav, Fries und Kranzgesims bestehenden Abschluß des Unterbaus 
entwickelt sich dann die obere Stufe des Ziergiebels welche ähnlich, 
wie die untere ausgebildet, aber seitlich von kräftig profilirten 
ugelaufsätzen flankirt wird. Im mittleren Theile trägt sie ein 
eich ornamentirtes Wappen mit der Jahreszahl der Erbaͤuung des 
Wohnhanses (1825). Der obere Giebelabsatz ist mit einer segment⸗ 
artig ausgebildeten, mit einer Muschel verzierten Verdachung ab— 
zeschlossen, über welcher sich noch zur Bekrönung des Ganzen ein 
leinerer Obelisk erhebt. 
Die lichten Maaße der Thür- und Fensteröffnungen wurden 
vie folgt gewählt: der Thorweg erhielt 2,50 m Breite, 4,20 m 
Höhe, die gekuppelten Kellerfenster erhielten die Maaße 2,78 zu 
Y88; im ersten Stockwerk wurden die seitlichen Fenster je 0,086 m 
zreit, 2,50 mm hoch angelegt, die Erkerfenster erhielten bei gleicher 
Höhe an der Vorderfrout 0,92 bezw. O,56 m, an den Seitenfronten 
iber nur 0,38 m Breite; die seitlichen Fenster des zweiten Stock— 
verks erhielten die Maaße 0,84 zu 2,50 mn, die Erkerfenster wurden 
benso hoch und breit wie im ersten Stockwerk angeordnet. Die 
zekuppelten seitlichen Fenster des dritten Stockwerks zeigten O,82 m 
Breite bei 2,20 m Höhe bis zum Scheitel, die mittlere Fenster— 
zruppe aber 0,78 bezw. 0,40 m Breite und 2,20 (bis zum Scheitel) 
hezw. 2,05 m äHöhe; das halbrund geschlossene Fenster im Zier— 
ziebel wurde 0,77 w breit und bis zum Scheitel daBRngens 10 
joch angelegt. 
Alles Weitere dürfte unseren Lesern aus den in heutiger und 
der nächsten Nummer enthaltenen Zeichnungen ersichtlich sein. 
Nur wollen wir noch besonders darauf aufmerksam machen, daß 
die Ausladungen der Gesimse, Pilaster ꝛc. sowie überhaupt sämmt— 
iche Profilirungen in Figur 1 durch stärkere Linien zur Erschei— 
zung gebracht sind. 
(Schluß folgt.) 
Fundament aus Beton, welches das Pflaster gegen alle Vorkomm— 
nisse schützt und die Kosten pro Quadratmeter nicht um mehr als 
3,98 Mk. erhöht. Jede Art Granit ist für Pflasterblöcke nicht geeignet. 
darter Basaltstein, welcher in Folge der Abnutzung politurartige 
Blätte annimmt, ist ebenso verwerflich, wie ein weicherer Stein. 
Ferner sind Gneis- und alle Steine mit geschichteter Struktur nicht 
,rauchbar. Die Blöcke sollen erforderlichenfalls variiren von 
11,4-20,3 em Stärke je nach der Größe des in Aussicht stehen— 
den Verkehrs, wobei als Regel gilt, daß schmale Blöcke günstiger 
ür das feste Auftreten der Pferde sind und weniger Geränsch ver— 
irsachen. Andrerseits darf die schmale Dimensionirung der Pflaster— 
teine nicht zu weit getrieben werden, weil sonst die Widerstands— 
ähigkeit des Steines darunter leidet. Jeder Block sollte der 
Form nach regelmäßig sein, mit rechtwinkligen Ecken und platten 
Flächen. Alle Fugen sollten mit Theer ausgegossen werden, so 
aß man eine wasserdichte Straßenoberfläche erhält. Nichts wirkt 
nehr auf den Verfall des Pflasters, als offene Fugen. Sie ge— 
vähren Raum für alle Arten von Feuchtigkeit und Pferdeurin, 
velche in Fäulniß übergehen, wobei die Fugen gelockert werden 
ind die Atmosphäre der Straße außerordentlich verdorben wird. 
Ddie Fäulnißgase können sogar unter Umständen in das Drainage— 
ystem der Wohnungen eindringen. Die Ausgabe für diese sehr 
iothwendige Vorsichtsmaßregel ist sehr unbedeutend, da nur 191 
Cheer pro qm nothwendig sind und beläuft sich auf 1,20 Mark 
»ro qun. Die Gesammtkosten für das Verlegen von Granitblöcken 
nit Theer vergossen, wie oben beschrieben, kann angeuommen 
verden pro qui wie folgt: 
15,24 em st. 17,8 em st. 20,3 em st. 
dosten der Blöcke. .. 8,61 Mek. 9,57 Mk. 10500 Mk. 
dosten für das Verlegen 3,84 4,07, 4,28 , 
Besammtkosten. . . 12,45 Mk. 13,64 Mk. 14,36 Mt. 
Asphalt hat man von sehr verschiedener Art und Zubereitung. 
Der werthvollste Asphalt dürfte bald aufgebraucht sein. Der 
Asphalt, welcher in Paris und anderen Großstädten des Kon— 
inents am meisten in Gunst steht, ist der komprimirte Asphalt; 
sergestellt aus einem amorphen Kalkstein, der von der Natur mit 
Bitumen imprägnirt ist. Dieses Material findet sich sowohl in 
sen Vogesen (Juragebirge), wie auch in Hannover und in Sizilien. 
Zeine Behandlung und Zubereitung ist einfach. Das erwärmte 
Kulver wird auf einem Fundament ausgebreitet und nach und nach 
urch Rammen und Abwalzen komprimirt. Der amerikanische 
Hdastixasphalt, mit welchem die Stadt Washington fast vollständig 
jepflastert ist, ist ein künstliches Gemisch, welches aus Trinidad— 
Bitumen, zerkleinerten Steinen und scharfem Sand hergestellt ist 
Ferner ist da noch ein Kohlentheerkonkret, welches sehr viel ge— 
raucht wird, aber durchaus kein wirklicher Asphalt ist, obgleich 
»s uneigentlich so genannt wird. Es bekommt ein Fundament aus 
Steinbruch und Kohlentheer mit einer Decke aus Sand oder feinen 
dieselsteinen mit Theer. Diese oberste Lage wird als eine Art 
Mastix hergestellt, ausgebreitet und abgewalzt, wie andere Mastix— 
ager. Aber diese eben beschriebene Mastixlage, wenn sie auch 
zillig und leicht herzustellen ist, hat doch einen sehr bedenklichen 
Nachtheil, nämlich den, daß der Kohlentheer bei der Gasbereitung 
sewonnen wird, sobald die Destillation einen gewissen Grad er— 
reicht hat. 
Der Einfluß der Atmosphäre, dem diese Schicht, sobald sie 
derlegt worden ist, ausgesetzt ist, ruft eine allmälige Oxydation 
jervor, wodurch der Theer seine kittenden Eigenschaften verliert, 
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ehr schnell verfällt. Der amerikanische Mastixasphalt kann her— 
zestellt werden für 10,76 Mk. pro qm, und da er billiger und 
veniger glatt wie der komprimirte Asphalt ist, ist derselbe haupt— 
ächlich in Philadelphia angewandt worden. Alle Asphaltpflaster 
erfordern eine absolut starre und unelastische Grundlage. Die 
este ist eine Betonlage aus hydraulischem Kalk von wenigstens 
5,2 cem Stärke. Die Materialien sollten hierbei nicht nur außer— 
dentlich gut und in jeder Beziehung rein sein, wenn das Pflaster 
iner großen Abnutzung ausgesetzt ist, sondern auch der Kontrakt 
ür die Unterhaltung sollte sorgfältig aufgestellt werden in Bezug 
uuf die nothwendigen Reparaturen in Folge Einsinkens oder son— 
tigen Verfalls, da bei keiner anderen Bauarbeit so viel Streitigkeiten 
iber die Pflichten des Unternehmers vorkommen. Asphaltblöcke 
verden hergestellt aus Trinidad-Asphalt und kleinen Stücken Kalk— 
tein, unter hohem Druck gepreßt. Die beste Größe ist ungefähr 
30,6 om Länge, 10,22 cem Breite und 12,7 cu Höhe. Ist die 
Bröße gleichmäßig, so erhält man sehr dünne Fugen und das 
Pflaster wird sehr kompakt und wasserdicht. Die Herstellungs— 
osten inkl. Fundament aus Kies und Sand betragen ungefähr 
(0,17 Mk. pro qm. 
Die Kommissionsmitglieder, welche den Bericht über die 
Impflasterung von Philadelphia abgefaßt haben, machen einige 
Das Straßenpflaster in amerikanischen 
Städten. 
Schluß.) 
Das Holzpflaster, welches ja auch viele Vortheile mit sich 
zringt, ist wegen der Anlage- und Unterhaltungskosten verworfen 
vorden. Das Holzpflaster in Paris erforderte als erste Anlage— 
rosten 19,2 Mk. pro Quadratmeter, während der kontraktlich fest— 
gesetzte Preis für die Reparaturen (der Kontrakt ist auf 18 Jahre 
ͤbgeschlossen) ungefähr 2,4 Mk. pro Quadratmeter für ein Jahr 
»eträgt. Dies macht für 18 Jahre eine Gesammtausgabe von 
31,36 Mk. pro Quadratmeter, es bleibt also Holzuflaster ein kost— 
pieligeres Unternehmen, als Granit- oder Asphaltpflaster. Es ist 
»eswegen beschlossen worden, Pflaster aus Granitblöcken da anzu— 
venden, wo die Entfernung zwischen Schiene und Trottoirkante 
soder aͤuch zwischen den Trottoirkanten) geringer als 6,1 m ist, 
erner auch in jedem anderen Straßenzuge, auf welchem großer 
ind ununterbrochener Verkehr mit schweren Lasten stattfindet. Auch 
in allen Straßen von beliebiger Breite, in welchen die Steigung 
3 pCt. beträgt, soll Granitpflaster verlegt werden. Auf offenen 
Plätzen mit geringem Gefälle und bedeutender Fläche soll Guß— 
isphalt zur Anwendung kommen, ebenso in Straßen ohne Pferde— 
„ahngeleise und in denen, welche hauptsächlich mit Wohnhäusern 
»esetzt sind. Pflaster aus Asphaltblöcken ist allerdings billiger und 
chneller hergestellt, ist aber nicht so widerstandsfähig gegen Ab— 
utzung, wie Gußasphalt. Die Granitblöcke müssen auf einem 
Bett von festem reinen Kies verlegt werden, welches dem Quer— 
chnitt der Straße entsprechend gesialtet ist. Findet ein schwerer 
rastverkehr statt, so lohnt fich die Ausgabe für ein 15,2 em starkes
	        

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