Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Mittheilungen aus der Praxis. 
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Verbesserungsvorschläge, welche sich in jeder Stadt ausführen lassen. 
Die obere Begrenzungslinie des Querschnitts des Pflasters soll ein 
Kreisbogen sein, dessen Pieilhöhe gleich 1ne der Sehne ist, also 
iur Straßen von 7,92 iu Breite, Pfeilhöhe 10,2 cm, 
—10,363 v 12,7 
15,24 17,8 
r u 21,34 41 V 25,4 
In weiteren Straßen können diese Pfeilhöhen reduzirt werden, 
wenndas Gefälle 3 pCt. überschreitet. Die Entfernung von Ober— 
kante Bordschwelle bis zur Oberfläche Pflaster an der Bordschwelle 
soll zwischen 12,7 und 17,8 em, je nach der Breite der Straße, 
liegen. Wo der Untergrund weich und quellenreich ist, sollen 
„blinde“ oder Drains aus Steinbruch unter dem Fundament an— 
zelegt werden, welche an ihren tiefsten Endpunkten durch Drain— 
röhren verbunden werden, behufs Ableitung nach dem nächsten 
Abwässerungskanal. Kein Abwässerungsrohr für Abführung des 
Hauswassers soll mit offenen Fugen verlegt werden, wenn der 
Boden drainirt werden soll, da in einem solchen Falle der Boden 
sicherlich verunreinigt wird und gesundheitsschädliche Zustände 
solgen können. 
Die Vosten für dieses zweifellos großartige Unternehmen 
einer so ausgedehnten Pflasterung einer Stadt von der Größe 
Philadelphias sind annähernd veranschlagt auf: 
836100 qm Granitblockpflaster à 174652 Mk. 14600000 Mk. 
isscoe 3 32400000, 
919700, Gußasphalt . .. 990000 
—A 2520000 
023300 qm. Gesammtsumme 89420000 Mk 
Hiervon sind, wie wir der „Zeitschr. für Transportwesen und 
Straßenbau“ entnehmen, in Abzug zu bringen 5040000 Mk. als 
Werth von 7023300 qm gewöhnlichen Feldsteinen. Es bleiben also 
Nettokosten 843800000 Mk. Man hat den Worschlag gemacht, 
jährlich 2000000 Mik. für die Herstellung von ca. 93 km guten 
Pflasters auszugeben. Nach dieser Eintheilung würden die alten, 
mit Feldsteinpflaster versehenen Straßen nach 10 bis 11 Jahren 
vollständig in aut gepflasterte Umgewandelt sein. AM.L. 
der ganze am Gebäude an sich angerichtete Schaden nur ein gering 
fügiger war — entseelt vor. Sie hatten ihren Tod durch Ersticken 
Jefunden. Die hölzerne Treppe war noch so weit erhalten, daß 
sie ohne Gefahr begangen werden konnte. Es bestand außerdem 
noch ein Nothausgang auf das Dach. Es war aber schwer zu—⸗ 
zänglich, sodaß die Arbeiterinnen von seinem Vorhandensein wahr— 
cheinlich gar nicht gewußt, oder es nicht gewagt haben, den Weg 
dahin durch Flammen und Rauch hindurch aufzusuchen. 
Der erschütternde Vorfall beweist unwiderleglich, daß auch 
jei dem besteingerichteten telegraphischen Meldewesen, bei der voll— 
ommensten Feuerwehr und, wie es hier der Fall war, bei un⸗— 
sewöhnlicher menschlicher Umsicht und Unerschrockenheit, in gewissen 
haulichen Anlagen eine verhängnißvolle Quelle größter Lebens— 
zefahr verbleibt. Und zu solchen ist sicher die Einrichtung von 
Aufzügen mit verbrennlichen Umfassungen zu rechnen, ganz beson— 
ders, wenn Treppe und Aufzug unmittelbar mit einander ver— 
zunden werden. Die Ausnutzung des zwischen gebrochenen Treppen⸗ 
läufen in der Mitte verbleibenden Raumes durch einen Aufzug 
jat wegen der Platzersparuug, wegen ihrer Billigkeit und aus 
'onstigen praktischen Gründen so viel Verlockendes, daß man sich 
neuerdings in vielen amerikanischen Gebäuden mit Vorliebe für 
diese Anlage entscheidet. Aber selbst wenn durchaus fenerfeste 
Konstruktionen für eine solche um einen Aufzugsschacht herumge— 
ührte Treppe gewählt werden, ist ihre Gefährlichkeit wenig ge— 
nindert, weil mit dem als Schlot wirkenden Aufzugsschacht Flammen 
ind Rauch zugleich auch das ganze Treppenhaus als Rettungsweg 
unbenutzbar machen. Es sollte deshalb als Grundsatz gelten, daß 
in größeren Gebäuden niemals eine einzige, mit Aufzug verbundene 
Treppe, wie sie auch immer hergestellt sein möge, allein als ge— 
nügend anzusehen ist, vielmehr die Forderung gestellt werden, daß 
mabhängig und thunlichst entfernt von Auszügen eine besondere, 
eicht auffindbare, unverbrennliche und durch alle Stockwerke füh— 
tende Trevype vorhanden sein muß. —g. 
Sehr dauerhafter Mörtel. Durch vielfache und sorg— 
fältige Untersuchungen von Mörtelverbindungen an alten Bauwerken 
ist folgendes Verfahren bei Bereitung des Möörtels als sehr em— 
pfehlenswerth anerkannt: Das Verhältniß von Sand und Kalk 
»leibt dasselbe wie bisher, jedoch wird ein Theil des zu verwenden— 
»en Kalkes erst unmittelbar vor der Benutzung des Mörtels und 
war in ungelöschtem Zustande und fein zertheilt der Mörtel⸗ 
nasse zugesetzt. Durch den Zusatz des ungeloͤschten Kalks, welcher 
ich durch seine Berührung mit dem in dem Mörtel enthaltenen 
Wasser löscht, wird die Masse erhitzt und es bilden sich dann schon 
Silikate — kieselsaure Salze —, wodurch der Mörtel binnen 
kKurzem sehr hart wird und keine Risse erhält. Dieser Mörtel 
leistet sogar dem Wasser ziemlich guten Widerstand, haftet ungemein 
sest an den Steinen und ist von großer Dauerhaftigkeit. Seit einer 
langen Reihe von Jahren in dieser Weise hergestellter und verwen— 
deter Mörtel hat dargethan, daß die oben bezeichneten Eigenschaften 
ihm innewohnen und kaun derselbe in Fällen, wo eine große Festig— 
teit des Mauerwerks, sowie eine schnelle Erhärtung des Mörtels 
ewünscht wird. durchaus empfohlen werden. 
Zum Submisffionswesen ein weiteres Charakteristikum: 
Das Wasserwert zu Iserlohn hatte den Abbruch dreier ihm zu— 
gehöriger Häuser in Submission ausgeschrieben. Die Gebote 
——* zwischen 55 und 455 Mark! Gewiß kein kleiner Unter— 
ted. PpP — 
Mittheilungen aus der Praris. 
Ueber die Gefährlichkeit von Aufzügen bei 
Brandfällen verbreitet sich der technische Attachée der deutschen 
Gesandtschaft in Washington, Herr Bauinspektor C. Hinkeldeyn 
in einem Bericht an den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten 
vie folgt: 
Wie gefährlich bei Ausbruch eines Feuers in Gebäuden etwa 
oorhandene Aufzüge werden können, ist durch einen Unglücksfall 
der sich vor Kurzem in Cincinnati ereignet hat, auf's Neue be— 
stätigt worden. In einem vierstöckigen, zum größten Theile von 
einer Druckerei eingenommenen Gebäude entzündete sich im ersten 
Stock, wo sich die Pressen befanden, eine nahe am Aufzug stehende 
Kanne mit Benzin. Die Flamme schlug durch den Schacht hinauf 
und verbreitete sich mit Windeseile durch das oberste Geschoß, in 
welchem eine Anzahl Frauen und Mädchen mit Zusammenlegen 
von Druckbögen beschäftigt waren. 
Es war am hellen Tage, Nachmittags 1u Uhr; der Eigen— 
hümer bemerkte das Feuer augenblicklich und rief sofort durch 
den Haustelegraphen die Feuerwehr herbei. Dieselbe erschien un— 
verzüglich und löschte, da das Haus von zwei Seiten bequem zu— 
gänglich war, den Brand in kaum 15 Meinuten. Indessen hatte 
diese kurze Zeit hingereicht, um 17 Menschenleben zu vernichten. 
Des Eigenthümers Neffe — sein Name verdient mit Ehren ge— 
nannt zu werden — John Sullivan erkannie alsbald die Gefahr, 
welche den Arbeiterinnen im obersten Stockwerk drohte, eilte 
beherzt hinauf, sie zu warnen und wenn möglich zu retten, drang 
in den gefährdeten Raum ein, fand aber nach wenigen Sekunden 
den Rückweg bereits abgeschnitten. Die Flammen hatten das 
Lattenwerk, welches den Aufzug umschloß, und zugleich die an— 
stoßende Holztreppe, die einzige Verbindung im zweiten Stock auf— 
wärts, ergriffen, sodaß ein Entweichen über die Treppe nicht mehr 
möglich war. Dem aufopfernden Heldenmuthe des jungen Mannes 
gelang es nur noch, zwei der beherztesten Mädchen an einem Seile 
durchs Fenster auf die Straße herabzulassen; er versuchte endlich, 
als er sah, daß die übrigen schon erstickt waren, sich selbst auf 
dem gleichen Wege zu retten, ward aber in halber Höhe des Hauses 
vpon den aus den Fenstern schlagenden Flammen erfaßt, mußte das 
Seil fahren lassen und ward' im Anjsturz auf das Pflaster zer⸗ 
schmettert Von den übrigen Opfern waren einzelne in ihrer Ver— 
zweiflung aus den Fenstern gesprungen und dabei um's Leben ge— 
kommen: die meisten fand man in ihrem Arbeitsraume, in dem 
nur geringe Brandspuren zu erkennen waren — wie denn auch 
Erfindungen) 
Neue patentirte Typenschreibmaschine (Original⸗ 
Zdammonia) von Guhl u. Harbeck, Hamburg. Jeder Besucher 
ꝛiner der vielen Industrieausstellungen in den größeren Städien 
Europas wird unter den verschiedenen Objekten auch eine Schreib— 
naschine gefunden und deren komplizirten Bau angestaunt haben. 
Wenigen aber ist es wohl klar gewesen, welchen Zweck denn 
eigentlich diese Maschinen vertreten sollen und namentlich wird 
den Schnell- und Vielschreibenden kaum glaublich erschienen sein, 
wie ihnen eine solche Maschine die Gedanken in leichterer und 
dequemerer Weise niederzuschreiben abnehmen kann. Wegen des 
yjohen Preises bis zu Mk. 500 gelang es diesen Maschinen jedoch 
nur sehr selten, sich Absatz zu verschaffen und so blieben dieselben 
dewunderte Ausstellungsobjekte. Im Lande des Fortschritts und 
des Dollars lac die Sache anders. hier wo Atime is monev“ 
*) Obwohl obige Erfindung außerhalb des Rahmens unseres Blattes 
iegt, glauben wir doch mit einer Beschreibung der interessanten Maschine 
Vielen unserer Leser zu nützen, nachdem wir uns durch das Urlheil eines 
Abonnenten von ihrer Brauchbarkeit überzeugt haben. 
Auf vielen größeren Baubureaus z. B. dürfte ein solcher Apparat 
unseres Erachtens mit Vortheil verwendet werden. D Red
	        

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