Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Mittheilungen aus der Praxis. — Bautechnische Notizen. 
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Bedingungen oder den dem Vertrage zu Grunde gelegten Proben 
nicht entsprechen, sind auf Anordnung des bauleitenden Beamten 
innerhalb einer von ihm zu bestimmenden Frist von der Baustelle 
zu entfernen. 
Behufs Ueberwachung der Ausführung der Arbeiten steht 
dem bauleitenden Beamten oder den von demselben zu beauftra— 
genden Personen jederzeit während der Arbeitsstunden der Zutritt 
zu den Arbeitsplätzen und Werkstätten frei, in welchen zu dem 
Unternehmen gehörige Arbeiten angefertiat werden 
u gehen braucht, weil auch in seltenen Fällen ein Reisegeld ver— 
zütet wird und der Meister auch den arbeitsuchenden Gesellen 
ennen lernen und prüfen kann, ob er für ihn brauchbar sein wird, 
ind ob er auch Lust hat, in dieser Branche zu arbeiten, da es sonst 
nicht immer vorkommt, beide Theile gleich zu befriedigen. XWt 
alls würde sich für die Zentralstelle ein erfahrener Fachmann oder 
ein älterer Gehülfe am besten eignen, und es dürfte wohl auch in 
eder größeren Stadt ein älterer Meister sich fiuden, der zu der 
ingestrengten Arbeit nicht mehr die nöthigen Kräfte hat, aber ein 
olches Amt, durch Erfahrung begünstigt, recht gut verwalten kann. 
Für solche Männer müßte ein von beiden Theilen zu zahlendes 
estgesetztes Vermittelungshonorar bestimmt werden, zu welchem 
ioch ein kleiner Betrag aus den Innungs- und Gesellenkassen 
rußerdem zuzufügen sein würde. 
Um die Höhe des Honorars festzusetzen, dürfte der Durch— 
schnitt der im vorigen Jahre eingestellten Gesellen zum Anhalt 
dienen. 
Bei einigem guten Willen und ohne eigennützige Absichten, 
im nur der guten Sache zu dienen, ließe sich ein solches Unter— 
iehmen auch ausführen, wenn auch durch die Eigenartigkeit der 
Menschen bedingt, daß auch hier nicht jedem Einzelnen recht ge— 
han werden kann. 
Ob es nun besser ist, wenn die Reichsregierung die Grün— 
dung von Büreaus für Arbeitsnachweis in die Hände nimmt, over 
»s dem Zentralverbande überläßt, der gewiß mit mehr Sach— 
enntniß die Sache weiterführen wird. darüber wird die Zukunit 
entscheiden. 
Dem letzteren müßte dann auch Exekutivkraft verliehen werden, 
damit zum Beitrage der entstehenden Kosten auch die Nicht— 
nitglieder des Verbandes herangezogen werden können, um für 
eine Einrichtung einem fühlbaren Mangel abzuhelfen und ein gutes 
Finvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herzustellen. 
An uns soll es nicht liegen, den angeregten Zweck unbenutzt 
vorüber gehen zu lassen, ohne helfend einzutreten: darum frisch 
in's Werk, es wird gelingen, wenn Meister und Gesellen gemein— 
chaftlich sich der Sache annehmen. 
Vielleicht könnte auch durch die deutschen Gewerbekammern 
jierzu eine Hülfe geschaffen werden. Die sächsischen Kammern sind 
jämlich so dotirt, daß für ihre Bedürfnisse nach Maßgabe der 
Finkommenstener jedes Einzelnen von den Gewerbetreibenden jähr— 
iche Beiträge erhoben werden, welche lJeberschüsse ergeben, und 
venn die in Preußen zu konstituirenden dammern ähnlich dotiert 
verden, würde es auch möglich sein, von allen deutschen Gewerbe— 
kammern eine Unterstützung zu solchen gemeinnützigen Unter— 
tehmungen zu finden, welche allen Gewerbszweigen zu Gut— 
tammen. 
Mittheilungen aus der Praxis. 
Arbeitsnachweis. Daß die Reichsregierung geneigt' ist, 
einen Arbeitsnachweis im deutschen Reiche herzustellen, dürste so 
recht geeignet sein, die Sympathien aller arbeitenden Klassen sich 
zu erwerben. 
Eine andere Frage aber wird die sein, wie ein solcher Arbeits— 
nachweis praktisch einzurichten ist, damit er den Zweck auch richtig 
erfüllt. Wir wollen versuchen, im Nachstehenden Rathschläge zu 
geben, wie wir die Sache uns denken, und verkennen keineswegs, 
welche Arbeit damit verbunden sein wird, iedoch der qute Zweck 
wird auch den Ersolg lohnen. 
Der Hauptzweck, welcher dadurch erreicht werden soll, ist das 
unnöthige Herumreisen zu verhindern. Wir leben heute in einer 
ganz anderen Zeit als vor 50 Jahren. Früher verlangte das 
Gesetz, daß der junge Gewerbsgehülfe mindestens 3 Jahre zu wan— 
dern hatte, um sich außerhalb seiner Heimath Arbeit zu suchen, 
ehe er in einer deutschen Stadt das Meisterrecht erwerben konnte. 
Das Gesetz war in ganz wohlmeinender Absicht gegeben, der junge 
Mann sollte anderwärts die Gelegenheit aufsuchen, um sich in 
seinem erlernten Gewerbe vervollkommnen und ausbilden zu können, 
was ihm in der Heimath selten möglich war, er sollte dabei aber 
auch durch den Umgang mit den Bewohnern anderer Länder oder 
Provinzen deren Sitten und Gebräuche und Land und Leute 
kennen lernen, und wer mit richtigem Verständniß seine Aufgabe 
unternahm, der hat auch in den meisten Fällen seinen Zweck 
erreicht. 
Wer von den älteren Meistern erinnert sich nicht mit Freuden 
daran, wie er, mit dem Wanderstab in der Hand, dem vollgepackten 
Felleisen auf dem Rücken und dem Wanderbuche in der Taäsche, in 
seiner Jugend die Reise antrat, um den vorgeschriebenen Zweck zu 
verfolgen, und das fröhliche Burschenleben gewährte ihm Ersatz 
üür die schwere Bürde, welche ihn bei seinen Wanderungen oft 
drückte; war er eingewandert in eine fremde Stadt, so fand er 
einen Zufluchtsort, wo er sich nach einer Arbeitsstätte umsehen 
konnte, einen Arbeitsnachweis, und war solche für ihn nicht zu 
fiuden, so fand er doch eine Unterstützung zu seiner Weiterreise 
von den Meistern und den dort arbeitenden Gesellen. 
Die ganzen Verhältnisse im gewerblichen Leben sind jetzt 
andere geworden, kein Gesetz verlangt mehr das Wandern der 
Gewerbsgehilfen, viele bleiben auf der Scholle sitzen, streben, kaum 
aus der Lehre entlassen, nicht mehr nach einer Vervollkommnung 
durch Arbeiten in den verschiedenen Branchen ihres Berufs, sondern 
nur darnach, wo der höchste Lohn zu erreichen ist, heirathen bald 
und helfen die große Zahl der Fabriksarbeiter vermehren. Ein 
anderer und strebsamer Theil von junzen Veuten fährt heute mit 
Verschreibung in der Tasche mit sicherer Aussicht auf Arbeit, auf 
der Eisenbahn, um möglichst schnell sein Ziel zu erreichen, aber 
unter den strebsamen jungen Leuten ist es nicht allen möglich, die 
Bahn benutzen zu können, und Viele müssen zu Fuße ihre Wan— 
derung antreten und fortsetzen, bis sie eine passende Arbeitsstätte 
gzefunden haben, und müssen die frühere schöne Gelegenheit nur zu 
häufig vermissen, wo ein Arbeitsnachweis oder eine gewährte 
Reiseunterstützung von Meistern und Gesellen ihre Reise erleichtern 
sollten; nur in einzelnen größeren Städten hat man wieder ange— 
fangen, die alte gute Sitte mit Wandergeschenk und Arbeitsnach— 
weis wieder hervorzusuchen, und es würde einer allgemeinen Nach— 
ahmung erst bedürfen, ehe der gute Zweck nur einigermaßen er— 
reicht wird. 
Soll nun ein Arbeitsnachweis geschaffen werden, der für 
Alle, Meister und Gesellen, gleich erreichbar sein soll, sie mögen 
wohnen, wo sie wollen im deutschen Reiche, so muß er zentralisirt 
sein, d. h. er muß annähernd im Mittelpunkte Deutschlands liegen 
und mit, möglichst vielen, weit aus dem Mittelpunkte gelegenen 
Städten in immerwährender Verbindung stehen, in welchen Büreaus 
zu errichten sind, welche den Zuzug und Abgang der Gehülfen nach 
der Zentralstelle zu melden haben, und auch umgekehrt von dieser 
an Erstere, damit der Ueberfluß an Gehülfen in einer Stadt oder 
ganzen Gegend in die Nähe geleitet werden kann, wo ein Mangel 
besteht, damit der wandernde Gehülfe nicht zu weit nach der Arbeit 
Bautechnische Notizen. 
Schneiden sehr steiler Gewinde. Bekanntlich wird bei einer 
Jewöhnlichen Egalisierdrehbank die Bewegung von dem Deckenvorgelege 
jach der Stufenscheibe auf den Spindelstock übertragen und erfolgt von 
da aus nicht nur die Drehung der Planscheibe, sondern auch die Fortbe— 
vegung des Supportschlittens durch eingeschaltete Zahnräder. Sollen 
Schrauben auf der Bank geschnitten werden, so wählt man die der ver— 
angten Steigung entsprechenden Raddurchmesser. Es liegt nun sehr 
rahe, daß man in derselben Weise auch bei sehr steilen Gewinden z. B. 
»eim Einschreiden der Furchen in Risselblechwalzen, ‚vorgeht und dabei 
zu ganz abnormen Uebersetzungen kommt, welche fehr kräftige Schalträder 
rfoͤrdern und trotzdem die Arbeit in hohem Grade gefährden: denn bei 
dem Bruche eines Zahnes schneidet der Meißel statt des Schraubenganges 
eine ebene Rinne ein, wodurch die ganze Walze verschoben wird. Ein 
höchst einfaches Auskunftsmittel bietet sich durch eine Aenderung in der 
Art des Antriebes. Staätt nämlich die Leitspindel von dem Spindelstocke 
aus in Bewegung zu setzen, braucht man nur umgekehrt die Bank von 
der Leitspindel aus anzutreiben und zu diesem Zwecke eine Riemscheibe auf 
das Ende derselben zu stecken. Jetzt greift immer ein kleines Rad in 
ein großes und die Arbeit ist dadurch so erleichtert, daß man von der 
Riemscheibe aus die aufgespannte Walze spielend von Hand bewegen kann 
Von einer Gefahr wegen Zahnbruches ist keine Rede mehr. 
Aunstrich für Weißblech. Um Gegenstände aus Weißblech, 
welche dem Wetter ausgesetzt sind, also alle Beschläge und Beläge an 
Häusern, Rinnen n. s. w. möglichst vor der Einwirkung des Welters zu 
hützen, ist ein Anstrich empfehlenswerth, der sich folgendermaßen zusammen- 
etzt Gepulverter gelber oder rother Ocker wird in Leinöl aufgelöst, zu 
vwelchem dann noch' ein schnell trocknendes Mittel gefügt wird. 
Drahtfeile präservirt man gegen Nässe und Rost und hält sie 
biegsam, weun man' sie mit rohem Leinöl überstreicht oder das Del 
mit gleichen Theilen Spanischbraun und Lampenruß, vermischt. Um 
Drahlseile aber unter Wasser oder unterirdisch zu präserviren, nimmt 
nan mineralischen oder vegetabilischen Theer, vermengt damit abgelöschten 
Kalk, wodurch die Säure neutralisirt wird, kocht dies gut zusammen und 
Ittigt dann das Drähtseil mit diesem Theer in kochendem Zustand
	        

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