Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Literaturbericht. — Bautechnische Notizen. 
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ind den Seitenfronten, sowie einem flachbogig geschlossenen Aus⸗ 
hau an der Hinterfront. Der Vorderanficht ist in der Mitte ein 
ziebelgekrönter Sänlenbau vorgelegt, der als Unterfahrt und Vor— 
Jalle dient. Ueber derselben wird sich ein quadratischer Kuppel⸗ 
hurm erheben, mit großen offenen Halbkreissenstern. Das Ge— 
hände, dessen Frontlaͤnge 73 und dessen Tiefe 44 Meter beträgt, 
enthält außer dem Erdgeschosse ein Hauptgeschoß und ein in der 
Façade friesartig erscheinendes Obergeschoß. Ueber dem Haupt— 
sortal erhält der Giebel als Hauptmotiv das Wappen des Deut— 
chen Reiches, getragen von Genien nud gekrönt mit einer mächtigen 
caiserkrone. Der erwähnte Giebel wird überragt von einer Segen 
ind Frieden spendenden geflügelten Figur. Vor dem Hauptportale 
erstreckt sich eine Auffahrlsrampe, die etwa 1,60 Meter über das 
Nipeau der Deutschen Straße ansteigt und zu beiden Seiten von 
inem Standbilde begrenzt wird, das eine das Elsaß, das andere 
Lothringen vorstellend. Die Schlußsteine der Rundbogenfenster im 
Hauptgeschosse werden besonders hervorgehoben durch einen Schmuck 
son Helmen, nach Art des Berliner Zeughauses. Der Kaiserpalast 
bird von drei Seiten von einem Garten umgeben, welcher eine 
Sesammtbodenfläche von etwa 12,000 Quadratmeter bedeckt. Der 
RFarten wird malerisch angelegt mit sanft auf⸗ und abgehenden 
Flachen und erhält mehrere Fontainen. Die Einfriedigung wird 
an solides Eisengitter mit Steinpieilern bilden. 
on J. Bauschinger, ordentl. Prof. der techn. Mechanik und 
zraph. Statik. 12. Heft. München, Theodor Ackermann. 
Das neueste Heft dieser Mittheilungen enthält zunächst die 
pochemachenden Versuche über das Verhalten gußeiserner, schmiede⸗ 
iserner und steinerner Säulen im Feuer, und bei rascher Ab—⸗ 
ühlung (Anspritzen) mit drei sauber ausgeführten Tafeln, ferner 
eigleichende Versuche über die Schweißbarkeit, des Fluß⸗ und 
—„chweißeisens mit 2 Tabellen und Figuren im Text. 
Die erstere Mittheilung, über welche wir unseren Lesern 
zereits an anderer Stelle eine kurze Notiz brachten, dürfte von 
inschneidenster Bedeutung für die weitere Entwickelung des Eisen— 
aues sein. Hervorgerusen wurden diese Versuche zunächst durch 
zen merkwürdigen Erlaß des Berliner Polizei-Präsidium über die 
Verwendung gußeiserner Säulen bei Neu- ünd Umbauten, wonach 
zie letzteren in Gebäuden, deren untere Geschosse zu Geschäfts- und 
dagerzwecken, deren obere Geschosse zu Wohnzwecken benutzt werden, 
ernerhin ausgeschlossen und durch Säulen von Schmiedeeisen, von 
immanteltem Gufßzeisen oder aus Klinkern in Cementmörtel versetzt 
verden sollen. Die sorgfältig angestellten 27 Versuche werden 
inzeln genau besprochen und beweisen durchaus überzeugend, daß 
zie obige, auf Beobachtungen während eines großen Brandes 
»eines Berliner Fabrikgebäudes gestützte Verfügung mit den that⸗ 
ächlichen Verhältnissen theilweise im schreiendsten Widerspruch 
teht. Im Interesse weitester Kreise dürfte es daher liegen, wenn 
ie mit der vom Verfasser gewohnten Gründlichkeit angestellten 
Versuche des Prof. Bauschinger überall die gebührende Beachtung 
änden und namentlich von allen Technikern gründlich studirt 
vürden. 
Die in Mittheilnng XIV aufgeführten vergleichenden Ver⸗ 
uche über die Schweißbarkeit des Flüß- und Schweißeisens wurden 
beufalls, wie die vorgenannten Untersuchungen, auf Auregung der 
risenhandlung und Eisengießerei des Herrn F. S. Kustermann in 
Hdünchen zu“ dem Zwecke angestellt, um naͤgere Aufschlüsse über 
ie Schweißbarkeit des gewöhnlichen Handelsflußeisens, Stangen— 
eisens verschiedenen Querschnitts, das ja immer mehr das Schweiß— 
»isen auch im Kleingewerbe zu verdrängen sucht, zu erhalten. 
leber diefe Frage an' der Hand wissenschaftlicher Versuche endlich 
Hewißheit zu erhalten, war um so nöthiger, als die von der 
nechanisch-technischen Versuchsanstalt in Berlin und von Herrn 
V. Hupfeld in Prevali angestellten Beobachtungen ein sehr ver— 
chiedenes Resultat ergaben. Die interessanten Untersuchungen des 
Brofessor Bauschinger liefern den Beweis, daß die Schweißungen 
zei Flußeisen unter Befolgung der genau angegebenen Vorschriften 
»enselben Grad der Güte wie beim Schweißeisen erreichen. Ge— 
sjanueres wollen unsere Leser dem Werke selbst entnehmen. m— 
Literaturbericht. 
Das Hotelwesen der Gegenwart von Eduard 
Buyer, mit 73 in den Text gedruckten Originalplänen. Zweite 
urchgesehene und erweiterte Auflage. Zürich. Verlag von Orell, 
Füßlinu. Co. 
Mit dem ungeheuren Aufschwung, den das Verkehrsleben in 
den lehßten Jahrzehnten mit der gesteigerten Verkehrsgelegenheit 
zenommen, hat auch das Hotelwesen eine früher nie geahnte Be⸗ 
zeutung erlangt. Trotzdem war bis vor Kurzem die Literatur 
iber Bau, Einrichtung und Betrieb unserer modernen Gasthäuser 
ine äußerst dürftige, so daß man das Bestreben der rührigen 
Züricher Verlagshändlung, das gesammte Hotelwesen einer Be⸗ 
irtheilung allgemeinerer Art vom höheren, nmfassenderen Stand— 
unkte aus zu betrachten, nur freudig anerkennen kann. Wenn 
uch der Kreis der Leser dieses bereits in zweiter Auflage auf 
zem Plan erscheinenden Werkes ein äußerst weiter ist — die 
Lektüre desselben wird in gleicher Weise für, die sämmtlichen Hotel— 
ingestellten, die beim Bau und der Verwaltung der, Hotels inter— 
effirten Architekten, Baumeister und Kapitalisten, nicht minder für 
das reisende Publikum außerordentlich nutzbringend sein —, so 
vird das Buch unsere Leser ganz besonders durch die trefflichen 
Jilustrationen und Beschreibungen der noch nirgendwo in solcher 
Kollständigkeit erschienenen neueren Hotelbauten interessiren. 
In einer kurzen Einleitung wird zunächst die Entwickelung 
des Reisens überhaupt und des Hotelwesens bis auf unsere Tage 
»ehandelt, und sodann der gesammte, gewaltige Stoff in drei 
Hauptabschnitte übersichtlich getheilt: 1. Das Hotel in Beziehung 
auf den Reisenden (Grund und Ursache zur Reise, Reiseziel, 
Reiseplan, Vorurtheile der Fremden, Mißbräuche in Gasthöfen). 
2. Die Herstellung eines Hotels (Allgemeine Verhältnisse, ihre 
Beurtheilung und Berechnung, Eintheilung und Mühlirung eines 
Hotels). 3. Der Betrieb eines Hotels. 
Aus der großen Zahl der Illustrationen wollen wir nur 
einige der bekannteren, neueren Gasthöfe erwähnen, welche dem 
Leser im Bilde vorgeführt werden: Hotel Schweizerhof am Rhein— 
all; Hotel de l'Europe, Heidelberg; Grand Hotel und Hotel Me— 
ropole, Wien; Kaiserhof, Berlin; Frankfurter Hof, Frankfurt a. M.; 
Hotel du Loubre und Grand Hotel in Paris; Grand Midland— 
Hotel in London; Palace-Hotel in San Franzisko ꝛc. 
Die Ausstattung des Werkes ist eine klassisch schöne, so daß 
sas in 8 Lieferungen zu 1,50 Mek. erscheinende Werk einen wahren 
Prachtband bilden wird. Die Abbildungen, theils im Text, theils 
auf besonderen Tafeln sind durchaus lobenswerth, namentlich dürfte 
ie beigegebene Illustrationsprobe, perspektivische Ansicht des rei— 
jenden Hotel Schweizerhof am Rheinfall, aus der xyolographischen 
Anstalt der Verlagshandlung ein Meisterwerk der Holzschneidekunst 
zu nennen sein. 
Allen denjenigen unserer Leser, welche durch Neigung oder 
Beruf häufiger reifen, oder welche mit dem Bau oder der Ein⸗ 
ichtung von Hotels betraut werden, dürfte das treffliche Werk 
Buyer's daher ein unentbehrlicher Rathgeber sein. Wir werden 
nuf dasselbe, vorläufig liegt uns erst Lieferung 1 vor, noch ge— 
edentlich zurückkommen. w 
Mittheilungen aus dem mechanischetechnischen 
Laboratorium der königl. technischen Hochschule in München 
Redaktion: R. —n in Berlin. — Verlag von Julius Engelmann in Berlin — Druck von H. S. Hermann in Berlin 
Unter Verantwortlichkeit des Verlegers]) 
Bautechnische Notizen. 
Neber die Verwendung eiserner Säulen in Gebäuden wird 
ekanntlich in den Kreisen der Sachverständigen fortgesetzt lebhaft gestritten. 
luch bei einem neuerlich vorgekommenen Einsturz des Mälzerei-Kellers in 
rankfurt a. M. sind eiserne Säulen „wie Schwefelhölzer“ gebrochen. 
)er „Frkf. Ztg.“ schreibt man darüber: Bei dem ersten Einsturz der 
ßewölbgurten in der Biding'schen Brauerei zerbrachen sieben Gurten— 
törper und zwei Säulen. Die Säulen hatten einen äußeren Durchmesser 
don 300 min, die Wandstärke derselben betrug 35 mm. und durch 
Inbohrung war die Gleichmäßigkeit dieser Wandstärke konstatirt. Die 
Säulen sind aus Gußeisen in dem Eisenhüttenwerk von Gebr. Ginanth 
n Eisenberg bei Gruͤnstadt in der bayrischen Pfalz gegossen. Geprüft 
varen dieselben auf ein Gewicht von 150 000 kg; nach Vollendung des 
Baues hätten sie maximal nur 125 000 Kg zu tragen gehabt. Diese 
Belastung ist selbstverständlich nicht eingetreten, da derjenige Theil des 
Mälzereigebäͤudes, in welchem der erste Kusammenbruch stättfand, noch 
anae nicht unter Dach war. 
Sicherheitspapier. Um jede Aenderung an Schriftstücken un— 
nöglich zu machen, versetzt N. J. Heckmann in Loughton in, England 
Oesterr. Patent) das zum Leimen verwendete Leimwasser mit 5 pCt. 
cyankalium und Schwefelammonium, und läßt das geleimte Papier 
urch eine dünne Lösung von schwefelsaurem Mangan oder Kupfer gehen. 
Wird auf solchem Papier, welches mit gewöhnlicher, aus Galläpfeln und 
kisenvitriol bestehender Tinte beschrieben ist, eine Schriftvertilgung 
nittelst Säuren versucht, so verwandelt sich die Tinte sofort in augen- 
älliger Weise von Schwarz in Blau oder Roth, je nach dem zur Ver— 
ilgung angewendeten Salze; werden zum Zwecke der Vertilgung Alkalien 
erwendet, so wird das Papier braun. Wird durch Radiren eine Fäl— 
hung versucht, so wird die Farbschicht von der Oberfläche des Papiers 
bgenommen und es erscheint der weiße Kern des Papiers, da sich die 
darbe nur an der Oberfläche des Papiers befindet. — 
Lack für Tapeten, um sie abwaschbar zu machen. Die 
Tapete, wenn sie auigeklebt und ööllig trocken ist, wird mit folgendem 
Lack bestrichen: 0O,5 kg rektifizirter Weingeist, 125 8 Mastix, 70 8 Ter—⸗ 
Hentinöl. 70 & trockener Terpentin, gemischt und zusammen gekocht.
	        

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