Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Mittheilungen aus der Praxis. 
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jequemsten, welche in der ganzen Breite des Treppenhauses hindurch— 
zehen, d. h. deren Länge mindestens gleich der doppelten Breite 
eines Treppenlaufes ist. 
Eine sehr wichtige Bedingung bei der Berechnung der 
Steigungsverhaͤltnisse einer Treppe ist die, daß sämmtliche Stufen 
einer Treppe (nicht nur eines Treppenlaufes) gleiche Höhe und 
gleiche Breite, wenn irgend möglich, erhalten müssen. In der Er— 
nittelung des richtigen Verhältnisses zwischen der Höhe — der 
Steigung — und der Breite — dem Auftritt — einer Stufe liegt 
der Schwerpunkt für jede gute Treppenanlage. 
Ein bequemes Verhältniß für Auftritt und Steigung ergeben 
olgende Regeln: Auftritt plus Steigung muß gleich 48 em sein, 
»der die doppelte Steigung subtrahirt von 64 em ergiebt den Auf— 
ritt, d. h. den letzteren ohne den Vorsprung, welcher in der Regel 
zwischen 5 und 8 ein breit angenommen wird. Das beste Steigungs⸗ 
berhältniß für gute Treppen ist 17 em Steigung und 30 em Auf⸗ 
ritt, bei ganz seinen Treppen 16 cm Steigung und 32 em Auf— 
ritt, während für Nebentreppen 20 em Steigung und 24 cm 
Auftritt genügend ist. Ueber 21 ein darf die Steigung aber nie— 
nals betragen, sowie nicht unter 15 cm. 
Die Breite der Treppen richtet sich nach den Zwecken, welchen 
zieselben dienen. Die Haupttreppen öffentlicher und besserer bürger— 
icher Gebäude erhalten in den einzelnen Läufen eine Breite von 
1,50 bis 3,00 m, in gewöhnlichen Wohnhäusern eine solche von 
1,20 bis 150 weund den Keller⸗-, Boden- und Nebentreppen giebt 
nan 0,90 bis 1,0 mm Breite. 
Die Stärke der Wangen beträgt zwischen 3,5 und 7,0 cm 
»ei eingestemmten Wangen und zwischen 7,0 und 12,0 em bei auf⸗ 
gesattelten Treppen. Für die Trittstufen wird eine Stärke von 3,5 
dis 6,5 em und für die Setzstufen eine solche von 2,0 bis 3,0 em 
angenommen. In Betreff der Qualität der zu verwendenden Hölzer 
st zu bemerken, daß zum Treppenbau stets das beste und gut aus— 
getrocknete Holz zu verwenden ist, nur zu den Wangen kann allen—⸗ 
alls Holz verwandt werden, welches noch nicht vollständig aus— 
jetrocknet ist, da durch das Nachtrocknen derselben die Stufen noch 
esteren Schluß in denselben erhalten. 
Wir haben bisher stets Treppen im Auge gehabt, welche im 
Innern der Gebäude liegen und aus Holz gefertigt werden. Solche 
Treppen, welche außerhalb der Gebäude liegen, werden Freitreppen 
zenannt und sind stets aus wetterbeständigem Material, am besten 
vus Granit, gutem Sandstein ꝛc., anzufertigen. Es soll in diesem 
Artikel jedoch nur über innere Treppen und besonders über solche 
aus Holz abgehandelt werden, wobei zu berücksichtigen ist, daß die 
allgemeinen Regeln und Grundsätze für alle Treppen gelten, gleich— 
viel ob sie im Innern oder en eines Gebäudes liegen und 
zus welchem Material immer sie gefertigt sind. 
Der Form nach werden unterschieden: Gerade, gebrochene, 
gewundene, einarmige, mehrarmige, Wendel- und gemischte Treppen. 
In Bezug auf die Konstruktion unterscheidet man eingestemmte und 
aufgesattelte Treppen; letztere haben ein eleganteres und gefälligeres 
Aussehen als die ersteren, sind aber auch theurer. 
Die Geländer für Holztreppen werden meist aus Holz, selten 
aus Eisen oder Zink ausgeführt. Die mehr oder weniger reiche 
Ausstattung des Geländers giebt der Treppe ein eleganteres oder 
einfacheres Aussehen. Der Handgriff wird entweder aus edlerem 
jartem Holze gekehlt und polirt oder mit Sammet, Plüsch oder 
ergleichen bezogen. Sein Profil muß derartig gewählt werden, 
»aß er einestheils bequem von der Hand umfaßt werden kann, 
anderentheils aber nicht solche Formen aufweist, welche dem Absetzen 
und der schweren Beseitigung von Staub Vorschub leisten. Soll 
»er Handgriff mit Plüsch ꝛc. überzogen werden, dann muß das 
Profil möglichst einfach sein und als Material weiches Holz ver— 
wandt werden. 
Selten wird die Treppe eines Wohnhauses nur aus einem 
zeraden Lauf bestehen. Wendet man viertel⸗ oder halbgewundene 
Treppen an, so muß in jedes Viertel eine ungerade Anzahl Stufen, 
im besten 5, gelegt werden, damit die Kante einer Stufe nicht 
zerade in die Ecke trifft. Wie wir bereits oben ausführten, sollen 
iber Treppen mit Vierteln nur im äußersten Nothfalle angewendet 
verden, es sind vielmehr an Stelle derselben Eckpodeste anzuordnen, 
vodurch gleichzeitig die nöthigen Ruheplätze gewonnen werden. 
Gebrochene Treppen werden in größeren öffentlichen Ge— 
ãuden häufig derartig angeordnet, daß zwei Arme auf ein ge⸗ 
neinschaftliches durchgehendes Podest führen und von diesem 1 Arm, 
n der Breite von 117, der ersteren, weiter läuft, und zwar in 
ser Regel zwischen den beiden ersteren liegend. 
Die eigentlichen Wendeltreppen, d. h. solche, welche sich um 
eine Spindel drehen, finden jetzt nur noch sehr beschränkte An— 
wendung; dieselben werden entweder in rundem oder auch in 
oierecigem oder achteckigem Raume konstruirt. Man konstruirt 
aber auch .Winkelwendeltrevpen“, deren Windung einen Vierieltreis 
bildet, „Halbwendeltreppen“, deren Windung einen Halbkreis, eine 
halbe Ovale oder eine halbe Ellipse, mit oder ohne Durchsicht 
und in eckigem oder rundem Raume bildet, „vermischte Treppen“, 
d. h. solche, die aus geraden und gewendelten Theilen bestehen und 
‚hohle Wendeltreppen“, welche in der Mitte eine Durchsicht haben. 
In feineren und besser ausgestatteten Wohngebäuden werden 
in neuerer Zeit als Haupttreppen stets hohle Wendeltreppen an— 
zewendet, welche meist eine halbe ovale oder elliptische Durchsicht 
saben und in ebensolchem oder eckigem Raume konstruirt werden. 
Bei diesen Treppen, welche ein elegantes Aussehen gewähren, ist 
darauf zu achten, daß die innere Durchsicht so groß genommen 
wird, daß die Stufen an der inneren Wange eine genügende Breite 
erhalten, da sonst die Treppe nicht bequem genug würde. In Folge 
)essen erfordern hohle Wendeltreppen ein ziemlich geräumiges 
Treppenhaus und werden dadurch kostspieliger als gebrochene Treppen. 
Je größer und breiter eine Treppe ist, desto stärker müssen 
die Wangen sein. Um nun, namentlich bei eleganten aufgesattelten 
Treppen nicht zu starke Wangen nöthig zu haben, welche plump 
erscheinen würden, schraubt man an der inneren Seite eine breite 
chmiedeeiserne Flachschiene an, welche dieselbe tragfähiger macht. 
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Mittheilungen aus der Praris. 
Elevator für Baggerungen. Der Plauer Kanal 
wird zur Zeit um 6,0 mm verbreitert. “Der Kanal erhält jetzt eine 
Sohlenbreite von 18 — 19 m, wodurch sich seine Wasserbreite bei 
1,60 m Wassertiefe und 21/ fachen Anlagen, sowie beiderseitigen 
)50 m breiten Bankets, zu ca. 26,0 -27 m berechnet. 
Da der Verkehr während der Ausführung der Erdarbeiten 
nicht gestört werden durfte, die Haltungen also nicht entfernt werden 
konnten, so mußte ein gut Theil der Massen mittelst Bagger ge— 
vonnen werden. 
Die gewöhnliche Methode, derartige Arbeiten zu bewältigen, 
jesteht bekanntlich darin, daß mittelst eines Baggers die Massen 
Fhoben, in Prähme geschüttet und von da mittelst Karren oder 
Lowries aufs Land transportirt und dort verbaut werden. 
Der Bauunternehmer H. Frosch, Berlin, welcher drei Loose 
auf der Haltung Ihleburg-Bergzow refp. bei Genthin auszufülhren 
übernommen hat, hat ein Verfahren, die gebaggerten Mafssen mit— 
telst Dampfkraft auf das Land zu fördern, angewandt, das ver— 
dient, allgemein bekannt zu werden. 
Das Prinzip ist folgendes: 
Der Bagger schüttet nicht erst in einen Prahm, sondern auf 
ein Tuch ohne Ende, das, von der Maschine des Baggers in Be— 
wegung gesetzt, die Massen direkt aufs Land fördert. 
Dieses Prinzip, das schon anderwärts und unter anderen 
Verhältnissen Anwendung gefunden hat, ist in Deutschland, soviel 
hekannt, bei Baggerarbeiten noch nicht angewendet worden. 
Der Vorzug dieser Methode gegen die ältere besteht darin, 
daß, während fruͤher zur Fortschaffung der von einem Bagger ge⸗ 
förderten Massen etwa 35—40 Mann nöthig waren, diefe Arbeit 
etzt von nur 779 Mann bewäültigt wird, milhin wesentliche Kosten 
erspart werden. 
Herr Frosch stellte neben das Baggerschiff nach dem Lande 
u einen zweiten gewöhnlichen Prahm und verband beide durch 
3 hölzerne Schwellen. In den Prahm stellte er zwei Böcke, und 
war den einen höheren an den äußeren und den anderen niedri— 
jeren an den inneren Bord. Dann errichtete er auf den Enden 
weier Schwellen Krahnbalken, welche in Charnieren in vertikaler 
kbene beweglich und oben durch Querhölzer verbunden sind. Die 
Stiele des größeren Bockes armirte er mit eisernen Winkeln, welche 
nit Löchern und Bolzen versehen sind. Sie nehmen einen Trag— 
yalken auf, der nach Bedürfniß höher oder niedriger gestellt 
verden kann. 
Neber diesem Tragbalken sind 2 ca. 15 mm lange Läuferruthen 
estreckt, deren äußeres Ende durch Ketten, welche an den obeten 
döpfen der Krahnbalken und der senkrechten Pfosten ihren Halt 
inden, getragen werden, während ihr anderes Ende in der Axe 
einer Rolle auf dem Baggerschiffe Auflager findet. 
Durch geeignetes Windezeug können die Läuferruthen je nach 
der Höhe der Schüttstelle hoch oder niedrig gestellt werden. 
Die Läuferruthen erhalten an beiden Enden je eine Rolle 
und eine Riemscheibe, ferner befindet sich noch eine Riemscheibe in 
der halben Länge der Läuferruthen. 
Auf den Läuferruthen und über die beiden Rollen derselben 
äuft ein Tuch ohne Ende, dessen Reibung und Durchbiegung 
durch ——— die Läuferruthen eingeschobene Walzen gemil— 
dert wird.
	        

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