Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Regeln für die Anlage und Einrichtung von Blitzableitern. 
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Person aufrechtstehend in einen Kasten mit einem Spielraum von 
ungefähr 10—13 em. rund herum einzuschließen, die frische Luft 
an einem Ende hereinzulassen und am anderen Ende unverzüglich 
zu entfernen, sobald sie ausgeathmet ist. Nur unter dieser Be— 
hdingung würde eine Luftzufuhr von 1131. pro Minute und Person, 
wie von einigen Schriftstellern angegeben wird, genügen. Luft ist 
nun aber auch ein Gas und als solches dem Gesetz der Diffusion 
der Gase unterworfen. Die ausgeathmete Luft wird sich also nach 
diesem Gesetze sofort mit der umgebenden Atmosphäre mischen und 
ich über eine große Fläche derselben verbreiten. Wenn es nun 
zuch richtig ist, daß Kohlensäure 11,, mal so schwer wie reine 
Luft ist, so macht doch die Wärme, welche der Kohlensäure durch 
die Lungen mitgetheilt wird, dieselbe leichter. Die Kohlensäure 
wird also schnell diffundiren und ist sie einmal diffundirt, so be— 
virkt keine Zeitdauer die geringste Senkung oder Trennung dieser 
»eiden Luftarten. Auf diese Weise wird sich die Luft eines be— 
iebigen Raumes schnell einem Zustande gleichmäßiger Verdorbenheit 
nähern und der Punkt, welchen wir aufzuklären versuchen müssen, 
ist der Grad, bis zu welchem die Luft verdorben sein darf, ohne 
ihrlich für die Gesundheit und unangenehm für die Sinne zu 
verden. 
Wir haben gesehen, daß die Menge der Exhalationen sowohl 
in Wasserdampf wie an organischen Substanzen je nach den ver— 
schiedenen Personen und nach den Umständen ihres körperlichen und 
geistigen Befindens veränderlich ist. Es wird deshalb als Maß— 
stab für die Reinheit der Luft allgemein die in der Luft enthaltene 
Kohlensäuremenge angenommen. Als allgemeine Regel gilt, daß 
die zulässige Menge Kohlensäure zweimal so groß sein darf, als 
die der normalen Atmosphäre, d. i. 8S pro Tausend dem Volumen 
iach. Dieser Grad der Reinheit kann erreicht werden in einem 
ontinuirlich bewohnten Raume durch eine Zufuhr von 0,91 kbm. 
yro Minute. In Räumen, welche nur fuͤr kurze Zeit bewohnt 
ind, (Schulen, Kirchen, Kapellen), ist eine geringere Zufuhr von 
Luft in der Praxis hinreichend, denn erstens genügt der Kubikinhalt 
des Raumes den Bedürfnissen der Insassen bis zu einem gewissen 
Brade und zweitens findet dort gewöhnlich ein fortwährender Luftzug 
zurch Fenster, Thüren und Mauern statt, so daß der Aufenthalt 
in dergleichen Räumen, da nur für eine sehr kurze Zeit ein höherer 
Brad der Luftverderbniß eintritt, weder beleidigend noch gefährlich 
ein kann, vorausgesetzt, daß der Feuchtigkeitsqrad der frischen Luft 
aicht übermäßig groß ist. 
Dr. Reid, welcher den Originalplan für die Ventilation des 
nglischen Parlamentshauses entworfen hat, rechnete, daß unter 
zewöhnlichen Umständen eine gut vertheilte Luftzufuhr von O,28 kbm. 
hro Minute genügt. In Deutschland beträgt nach der allgemeinen 
Praxis die — 0,28 -0,34 kbm. für Schulen; 0,56 bis 
71 kbm. für Versammlungsräume und 1,13-2,12 kbu. für 
ärankenhäuser. Die Oesterreicher nehmen 0,42 kbm. für Theater 
und Säle, 0,71 für Ballsäle, Justizsäle u. s. w. In Amerika 
rimmt man 0,28 -0,85 kbm. je nach der Verwendung der Räume, 
für Krankenhäuser dagegen 1,7 kbm. Diese Zahlen erlauben aber 
noch keine Verschlechternug der Luft durch Gasbeleuchtung oder 
sonstige außergewöhnliche Ursachen. Jeder Brenner erfordert 
1,227 *kbw. pro Minute, welche zu dem, was vorher in Anschlag 
gzebracht wurde, noch hinzukommen. 
Wir haben ferner erklärt: Frische Luft ist Luft in einem 
iormalen Reinheitszustande. Nun darf man unter normalem Zu—⸗ 
tande der Reinheit nicht den Zustand der äußeren Luft zu irgend 
einer Zeit einer solchen Großstadt wie London verstehen. Hier ist 
die Atmosphäre meistentheils mit jenem Ballast überladen, den man 
Rauch nennt und dieselbe ist stets mit organischen Substanzen im— 
drägnirt, welche man Dunst nennt. Im normalen Reinheitszu— 
stande soll die Luft enthalten 210,0 Sauerstoff und 790 Stickstoff 
nit 4 pro Tausend Kohlensäure und 0Milliontel organische 
Substanzen. Wenn nun auch dieser Grad der Reinheit in einer 
Großstadtatmosphäre nie zu erreichen ist, so sollte man doch durch 
Waschen der Luft mittelst eines Wasserstrahls und Filtriren durch 
Baumwolle diesen Reinheitszustand anstreben. 
(Fortsetzung folgt.) 
Dieser Entwurf ist der Commission Ende November v. J. vorge— 
ragen worden und lautet nach dem Journal télegraphique 1885, 
J. Bd. S. 11, nach der „Elektr. Zeittschrift“, wie folgt: 
1. Wenn eine elektrische Entladung zwischen einer Wolke und 
)er Erde statt hat, wird diese Entladung, welche sich gewöhnlich 
in der Form eines Blitzes zeigt, den Weg einschlagen, welcher den 
zeringsten Widerstand darbietet. Auf diese der Beobachtung ent—⸗ 
iommiene Thatsache hat man sich bei der Erklärung der Rütbuͤchteit 
der Blitzableiter zu stützen. 
2. Ein Blitzableiter wird gebildet aus einer oder mehreren Metall— 
tangen, die das zu schützende Gebäude überragen und unter ein— 
inder und mit der Erde durch ein System von metallenen Leitern 
nerbunden sind. Wenn der Blitzableiter gut konstruirt ist, so bietet 
er dem Durchgange der Entladung einen geringeren Widerstand, 
als dies jeder andere Theil des Gebäudes thut. 
3. Man unterscheidet an einem Blitzableiter folgende drei Theile: 
1. das System der Stangen (Auffangestaugen), die das Ge— 
bäude überragen; 
2. das System der Leitungen, welche bis in den Erdboden 
führen, und 
3. die Verbindungen dieser Leitungen mit dem Boden. 
1. Die Auffangestange des Blitzableiters ist von Eisen, die Höhe 
»erselben hängt sowohl von der Art und Form des zu schützenden 
Bebäudes ab, als von der Zahl der Stangen, welche man errichten 
vill. Man kann annehmen, daß ein gewöhnliches Gebäude, bei 
velchem die Länge des Dachfirstes 15 mm nicht überschreitet, durch 
eine in der Mitte angebrachte Stange von 5 mm geschützt werden kann. 
Im Falle, wo die Länge des Dachfirstes 15 n überschreitet, 
nuß man zwei oder mehrere Stangen in einer Entfernung von 
einander, die nicht das Vierfache ihrer Höhe übersteigt, anbringen; 
ie zwei zunächst den äußersten Enden des Gebäudes stehenden 
Ztangen sollen indessen jederzeit sich nicht in einer größeren Ent— 
ernung von diesen Enden befinden, als das 11, fache ihrer Höhe 
»eträgt. Im allgemeinen ist es, wenn den äarchitektonische Be— 
ingungen nicht widersprechen, vortheilhafter, die Zahl der Stangen 
zu vermehren, als die Höhe derselben zu vergrößern. Es ist wichtig, 
zie Zahl der Stangen zu vergrößern bei denjenigen Gebäuden, 
velche in ihrem Innern große Metallmassen enthalten. 
5. Die Auffangestange muß sehr sorgfältig auf dem Sparrwerke 
efestigt werden. Um das Eindringen des Regenwassers zu ver— 
neiden, welches am Fuße der Stange in das Gevälk einsickert und 
jasselbe verfaulen läßt, bringt man an dem Fuße einen Meetall— 
'egel in Form eines umgedrehten Trichters an, welcher sorgfältig 
in die Stange angelöthet ist. 
6. Am oberen Ende der Stange befindet sich eine verzinkte 
kisenspitze oder man schraubt auch wohl auf ihr Ende eine ver— 
joldete oder vernickelte Kupferspitze auf. Diese Spitze muß dick 
ein, kegel- oder pyramidenförmig; der Winkel der Spitze darf nicht 
zu spitz sein. Wenn man auf der Stange eine Spitze aus einem 
inderen Metall befestigt, so muß das Ende der Stange mit einem 
Schraubengewinde versehen sein, welches in die innere Höhlung 
)»es Kegels bis auf deren Grund hineintritt. 
Man kann auch die Eisenstange selbst zuspitzen lassen und 
30 em von ihrem äußersten Ende 3255 Eisenspitzen von ungefähr 
2O cm Länge annieten lassen, welche von der mittleren Stange 
ius auslaufen; die so gebildete sternförmige Spitze wird sehr 
erzinkt. 
7. Der Leiter stellt eine zusammenhängende metallische Ver— 
»indung her zwischen dem Fuße der Stange und dem Erdboden. 
Der beste Leiter ist das Kupfer; man verwendet für eine einzige 
Ztange zwei Kupferdrähte von Anm Durchmesser, oder man kann 
iuch zwei Eisendrähte von ßS um Durchmesser benutzen. 
Diese Leiter gehen, nachdem sie über zwei verschiedene Theile 
des Gebäudes hingeführt worden sind, nach der Erde herab. Wenn 
man nur einen Leiter verwenden will, so muß man einen Kupfer— 
)raht von ungefähr Swm Durchmesser oder einen Eisenstab von 
2 mm Durchmesser nehmen, wenn es sich um Rundeisen handelt, 
»der von 1qem Querschnitt, weun es sich um kantiges Stangen- 
eisen handelt. 
Bei den eben genannten Zahlen ist vorausgesetzt, daß das 
dupfer der Leiter ein Leitungsvermögen von 70 pCt. desjenigen 
des reinen Kupfers hat. Wenn man einen Leiter aus zusammen— 
genieteten Eisenstangen herstellt, so müssen die Nietstellen alle 
»erlötet sein; die Anwendung von Bleiplatten zwischen den ver— 
anietheten Theilen ist schlecht Und macht in keinem Falle das Ver— 
öthen entbehrlich. 
Welches System auch angewendet werde, stets muß man 
edenken, daß es von der größten Wichtigkeit ist, daß der metallische 
Leiter zusammenhängend sei. Die Anwendung von Metallseilen aus 
zupfer⸗ oder Eisendraht ist nur nützlich, wenn man sich genietete 
ind gelöthete massive Leiter verschaffen kann; in diesem Falle 
Regeln für die Anlage und Einrichtung von 
Blitzableitern. 
Die eidgenössische schweizerische Kommission für Meteorologie 
jat drei ihrer Mitglieder, die Professoren H. F. Weber, R. Bill— 
veller und H. Dusour beauftragt, den Entwurf einer Anweisung 
iber die Einrichtung von Blitzableitern auszuarbeiten, welcher im 
Bolke verbreitet werden und dazu dienen soll, bei der Anlage der 
Blitzableiter die Aussicht auf möglichst große Sicherheit zu erlangen.
	        

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