Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

75 Gesetzgebung. — Mittheilungen über Schulwesen. — Literaturbericht. — Rezeptenkasten. — Bautechnische Notizen. 570 
zaum dreijähriger Bauzeit steht das mächtige Werk zum Wohle 
‚er Siadt heute vollendet da, ein Denknial des Fortschritts der 
Technik. Es umfaßt einen Flächeninhalt von 229 Aar und ist auf 
eine größte Leistungsfähigkeit von 48000 kbm Wasser in 24 Stun— 
den projektirt. Vier große Brunnen von je 5,50 m Durchmesser 
iefern das nöthige Wasser, von welchen dasselbe in einen Sammel— 
runnen geleitet, aus welchem die Schöpfpumpe, eine doppelt— 
virkende Kolbenpumpe, bei jeder Umdrehung 130561 Wasser schöpft 
uüd es in das Saugewasser-Reservoir abgiebt. Letzteres faßt 
800 Kon. Aus demfelben wird das Wasser durch eine kolossale 
Druckpumpe, gegenwärtig der größten Deutschlands, in das Rohr— 
etz der Stadt gedrückt. Die Pumpe macht 15 Hub in der Minute 
ind liefert in der Stunde 1080 kbm. Die Baͤlancierstange dieser 
Pumpe ist 10 melang, das Schwungrad hat 7 m Durchmesser 
nd ein Gewicht von eiwa 500 Centnern. Sechs mächtige Flamm— 
vhrkessel liefein den nöthigen Dampf. Die Maschinen arbeiten 
nu du Atmosphären Druck, sie wurden von der Kölner Maschinen— 
übrik in Bayenthal gebant. Die hübschen, elegauten Dachkon— 
trüttionen lieferte die Aktiengesellschaft „Humboldt“ in Kalk bei 
zöln, die architektonische Durchbildung ist das Werk des Bau— 
neisters Deutz. Die umfangreichen Maurer-Arbeiten sind durch 
Jie Gebrüder Bolzius in Köln, der 50 mm hohe, elegante Schorn— 
tein ist vom Ingenieur Eckardt in Aunen ausgeführt. Die ganze 
Anlage, welche ein ganz vorzügliches Wasser liefert, erregt durch 
Hie tadellose Ausführung und die damit verbundene peinliche Sauber— 
it der Räume aliseitig laute Bewunderung. Für eine demnäch— 
stige Vergrößerung der Wasserwerke, welche sich beim Fortschreiten 
ded Stadi-Erweiterung in nicht zu ferner Zeit als nothwendig 
hderausstellen wird, ist in jeder Beziehung schon jetzt Sorge getragen. 
— p. 
Gesetzgebung. 
Eine für das gesammte Cementgewerbe wichtige Verfügung, 
deren Wortlaut in der neuesten Nummer des „Centralblattes der 
Bauverwaltung“ mitgetheilt ist, hat der Minister der öffentlichen 
Arbeiten unterin 9. v. M. an alle kgl. Regierungen, das Polizei— 
zräsidium in Berlin u. s. w. ergehen lassen. Danach weisen neuer— 
dings gemachte Erfahrungen darauf hin, bei der Verwendung von 
Tement bei staatlichen Hochbauausführungen, besonders zum Ver— 
etzen von Hausteinen, mit größerer Vorsicht als bisher zu ver— 
ahren. Um den schädlichen Wirkungen einer nachträglichen Form— 
inderung und Ausdehnung des Cemeunts thunlichst vorzubeugen, 
oll von der Verwendung reinen Cementmörtels zu dem gedachten 
Zweck der Regel nach abgesehen werden, und statt dessen zum Ver— 
setzen von Hausteinen neben gewöhnlichem Kalkmörtel entweder 
olcher mit entsprechendem Cement- oder Traßzusatz, oder guter 
Wasserkalkmörtel zur Anwendung kommen. Im Uebrigen sind die 
ingebotenen Cemente wie bisher auf's Sorgfältigste zu prüfen, 
auch ist in den abzuschließenden Verträgen eine ausreichende 
Barantiezeit auszubedingen. Die Dauer dieser Haftzeiten soll auf 
nindestens drei Jahre festgesetzt werden. 
Mittheilungen über Schulwesen. 
In der am 15. September d. J. (Sommer-Semester 1885) 
abgehaltenen Abgangs-Prüfung der Bauge wartschuge qu Bux⸗— 
ehude haben 14 Schüler bestanden. Seitens des Verbandes 
Deutscher Baugewerksmeister waren 3 Innungsmeister der Stader 
Bauhütte, vom Kuratorium der Landschaftsrath Breuning abge— 
»rdnet. Den Vorsitz führte der Landesbau-Inspektor Gravenhorst. 
— m. 
Literaturbericht. 
Naturwissenschaftlich-Technische Umschau, Illustr. 
„opuläre Halbmonatsschrift über die Fortschritte auf den Gebieten 
der augewandten Naturwissenschaft und technischen Praxis. Für 
Hebildete aller Stände. Herausgegeben von Theodor Schwartze, 
Ingenieur in Leipzig (Fr. Mauke's Verlag [A. Schenk! in Jena) 
Preis p. Quartal 3 Mik.) beginnt mit 1. Oktober ihren zweiten 
Jahrgang. Der vorliegende erste Jahrgang zeigt, daß die Redak— 
ion in sehr gewissenhafter Weise alle Fortschritte auf dem großen 
Gebiete der angewandten Naturwissenschaften sowie der technischen 
Praxis verfolgt und ihren Lesern in kurzer, knapper, aber sehr ver— 
sttändlicher Form Mittheilung über alle Neuerungen gemacht hat. 
Für jeden unserer Leser, welcher nicht in der Lage ist, alle Zeit— 
chriften über die naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen 
zu lesen und welchem die Fachzeitschriften des Auslandes nicht zu 
Hebote stehen, wird diese Zeitschrift zu einer reichen Quelle der 
Belehrung werden. — mm 
Rezeptkasten. 
Wasseeglas besteht bekanntlich aus einem, Gemenge von Kali 
ind Naitron und bildet eine spröde, fast farblose glasartige Masse, die 
ich in kochendem Wasser auflöst Neuerdings hat Dr. Sauerwein zur 
Zerstellung von Wasserglas als ein unübertreffliches Material einen —* 
atz von der sich namentlich in der Lüneburger Haide in großen Lagern 
on theils schön weißer, theils schmutzig hellgrauer Färbung vorfindender 
Füfüsorienerde empfohlen, indem üch dieselbe mit großer Leichtiakeit 
in Aetzlauge auflöst. 
Marineleim zur Frotehlegunn feuchter Wände. 
Nach dem „General Anzeiger für Maler“ geschieht die Herstellung und 
Anwendung des Marineleims in folgender Weise: 10 Theile Kautschuck, 
10 Theile Schlemmkreide, 20 Theile Terpentinöl, 10 Theile Schwefel— 
ohlenstoff, 5 Theile Kolophonium und 5. Theile Asphalt werden gut 
Jemischt in einer geräumigen Flasche verschlossen und unter oftmaligem 
ümschütteln so lange bei einem mäßig warmen Ofen gestellt, bis sich die 
ůͤslichen Stofse aufgeloͤst haben. Die trosfen zu legende Wand wird mit 
Zürsten küchtig gedeinigt, der Marineleim sodann mit einem breiten 
Pinsel etwa 20 — 25 ein höher, als die Wand feucht, erscheint aufge⸗ 
ragen oder Tapeten aufkleben. Wird, der Anstrich mit der gehörigen 
Sorgfalt ausgeführt, so ist die Wand für alle Zeiten trocken gelegt und 
s wird nie mehr ein Abspringen der Malerei oder der Tapeten erfolgen. 
Dieses Verfahren zur Trockenlegung feuchter Wände dürfte für weitere 
VHersuche zu empfehlen sein. 
Bautechnische Notizen. 
Mauersteine von Glas. Neuerdings werden glänzend weiße 
Mauersteine qus den Rückständen der Spiegelglasfabriken in en 
jergestellt. Zum Schleifen des Spiegelglases bedient man sich bekanntli 
iner Eisenplatte, welche über die Glasplatte hin- und herfährt, nachdem 
nan diese mit Quarzsand und Wasser überzogen hat. Das abfließende 
Wasser enthält nun nicht blos Sand, sondern auch etwa 2 Proz. Eisen 
ind 15 Prozent Glas. Bisher wußte man aber mit dem glashaltigen 
Zandniederschlag nichts anzufangen, und er häufte sich in den Glas— 
chleifereien zu förmlichen Huͤgeln auf. Dank dem französischen Ingenieur 
F. Motte kann man aber setzt daraus unter Anwendung eines bedeu— 
enden Drucks Steine formen, die hierauf in Ziegelöfen bei 1500 Grad 
jebacken werden, was zur Folge hat, daß das enthaltene Glas schmilzt 
ind die Sandkörner innig verbindet. Die auf diese Weise entstehenden 
Bausteine sind um ein Fuͤnftel leichter, als die gewöhnlichen, widerstehen 
n Folge ihrer Zusammensetzung den Säuren und leiden durch den Frost 
richi. Abgesehen von der Verwendung der weißen Steine zur Dekori— 
ung von Haͤuserfaçaden, wo sie gegen die rothen Ziegelsteine sehr an 
jenehm abstechen, verwendet der Ersinder das neue Baumaterial zur Aus 
fütterung von Bleikammern in chemischen Fabriken, sowie zur Pflasterung 
»on Straßen. Das Pflaster aus weißen Glasbacksteinen wird angeblich 
niemals glatt und soll an Unterhaltung wenig kosten. 
Humodostia⸗-Masse. Unter dieser Bezeichnung empfiehlt der 
Erfindee Julius Ditges seine von ihm zusammengestellte Anstrichmasse 
ur Trockenlegung feuchter Kellerwände ꝛc. Wir haben gehört, schreibt 
Der Dachdecker“, daß die Humodestia-Masse das vorzuͤglichste Mittel 
uur Trockenlegung jeglichen feuchten Mauerwerks sein soll und sich sowohl 
in feuchten Kellerwänden, als auch an Grubenmauerwerk gleich gut ver— 
venden läßt. Die Humodostia-Masse wird direkt auf die rohe Mauer— 
läche mittelst Pinsels oder Bürste gestrichen und auf diesen Anstrich der 
Butz aufgetragen. Aber auch zum Anstrich von freistebenden Giebeln 
um Schuͤtz gegen Witterungseinflüsse ist diese Anstrichmasse vorzüglich 
Jeeignet und wird hierbei die Giebelfläche auch nur mit dieser —** 
jestrichen, ohne daß hierauf geputzt zu werden braucht. Diese Anstrich— 
nasse scheint nach unserer Untersuchung aus aufgelöstem Trinidad-Asphalt, 
»erniischt mit Harz, Schwefel und gukten Oelen, zu bestehen. Genau uüeß 
ich diefe Mischung, sowie die Aufloͤsung des Asphalt nicht feststellen, da 
die Mischung eine vorzüglich innige ist. Die Zusammensiellung dieser 
Masse behält die Firma Julius Ditges, Berlin, Holzmarktstraße 37, 
obgleich sie sich selbige, wie es scheint, nicht hat patentiren lassen, als 
Heheimniß auch wohl mit Recht für sich. Diese Anstrichmasse hat auch 
ie häufigsten Verwendungen gefunden und dabei, wie wir erfahren haben, 
länzende Resultate erzielt “ Ueberführung über die Güte dieser An— 
trichmasse können wir folgende Baulichkeiten, bei welchen selbige ange— 
vandt ist, nennen: Bahnhof Löwenberg, Gr.«Lüdersdorf, die Baulichkeiten 
iuf der ganzen Strecke Berlin-Stralsund, in Berlin Friedenstraße 46, 
8 28, Landsbergerstraße 18, Paulstraße dD u. A. n. Der 
ßreis dieser Anstrichmasse stellt sich im Verhältniß zu ihren Vorzügen 
aur gering und zwar auf 1,40 bis 1,765 Mk. pro qm. 
Eiferne Putzylatten. In Amerika sowohl wie in England 
vendet man neuerdings zur Befestigung des Mörtelputzes vielfach eiserne 
ratten an Stelle der bisher gebräuchlichen hölzernen an. Diese Latten 
ind nach Art einer Rinne mit schwalbenschwanzförmigem Querschnitt 
cusgebildet, deren unter einem rechten Winkel umgebogene Ränder mit 
ahnartigen Ausschnitten versehen sind. Die Latten werden mittelst 
räftiger Nägel an die Deckenbälken, Wandstiele ꝛc. befestigt. Die Vor— 
heile dieser Konstruktion bestehen nicht nur in der größeren Haltbarkeit 
ind Feuersicherheit derselben, sondern auch darin, daß der Putz sich sehr 
nnig und fest an die Latten anschließt, so daß ein Abfallen desselben bei 
achgemäßer Herstellung nicht zu befürchten steht. Die sorgfältig ver— 
inkken Latten sollen nach dem Zeugniß enalischer Architekten der Rost— 
vildung nicht unterworfen sein. 
Ledaktion: R. Matahbenin Berlin. — Verlag von Julius Engelmann in Berlin. — Druck von H. S. Dermann in Verlin 
Unter Verantwortlichkeit des Verlegers
	        

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