Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Zur Neuanlage des Schlachthofes zu Breslau. — Die Ventilation öffentlicher Gebäude. 
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solider Ausfsührung des Baues kann ersahrungsmätzig der Quadrat— 
Meter der bebauten Grundfläche durchschnittlich für 110 Mk. aus— 
geführt werden. 
Die bebaute Fläche bei der hier in Rede stehenden Villa 
beträgt 180 qm à 170 Mk.. . 16500 Mt 
Hierzu treten nachfolgende Kosten: 
a) für ein kleines Stall- und Retiradengebäude .. 300 , 
b) für einen Brunnen mit Pumpe bei ca. 6-57 m Tiefe 750, 
c) für ein Gartengrundstück von ca. 37,6 ar à 60 VWäk. ⸗ 22560 
Gesammtkosten inkl. Grunderwerb 19800 Mk 
Es läßt sich also mit einem mäßigen Kapital von ca. 20000 Mk 
ein angenehmes, freundliches und schuldenfreies Besitzthum erwerben, 
welches meist wieder günstig verkauft oder vermiethet waden aun 
A. Knäbel. 
Die Wohnung des für das Sanitätsschlachthaus besonders 
angestellten Schlachtineisters und für zwei seiner Gesellen wird in 
demselben ebenfalls untergebracht. 
Das Haus zur Reinigung der Eingeweidetheile, 
auf kurz Kaldaunenwäsche genannt, wird in drei Abtheilungen an— 
gelegt. In der Mitte, durch die ganze Tiefe des Gebäudes 
reichend, liegen in einer Breite von 12,0 mm die sogenannte „grobe“, 
rechts und links von derselben in einer Länge von 11,85 in die 
beiden „feinen“ Kutteleien. 
Von der Tiefe dieser letzteren sind, von der groben Kuttelei 
aus zugänglich, je 6 Klosets und Pissoirs abgetrennt. Der mitt— 
lere Raum ist an beiden Seiten durch je eine eiserne zweiflügelige 
Schiebethür geschlossen, von denen die eine in's Freie, die andere 
nach der Düngergrube führt. Die seitlich gelegenen Räume sind 
ebeuͤfalls direkt von Außen zugänglich und außerdem durch Schiebe— 
thüren mit dem mittleren verbunden. 
Die mit je 3 Brühkesseln und den erforderlichen kleinen, auf 
donsolen ruhenden Steintrögen und 3 melangen, 1,5 mbreiten 
Tischen ausgestatteten Räume sind in ihren räumlichen Verhält— 
nissen so bemessen, daß sie in jeder Beziehung einen bequemen 
Betrieb der Arbeiten zulassen. 
Das für den letzteren erforderliche warme Wasser wird aus 
einem im Maschinenhause befindlichen, durch Dampf geheizten 
Warmwasserreservoir zugeleitet. Ueber den Trögen selbst sind zur 
Abführung des Wrasens und Erreichung einer Ventilation große 
Dunstschlote, wie über den Brühkesseln in der Schweineschlachthalle 
angeordnet und über das Dach hinausgeführt. 
Die mit Quergefälle nach der Mitte angelegten Fußböden 
bestehen aus auf Beton verlegten Granitplatten; die Waͤnde sind 
in ihren oberen Flächen aus Blendsteinen mit Fugenputz, bis zu 
2,0 m Höhe vom Fußboden aus mit Terrazzo geputzt, angenommen. 
Die Räume werden sämmtlich gewölbt und durch Klappfenster 
reichlich erhellt. Die durchweg in Cement gemauerte Düngergrube 
ist so angelegt, daß die Wagen in dieselbe einfahren können und 
so tief zu stehen kommen, daß der aus der Kuttelei zu entfernende 
trockene Dünger mittels schräg angelegter, durch die Umfassungs— 
mauer reichende Trichter direkt in die zur Abfuhr bestimmten 
Wagen fällt. — M. 
Zur Neuanlage des Schlachthofes zu 
Breslau 
wird uns geschrieben: 
Auch Breslau, die zweitgrößte Stadt der Monarchie, welcht 
in den letzten 10 Jahren eine außerordentliche räumliche Aus 
dehnung und Bevölkerungszunahme erfahren hat, sieht sich veran 
laßt, die öffentlichen kommunalen Anlagen den gesteigerten An 
forderungen anzupassen und wird, der Reichsresidenzstadt nacheifernd, 
in Kurzem eine geräumige, allen Ansprüchen des Verkehres, des 
Marktes und der Hygiene Rechnung tragende neue Schlachthof— 
anlage besitzen. — Wie alle derartigen Anlagen — wir erinnern 
an die Markthallen Berlins — der Gegenwart unfraglich einen 
bestimmten Charakter verleihen, darin gipfelnd, dem allgemeinen 
Wohle und Verkehre nützende, möglichst bequeme, vortheilhafte 
und gesundheitsdienliche Einrichtungen in's Leben zu rufen, so ist 
es fuͤr den Einzelnen von unbedingtem Interesse, mit diesen je 
weiligen Verbesserungen und Fortschritten bekannt zu werden. 
Die durchweg in ihren Details zweckmäßig geplante Schlacht⸗ 
hofanlage, welche in der südlichen Vorstadt Breslaus errichtet 
werden soll, wird im Großen und Ganzen denjenigen Erfahrungen 
entsprechen, welche bei anderen, in neuerer Zeit erbauten Schlacht 
hofanlagen gemacht sind. Im Gegensatz zu dem gegenwärtig be 
stehenden, direkt an der Oder gelegenen Schlachhofe, wird der 
neuere sich in größerer Entfernung von derselben befinden und 
seine Schmutze und Spülwasser nach vorher vorgenommener sorg 
fältiger Reinigung und Klärung derselben in die allgemeinen 
Straßenkanäle abgeben, um sie auf diesem Wege den unterhalb 
Breslau's am anderen Oderufer gelegenen Rieselfeldern zuzuführen 
Der Hauptgrund für diese, gegen früher prinzipiell geänderte An— 
lage ist in dem Umstande zu finden, daß durch das vorliegende, 
zur Ausführung bestimmte Projekt ein unmittelbarer äußerst be— 
quemer und vortheilhafter Anschluß an den bereits bestehender 
verkehrsreichen Fettviehmarkt und ein ebenso bequemer an die 
Eisenbahn leicht erzielt wird. Die gesammte Ausdehnung des zur 
Schlachthofanlage bestimmten Terrains wird etwas über 28/, ha 
betragen und wird dasselbe wegen der in Breslau noch bestehenden 
Schlachtsteuer mit Ausnahme eines durch das Steueramt kon⸗ 
trollirten Zuganges direkt von Außen und eines solchen nach dem 
Fettviehmarkte hin ringsum vollständig abgeschlossen sein. 
Die Einrichtungen selbst werden, wie bei anderen derartigen 
größeren Anlagen — mit geringen Abweichungen, wie solche sich 
bei dem praktischen Betriebe als erforderlich ergeben haben — 
getroffen. Nicht uninteressant dürfte es für unsere Leser sein, hier 
kurz zweier Einrichtungen zu erwähnen, welche ganz besonders zeigen, 
welche große Sicherheit und Sauberkeit diese Schlachthofanlagen 
gegenüber den älteren, meist höchst mangelhaft ausgestatteten Schlacht— 
häusern gewährleisten. Wir wollen, da diese Anlagen sich den 
Augen des größeren Publikums, dem Zwecke entsprechend, welchem 
sie dienen, entziehen, hier ihrer Einrichtung kurz Erwähnung thun. 
Das Sanitäts- bezw. Polizei-Schlachthaus enthält 
diejenigen Räume, in welchen Thiere geschlachtet werden müssen. 
welche entweder durch den zuständigen Thierarzt als krank erkannt 
pom Transport ermattet sind, oder sonst irgend einen Krankheits 
zustand befürchten lassen. Zu diesem Zwecke ist in uumittelbarer 
Verbindung mit dem Schlachthause zur Beobachtung der Thiere 
ein Contumazstall angeordnet, welcher für Rinder, Schweine, 
Hammel und Kälber je gesonderte Abtheilungen enthält. Zum 
Schlachten des kranken und verdächtigen Viehes wird die Abthei— 
lung für die Rinder zwei Winden und zwei Reihen Aufhäuge— 
rahmen enthalten, während für das Schlachten der Schweine ein 
besonderer Brühkessel und zwei Enthaarungstische, für das Schlachten 
des Kleinviehes endlich Schragen, Spültröge und an den Wänden 
die erforderlichen Hakenrahmen vorgesehen fsind. 
Die Pontilation »oentlicher Gebäude. 
U 
Die vierte Definition hieß: Zug ist die unangenehme Be— 
rührung frischer Luft mit dem menschlichen Körper. Im Allge— 
meinen erzeugt diese Berührung Kälte, doch darf man nicht ver— 
gessen, daß es auch einen unangenehmen, heißen, aber wenig ge— 
ãhrlichen Zug giebt. Kalter Zug in Folge des Einströmens 
rrischer Lust entsteht aus vier Gründen: 1. durch übergroße 
Beschwindigkeit des einfallenden Luftstroms, 2. durch einen zu 
niedrigen Grad der Temperatur, 3. durch zu große Feuchtigkeit, 
4. durch unzureichende Feuchtigkeit. Jede dieser Ursachen erzeugt 
das Gefühl der Kälte durch Erniedrigung der Temperatnr des 
menschlichen Körpers. Die erste und vierte Ursache durch Hervor— 
rufen einer übermäßig großen Hautausdünstung, die zweite Ursache 
durch vermehrte Waͤrmeausstrahlung des menschlichen Körpers, um 
»as Gleichgewicht zwischen Körperwärme und Luftwärme herzu— 
tellen, die dritte durch Herausziehen der Körperwärme, um den 
Wasserdunst in der Atmosphäre zu erhalten. Frische Luft sollte 
nie mit einer größeren Geschwindigkeit, als O,66 1m in der Sekunde 
eintreten, während die Einflußgeschwindigkeit am Eintrittspunkt 
auf ,3 m zu ermäßigen ist. Für das englische Klima und dessen 
yygrometrische Verhältnisse sollte die Temperatur der einströmenden 
Luft nie unter 100 C. sinken. Kalte Zugluft kann aber auch, außer 
zurch Einströmen kalter Luft, durch lokale Luftströme hervorgerufen 
werden, welche sich durch Abkühlen der inneren Atmosphäre in den 
iaturgemäßen Fällen kälter gewordener Luft bilden. Oberlichter, 
Fenster, offene Dächer ꝛc. geben häufig zur Bildung dieser Lokal— 
trömungen Veranlassung. Die drei letzten Grundprinzipien hängen 
o eng zusammen, daß man sie gemeinschaftlich behandeln muß. 
Die Lüft ist eine Flüssigkeit und ein Gas und daher unterworfen den 
Gesetzen der Diffusion der Gase und der Expansion. In Folge 
dessen ist warme Luft leichter als kalte von demselben Rein— 
heitsgrade und schlechte Luft ist schwerer als frische Luft von 
zjleicher Temperatur. Hieran knüpft unmittelbar die Frage 
in nach der Höhe, in welcher die Einflußöffnungen für frische 
Luft und die Auslaßöffnungen für die verdorbene Luft anzulegen 
sind. Unter den Ventilationsinstallationen haben sich 2 Parteien 
gebildet, die Partei des Abwärts- und die Partei des Aufwärts— 
systems. Die Verfechter des Abwärtssystems vertheidigen ihr 
System damit, daß sie sagen: verdorbene Luft ist schwerer wie
	        

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