Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Erfindungen. — Berichte aus verschiedenen Städten. 
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im April gefällt, und nach den Untersuchungen von Hartig befindet 
sich die Aprilkiefer noch vollständig im Zustande der Winterruhe, 
s haben noch keinerlei Veränderungen bezüglich des Zellinhalts 
stattgefunden und der Wassergehalt des Baumes erreicht im April 
seinen niedrigsten Standpunkt. Die Neubildung von Wasser auf— 
nehmenden Saftwürzelchen beginnt bei alten Bäumen erst Ende 
April, Anfang Mai. Nach Untersuchungen, die Hartig im Jahre 
1872 ausgeführt, aber nicht veröffentlicht hat, fiel die kambiale 
Thätigkeit in der Mitte des Schaftes zwischen Krone und Erd— 
boden bei 10 jährigen Kiefern auf den 20. April, bei 35 jährigen 
Kiefern etwa auf den 1. Mai, bei 60jährigen Kiesern bei etwa 
3 Meter Stammhöhe auf den 9. Mai, bei 100jährigen Kiefern 
hei 6 Meter Höhe auf den 15. Mai. Hartig weist ferner darauf 
hin, daß die Neubildung der Kieferntriebe an älteren Kiefern eben— 
salls erst Mitte Mai erfolgt. Aus alledem gehe hervor, daß eine 
Veränderung der Inhaltsstoffe des Holzkörpers bei der Kiefer im 
April zweifellos noch nicht eingetreten sei; Poleck vergleiche somit 
das Holz zweier Winterkiefern und sei daher zu keinerlei ungünsti— 
gen Schluͤssen bezüglich der Eigenschaften des Sommerholzes 
berechtigt. 
Was nun die Unterschiede im Gehalte an Kali und Phos— 
ohorsäure bei Sommer- und Winterholz anbelangt, so müßte 
naturgemäß beim Sommerholze ein Mindergehalt an diesen Stoffen 
bestehen, weil im Winter mehr oder weniger Reservestoffe in den 
lebenden Zellen, Markstrahlen u. s. w. abgelagert sind, die, wenig— 
stens theilweise, zur Neubildung der Triebe und zur Ernährnng 
der Kambialzone verbraucht und erst im Hochsommer und Herbste 
wieber im Holze abgelagert werden. In direktem Widerspruche 
mit diesen Umständen stehen die Analysen vou Poleck, weshalb 
Hartig neue Analysen ausführen ließ, die ein ganz anderes Er— 
gebniß hatten. Er ließ in einem 90/,100 jährigen Kiefernbestande 
eine Kiefer am 28. Dezember und eine am 28. Juni fällen, 
entnahm aus gleicher Baumhöhe, in ungef. 15 Meter Abstand 
vom Erdboden, Holzstücke und ließ den Gehalt des Splintholzes 
an Phosphorsäure feststellen. Die Untersuchung ergab in 10 000 
Theilen des Splintholzes bei 
arauf geachtet werden, daß Hölzer, die in Erdgeschoß- oder 
Kellerräu mlichkeiten zu liegen kommen, vorher mit Kreosotöl 
getränkt worden seien. Dr. H. Köhler. 
Erfindungen. 
Künstliche Holzmasse. Der Versuche, natürliches Holz 
nachzuahmen, sind schon viele gemacht worden. Zuerst bediente 
nan sich einer Mischung von Sägemehl und Blut, welche man 
rocknete, röstete, dann zerkleinerte und in erwärmte Metallformen 
reßte. Dann verwendete man auch andere Mtischuugen, wobei 
Sägemehl, Cellulose und verschiedene Bindemittel die wesentlichsten 
Bestandtheile bildeten, aus welchen auch die neueren, recht brauch— 
paren Holzstoff-Gegenstände in der Hauptsache dargestellt werden 
Heit der Holz Imitation hat sich Franz Fried in Fraukfurt a. M. 
chon länger beschäftigt, und neuerdings hat sich Bruno Harraß 
in Böhlen bei Großbreitenbach in Thüringen ein Verfahren zur 
Herstellung von Holzstoffgegenständen mit oder ohne Fournir— 
leberzug patentiren lassen. Das Verfahren bezweckt die Herstellung 
son Gegenständen aller Art aus künstlicher Holzmasse für Möbel 
und Bautischler-Arbeiten, Pianoforte-Fabrikation, Zimmerdekora— 
ion ꝛc., hauptsächlich Möbelverzierungen, wie Füllungen, Leisten 
ind Eckverzierungen, Kapitäle, Aufsätze, Schlüsselschilder, Spiegel— 
ind Bilderrahmen, Rosetten und jede Art von Galanteriegegen⸗ 
tänden, und wird schon seit mehreren Jahren im Großen fabriks— 
näßig betrieben. Die künstliche Holzmasse, welche von dem Patent-— 
nhaber „Unterdruckmasse“ genannt wird, besteht in der Hauptsache 
ius Cellulose, Papierstoff und dgl. in passender Mischung mit 
Weizenstärke und Weizenmehl, überhaupt aus Cellulose und Stärke— 
nehl beliebigen Ursprungs. Die Holzstoffgegenstände können auf 
hrer Schauseite mit Fonrnir überzogen werden, und zwar auch 
)irekt, indem man einfach das einseitig geleimte Fournir auf den 
roh vorgepreßten Gegenstand auflegt und mit dem vollen Drucke 
iachpreßt. 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
Berlin. (Udelfanger Sandstein.) Wie die „Trier'sche 
Zeitung“ mittheilt, ist Aussicht vorhanden, daß die Front des in 
Berlin zu erbauenden Reichstagsgehäudes aus dem festen und fein— 
zrnigen Udetsen er antfteine hergestellt wird. Bereits sind 14 
Waggons Udelfanger Werkblöcke nach Berlin versandt worden, um 
sier probeweise von Steinmetzen bearbeitet zu werden. Das ganze 
erforderliche Quantum wird mehr als 50,000 kbm betragen. 
Es ist indeß zweifelhaft, ob ein so kolossales Quantum Werkblöcke 
bon bestimmten Maaßen und in einer vorgeschriebenen Zeit von 
etwas weniger als einem Jahr mit den vorhandenen Arbeits— 
kräften und Fuhrwerken gesördert und an die Bahnstelle von 
Trier gebracht werden kann. 
Berlin. (Die neue Packhofsanlage.) Auf dem Terrain 
der neuen Packhoisanlage sind nun auch die letzten beiden der 
Haulichkeiten fertiggestellt, welche an das Packhofsgebäude selbst 
ich anschließen. Es sind dies zunächst die Halle für die Expe—⸗ 
ition der Güter, die gegenüber der Alt-Mogabiterstraße auf der 
zinteren (nördlichen) Seite an den östlichen Flügel des Gebändes 
ich auschließt. während die auf der vorderen Seite bereits fertig— 
gestellt ist. Beide Hallen, mit je fünf Oeffnungen auf ihren 
Längsseiten für die Expedirung, sind, wie das Hauptgebäude, im 
Rohbau aus hellgelben Verblendern aufgeführt, das Tageslicht 
zurch ein flaches Oberlichtdach empfangend. Die vordere (süd⸗ 
iche) Halle steht, gegenüber dem Kronprinzenufer, unmittelbar 
iber den in Sandsteinquadern aufgeführten Quais des rechten 
Spreeufers, zur Vermittelung des Wassertransports der Güter; 
ür die zweite Halle zur Vermittelung des Eisenbahnverkehrs wird 
yom Lehrter Centralbahuhof her, ein Schienengeleise herangeführt 
verden. Fertiggestellt wurde außerdem noch das Maschinenhaus, 
wischen der hinteren Güterhalle und den Verwaltungsgebänden; 
zasselbe ist, nebst dem im Grundriß kreisförmigen Hochschornstein, 
benfalls in lichten Klinkern aufgeführt. Beschäftigt ist, man auf 
dem ganzen Terrain gegenwärtig besonders mit den Planirungen 
ür die Abpflasterungen und die Legung der Schienengeleise, Zum 
Direktorialgebände, welches im stattlichen, regelmäßigen Rohbaustil 
nit rothen Rathenowern und reichen Sandsteinfassungen in den 
Façaden erbaut, sein Hauptportal auf der östlichen Giebelseite 
yon der Molike-Brücke ünd dem Friedrich-Karl-Ufer her hat, ist 
er ebene Vorplatz, mit Kies beschuͤttet, schon hergestellt. An, seiner 
‚orderen Längsseue erhält dieses Gebäude, wie auch das hintere 
Verwaltungsgebände, einen schmalen Vorgarten mit Rasenflächen 
ind niedrigem Strauchwerk. — 
Berlin. Bewegliche Dampfkrähne.) Das Königliche 
Polizei-Präsidium hat dem Herrn Theodor Lißmann hierselbst, 
zem Inhaber einer der hiesigen Fabriken für Fahrstühle, und 
derrn Adolph Lindner die Konzession für den Geschäftsbetrieb mit 
d enlida' Damöfträhnen ertheilt. um Baumaterialien für Neu 
Winterholz Sommerholz 
Reinasche . . 18,60 Gr. — 0, 1860,0 24, 46 Gr. — 0.21 460 
Phosphorsäure 1,507, 1,255 
In 100 Theilen Asche 
Phosphorsäure 8.421 
Die Abweichung von der Analyse Poleck's ist in die Augen 
Pringend; Prof. Hartig erklärt sich diesen Widerspruch dadurch, 
daß er annimmt, Poleck habe bei seiner Winterkiefer Kernholz, 
bei seiner Aprilkiefer dagegen das an Reservestoffen viel reichere 
Splintholz der Kiefer in Händen gehabt. Hartig hat nun eine 
zanze Reihe von im Winter und im Sommer gefällten Kiefern— 
uͤnd Fichtenholzstücken mit Hausschwamm infizirt, um auf experi⸗ 
mentellem Wege die Frage nach den Lebensbedingungen des Haus— 
schwammes zu lösen. Diese Versuche ergaben, daß durchaus kein 
nachweisbarer Unterschied in der Empfänglichkeit für Hausschwamm⸗ 
angriffe zwischen Winter- und Sommerholz bei den Nadelholz— 
häümen besteht. Mit Recht weist Hartig darauf hin, „daß die 
Zunahme der Hausschwammbeschädigungen in den letzten Jahr— 
Fehnten schwerlich der vermehrten Verwendung von Sommerholz 
zugeschrieben werden kann, da ja von jeher in den Gebirgen die 
Sommerfällung stattgefunden hat. Im ganzen Alpengebiete, im 
baierischen Walde, im Schwarzwalde, ganz allgemein in allen 
höheren Gebirgen ist wegen des tiefen Schneefalls eine Fällung 
im Winter ganz unmöglich und hat auch nach den Versuchen von 
Hhartig für die Verhütung des Hausschwammes gar keinen Werth 
Was Mylius ferner über die Vorbeugungsmaßregeln zur 
Verhütung der Entstehung des Hausschwammes sagt, giebt zu 
keiner Erwiderung Anlaß.“ Die genaue Einhaltung der Vorsichts— 
maßregeln, die Hartig noch viel weiter ausführt, ist erfahrungs— 
gemäß der beste Schütz gegen das Anftreten des Hausschwammes. 
Wo dieser dennoch sich zeigt, liegen in den meisten Fällen arobe 
Verstöße gegen jene Vorschriften vor. 
Zum Schlusse noch ein Wort über, die „pielgepriesenen 
chemischen Mitiel“, wie Mylius sich ausdrückt, zur Vertilgung des 
Hausschwammes. Wenn Miylins sagt, daß in dieser Beziehung 
genaue Versuche noch nicht vorliegen, so müssen wir dem wider— 
sprechen und verweisen ihn auf die oben erwähnte Schrift von 
Hartig, der auch das in diesen Zeilen Gesagte entnommen ist. 
Hartig hat eine große Reihe von Versuchen mit den verschiedensten 
Mitteln angestellt, und gezeigt, daß wir in dem sogenannten 
Kreosotöl ein sicheres und wirksames Mittel zur Verhütung und 
Zerstörung des Hausschwammes besitzen, jedenfalls aber ein Mittel, 
das die Aufmerksamkeit der Fachmänner in hervorragender Weise 
verdient. Hölzer, die in der Art unserer Eisenbahnschwellen unter 
Druck mit Kreosotöl geträukt sind, dürften für alle Zeiten vor 
Hausschwamm sicher sein RoaiMNeubgauten sollte daher stets
	        

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