Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Ueber Ziegeldächer in nordlichen Ländern. — Mittheilungen aus der Prarxis. 
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dis heute sind von den 12 Entwässerungs-Gebieten 53 vollendet 
uind 2 baulich in Angriff genommen. Die Berieselung erfolgt 
zur Zeit auf 11, um den Betrag von 10,7 Millionen Mek. käuflich 
erworbenen Gütern mit einem Flächeninhalte von 5353 ha (also 
nahezu eine Quadratmeile), wovon s/, der Fläche bereits für die 
Bewässerung eingerichtet wurden. Einschließlich des Güterkaufs 
ind deren Einrichtungen (im Betrage von etwa 4 Millonen Mek.) 
»elaufen sich die Kosten des Berliner Stadtreinigungs-Unter—- 
iehmens bereits auf die ansehnliche Summe von 52 Millionen Mk. 
Bei der Neuheit und dem Umfange des Unternehmens kann 
weder auf eine Untersuchung rücksichtlich der Anwendbarkeit noch 
der Rentabilität dieser Methode eingegangen werden, jedenfalls 
nuß aber wohl Jeder, der das frühere und heutige Berlin kennt, 
zugeben, daß die Bewohner der deutschen Reichshauptstadt im 
Hinblick auf den früheren Schlendrian sich heute bezüglich der 
jteinlichkeit ihrer Stadt paradiesischer Zustände erfreuen. 
Jen. 
⸗ den ganzen Pfannen in der erforderlichen Breite zurecht— 
gehauen. 
Zum Abfluß des Kondensationswassers, welches sich unter 
jewissen Umständen, namentlich bei Stallungen, an den inneren 
Flächen der Pfannen, wie bei allen Ziegeldächern, ansammeln 
ann, ist die Querleiste & an der tiefsten Stelle der Pfanne (ver— 
Jleiche Fig. 2 bei g) mit einer schmalen, etwa Imm weiten und 
5 uum breiten Oeffnung versehen, durch welche das angesammelte 
Wasser, ohne sich erst zu Tropfen zu bilden, die abfallen würden, 
iuf einem schon angefeuchteten, ebenen Wege auf die untere Pfanne 
ind somit nach Außen gelangen kann. Will man den Einwand 
nachen, daß durch diese geringe Abzugsöffnung von unten Schnee 
intreiben kann, so läßt sich zur Abhülfe dieses Uebelstandes in 
»en kleinen Raum etwas Moos einlegen, wobei man aber dacauf 
u achten hat, daß durchaus keine Faser in das Gebäude herab— 
szängt, weil sich sonst an dieser erst recht Tropfen sammeln und 
ibfallen würden. 
Das beim Eindecken der gewöhnlichen holländischen Dach— 
fannen erforderliche Behauen oder „Krempen“ der langen Kante 
edes einzelnen Steines, um möglichst dichte Seitenfugen zu er— 
ielen, ist bei den Falzpfannen wegen der Längsrippen überflüssig, 
vodurch viel Arbeit und zugleich auch das Verstrichmaterial ge— 
part, sowie auch eine sehr lange Dauer der Dichtiakeit der Ein— 
eckung erzielt wird 
Da man heutzutage großen Werth auf eine möglichst leichte 
Bedachung legt und auf den meisten Ziegeleien zur Bereitung des 
chones treffliche Vorkehrungen hat, wird man die Pfannen noch 
niel dünner herstellen können, als es bei den 13 mumn starken, 
Vöterkeim'schen Dachsteinen der Fall ist, denn liegen die Falz— 
fannen erst einmal auf dem Dache, so halten sich erfahrungs— 
semäß die dünnen ebenso lange, wie die dickeren. 
Die Herstellung guter Falzziegel ist bisher in Deutschland 
iur wenigen Ziegeleien gelungen; ihr Preis wird besonders da— 
urch so hoch, daß fehlerhafte Ziegel zur Dachdeckung absolut un— 
rauchbar sind, während von den Falzpfannen auch die ungleich— 
örmigen und mangelhaften zur dichten Eindeckung der Dächer 
»erwendet werden können, eine Thatsache, welche neben dem ge— 
iingen Preise (die patentirten Falzpfannen kosten nur halb so viel, 
ils die nach dem Muster der Elsasser gefertigten Falzziegel, bei 
ast gleicher Deckfläche und noch etwas geringerem Gewicht, bei 
»ensesben Kosten für Lattung und Eindeckung) sowohl die Ver— 
tung der Sen, als auch die Mermdung der Dach— 
fannen begünstigt. 
Wenn man sich bei der Neuheit der Erfindung auch noch 
nicht auf eine längere Bewährung der Falzpfannen berufen kann, 
o sprechen doch die oben angedeuteten Eigenschaften der Steine 
vohl dafür, daß dieselben in jedem Klima eine ausreichende 
Widerstandsfähigkeit gegen die Einflüsse der Witterung zeigen 
verden. Bisher sind die Falzpfannen auf 6 Gebäuden des dem 
krfinder gehörigen Gutes Wöterkeim, zur Eindeckung eines Wohn⸗ 
jauses in Beyditten bei Bischofstein, eines Stalles in Sporgeln 
»ei Schwansfeld und der alten Kirche in Santoppen bei Bahnhof 
Bischdorf der Thorn-Insterburger Bahn verwendet worden und 
sjaben nur günstige Beurtheilung gefunden. Es ist nicht zu ver— 
ennen, daß die neue Erfindung in an natürlichem Dachdeck— 
naterial armen Gegenden namientlich für landwirthschaftliche 
tauten wohl eine nicht unerhebliche Bedeutung gewinnen kann, 
venn, wie zu hoffen, die hervorgehobenen guten Eigenschaften der 
Falzdachpfannen sich auf die Dauer bewähren. 
Herr v. Kobylinski auf Wöterkeim an der Ostpreuß. 
Südbahn ist bereit, seine Patentiechte sowohl an andere Ziegeleien 
zu verkaufen, wie auch allen Interessenten von der Fabrikation 
der Falzpfannen auf der Ziegelei in Wöterkeim eingehende Kennt— 
tißnahme zu gestatten. 
Porlin., im Oktoher 1885. 
Ueber Siegeldächer in nördlichen Ländern. 
(Hierzu 5 Fig.) 
Schluß.) 
Ueber die Herstellung der Falzpfannen, sowie die bei der 
Ausführung der Eindeckung zu nehmenden Rücksichten ist noch 
Folgendes zu bemerken: Die Anfertigung der Falzpfannen erfolgt 
nittelst gewöhnlicher Handpressen in mit Oel bestrichenen Formen, 
deren unterer Stempel aus hartem Holz und deren oberer Stempel, 
in dem sich die Falze und Stege der Unterfläche abdrücken, aus 
EFisen besteht, so daß sich der geformte Stein leicht aus der Form 
öst. Da die Falzpfannen, wie aus der Zeichnung in Nr. 41 er— 
ächtlich, ihre vollen Ecken behalten, ihre senkrechten Seitenränder bei 
dein Trocknen in den Gerüsten in ihrer ganzen Länge fest nebenein— 
ander liegen, und bei ihrer muldenförmigen Höhlung, die zugleich 
der Luft überall Zutritt gestattet, sich gegenseitig in gewölbe— 
artiger Spannung halten, so ist ihre Form, in der sie aus der 
Presse kommen, vdiel mehr vor dem windschiefen Verziehen beim 
Trocknen geschützt, als die holländischen Pfannen, die nach der 
zewöhnlichen Art der Anfertigung nur von einem höchst geschickten 
uind geübten Arbeiter an einander gesetzt werden können, ohne 
»ntweder einzufallen, oder ungleich hoch aufgesetzt zu werden.*) 
Die Herstellnug der Falzpfaunen ist daher viel leichter und sicherer, 
als die der holländischen Pfannen, sodaß der Preis sich wesentlich 
niedriger stellen wird, als derjenige der gewöhnlichen Falzziegel. 
Nach einer Mittheilung des Erfinders beträgt der Preis an den 
Erzeugungsstellen gegenwärtig 60 Mk. fuür 1000 Stück Falz— 
ofannen. 
Beim Verlegen der Falzpfannen hat man genau darauf zu 
ichten, daß jede Pfanne beim Beginn der Arbeit unten an der 
rechten Ecke so viel (etwa 3 cw) schräge gelegt wird, daß die 
beiden zusammenstoßenden Leisten (die stehende und die herab— 
hängende) in der oberen Ecke Platz finden (vergl. Fig. 3). Durch 
ziese schräge Lage wird jedes Beschneiden der zusammenstoßenden 
Ecken und somit das Schwächen derselben vermieden. Die Pfannen 
önnen bei derselben, wie es die Ansicht der äußeren Dachfläche 
(Fig. 4) zeigt, doch in grader Linie aufsteigend eingedeckt werden, 
man gewinnt dabei noch den Vortheil, das abfließende Wasser 
roch mehr nach der Mulde der Pfanne zu leiten, wo es, selbst bei 
der größten Menge, sich nie stauen und in das Gebäude eindringen 
kann,. Sehr feiner Schnee, welcher bekanntlich durch die feinsten 
Fugen getrieben wird, findet in den Längs- und Querfalzen einen 
ihn zurückhaltenden Damm; die einzige Stelle, an welcher ihm 
das Eindringen nicht ganz verwehrt werden kann, ist die Fuge in 
herjenigen Ecke, in welcher die beiden Pfannen mit den Leisten 
meinauder stoßen; hier ist daher auch allein ein Mörtelverstrich 
erforderlich. Wo dagegen das Eintreten von Schnee bei strengem 
Froste fast nie oder nur höchst selten zu befürchten ist, kann der 
in Ostpreußen allerdings erforderliche Kalkverstrich entbehrt werden. 
Um den Abschluß der Reihen bei nicht vollständig aus— 
reichender Breite zu erzielen, bedarf es nicht etwa besonders ge— 
fporter. halber Falzvfannen. dieselben werden vielmehr einfach 
p 
Mittheilungen aus der Praxis. 
Ueber die Veränderung des Holzes. Mittel von 
Erfolg gegen die verschiedenen Veräüderungen des Holzes glanubt 
nan heütigen Tages einige zu besitzen, ob sie aber von wirklich 
)raktischem Belaug sind, ist eine andere Frage. Das Schneiden 
er Hölzer nach amerikanischer (neuester) Art, anstatt dem bis jetzt 
jebraͤuchlichen Sägen und das darauf erfolgende Pressen der 
Bretter zwischen heißen Walzen mit großem Druck ist zwar recht 
nteressant und verspricht, eine Zukunft zu haben, aber eben gleich— 
vohl will diese Erfindung in der Praxis zuerst erprobt sein und 
»ann lassen sich nur Hölzer in Brettform mit dieser Manipulation 
rocknen, für Hölzer mit größeren Querschnitten und haupisächlich 
Zauhölzer dürfte genannte Art und Weise noch nicht geuigend sein. 
Das erste ünd letzte Wort, das in Bezug auf das gesunde 
Trocknen und daheride Konserviren gegen Veränderungen des 
*) Ein Abputzen der Ränder ist unnöthig, da die Pfannen vollständia 
glatt aus der Presse hervorgehen. 
Vermöge der 5 an allen Seiten der Pfanne befindlichen Leisten (vergl. 
n Fig. 5 die beiden sich an das Gerüst lehnenden, unteren Falzpfannen) be⸗— 
sitzen diese eine bedeutende Widerstandsfähigkeit, welche sich sowohl bei ihrem 
Ausrüsten aus den Trockenräumen, dem Einsetzen in den Ofen, als auch bei 
hrem späteren Wagen-Transport in gebranntem Zustande auf schlechten 
Begen ausgezeichnet bewährt hat. 
In dem Brennofen können viele Schichten übereinander gestellt wer⸗ 
den, da sie in jeder Stellung einen kastenartigen Vers,pluß bilden und einen 
sehr hohen Hitzegrad ohne Schaden zu ertragen vermögen. Der Verlust bei 
der Herstellung ist daher auch ein sehr unbedeutender Der Verf.
	        

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