Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Bautechnische Notizen. — Brief⸗ und Fragekasten.

ütte getauft hat, wurde vor einigen, Tagen ein Raub der
dlammen. Man vermuthet, daß dieselbe ihres sehr kostbaren
Inhalts an Pelzwerk und ähnlicher sehr werthvoller Ausstattung
Zraubt und dann angezüudet worden ist. Dasselbe, ein Lieblingsiufenthalt
 des Königs Ludwig, soll nunmehr innerhalb 6 Wochen
nen hergestellt werden, zu welchem Iwecke schon Zimmerleute aus
Piünchen an Ort und Sielle eingetroffen sind.
Gmunden. Das Palais, welches der Herzog von Cumber—
and hiet aufsuhren läßt, schreitet seiner Vollendung eutgegen;: der
Architekt, welcher den Bau leitete, wurde nunmehr auch mit der
Aufgabe betraut, nicht blos die Eutwürfe für, die inuere Aus—
chmuckung, sondern auch für die kostbare Einrichtung herzustellen.
Vemierkenswerth ist hierbei der Umstand, daß die letztere fix und
rertig aus Hannover nach Gmunden gebracht werden wird, da alle
Bessellungen auch daselbst erfolgten. Selbstverständlich wird diese
Deunheiinug von den verschiedenen Zeitungen, je nach der politischen
Färhung, mit den mannichfachsten Bemerkungen begleitet. o —
Washington. Am 22. Februar, als dem Geburtstage
zes eifien amerikanischen Bürgers und Feldherrn, soll in der
Zaupistadt der Vereinigten Staaten das große Einweihungsjest
des Washington-Denkmals stattfinden“ Eine kleinere Ent—
züllungsfeier des nunmehr vollendeten Bauwerks, ging bereits am
. Dezember v. Is. vor sich. Bereits vier Jahrzehnte sind in's
Land gegangen, seit die Amerikaner den Plan faßten, dem größten
Manne, weichen Amerika hervorgebracht, ja nach ihrer Meinung
dem größten Manue der Welt“ auch das bis dahin höchste Mo—
ument zu errichten. Man fing also an, einen ganz einfachen,
chlichten“ Obelisken zu bauen, der so hoch werden sollte, als
Ptenschenhand banen und Geldkraft die Mittel dazu liefern könne.
Damals legten die amerikanischen Ingenieure noch wenig Werth
darauf, auch der Aesthetik bei solchen Ausführungen ihr gutes
Recht einzuräumen. Einfach und schlicht, jedes ornamentalen
Schmuckes entbehrend, ragt das Monument in die Lüfte, von seinem
rhöhten Standpunkte aus weit in die Lande schauend. Eine ge—
raume Zeit lang wurde der Bau unterbrochen, um in den letzten
Jahren wieder aufgenommen zu werden. Jetzt ist das Denkmal
ertig und wirklich der höchste Bau, welcher von Menschen errichtet
wurde. Die Höhe des ganzen Obelisken beträgt nämlich 850
englische Fuß (167,6 m), auf seiner Spitze trägt er einen 50 Fuß
15,2 m) hohen Mast mit dem Sternenbanner, er mißt also ins⸗
jesammt 600 Fuß (182,9 m), überragt also den Kölner Dom noch
im ca. 30 m. Veöit seiner künstlerischen Schönheit freilich sieht
es ziemlich bedenklich aus, da man von, Weitem nur 8 starre
Linien, die sich oben vereinigen, zu erblicken, in der Nähe aber
hbor einem aufageschichteten Haufen aut bearbeiteter Steine zu stehen
tUaubt. — —m —

»edingte. Die Zimmer aus Höllrich (1050—21570) und Haldenstein
15481607) sind gute Beispiele einer vollständigen Zimmertäfelung,
ind ihre Aufstellung' (durch Regierungsbaumeister Messel) ist eine der—
irtige, daß man zum ersten Male eine rechte Vorstellung von der Be—
Jaalichkeit solcher Räunme gewinnt

Entfernen von Oelflecken auf Tapeten. Hiezu benutze
nan einen Brei von Pfeifenthon oder Walkerde mit kaltem Wasser an—
gerührt und bringe denselben auf die betreffende Stelle, jedoch ohne zu
eiben, damit das Muster der Tapete nicht zerstört werde. Nachts über
äßt man den Brei darauf, bürstet ihn am nächsten Morgen ab und
viederholt dies Verfahren, wenn der Fleck nicht ganz verschwunden sein
»der später wieder zum Vorschein kommen sollte. (Repertor. der analyt.
Jhenie.)

Brief⸗ und Fragekasten.
Herrn Bauunternehmer X. in k. Bei dem sogenannten Block-System
ind in den Pavillons für Militär-Lazarethe sind die Bestimmungen über
die Krankensäle folgende: Die Anzahl der Betten pro Saal ist 3212 in den
Ziocks, bei den Pavillonsälen bis 18 Betten; Luftraum pro Bett 37 kbmm,
ichtfläche 1,.2 —15 Jin in den Blocks und 1,82m2,3 q4m in den Pavillons;
bstand der Betten von der Wand 0,5—0,7 m, Gangbreite 1,0 m, an den
dopfenden ca. 2,0 m. Alle Säle erhalten Flügelthüren von 1,5 m Breite
ind 2,5 m Höhe; Höhe der Fensterbrüstung 6,765 m über dem Fußboden,
densterbreite 2om Die Decken werden mit einem mattweißen Oelfarben—
ünstrich versehen, die Wände dagegen araugrün — für Augenkranke blau —
restrichen.
— Maurermeister P. in R. Die Stabilität der Widerlaaspfeiler
nassiver Brücken berechnet sich nach folgenden Formeln:
Bezeichnet H den konstinten Horizontalschub des Gewölbes, huh
einen Hebelarm in Bezug auf die Drehungskante, V das Gewicht der Ge⸗
völbehälfte inkl. Beiastung, v dessen Hebelarm in Bezug auf die Drehungs—
ante, lJ die Höhe des Widerlagers und 8 das Gewicht seiner kubischen Ein—
seit, m das Neigungsverhältniß seiner Rückenfläche, so ist die Stärke des
Widerlagers mit travezsörmigem Querschnitt. wenn x die obere Stärke he—
wutet:

m g 2 4 V i— — 12 —2 —
lg ——
Für das Widerlager mit robock?n Orerschnitt, für welches m S O, ist
——— ——— J

Herrn Maurermeister W. in K. Wenden Sie sich an die Maschinen⸗
abrik von Richard Langensiepen in Buckau-Magdeburg, dieselbe wird Ihnen
iber die gewünschten Pumpen bereitwilligst Auskunft geben.
Herrn Bautechniker Pr. in U. Wir bedauern Ihnen keine Auskunft
seben zu können, glauben aber kaum, daß Jemand, der weder englisch noch
ranzösisch sprechen kann, auf eine Anstellung bei der genannten Gesellschaft
echnen darf.
Herrn Architekt B. in St. Abonniren Sie auf die „Architektonische
Rundschau“, welche bei J. Engelhorn in Stuttgart erschienen und in Nr.2
»ieses Jahrgangs unseres Blattes besprochen ist, dieselbe wird jedenfalls
hren Zwecken entsprechen.
Herrn Zimmermeister O. in G. Dem Artikel in Nr. 2 unseres Blattes
Ueber die Fundamentirung der Gebäude“ wird sehr bald ein solcher über
Die künstlichen Fundirungen“ folgen, jedoch können wir nicht vorher be—
timmen, in welcher Nr. dies geschehen wird.
Herrn Maurermeister D. in F. Die bisher mit den Rohrgeweben
jemachten Erfahrungen lauten durchaus nicht ungünstig. Auc die Decken
ius doppelten Rohrgeweben sollen sich gut bewähren, wenn sie von ge—
chulten Arbeitern ausgeführt werden. Eine gerohrte und geputzte Wand an
zer Innenseite eines Giebels herzustellen, um das Durchschlagen von Kälte
ind Feuchtigkeit zu verhüten, ist durchaus zu empfehlen, jedoch muß durch
intergenagelte Leisten eine Luftschicht hergestellt werden, welche Luftzirku—
ation erhalten muß. In diesem Falle können Sie eines aünstiden Erfolges
icher sein.
Herrn Zimmermeister E. in R. bei F. Die Tischlerwerkstätten ge—
sören nicht zu den gewerblichen Anlagen, für welche besondere Schornsteine
ingelegt werden müssen. Die Schornsteine brauchen daher auch nicht 3,14 m
on der Nachbargrenze entfernt bleiben. Dagegen empfiehlt es sich für eine
ffene Feuerung, und als solche ist eine Leimküche anzusehen, einen steig—
haren Schornstein mit 42 und 48 cm Querschnitt anzulegen, da durch ein
ussisches Rohr der Rauch in diesem Falle nicht genügend abzieht. Steigbare
Zchornsteine können mit! Stein starken Wangen aufgeführt werden, jedoch
moöfiehlt es sich, wenigstens 2 Wangen 1 Stein stark zu machen. Schmiede—
»erkstätten müssfen Schornsteine, wie solche für gewerbliche Zwecke vorge—
chrieben sind, (also 18,00 m hoch, 3,14 m vom Nachbar entfernt und mit
Stein starken Wangen), erhalten. Von der Höhe wird mitunter bei klei⸗
ieren Anlagen etwas nachgelassen; für Schlosserwerkstätten finden diese Be—
timmungen keine Anwenduͤng. Bei diesen genügt ein russisches Rohr, in
velches jedoch keine anderen Feuerungen geführt werden dürfen. Bei
rößeren Schlosserei-Anlagen greifen jedoch häufig die Bestimmungen für
Zchmiedewerkstätten Platz, weil angenommen wird, daß in jenen ebensoviel
ils in Schmiedewerkstätten geschmiedet wird. und ebenso auoke Feuer als in
ziesen unterhalten werden.
Herrn Maurermeister R. in A. Um ein Pflaster von Mettlacher
Fliesen herstellen zu können, muß zunächst ein Mauersteinpflaster auf der
lachen Seite angefertigt werden, und zwar ist dasselbe in Kalkmörtel oder
ioch besser in verlängertem Cementmörtel zu verlegen. Auf diese Unterlage
ringt man alsdann die Fliesen in steifem Cementmörtel mit möglichst
HYwachen Stoßfugen auf und vergießt diese Fugen mit dünnflüssigem reinem
zement, sodaß sie vollständig geschlossen werden. Der auf die Fliesen über—
jelaufene Cement wird nach dem Tracknen sofort mit Sand wieder abge—
iehen.

Bautechnische Notizen.
Ueber Entstehung und Entwickelung der Zimmer⸗
täfelung. Im Verein fuür deutsches Kunstgewerbe sprach Professor
Julius Lessing über die Entstehung und Entwickelung der Zimmertäfelung,
nndem er an die Neuerwerbungen des Kunstgewerbemuseums, die Zimmer
aus den Schlössern Höllrich und Haldenstein anknüpfte. Die Täfelung
der Zimmer ist eine echt deutsche Eigenthürlichkeit, die auch in der Schweiz
noch festen Boden gefaßt hat. Sie ist zurückzuführen zunächst auf das
Bestreben, die kahlen Wände der eigentlichen Wohnräume weniger störend
ür die Bewohner wirken zu lassen. In der gothischen Zeit begnügte
nan sich mit einer meist sehr einfachen glatten Bekleidung an einander
zesioßener Bretter, die auch in der Decke sich wiederholen. Längs der
Wand liefen Sitzbänke, die auch in das spätere Mittelalter noch mit
vnuber genommen wurden. Im 186. Jahrhundert bereichern sich die
Formen, die Kassettendecke in mannigfacher Art findet Eingang; auch
nit der Wand geht eine bedeutende Aenderung vor. Die Flächen werden
inter dem Einflusse der Renaissance nach den antiken Ordnungen ge—
liedert. Saäulen und Pilaster treten vor die Flächen vor, die im horizontalen
Sinne durch die ehemalige Höhe der Sitzbank, dann etwas über Kopf—
öhe durch ein breites Gesims getrennt werden. Die architektonische
uffasung dieser Wandbekleidungen, die wir in vielen wohlerhaltenen
Beispielen antreffen, beeinflußt sehr wesentlich das Meublement und die
lusstattung der Räume, indem sie unter Anderem die künstlerische Be—
handlung der kleineren Zwischenräume gestattet. Die Streifen zwischen
Sims und der eigentlichen Decke nahmen dabei ebenfalls meist Malereien
der Gobelins ein. Doch ist auch hier die Wiederholung des unteren
Architektursystems und, damit die gänzliche Vertaäfelung der Wand nicht
elten. dx Schloß Höllrich haben wir ein Beispiel der einfachen Wieder—
dolung. In Schloß Haldenstein finden sich oberhalb der Säulen kleine
Pilaster, zwischen denen Landschaften und Ansichten in eingelegter Holz—
arbeit sidtbar sind. Eme gewisse organische Gliederung des Tafelwerkes
ergab sich durch Einfügen der Thüren mit ihrer oft reichen Umrahmung,
»ann der Wandschränke, der Buffets und Lababos, wofür zahlreiche Vo
ailder noch gezählt we den. Den Hauptstoß erhielt die Täfelarbeit durch
die Vorliebe für Gemälde., deren Aufhängaung eine durchweg alatte Mand

. D————

r in Berlin. — Verlag von Julius Engelmann in Berlin. — Druck non H. S. Hermann in Werlin
unter Neranftwaäartlichkeit des Nerleners“
            
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