Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Elektrische Beleuchtung. 
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Elektrische Beleuchtung. 
Für das „Deutsche Baugewerksblatt“ bearbeitet von Ärchitekt P. Ernst. 
»ie Feuergefahr erheblich vermindert. Es standen jedoch 
»ennoch der Einführung des elektrischen Bogenlichts d. h. des 
Lichtes, welches entsteht, wenn ein starker elektrischer Strom zwischen 
wei nur wenig von einander getrennte Kohlenjpitzen übergeht, dem 
ogenannten Volta'schen Flammenbogen — noch sehr bedeutende 
oraktische Hindernisse entgegen: zuvörderst die Kostspieligkeit der 
lektrischen Beleuchtungsanlagen, dann der viel zu komplizirte 
Mechanismus derselben und die dadurch bedingte sehr schwierige 
dandhabung, welche wiederum häufige Störungen und Ungleich— 
mäßigkeiten des Lichts selbst herbeiführten. 
Die Amerikaner thaten sich auf dem Gebiete der praktischen 
Verwendbarkeit des elektrischen Lichtes zu Belenchtungszwecken ganz 
»esonders hervor, und unter ihnen Francis Brush in Clevcland 
nit einem von ihm 1876 erfundenen originellen Apparat für die 
Erzeugung von elektrischem Licht, der mit sinnreicher technischer 
Anordnung große mechanische Einfachheit verband uͤnd doch voll— 
ommen sicher funktionirte, wodurch erreicht wurde, das elek— 
rische Bogenlicht in den größten erforderlichen Quantitäten um 
10 bis 50 pCt. billiger als Gaslicht zu liefern, und der praktisch 
allgemeinen Verbreitung dieser filberklaren reinen Lichtquelle 
vesentliche Dienste geleistet werden konnten. 
(Hierzu 8 Fig.) 
Das Streben der Menschheit nach „mehr Licht“ hat in der 
lektrischen Beleuchtung einen Triumph zu verzeichnen. 
Wer, hätte geglaubt bei Erfindung der Gasbeleuchtung, daß 
noch eine bessere Methode der Beleuchtung in verhältnißmaßig so 
urzer Zeit derselben den Rang streitig maͤchen würde. Wennschon 
ꝛs längst bekannt war, daß durch die Elektrizität ein helles, dem 
Sonnenlicht ähnliches Licht praktisch darstellbar ist. so war die 
Herstellung dieses Lichtes eine kostspielige und kam nicht weit über 
Bersuche hinaus. 
In neuerer Zeit erst ist es unermüdlichen Forschern gelungen, 
die elektrische Beleuchtung auf einen Standpunkt zu bringen, welche 
die Anwendung derselben aller Orts ermöglicht, und diefe in den 
Stand gesetzt wird, den Kampf mit der bis jetzt allein herrschenden 
Basbeleuchtung aufzunehmen, Elektrische Stroͤme zu erzeugen, ist 
»ekanntlich auf verschiedene Weise möglich. Während man durch 
Wärme oder durch Anwendung von galvanischen Elementen er— 
Fiq. 1 
‚eugte Elektrizität nur schwache elektrische Ströme zu entwickeln 
dermag, welche sich praktisch in der Telegraphie oder Telephonie 
perwerthen lassen, bedarf es zur Herstellung von elektrischem Licht 
janz besonders starker elektrischer Ströme. Dem rastlosen Studium 
zer Gelehrten fast aller Nationen gelang es endlich, die Elektrizität 
purch bewegende Kraft zu erzeugen und Maschinen zu konstrutren, 
urch welche die mechanische Ener gie in elektrische umgewandelt 
verden konnte, in die sogenannte elektrische Induktion. 
Die Dampf⸗ oder Wasserkraft kann nicht ohne Weiteres zur 
zlektrischen Beleuchtung verwandt werden, soͤndern es sind dazu 
Maschinen sinnreichster Konstruktion nothwendig. 
Die erste derartige elektromagnetische Maschine baute 1832 
der Franzose Pixii. In, folgenden Jahren wurde eine ganze Reihe 
ihnlicher Maschinen konstruirt. Es gelang jedoch nur in sehr be— 
chränktem Maaße, diese Maschinen zur Erzeugung von elektrischem 
Licht im Großen nutzbar zu machen, bis Dr. Werner Siemens in 
der Mitte der 6Oger Jahre die dynamo-elektrische Maschine erfand, 
deren bewährtes Prinzip darin besteht, daß die zur Induktorwelle 
zenutzte mechanische Arbeitskraft — ohne Änwendung permanenter 
Magnete oder von einer äußeren Elektrizitätsquelle erregter Elektro— 
maqnete — in elektrische Ströme verwaändelt wird. 
Alle anderen elektrischen Lichtmaschinen die bis heute im Ver— 
kehr sind, wurden nach diesem Prinzip gebaut. Miit diesen epoche⸗ 
machenden dynamo⸗elektrischen Maschinen wurden für die prattische 
Anwendung des elektrischen Lichtes große Refultaie erzielt. Man 
ernte die großen Vorzüge des elektrischen Lichtes, dessen Farben— 
öne dem Sonnenlicht am nächsten kommen, schätzen, da es 
auch milde und wohlthuend auf das Auge wirtt, in ge— 
chlossenen Räumeun Leine und kühle Luft erhält, umd 
Dieses „Brush“ elektrische Beleuchtungssystem besteht in: 
Einer Dynamo-Maschine, welche so konstruirt ist, daß fie bei 
iner Umdrehung von 700 Touren in der Minute eine verlangte 
Anzahl von Bogenlichten, jedes von 2000 Normalkerzen nomineller 
Leuchtkraft, die sämmtlich bis zu einer Zahl von 60 Stuͤck in 
zinem einzigen Stromkreise eingeschaltet sind, mit ausreichendem 
ind beständigen Strom versorgt, ebensowohl aber auch ein einziges 
Bogenlicht von 100000 Kerzen Kraft speisen kann. 
Die Bogenlampen sind ohne alles Räderwerk oder Pendel 
auf 8 bis 16 Stunden hintereinander brennend eingerichtet und 
reguliren sich fortwährend selbstthätig, so daß zufällige Störungen 
e das Erlöschen einer Lambe, die anderen aänzlich unbeein— 
ußt läßt. 
Um die Zuführung des elektrischen Stromes in die Leitung 
zu regeln dient ein automatischer Regulator, welcher bewirkt, daß 
die Zuführung des Stromes in die Leitung stets im richtigen 
Berhältniß des Bedarfes der zu verschiedenen Zeiten verschiedenen 
Anzahl von Lampen desselben Stromkreises steht, ohne daß man 
nöthig hat die Geschwindigkeit der Maschine zu verändern. 
Fig. 1 ist eine Dynamo—-elektrische Maschine für Bogen— 
icht, wie sie von Brush konstruirt ist, wie solche in England und 
Amerika seit 4 bis 6 Jahren eingesührt und bisher vhne jede 
Störung gearbeitet hat, dargestellt. Die durch die Maschine er— 
zeugte elektrische Energie ist eine solche, daß der Strom über ein 
einfaches und verhältnißmäßig feines Drähtseil auf meilenweite 
Entfernungen geführt wird und zwar mit geringem Verlust an 
craft. 
Die Ausgabe für Leitungskabel, welche sonst einen nicht un— 
heträchtlichen Theil der Anlagekosten von Bogenlichtbeleuchtungen
	        

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