Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Bautechnische Notizen. — Brief- und Fragekasten. 
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eichterung des städtischen Steuerwesens ist dadurch unmöglich, 
edenfalls auf unabsehbare Zeiten verschoben. Viel vernünftiger 
väre es gewesen, die Ueberschüsse, welche der Stadthaushalt von 
(875 bis 1878 aufwies, in geeigneter Weise für außerordentliche 
Ausgaben zu verwenden. Diese Ueberschüsse betrugen 25 bis 
33 Millionen jährlich, wovon höchstens ein Drittel zeitweilig für 
zie Steuerreform hätte geopfert werden müssen. Ein weiteres 
Drittel hätte für die jährlichen Mehrausgaben genügt, und das 
etzte Drittel wäre hinreichend gewesen, die nothwendigen öffent— 
ichen Arbeiten durchzufiühren. Die Steuerreform würde auch den 
etzigen Nothstand gemildert haben, da sie der Theuerung vorgebeugt 
jaben würde, welche auf der ganzen Bevölkerung lastet und viel 
zazu beiträgt, den Fremdenbesuch zu vermindern., Jedenfalls ist 
Snicht ohne Bedenken, jetzt, wo die Einnahmen im Fallen sind. 
ein riesiges Anleihen aufzunehmen. 
Speyer. Hier fand kürzlich die feierliche Finweihung 
des nen erbauten von Henry Villard gestifteten Diakonissen— 
dauses statt. Der stattliche Bau in gothischem Stile in einer 
bänge von 1550m, Breite von 15 m und Höhe, von 33 m 
rrichtet, bietet Raum für etwa 50 Kranke und 100 Diakonissen. 
der Stifter und seine Gemahlin waren eigens zu der Feier 
»on Berlin gekommen. Derselben wohuten außerdem die geist— 
ichen und weltlichen Behörden der Stadt und des Kreises, sowie 
iahezu hundert Diakonissenschwestern aus allen Theilen Süddeutsch⸗ 
ands und ein zahlreiches Publikum bei. 
Wriezen. Die feierliche Eröffnung und Einweihung 
der hiesigen Synagoge hat am 6. Januar er. hierselbst unter 
ahlreicher Betheiligung von Männern aller Berufsgattungen, der 
Vertreter der städtischen Körperschaften, des Magistrats und der 
Stadtverordneten, welche vollzählig erschienen waren, stattgefunden. 
Aus der Hand des Baumeisters Müller aus Küstrin, nach dessen 
Plänen der Maurer- und Zimmermeister Jarius den Bau aus— 
Jjeführt hatte, empfing der Gemeinde-Aelteste, Marcuse, den 
Schlüssel zur Eingangsthür und dieser übergab denselben dem 
Bürgermeister Dormann. 
Fichen, 453 000 Hektar Birken, Erlen, Aspen und 2043 132 Hektar 
Buchen und sonstiges Laubholz. Von der gesammten, Forstfläche sind 
sach Uebersicht 2; Kron- und Staatsforsten 4505 768 Hektar (32,4 pCt.), 
Stgatsantheilforsten 40 989 Hektar (O,3 pCt.), Gemeindeforsten 2 109 939 
Zektar (162 PEt.), Stiftungsforsten 185 987 Hektar, (1,3 pCt.), Ge⸗ 
sossenschaftsforsten 344 7507 Hektar (2.5pCt.), Privatforsten 6713 171 
Hektar (48,3 v&t.). 
Brief⸗ und Fragekasten. 
Herrn Ingenieur O. in R. Treibarbeit oder Abtreiben heißt die 
üttenmännische Operation, durch welche Silber und Golb von den ihnen 
eigemengten unedlen Metallen mittels Oxydation der letzteren getrennt 
verden. Sie wird angewendet, um Silber aus silberhaltigem Blei abzu— 
cheiden. Diese Treibarbeit wird in Treiböfen, besonderen Flammöfen, mit 
uͤnden, flachschüsselförmigen Treibherden ausgeführt Die durch Aufnahme 
on Sauerstoff — Oxydation — aus dem Blei entstehende Bleiglätte läuft 
zrößtentheils durch eine Rinne ab und, wird zum Theil von der Herdsohle 
iufgesogen, das Silber aber bleibt auf dem Herde zurück. So lange noch 
inter dem Einflusse des Sauerstoffs Oxydation des Bleies stattfindet, muß 
ie neu gebildete Glätte abgekrückt werden. Wird endlich der letzte Rest Blei 
xydirt, so bildet die Glätte nur noch eine dünne, in bunten Farben spielende 
daut; diese zerreißt und ein Klunipen geschmolzenes Silber kommt zum Vor⸗ 
chein; man“ nennt dies den Silberblick und mit seinem Erscheinen ist die 
Irbeit beendet. 
Herrn Zimmermeister Sen. in P. Das von Ihnen vorgeschlagene 
LBerfahren, die Fußbodenlager durch aufgemauerte Pfeiler zu isoliren und 
inter dem Fußboden einen hohlen Raum herzustellen, ist durchaus zweck⸗ 
näßig; wir sind aber der Ansicht, daß Sie nicht nur dafür sorgen müssen, 
aß die warme Zimmerluft mit diesem Raume in Verbindung steht, sondern 
iuch die Außenluft, damit fortwährende Zirkulation stattfindet. Außerdem 
athen wir Ihnen, alle Holztheile mit einem antiseptischen Mittel zu streichen, 
eren es ja eine ziemlich bedeutende Anzahl giebt. 
Herrn Bautechniker C. in G. Wir können Ihnen auf Ihre Anfrage 
eider keine Auskunft geben. 
Herrn Zimmermeister'. in K. Wenn Sie von uns ein Urtheil da— 
über wünschen, wie ein Schiedsspruch der Sachverständigen ausfallen würde, 
ann müssen wir Sie bitten, uns den Vertrag zur Einsicht einzusenden. 
Zelbstverständlich können Sie aber auch dann nicht erwarten, daß unsere 
Ansicht diejenige mit absoluter Sicherheit sein muß, welche die Sachverständi⸗— 
zen später abgeben werden. Wir können wohl eine Ansicht aussprechen oder 
iuch einen Rath ertheilen, aber kein unumstößliches Urtheil abgeben. 
Herrn Maurermeister V. in L. Akanthus oder Bärenklau ist ein in 
Briechenland und Italien häufig wild wachsendes Staudengewächs mit lang 
ind gerade, bis zu 1,60 meaufsteigendem Blüthenstengel, sowie großen, oft 
„50 bis 1,80 melangen und fast 0,63 m breiten, faftigen, vielfach ausgezackten 
ind distelartig gerippten Blättern, deren einzelne Zacken beim Acanthus 
nollis rundlich enden und weich sind, beim Acanthus spinosus in scharfe, 
jarte, stachlige Spitzen ausgehen. Die Form der ersteren dient in der 
tZaukunst zu Drnamentmustern. Der zierliche Bau der Pflanze, die malerische 
Form der dunkelgrünen Blätter veranlaßten deren künstlerische Verwendung 
ei der Ornamentik frühzeitig, z. B. in der Baukunst bei den Kapitälen der 
orinthischen Säule. 
Herrn Maurermeister St. in O. Um den Stuckarbeiten einer Façade 
eim Anstrich mit gewöhnlicher Kalkfarbe dieselbe Farbe dauerhaft zu geben, 
ls den übrigen Theilen der Fagade hat man zunächst die ganze Façade 
nit einem Seifenanstrich zu versehen, wobei auf 1 Eimer Wasser !/, bis 
/2 Pfund Faßseife zu nehmen ist. Danach bringt man einen zweimaligen 
Unstrich von der mit Firniß gemischten Kalkfarbe auf, wobei circa 3/, Pfund 
Firniß auf einen Eimer Farbe genommen werden. Die Stucktheile erhalten 
iuf diese Weise genau dieselbe Farbe, wie die Putzflächen und haftet die Farbe 
uf beiden gleich gut und sicher. 
Herrn Zimmermeister X. in F. Binnen Kurzem werden wir wieder 
einige neuere Maschinen für Holzbearbeitungsfabriken mit Abbildung bringen, 
velche Ihrem Wunsche hoffentlich entsprechen werden 
Herrn Zimmermeister R. in 8t. Die Baugewerkschule zu Berlin wird 
yon der Stadt und dem Staate gemeinschaftlich subventionirt und steht unter 
»em Direktor der Handwerkerschule, Herrn Jeflen. Die Schule bat nur 
Winter⸗Semester. 
Herrn Maurermeister D. in H. Um eisenhaltiges Wasser zu reinigen, 
venden die Brunnenmacher oft folgendes Verfahren an. Es wird zuerst 
eine circa 50 em hohe Kies- und Schotterschicht eingeschüttet, hierauf eine 
etwa 1,0 mm hohe Kalksteinschicht gebracht und hierauf wieder Kies und Sand 
geschüttet. Die Filtration des Wassers soll äuf diese Weise eine durchaus 
jenuͤgende sein. Ein anderes Brunnenfilter wird in der Weise hergestellt, 
»aß man einen hohen Korb, dessen Durchmesser dem des Brunnens entspricht, 
nit Holzkohlen fülit und in den Brunnen versenkt, sodaß das Wasser die 
dohle, welche bekanntlich ein vorzügliches Reinigungsmittel für dasselbe ist, 
passiren müß. Die Holzkohlen muͤssen aber oft erneuert werden. da sie leicht 
erschlammen und dann unwirksam sind. 
Herrn Zimmermeister Seh. in P. Als Mittel gegen den Holzwurm 
vird uns noch angegeben, 1 Theil Karbolsäure gemischt mit 10 Theilen Wasser 
vird mit einem Pinsel in die vom Wurm angefressenen Holztheile hinein— 
zestrichen. Die Mischung muß aber vor dem Gebrauch tüchtig durchgeschüttelt 
verden, damit die mechanische Verbindung zwischen bheiden Flüssiagkeiten eine 
echt innige wird. 
Herrn Maurermeister P. in J. Ein Anstrich, welcher Lehmwände 
jegen Regen schützt, ist folgender. Man überstreicht die Wände zunächst mit 
iner Mischung aus Cement und Lehm; nachdem dieser Anstrich getrocknet, 
viederholt man ihn mit reinem Cement und brinat hierüber einen Anstrich 
ius Kalkfarbe mit Kuhmilch. 
Herrn Bautechniker U. in 8. Wir können Ihnen nicht sagen, welche 
Baugewerksschule die beste ist. Im Großen und Ganzen kann fast jede ge— 
nügende Leistungen aufweisen. Sollten Sie aber einen bestimmten Rath 
Jaben wollen, dann werden wir Ihnen briefliche Antwort zugehen lassen. 
Herrn Zimmermeister L. in . In Berlin ist es polizeiliche Vorschrift, 
aß ein Holzgesims auf 1,0 m Länge, von der RNachbargrenze entfernt, mit 
Zink Nr. 12 vbeschlagen werden muß, um als feuersicher zu gelten. Wir 
zlauben, daß eine solche Ausführung bei Ihnen ebenfalls genügen wird, 
henn keine anuderen hanpalizeilichen Vorschriften hierüber existitken bten 
Bautechnische Notizen. 
Schutz der Steine beim Abbruch eines Dampfschorn⸗ 
teins. Englische Unternehmer haben ein wirksames Verfahren zum 
Schutze der beim Abbruch eines Dampfschornsteins gewonnenen Mauer— 
teine ersonnen. Derselbe war im betreffenden Falle von Gebäuden 
imgeben, welche es unzulässig machten, die Steine an der Außenseite 
serünterzuschaffen. Sie im Innern des Schornsteins mit einer mecha— 
rischen iis herniedergehen zu lassen, war unthunlich, da es an 
Raum hierzu fehlte. Beim Herunterwerfen im Innern würden sie zer⸗ 
rümmert oder doch für die Wiederverwendung ungeeignet geworden sein. 
Es kam deshalb darauf an, in zweckentsprechender Weise die Wirkung 
des freien Falles abzuschwächen. Dies ward erreicht durch die Aufstellung 
ines aus Eisenblech angefertigten Gefäßes mit elastischem Deckel im 
interen Ende des Schornsteins, sowie einer aus Brettern gezimmerten 
Röhre von etwas mehr als Steingröße, welche von der — 
jerab bis auf den Deckel des Blechgefäßes führt. Die Wände der 
Röhre sind möglichst luftdicht hergestellt, indem die Bretterfugen mit 
Bleistreifen gedichtet wurden, während die einzelnen, je 8,80 mlangen 
Rohrtheile durch gußeiserne Muffen mit asphaltirten Fugen unter ein— 
inder verbunden sind. Die Röhre hat einen lichten Querschnitt von 87 
ruf 125 mm, ist also nur wenig groͤßer als die 75 auf 112 mm großen 
Steine. Durch die schmalen Zwischenräume zwischen dem in der Röhre 
jerabfallenden Stein und den Rohrwänden kann die Luft nicht so rasch 
entweichen, daß nicht eine gewisse Zusammenpressung und hierdurch eine 
Abschwächung der Fallgeschwindigkeit stattfände. Außerdem ist der Deckel 
des Blechgefäßes mit einem dicken Guttapercha⸗-Ueberzug versehen und 
im Gelenke drehbar, so daß der aufschlagende Stein den Deckel nieder— 
rückt und ohne nachtheiligen Stoß in das Gefäß fällt. — Durch eine 
uinter dem Deckel befindliche Feder wird die Wirkung des freien Falls 
veiter vermindert und der Deckel in seine Ruhelage zurückgebracht. — 
Die Kosten der Vorrichtung sollen sich durch den Gewinn au erhaltenen 
Mauerfieinen reichlich lohnen. 
Forstbestände des deutschen Reiches. Im Augusthefte 
der vom Kaiserlichen statistischen Amt herausgegebenen Monatshefte 
perden in drei Uebersichten Beiträge zur Forststatistik des deutschen 
Reiches bezw. der einzelnen deutschen iadt und größeren Verwaltunßgs— 
»ezirke veröffentlicht. Die erste dieser Uebersichten weist die Groͤße und 
ie Bestandsarten der Forsten im Jahre 1803 nach, die zweite zeigt die 
Vertheilung der Forsten nach dem Besitzstande, die dritte stellt'die mit 
andwirthschaftlichen Betrieben verbundenen Holzflächen nach Größen— 
klassen dar. Nach Uebersicht1 betrug die gesammte Forsifläche des 
deutschen Reiches 13 8900 611 Hektar oder 25,78 pEt. der Gesammifläche. 
Von der Forstfläche waren 9150357 Hektar oder 668 permit Nadel 
dolz, 4800 054 Hektar oder 845.pPEt. mit Laubholz bestanden. Das mit 
Nadelholz bepflanzte Forstareal enthieit v921 ö Hektar Kiefern 
16 064 Hektar Larchen, 3132 985 Hektar Tannen gnd Fichten; das 
2 30 —*7 
aubholzareal 432 899 Hektar Eichenschälwald, 44351 Hektar Weiden— 
heger, 434 655 sonsfiagen Stockschlag mit Hberbäümen. asig et 
ign 
in Berlin. — Verlag von Julius Engelmann in Berlin. — Druck von 
fUntfer Nerantwerftlichkeit des Nerleders 
ermann in Berlin
	        

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