Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Konkurrenzwesen. — Entscheidungen und Bauprozesse. — Literaturbericht. 
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Hrundstücke an die Straßenkanäle nebst der betreffenden 
Polizeiverordnung in Kraft treten. Die Genehmigung desselben 
durch den Oberpräsidenten ist unterm 5. ds. eingetroffen. Jedes 
hebaute Grundstück, welches an einer Strauße mit Kanalisation 
liegt, ist danach an diese letztere anzuschließen. Es dürfen indeß 
nur Haus- und Wirthschaftswässer, sowie Regenwasser in die 
Kanäle abgeführt werden. Strenge ausgeschlossen sind die Einfuhr 
ou Kehricht, Küchenabfällen, Fäkalien, Schutt und Asche, sowie 
ieuergefährlicher und explosibler Stoffe, oder solcher, die die Wände 
der Kanäle beschädigen. Die Einleitung von Fabrik- und Conden— 
ationswässern unterliegt der besonderen Genehmigung der Behörde. 
Letztere bestimmt auch die Straßen, in welchen die Anschlüsse aus— 
zuführen sind. Die Herstellung des Auschlußrohres bis auf O,25 m 
in die Grenze des Grundstückes geschieht auf Kosten der Stadt. 
Für die Benutzung der öffentlichen Entwässerungsanlagen wird 
eine Gebühr von 20 pCt. des nach der Liegenschaft berechneten 
Wasserpreises erhoben, wobei Gartenflächen nicht berechnet werden. 
Für gewerbliche Betriebe wird die Gebühr von der Stadtverordneten⸗ 
Versammlung festgestellt. 
Köln. In dem vergangenen Jahre 1884 wurden in unserer 
Stadt im Ganzen 517 neue Häuser und Hintergebäude aufgeführt. 
Eine so lebhafte Bauthätigkeit ist in den Annalen der rheinischen 
Metropole nicht wieder zu finden. Wie es den Anschein gewinnt, 
gedenkt man auch in diesem Jahre in größerem Umfange bauen 
zu wollen, denn es laufen nicht nur außerordentlich zahlreiche 
Baugesuche bei der betreffenden Behörde ein, sondern die Nachfrage 
iach Baumaterial, namentlich nach Ziegelsteinen gestaltet sich über— 
rus lebhaft. Da im vergangenen Herbste bis tief in den Winter 
hinein gebaut wurde, ist es erklärlich, daß der Vorrath an Ziegel⸗ 
steinen nicht groß ist, in Folge dessen die Vreise stark in die 
Höhe gehen. 
Sämmtliche Kölner Elementarschul-Gebäude sind soweit als 
hunlich jetzt mit Blitzableitern versehen. Die betreffenden Leitungs⸗ 
)rähte sind an den Gestängen der Telephonleitung angebracht. 
Soeben gelangt im Stadt-Anzeiger der Kölnischen Zeitung eine 
ieue Bau-Polizei-Verordnung für die Stadt Köln vom 14. Januar 
1885 zur Veröoffentlichung. Auf diese mit dem 1. März 1885 in 
kraft tretende Bauordnung gedenken wir demnächst noch näher 
urück zu kommen. 26 
Techniker bestimmt und giebt deshalb durchweg Konstruktionen für 
Titelschriften, welche mit dem Reißzeuge ausgeführt werden können. 
Die künstlichen Schriftarten sind durchaus vermieden, dagegen die 
ieueren Schriftarten, besonders die sogenannten Balkenschriften 
» rücksichtigt worden. Die Konstruktionen sind durchweg derartig, 
aß auch der weniger geübte Techniker im Stande ist, eine schöne 
ind geschmackoolle Schrift mit leichter Mühe herstellen zu können. 
Der Preis des Werkes mit 2,50 We. ist bei der sauberen 
und gediegenen Ausstattung ein durchaus mäßiger zu nennen. 
— 7. 
Architektonische Rundschau. Skizzenblätter aus 
allen Gebieten der Bankunst. Herausgegeben von Ludwig Eisen— 
sohr und Karl Weigle, Architekten in Stuttgart. 1. Jahrgang 
1885. Stuttgart. Verlag von J. Engelhorn. Lieferung 2. Preis 
50 Mk. 
Was wir uns beim Erscheinen der ersten Liefernng dieses 
Werkes von demselben versprachen, hält die uns vorliegende zweite 
Lieferung voll und ganz. Dieselbe enthält: Auf Tafel 9, Umbau 
des Schlosses Kötteritzsch in Sachsen; entworfen und ausgeführt 
»on Arwed Roßbach, Architekt in Leipzig, (Ansicht; Grundriß ꝛc.) 
Auf Tafel 10, Ansicht eines Wohnhauses in Breslau, erbaut von 
Tremer und Wolffenstein, Architekten in Berlin. Auf Tafel 11 
und 12, Ansicht und Grundrisse des Rathhanses in Kaufbeuern 
Bayern), erbaut von Professor Georg Hauberrisser in München. 
Auf Tafel 13, Eckportal des A. W. Faber'schen Geschäftshauses 
in Berlin, Ecke der Friedrich- und Französischen Straße, erbaut 
»on Hans Griesebach, Architekt daselbst. Auf Tafel 14, Wohnhaus 
am Feuerseeplatz in Stuttgart, erbaut von Professor Carl Walter 
daselbst. Auf Tafel 15, Vestibüle, entworfen von Architekt Franz 
Brochier in München. Auf Tafel 16, Gebäude des Cercle de la 
ibrairie in Paris, erbaut von Architekt Charles Garnier, auf—⸗ 
zenommen von Architekt Paul Bouvier daselbst. 
Das Urtheil, welches wir bei Besprechung der 1. Lieferung 
abgaben, können wir nur durchaus aufrecht erhalten und empfehlen 
»eshalb unseren Lesern nochmals die Beschaffung des Werkes auf's 
wvärmste. 
——— ⏑ — 
Ein Beitrag zur Lohn-Reform, unter Zugrunde— 
egung der sozialökonomischen Anfichten von Rodbertus-Jagetzow, 
aufgestellt von H. Peters, Bauinspektor. Tübingen 1884. Verlag 
der H. Laupp'schen Buchhandlung. 
Der Herr Verfasser verwirft die beiden heutigen Systeme 
der Lohnzahlung, das Tagelohnsystem und das Akkordsystem, weil 
ie gerechten Anforderungen nicht entsprächen. Am Schlusse seiner 
— und Vorschläge kommt derselbe zu folgenden Re— 
ultaten: 
Es würde der Arbeitslohn unter Zugrundelegung seiner 
Werthberechnung und Bescheinigung nach den zwischen Arbeitgebern 
und Arbeitnehmern vereinbarten und staatlich sanktionirten mitt⸗ 
leren Zeitkosten der Arbeit künftig nicht mehr auf jenen Punkt, 
den man mit dem zur dortpflanzung der Arbeiter nothwendigen 
Unterhalt bezeichnet hat, herabgedrängt werden können. Alles, 
venigstens seitens des Staates wirthschaftende Kapital würde 
'ortan doch einen mittleren Arbeitslohn abwerfen und damit den— 
elben gegenüber der steigenden Produktivität der Arbeit zu einer 
inigermaßen mitsteigenden Kaufkraft erheben. Die Haupterrungen— 
chaft seines Systems erblickt der Verfasser darin, daß der Arbeiter⸗ 
tand von der Zeit eines in der dargelegten Weise geregelten Lohn— 
ystems an, ob er sich gleich auch fortan noch in einer gewissen 
Beschränkung befinden würde, sich gleichwohl einer sozialen Freiheit 
vürde rühmen können, wie er sie vorher nicht genossen hätte, 
vährend die heute unter dem Kraftausnützungssystem des Mindest- 
gebotverfahrens ihm zugestandene Freiheit eine mit einem Etwas 
maskirte Freiheit ist, dem es in der That gelungen ist, der Knute 
den Rang streitig zu machen. Schließlich meint der Herr Ver— 
'asser, es würde durch die Einführung des von ihm geschilderten 
Lohnsystems das Resultat gewonnen sein, daß die heute alle Welt 
beunruhigenden Kämpfe zwischen den Arbeitgebern und den Arbeit⸗ 
nehmern, wo nicht ganz aufhören, so doch gewiß zu den seltenen 
Erscheinungen gehören würden, während in Ansehnung der heu— 
tigen Verhältnisse das Wachsen dieser Kämpfe gar nicht abzusehen 
ist, da die Grundlage, auf welcher der Frieden geschlossen, in der 
That untauglich ist, demselben einen längeren Bestand zu sichern. 
Wenn wir die Hoffnungen des Herrn Verfassers auch nicht 
gjanz theilen, so meinen wir doch, bei der Wichtigkeit der Frage, 
zu einem Studium der in dem Werkchen gemachten Vorschläge 
inregen zu sollen, zumal der Preis desselben mit 1,20 Wek. ein 
ehr geringer ist. r 
Konkurrenzwesen. 
Berlin. In der Konkurrenz für die Bebauung der 
Kaiser Wilhelm-Straße zwischen Burgstraße und Heiligegeist— 
traße hat das Preisgericht mit Einstimmigkeit folgende Beschlüsse 
jefaßt: Der erste Preis von 4000 M. wurde dem Entwurfe der Archi⸗ 
ekten Cremer und Wolffenstein in Berlin, ein zweiter Preis 
pon 2000 Mi. dem Entwurf der Architekten von Holst und Zaar 
ind ein ebensolcher Preis dem Entwurf des Lehrers an der 
Königlichen Kunstschule Hermann Guth in Berlin zuerkannt. 
Zum Ankauf wurden ferner vom Preisgericht die Entwürfe der 
Ärchitekten Erdmann und Spindler in Berlin, Endell und Kern 
in Breslau, Adolph Borchard in Berlin und Edgar Giesenberg 
n Berlin empfohlen. Sämmtliche eingegangenen Entwürfe werden 
dis einschl. 11 Februar, in den Stunden von 1123 Uhr, im 
Ahrsaale und zwei anstoßenden Sälen der Könialichen Kunstakademie 
zffentlich ausgestellt sein. 
Entscheidungen und Bauprozesse. 
Unsern Lesern diene folgender Vorfall zur Warnung: Die 
Schärfe des neuen Dynamit-Gesetzes lernte dieser Tage 
ein Bauunternehmer aus Iserlohn kennen. Demselben war eine 
zewisse Menge Dynamit, das er bei Ausführung einer Bahnstrecke 
henutzen wollte und vorläufig in einer Kiste vergraben hatte, ge— 
tohlen worden. Er brachte den Diebstahl zur Anzeige, wobei sich 
herausstellte, daß er seinerseits mangels Kenntniß der gesetzlichen 
Bestimmungen die vorgeschriebene Anzeige vom Besitz des ver— 
derblichen Sprengstoffes unterlassen hatte. Die Strafkammer 
erurtheilte den deshalb Angeklaagten zu 3Z Monaten Gefängniß. 
Literaturbericht. 
— Moderne Titelschriften für Techniker und technische 
Schulen mit Reißzeugkonstruktionen und Text von J. Steidinger, 
dehges. Zweite Auflage. Verlag von Orell, Füßli u. Co. 
in Zürich. 
Das vorliegende Werk ist hauptsächlich zum Gebrauche für
	        

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