Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

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Bau⸗Polizei⸗-Ordnung für den Stadtkreis Berlin. 
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Werkes hat die Verlagshandlung eine neue Subfkription auf die 
z übrigen Bände desselben erdifnet, welche, wir unseren Lesern, 
unter Bezugnahme auf unser früher abgegebenes Urtheil, hiermit 
ruf's wärmste empfehlen können. — en — 
Architektonische Rundschau. Skizzenblätter aus 
aAlen Gebieten der Baukunst. Herausgegeben von Ludwig Eisen— 
sohr und Karl Weigle, Architekten in Stuttgart. J. Jahrgang 
1885. 3. Heft. Stuttgart, Verlag von J. Engelhorn. Vreis 
50 Mk. 
Die vorliegende 3. Lieferung dieses von uns bereits mehrfach 
„esprochenen vorzüglichen Werkes euthält auf Tafel 17 „Die Aula 
es k. Polytechnikums in Dresden“, erbaut von Baurath Prof. 
R. Heyn daselbst: auf Tafel 18 „Umbau des Schlosses Kötteritzsch 
n Sachsen, Hoffaçade“, entworsen und ausgeführt von Arwed 
Roßbach, Architekt in Leipzig, (Grundriß in der Textbeilage); auf 
Tafel 19, Wohnhaus in der Glückstratze in München“, erbant 
„on Professor Georg Hauberrisser daselbst, auf Tafel 20 „Thor—⸗ 
veg der Restauration Siechen in Berlin“, entworfen von Regie— 
ungsbaumeister A. Wegener, ausgeführt, vou Dregerhoff und 
Schinidt daselbst; auf Tafel 21,Villa Billroth in St. Gilgen im 
Salzkammergut“, erbaut von, Architekt L. Theyer, k. k. Direktor 
in Bozen; auf Tafel 22 „Umbau einer Synagoge in Posen“, ent— 
vorfen von Cremer und Wolffenstein, Architekten in Berlin; auf 
Tafel 23 „Villa Beringer in Stuttgart“, erbaut von Eisenlohr 
ind Weigle, Architekten daselbst; auf Tafel 24 „Schloß Avenches 
in der Schweiz“ (Kanton Waadt), aufgenommen und mitgetheilt 
on Architekt A. Lambert in Stuttaart. 
erscheint, find, auch wenn die Einleitung von Rauchröhren zunächst nicht 
beabsichtigt wird, den vorstehenden Bestimmungen entsprechend auszuführen. 
8 19. Konstruktion und Material. 
Gebäude find in allen Theilen in sicherer Konstruktion und in 
zutem, zweckentsprechenden Materiale auszuführen. In Bezug auf die 
Zeschaffenheit und zulässige Beanspruchung der bei Ausführung von 
Zauten zur Verwendung kommenden Materialien, sowie hinsichtlich der 
Belastung des Baugrundes und bezüglich aller bei der Ausführung sonst 
soch zu beachtenden konstruktiven Anordnungen wird, soweit erforderlich, 
as Näbhere bestimmt werden. 
8 20. Behälter für Abfall und Asche. 
Behälter zu vorläufiger Unterbringung wirthschaftlicher und, ge— 
verblicher Abgänge und Abfallstoffe sind nach unten und nach den Seiten 
sin undurchlässig herzustellen, nach oben hin dicht und fest zu überdecken. 
lichbehälter müssen feuerfest hergestellt und überdeckt werden. 
821. Abwässerung. 
Das Tagewasser und die flüssigen Wirthschaftsabgänge sind von 
»ebauten Grundstücken durch Röhren mit undurchlässigen Wandungen 
»der durch Rinnen in Kanäle oder Straßenrinnsteine zu leiten. Doch 
ind die Wirthschaftsabgänge auf Grundstücken, welche noch nicht an die 
illgemeine städtische Kanalisation angeschlossen sind, zuvörderst durch einen 
nit engvergitterter Ausflußöffnung und mit Wasservperschluß versehenen 
indurchlässigen Schlammfang zu leiten. 
822. Bedürfnißanstalten. 
Die Exkremente sind durch Röhren der allgemeinen städtischen 
Kanalisation abzufuͤhren oder in beweglichen Behältern zur Abfuhr zu 
ammeln. Bei Tonnenabtritten muß der Tonnenstand dicht umschlossen 
ein und einen undurchlässigen glatten Fußboden haben. 
823. Ställe. 
In Ställen muß der Fußboden undurchlässig bekleidet sein. Zur 
NAufnahme der Stallabgänge müssen sich ausreichende Abfallbehälter 
vergl. 8 20) in zweckentsprechender Nähe befinden. Nach öffentlichen 
Straßen hin dürfen Ställe keine Oeffnungen 88 
824. Wasserbedarf. 
Auf jedem bebauten Grundstücke, welches nicht Anschluß an die 
städtische Wasserleitung hat, soll eine eigene Wasserleitung oder ein Brunnen 
bestehen, der iederzeit reichliches, auch zum Genusse geeignetes Wasser darbietet. 
825. Zu⸗ und Ableitungsröhren. 
Alle Zuleitungs- ünd Ableitungsröhren in und an Gebäuden sind 
indurchläsfig und feuerfest herzustellen. Sofern sie zur, Ableitung un— 
reiner Stoffe benutzt werden, müssen sie mit einem bis über das Dach 
u führenden Dunstrohre versehen, werden. Die besonderen Erfordernisse 
d Kanalisationse, Wasser- und Gasleitunasröhren find anderweit feßt— 
Bau Polizei⸗Ordnung für den Stadtkreis 
Berlin. 
Schluß.) 
8 18. Schornsteine. 
Schornsteine sind durchweg feuerfest herzustellen. Sie müssen von 
Krund auf fuündamentirt sein und auf feuerfesten Konstruktionen ruhen. 
Jeder Schornstein ist in einem sich gleich bleibenden rechtwinkligen oder 
reisrunden Querschnitt von mindestens 200 Jem im Lichten bis min— 
destens 30em über Dach zu führen. Besteigbare Schornsteine müssen 
inen rechteckigen Querschnitt von mindestens 42 zu 47 cm Weite auf⸗ 
peisen. Bei Frößeren Abmessungen ist die Anbringung von Steigeisen 
ierläßlich. Eine andere als senkrechte Richtung darf den Schornsteinen 
iur gegeben werden, soweit sie ringsum zwischen massiven Wänden be— 
egen sind, oder wenn sie durch gemauerte Bögen oder eiserne Träger 
on entsprechender Stärke unterstuützt werden. Gemauerte Schornsteine 
nüssen eine Wangenstärke von mindestens 12 cm, an Nachbargrenzen 
ine solche von mindestens 25 cm erhalten. Für Schornsteine von Cen— 
ralheizungen oder andere große Feucrungsanlagen können stärkere Wan— 
jen vorgeschrieben werden. Für unmittelbar bei einander stehende 
Schornsteine genügt eine gemeinsame Scheidewange der vorgeschriebenen 
Stärke. Die Schornsteine sind auf den Außenseiten zu putzen auf den 
Innenseiten glatt zu fugen, Von Balkenlagen und sonstigem Holzwerke 
nüssen ihre Vniled falls die Wangenstärke unter 25 em beträgt, 
iberall mindestens 10 cm entfernt gehalten, oder durch doppelte, in Ver— 
»and gelegte Dachsteinschichten getrennt werden. Nicht gemauerte Schorn⸗— 
teine sind entweder mit Mauerwerk zu umgeben, für dessen Stärke und 
ẽntfernung vom Holzwerke dann die gleichen Bestimmungen wie für ge— 
nauerte Schornsteine gelten, oder aber unter Freihaltung eines Luft— 
aumes von überall mindestens 10 cm feuerfest zu ummanteln. Frei— 
tehende Schornsteine außerhalb von Gebäuden, sowie Aufsatzröhren zur 
Erhöhung von Schornsteinen bedürfen einer Ummauerung oder Umman— 
elung nicht; auch kann von einer solchen bei Schornsteinen in nicht 
euergefährlichen gewerblichen Betriebestätten, deren Decke gleichzeitig das 
Dach des Gebäudes bildet, unter Voraussetzung gehöriger Isolirung von 
illem Holzwerke der Decke, ausnahmsweise abgesehen werden. Alle Schorn— 
teine sind so einzurichten, daß sie in ganzer Ausdehnung bestiegen, oder 
aber von außen her in allen Theilen ordnungsmäßig reingehalten werden 
önnen. Unbesteigbare Schornsteine müssen behufs ihrer Reinigung 
außer unten und oben auch bei Richtungsveränderungen, sofern die 
Reigung gegen die Horizontale weniger als 60 Grad beträgt, hinläng— 
ich große Oeffnungen erhalten. Alle seitlichen Einsteige- und Reini— 
zungsöffnungen sind mit eisernen, in Falze schlagenden Thüren dicht zu 
werschließen. Aufsätze irgendwelcher Art sind auf Schornsteinen nur zu⸗ 
ässig, Joweit sie die ordnungsmäßige Reinigung nicht behindern. In 
einem Schornsteine von 250 Jem lichtem Querschnitte dürfen höchstens 
drei Rauchröhren gewöhnlicher Zimmeröfen einmünden. Jede hinzu— 
retende Rauchröhre dieser Art bedingt eine um 80 em größere Ab— 
messung des Querschnittes. Münden Rauchröhren aus Feuerstätten von 
erheblichem Umfange ein, so bleiben weitergehende Anforderungen vor— 
»ehalten. Die Schornsteine sind so anzulegen und derartig zu benutzen, 
ahin den Gebäuden und in deren Umgebung Gefahren und erhebüche 
Belaͤstigungen durch Rauch, Ruß und Funken nicht hervorgerufen werden. 
In Hüchen mit geschlossener Feuerung und engen Schornsteinen ijst ein 
»esonderes Rohr zum Abzuge der Wasserdämpfe einzurichten. Mauerkanäle 
ind Röhren, deren künftige Verwendung als Shpornueine nicht ausgeschlossen 
Titel I. 
Polizeiliche Rontrole bei Bauten. 
8 26. Baupolizeiliche Genehmigung. 
Einer baupolizeilichen Genehmigung bedarf es: a. zu allen neuen, 
». zu Umbauten und Reparaturbauten, sofern dabei die Herstellung oder 
Veränderung von massiven oder Fachwerkswänden, Decken, Eisenkonstruk— 
ionen, vortretenden Bautheilen, Treppen, Licht-, Lüftungs- und Aufzugs— 
chachten, Feuerstätten oder Schornsteinen stattfindet; c. zu Veränderungen 
»der Reparaturen aller Gebäudetheile, deren Beschaffenbheit den Bestimmungen 
ieser Bauordnuna nicht entspricht. 
827. Bauvorlagen. 
Bei Nachsuchung der baupolizeilichen Genehmigung (vergl. 8 26) 
st a. ein Bauplan vorzulegen, welcher unter Darstellung der Grundrisse 
ämmtlicher Geschosse, sowie der erforderlichen Querschnitte und einer 
nficht der Straßenfront, Konstruktion und Abmessungen des beabsfichtigten 
Zaues im Ganzen, sowie in seinen Theilen und die Art und Stärke des 
u verwendenden Materiales genau erkennen läßt und außerdem auch 
»estimmt über die beabsichtigte Benutzungsart der Räume Auskunft giebt. 
Jduch muß jedesmal die Höhenlage des Feplauten Baues gegenüber der 
Straßendammkrone und der Oberkante des Bürgersteiges ersichtlich gemacht 
ein. Soweit es zur baupolizeilichen Prüfung erforderlich, ist der Bau— 
lan in seinen einzelnen Theilen durch Detailbezeichnungen zu erläutern 
ind die Tragfähigkeit der Konstruktionen rechnungsmäßig nachzuweisen. 
Baupläne sind in der Regel im Maßstabe von 175 100, Detailpläne im 
MNaßstabe von 1: 20 zu fertigen. Bei Errichtung neuer Gebaͤude und 
ei Um- und Reparaturbauten, welche eine Durchbrechung oder wesentliche 
Veränderung äußerer, Umfassungswände bedingen, sowie auf Erfordern 
uch in ie Fällen, ist außerdem b. ein Situationsplan vorzulegen, 
velcher — der Regel nach im Maßstabe von mindestens 1: 500 —. die 
'age des betreffenden Grundstücks zu öffentlichen Straßen und Nachbar- 
rxuͤr dstücken unter Einzeichnung der festgesetzten Bauflucht, sowie die 
entfernung des eane von anderen Gebäuden auf dem— 
elben Grundstücke, von Straßen und von Nachbargrenzen genau erkennen 
äßt und auf WVerlangen durch einen vereideten —A beglaubigt 
verden muß. Das Grundstück, auf welchem gebaut werden soll, muß 
tets nach Straßen-, Grundbuch- und Grundsteuerkataster-Nummer bezeichnet 
verden. Stehen Neu- oder Erweiterungsbauten in Frage, so ist bei 
kinreichung der Bauvorlagen auch darzuthun, auf welchem Wege die 
Abwässerung stattfinden soll. Alle Pläne sind in einer die Uebersicht 
rleichternden Weise zu koloriren. Sämmtliche Bauvorlagen sind von 
»em Bauherrn und dem leitenden Bauunternehmer zu ee Weitere 
PRorschrifien wegen Boöoschaffenheit der Bauporlagen, der Zahl der vorzu—⸗
	        

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