Full text : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 45, Bd. 4, 1885)

Tarl Schwatlo.“* — Zur Lehrlingsfrage. — Gemeindehaus in Rurescevi in Rumänien.

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Carl Schwatlo F.
Mit tiefem Bedauern werden unsere Leser von dem früh
zeitigen Hinscheiden Carl Schwatlo's Kenntniß genommen haben,
ppeziell unsere älteren Leser aus den Jahren 1879-1881, in
welchem Zeitraum der verewigte Meister die Chefredaktion unseres
Blattes mit der ihm eigenen Hingebung und Tüchtigkeit leitete.
Er starb am 24. Dezember c. 9u/ Uhr Abends nach unsäglich
schweren Leiden.
Ueber seinen Lebensgang werden folgende Mittheilungen von
Interesse sein:
Am 19. Juni 1831 zu Hermsdorf in Ostpreußen geboren,
verlor Schwatlo im zartesten Kindesalter seinen Vater', einen
evangelischen Geistlichen, und wurde von der Mutter in Königsberg
erzogen. Nachdem er das GEymnasium besucht hatte, entschloß er
sich zum Studium des Baufachs, bestand in seiner Heimath die
Feldmesserprüfung und studirte alsdann in Berlin. Als Bauführer
wirkte er namentlich unter der Leitung des verewigten Hitzig, und
im Jahre 1857 absolvirte er das Baumeisterexamen. Seinem inner—
sten Wesen gemäß nach Selbstständigkeit strebend, schloß er sich in
hingebender Begeisterung der strengeren Schinkel'schen Richtung an,
die er seit seiner Studienzeit mit Energie als Lehrer wie als
Künstler vertreten hat. Im Geiste des von ihm hochverehrten
Bötticher suchte er die Aufgabe der Baukunst nicht in der willkür—
lichen Anwendung schöner Formen, sondern in der dem baulichen
Zweck entsprechenden Konstruktion, die im Aeußeren zur Erscheinung
kommen soll. Früh begann er seine lehrende Thätigkeit an der
Bau- und Gewerbeagkademie, zuerst als Assistent, dann als Lehrer,
zületzt als Professor der technischen Hochschule. Unter seinen
Schriften haben die in mehreren Auflagen erschienenen Werke über
Bauanschläge und den inneren Ausbau weiteste Verbreitung ge—
funden. Mehrere Jahre war er als Baubeamter des General—
postamts thätig; aus dieser Zeit rühren u. a. das Gebäude in
der Leipziger Straße und das Posthaus in Bremen her. Von
sonstigen Monumentalbauten verdient das Ständehaus in Königs—
berg erwähnt zu werden. Zahlreicher sind die größeren Geschästs—
häuser in Berlin, die ihm ihre Entstehung verdanken, wie das
Simon'sche in der Klosterstraße, das von Heese und Cohn in der
Leipziger Straße, der Florabazar in der Jerusalemer Straße
. v. a. In der Fülle der Kraft wurde Schwatlo vor einigen
Jahren von einem Herzleiden befallen, das jeine vielseitige, auch
uͤber die Grenzen des Berufes hinausgehende Thätigkeit hemmte
und die Ursache seines Todes werden sollte. Mannhaft wehrte er
sich gegen die Krankheit; aber seinen zahlreichen Freunden war es
kein Geheimniß, daß ihm ein längeres Leben nicht mehr beschieden
war. Unter der sorgsamen Pflege seiner Gattin, mit der er vor
wenigen Jahren die Silberhochzeit gefeiert hatte, hauchte er am
Weihnachtsabend seine Seele aus. Vier Söhne trauern um den
Verlust des treuesten Vaters. Am 27. Dezember 3 Uhr fand
im Gebäude der technischen Hochschule zu Charlottenburg die Leichen—
feier statt und wurde dann der Entschlafene auf dem Charlotten—
zurger Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.
Friede seiner Asche!

nein wichtige Frage ihrer Lösung entgegenführen, daß dann die
Sympathien des Handwerkerstandes für diese Vereine mehr und
mehr wachsen werden.
In vielen Gewerbevereinen ist das Lehrlingswesen bereits
eingehend zur Sprache gebracht worden und die Nothwendigkeit
einer Reform desselben auch vielfach nachgewiesen worden. Alle
diese Bestrebungen haben aber bis jetzt keinen bedeutenden prak—
ischen Werth gehabt und keinen nennenswerthen Einfluß auf das
hraktische Geschäftsleben ausgeübt; wenigstens sind die Erfolge nur
ails ganz bescheidene zu bezeichnen. Eine Errungenschaft ist aber
doch schon gemacht worden. Dieselbe besteht in der großen Po—
pularität, welche sich die Ausstellungen von Lehrlingsarbeiten seit
er kurzen Zeit ihres Bestehens bereits zu erfreuen haben. In
»ereinzelten Fällen sind auch Lehrlingsprüfungen vorgenommen
vorden, jedoch nicht in dem Maße und Umfange, wie es im
Interesse der Sache wünschenswerth wäre. In den Le hrlings—
zrüfungen ist aber hauptsächlich ein Punkt zu finden, welcher zur
debung des Lehrlingswesens in den Gewerbevereinen und damit
zjur Hebung dieser selbst wesentlich beitragen kann.
Jeder Mensch, aber besonders der in jugendlichem Alter
tehende, fühlt sich gehoben, wenn ihm für seine Anstrengungen
und für sein Bemuühen, etwas Tüchtiges zu lernen, die Aner—
ennung nicht fehlt. Es sollte daher dem Lehrling der Sporn der
jffentlich ausgesprochenen Befriedigung zu Theil werden, wie es
a auch die Prämiirung bei den Ausstellungen der Lehrlings—
irbeiten bezweckt, nur daß hier noch das Moment der besseren
und schlechteren Leistungen hinzukommt.
Wir meinen, daß der Lehrling also nach beendeter Lehrzeit in
einer Prüfung über die von ihm erworbenen Kenntnisse und Fertig—
eiten und in einer praktischen Arbeit über seine Geschicklichkeit sich
usweisen und auf Grund dieser Prüfung eine Urkunde ausgestellt
erhalten soll, welche ihn im Namen des Gewerbevereins für ge—
eignet erklärt, in den Stand der Gesellen oder Gehülfen aufge—
iommen zu werden. Dieses Rechenschaftgeben in Gegenwart der
Ptitglieder des Gewerbevereins ist gewiß geeignet, sowohl Lehr—
jerren als Lehrlinge zur Aufbietung ihrer ganzen Kraft anzu—
pornen.
Es ist freilich unmöglich, alle Handwerker zum Beitritt in
die Gewerbevereine zu zwingen, jedoch glauben wir annnehmen zu
dürfen, daß, wenn ein Gewerbeverein erst gezeigt hat, wie seine
Bestrebungen für die Hebung des Lehrlingswesens von Erfolg ge—
rönt sind, auch sehr bald die wirklich tüchtigen Gewerbetreibenden
— DD
Eltern und Vormünder leichter entschließen, ihre Kinder und
Mündel solchen Handwerkern anzuvertrauen, welche öffentlich ge—
eigt haben, daß sie das Bestreben besitzen, ihre Lehrlinge zu wirk—
ich brauchbaren Gehülfen auszubilden. Diese Prüfungen werden
auch nur dann einen praktischen Werth erhalten, wenn sie nicht in
einzelnen Gewerbevereinen eingeführt werden, sondern mindestens
einheitlich innerhalb eines Staates oder einer Provinz, wobei
elbstredend der Eintritt in die Gewerbevereine von dem vollständig
reien Willen der Gewerbetreibenden abhängen muß.
Eine derartige Einrichtung würde zweifellos den Gewerbe—
hereinen ein dankbares Arbeitsgebiet eröffnen und dadurch das
Interesse ihrer Mitglieder für die Gewerbevereine heben und in
wenigen Jahren würden die Früchte ihrer Thätigkeit zu Tage
reten. Die Gewerbevereine würden dann durch gut geleitete
Bildungsanstalten und die Aussicht, einen Knaben durch die Mit—
zlieder desselben vollkommen tüchtig und harmonisch ausgebildet zu
erhalten, das Interesse am Handwerkerstande wieder beleben und
demselben in Zukunft bessere Elemente zuführen, als es bisher
sjäufig der Fall war.
Wir haben durch unsere Ausführungen einmal dazu anregen
wollen, der Lehrlingsfrage näher zu treten, und in zweiter Linie
die Gewerbevereine anspornen wollen, die Frage einer eingehenden
Prüfung zu unterziehen. Wir sind durchaus nicht der Ansicht,
»aß wir mit unserem Vorschlage auch sofort das Richtige getroffen
saben, aber einer Prüfung ist derselbe jedenfalls werth. —r.

Zur Lehrlingsfrage.
Es ist schon häufig die Frage aufgeworfen worden, woher es
komme, daß die Gewerbevereine, mit wenigen Ausnahmen, nicht
in dem wünschenswerthen Maaße gedeihen wollen, trotzdem die
leitenden Persönlichkeiten häufig die größte Mühe aufwenden und
die Staatsregierungen diese Vereine so außerordentlich unterstützen,
wenigstens in einzelnen deutschen Staaten. Unwillkürlich fragt
man sich, ob die Gewerbetreibenden überhaupt kein Bedürfniß für
Standesvertretung haben, oder ob das vorhandene Bedürfniß nicht
in der richtigen Weise durch die Gewerbevereine befriedigt wird?
Es dürfte schwer sein, über die letztere Frage eine absolute
Antwort zu geben, dagegen ist es Thatsache, daß eine Reihe theils
direkter, theils indirekter Hindernisse vorhanden sind, welche der
Entwickelung des Gewerbevereinswesens hemmend im Wege stehen,
und daß man nach Mitteln und Wegen suchen muß, durch welche
die Gewerbetreibenden mehr als bisher für die Sache der Ge—
werbevereine interessirt werden können. Unzweifelhaft liegt ein
solches Mittel in der Anregung zur Beseitigung herrschender Uebel—
stände in unserem Gewerbeleben überhaupt und in der Behandlung
praktischer und zeitgemäßer Fragen in den Versammlungen der
Gewerbevereine.
Eiine solche zeitgemäße und praktische Frage ist jedenfalls die—
enige, welche sich mit der Ausbildung der Lehrlinge in Werkstatt
und Schule beschäftigt, und es ist bestimmt zu erwarten, wenn
die Gewerbevereine diese Angelegenheit energisch und iu richtiger
Weise in die Hand nehmen und die für das Handwerk so unge—

Gemeindehaus in Rurescevi in Rumänien.
(Hierzu 2 Figuren.)
Es ist allbekannt, daß auch bei uns noch sehr oft die Monumental—
zauten kleinerer Städte durch ganz unberufene Leute zur Ausführung
gelangen, und so manches mißglückte Rathhaus und manche verpfuschte
Kirche geben Zeugniß von der Unfähigkeit ihrer Erbauer. — Um
o mehr ist es als ein Verdienst zu betrachten, wenn die Väter
einer kleinen Stadt in Rumänien, einem Lande, das noch in jeder
Beziehung eine geringe Eutwicklung aufweist, genug Intelligenz
hesitzen, zur Erlangung von Plänen für ein nothwendig gewordenes
teues Gemeindehaus den Weg der Concurrenz zu betreten, wie
            
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