Das Patent Monier in seiner Anwendung auf das Bauwesen. IV
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Das Patent Monier in seiner Anwendung auf das Bauwesen. IV.
Mit Abbildungen.)
In unserem vorigen Artikel wiesen wir nach, daß die Decken Pilzkeime in die Fugen und das Füllmaterial gelangen, welche
iach Monier'scher Bauweise allen anderen massiven und feuerz — abgesehen von den in letzterem vielleicht schon vorhandenen
icheren Deckenkonstruktionen in Bezug auf Billigkeit weit über⸗ — unter günstigen äußeren Umständen ihre verderbliche Wirkung
egen sind. Wie wir gleichzeitig bemerkten, sind allerdings die äußern können. J
Kosten einer gewöhnlichen Holzbalkendecke mit Staakung und Für die Verbreitung des Ungeziefers bilden Decke und
Jußbodenbelag noch geringer. Allen Deckenbildungen aber mit dußboden bisheriger Art gleichfalls eine sehr geeignete Stelle.
Verwendung von Holz zwischen und auf Füllmaterialien, die dem Die Entstehung anderer Schäden durch gelegentliches Eindringen
Hausschwamim und anderen Krankheitserregern zur gedeihlichen von Feuchtigkeit in und durch die Decke, sowie die dadurch ein—
ẽentwicklung ein nahrungsreiches Feld liefern, wird von Aerzten kretende Begünstigung von Fäulniß und Schwammbildung
ind Technikern immer groͤßere Abneigung entgegengebracht, seit der draucht hier nur angedeutet zu werden.
Privatdozent für experimentelle Hygiene, Herr Dr. R. Emmerich Es scheint daher bei der immer größer werdenden Bedeutung
n Leipzig, in der „Zeitschrift für Biologie“, Band 13, Heft 2 des Eisens im Bauwesen an der Zeit, die Holzbalken und-decken
ind im Anschluß daran die „Deutsche Banzeitung“ im Jahr- sus öffentlichen Gebäuden, Versammlungsräumen,
jang 1883 auf diesen Punkt der Haushygiene aufmerksam ge- mehrftöckigen Privatgebäuden, namentlich auch aus
nacht haben. In dem letzteren Fachblatt (Jahrgang 18868, Arbeits- und Fabrikräumen, zu verbannen. Leider ist
Seite 3—6) erörtert ferner Herr Architekt W. Wagner die ür bestehende Gebäude in absehbarer Jeit keine Aussicht zu
l)r. Recknagel'schen Untersuchungen über die Bewegung der Luft »iner Aenderung vorhanden, allein für Neubauten sollten selbst
in Wohnräumen und die Durchlässigkeit ihrer Mauern und vei den gedachten Privatgebäuden die Eisenbalken-Oecken vor—
Decken. Er weist darauf hin, daß der stärkste, nach auswärts eschrieben werden.
gerichtete Druck durch die Decke hinaus stattfindet und daß die In gesundheitlicher Beziehung stehen nun, von dem Gesichts—
zrößere Sterblichkeit der Bewohner von Kellern, Erdgeschossen »unkte der Luftdurchlässigkeit und vollkommensten Sauberkeit
ind bohen Obergeschossen gegen diejenigen der mittleren Stock- »etrachtet, weder gewölbte Decken aus porigen Ziegeln, noch die
verke theilweise veranlaßt wird durch die Durchlässigkeit der Fußs Wellblechdecken mit unvermeidlichen Fugen und durchlässiger Gips—
öden gegen Grundluft und die Ausdünstungen der unteren dder Kalkmörtel-Verkleidung in gleicher Reihe mit den Beton—
Stockwerke. Auch im ‚Centralblatt der Bauverwaltung“ vom decken oder gar den Monier'schen Cement-Eisen-Fußböden, die
3. April 1886 bespricht Herr Bauinspektor Haesecke die Nachtheile, — am billigsten in einer einzigen zusammenhängen—
velche die bisher am meisten übliche Deckenkonstruktion aus Helz den Fläche an Ort und Stelle gefertigt — für Luft
ind Staakung in gesundheitlicher Beziehung mit sich brinat. Es 'ast undurchdringhich sind und vom Reinigungswasser
seißt dort unter Anderem: nuch nicht das Mindeste auf lange ansaugen oder gar
„Einen der schwächsten Punkte bei unseren Hochbauten bildet durchlafsen. —
ffenbar das Holzgebälk mit dem Einschub aus mangelhaftem Es sollen nun zunächst noch diejenigen Eigenschaften des
hbolzmaterial, der aus Bauschutt, Sand oder Koaksasche bestehen- Fementes hier behandelt werden, die mit der künstlerischen Aus—
»en Ausfüllung und dem gewöhnlichen Holzfußboden mit den bildung des Baues in Widerstreit zu gerathen scheinen. Es ist
imausbleiblichen kleineren oder größeren Fugen. Daß bei den also zu eroͤrtern die Tauglichkeit bezw. Untauglichkeit des Cementes:
onstigen Fortschriten im Bauwesen und dem Streben, die J für die nackte Verwendung in änßeren Ansichtsflächen.
einzelnen Bautheile in Material und Arbeit immer gediegener 2) für die Bemalung,
ind solider zu gestalten, die Holzdecken trotz ihrer großen Maͤngel 3) für die Bekleidung mit fertigen Stuckornamenten, und
noch immer fast ausschließlich angewendet werden, mag neben schließlich die ästhetische Durchbildung der Ce—
ausendjähriger Ueberlieferung der Billigkeit derselben und der ment-Eisen-Konstruktionen ihrer Form nach.
Leichtigkeit zuzuschreiben sein, sie in Verbindung mit dem nun Die graue, unschöne Farbe des Cementes, die im Verein
zinmal fast unvermeidlichen Holzfußboden herzustellen. Dabei nit den Auswitterungen im Aeußeren die Erscheinung einer
ind deren Mängel in neuerer Zeit nur noch größer geworden. Lementputzfaçcade beeinträchtigt, und das häufige Auftreten von
Die auf das geringste Maaß beschränkte Balkenstärke veranlaßt Zaarrissen machen eine besondere Behandlung der Cementflächen
bei gewoͤhnlichen Belastungen Schwankungen und dauernde Durch- tothwendig. Durch Nachahmung des Sandsteins, Marmors und
ziegungen, welche, in Verbindung mit dem Schwinden des Holzes, BVranits fuͤr den äußeren und inneren Ausbau einerseits, durch
Risse in Putz und Stuck hervorrufen; Durchbörigkeit wie Feüer⸗ Unstrich oder Bemalung des Cementputzes andererseits hat man
zefährlichkeit haben mit dem jetzt ausschließlich angewendeten die Anforderungen der Aesthetik zu befriedigen gesucht, wenn es
halben Windelboden zugenommen und die Vergänglichkeit in Folge »arauf ankam, für echtes Steinmaterial einen billigeren und für
»on Fäulniß und Schwamnibildung ist bei der Schnelligkeit, zewöhnlichen Kalkputz einen dauerhafteren Ersatz zu schaffen.
nit welcher jetzt gebaut wird, und der Verwendung von jungem Die schwierige Verarbeitung des Cementes, bei der eine
rischen Holze entschieden gewachsen. Die bisherigen Unter⸗ zenaue Bekanntschaft mit den Eigenschaften des Materials und
uchungen über den Hausschwamm lassen wohl kaum noch einen das Vorhandensein tüchtiger geschülter Arbeiter erforderlich sind,
zweifel darüber, daß, unabhängig von der Fällzeit, die niedrige rachte cs mit sich, daß neben den guten Eifahrungen auch
Aflege, welche dem Bauholz jetzt zu Theil wird, und der niedrige chlechte nicht ausblieben, die dann weit lieber der Unbrauchbarkeit
Hrad der Auslaugung und Trockenheit, mit dem es in den Bau »es neuen Materials, als der fehlerhaften Anwendung und Aus—
Jelangt, wenn nicht ausschließlich, so doch hauptsächlich, trotz ührung zur Last gelegt wurden. Während man geräde da, wo
alter sonstigen Vorkehrungen, zu dem immer häufigeren vetterwendische Zinkrinnen ihr beweguͤngsvolles Spiel treiben
Nuftreten des Schwammes Anlaß geben. ind das Abwasser des Daches vergnügt an den Hängeplatten
Nach Entdeckung der Spaltpilze und der für ihr Gedeihen eckt, besorgnißerregende Massen von Gips und Stuck öhne viel
erforderlichen Vorbedingungen, sowie ihres Zusammenhanges mit Bedenken an die Außenfront heftet, macht man ein bedenkliches
Entstehung und Verbreitung gewisser Krankheiten wird man zue Gvesicht zu den Haarrissen im Eementverputz des Nachbarhauses.
geben müssen, daß in jeder Wohnung der gewoͤhnliche Fußboden Beim Backstein trägt man auch aus konftruktiven Rüchksichten
nit seinen weiten Fugen und der darunter befindlichen Aus- eine Bedenken, ihn zu Thurmspitzen zu verwenden, trotzdem er
üllung eine der günstigsten Stellen bildet für Aufnahme und einer Porigkeit wegen durch Frost 'min destens ebenso an—
zelegentliche Wucherung dieser kleinsten Lebewesen. In besseren egriffen wird, wie die haarrissig gewordene Oberfläche von
Wohnungen und Lebenskreisen werden Ordnung und Sauberkeit Fementfteinen. Allerdings kann man in künstlerischer Be—
war die Gefahr vermindern; man denke aber an vielbesuchte iehung den Kunstsandstein nicht für gleichwerthig mit dem Back—
Dertlichkeiten, an Schulen, Krankenhäuser, Arbeitsräume aller tein ansehen. Ziegel und Terlakotta, obwohl freilich selbst auch
Art, an die Wobnungen der weniger bemittelten Volksklassen aur künstliche Erzeugniffe, wollen als nichts anderes erscheinen,
— DE — ——— n Wahtsheintichte it nicht in uls was sie sind, waͤhrend Kunstsandstein nur immer mehr oder
anen, daßz uswurf, Unreinlichkeit, Sorg⸗ veniger gelungene Nachahmung, sein kann. .
osiakeit und zufälliges Eintragen von Staub und Schmuß In Kanzen ebenen Fläschen wird eine äustere Monier—