Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 47, Bd. 6, 1887)

eber Anlage von Kegelbahnen. — Gasbeleuchtung mit Lüftung und Heizung 
Ueber Anlage von Kegelbahnen. 
Da das Kegeln auf Bohlen, sogenannten Brett- oder Bohlen— 
bahnen, nur eine große Spielerei und kein männliches Kegeln 
dem heutigen Stande des Kegelsportes nach ist, so können wir 
als überwundenen Standpunkt überhaupt davon absehen, diese 
Art Bahnen zu beschreiben. 
Selbstverständlich gehören auch dahin die Bahnen, wo neben 
der Bohle Latten, Bretter, Lehm oder Asphalt in gleicher Höhe 
zelegt ist. Diese werden fast immer als Lehm- und Asphalt- 
bahn ꝛc. ausgegeben, woran man sehen kann, daß diese Leute 
noch keinen Begriff davon haben, was eine gute Asphaltbahn 
denn eigentlich ist und zu bedeuten hat. 
In den jetzigen überdachten Kegelbahnen ist auch früher 
auf Sand gekegelt, alsdann hat man Lehm genommen, Hammer— 
schlag ꝛc. und auch Asphalt. Die Bahnen von Fliesen, ob Stein, 
Schiefer, Marmor oder Goldfliesen, sind unbrauchbar, weil das 
Material zu hart und nicht elastisch genug ist. Außerdem können die 
Platten niemals so dicht gefugt werden, daß nicht Ritzen entstehen. 
Dadurch hüpfen die Kugeln und nehmen willkürliche Richtung 
ein, was doch nicht sein soll, abgesehen von dem unangenehmen 
Geräusch. Die einzelnen Platten werden auch sehr oft locker und 
iehr leicht entzweigeworfen. 
Die Bahnen von polirtem Cement oder Terrazzo sind auch 
nicht zu empfehlen, weil sie zu leicht Löcher bekommen und auch 
zu hart sind. — Die gewöhnlichen Cementbahnen haben sich 
auch nicht bewährt. 
Zwei oder gar mehr Kegelbahnen neben einander zu bauen, 
ist ein Unding und zeugt von wenig oder gar keinem Verständnisse 
für die Kegelei! 
Nach dem jetzigen Stande der Kegelbahnbaukunst erübrigt 
also weiter nichts, als eine solche von Asphalt zu bauen und 
zwar von gutem Asphalt in richtiger Mischung, also nicht 
zu weich und nicht zu hart! Diese gute Asphaltmischung 
muß aber nach dem Auftragen sofort mit Wasserwage regulirt 
werden, damit sie überall gleichmäßig horizontal ist. 
Das Bahnplanum von vorn bis hinten muß ein halb 
Prozent Steigung haben! 
Die Kegelbahn muß vom Anfange des Auffatzbrettes bis 
zum Anfange des Kegelbrettes 30 mlang und 2,50 m breit sein. 
Die Banden müssen 15 em hoch, das heißt über Asphalt, 
ein und mindestens aus 6 em dicken, harten Bohlen bestehen, 
damit sie nicht federn können. Die Bohlen aus hartem Holze, 
im besten von Eichen, nicht aus weichem Holze, also auch nicht Kiefern! 
Das Aufsatzbrett muß 5 mm lang, 50 emn breit sein und 
rus einer 10 em dicken Eichenbohle bestehen. Noch besser 
ann dieses aus mehreren Längstheilen zusammengefügt sein, 
damit es nicht ungrade werden kann. (Man verwendet auch 
Mahagoni-Bohlen und Stahlplatten). 
An jede Seite des Aufsatzbrettes, vom Anfange an gerechnet, 
fommt noch eine Bohle von 3 m Länge und 50 em Breite von 
heliebigem Holze und hieran an jede Seite noch eine solche von 
2 m Laͤnge und 50 6m Breite, sodaß also der Anfang der Bahn 
2 m lang nur aus Brettern besteht. Es ist dies ein Vortheil 
ür den Schieber und auch für das etwaige Fallenlassen von Kugeln. 
In manchen Gegenden hat man noch mitten vor dem Auf— 
atzbrette eine Rille im Boden von 150 m Länge und 10 cm 
Breite, in die hinein man beim Schieben den Fuß stenimt. 
Die Kugelrille muß an der linken Seite sich befinden. 
Dieselbe fängt in gleicher Richtung mit dem Hintereckkegel an, 
ist zum sachte Einlegen, nicht Werfen der Kugeln 1,20 m über 
Asphalt, senkt sich dann auf ungefähr zweidrittel ihrer Länge 
his auf den Boden, steigt von da ab wieder bis auf 50 6m 
und endigt in einen sogenannten Kugelfang oder Kugel— 
behälter neben dem Schieber. Die Rille ist inwendig gemessen 
20 em breit, an den Seiten 17 cm hoch und zwar rechtwinklig, 
damit die Kugeln frei hinterlaufen und sich nicht klemmen. 
Der Boden der Rille kann mit Linoleum beleat werden. um 
edes Geräusch zu vermeiden. 
Das Kegelkreuz oder Kegelbrett muß von 10 6m 
dicken Eichenbohlen zusammengefugt sein und ganz glatt mit dem 
Asphalte verlaufen. Dasselbe ist mit 1,30 mim Quadrat, so— 
daß also vom Mittelpunkte des Vorderecks bis zum Mittelpunkte 
des Hinterecks 1 m Zwischenraum ist ꝛc. Hiernach ergiebt sich 
die Aufstellung der übrigen Kegel von selbst. Es scheint uns 
auch besser zu sein, den Standpunkt der Kegel mit einem runden 
xlecke von weißer Oelfarbe zu bezeichnen, als mit aufgeschlagenen 
runden Blechstücken. — Wenn der Aspbalt sehr gut ist, so könnte 
man auch versuchen dies hölzerne Aufseßbrett gleich durch Asphalt 
zu ersetzen mit aufgemalten weißen Standpunkten für die Kegel. 
Das Bahnplanum muß 15 em hinter den Seiten— 
eckkegeln abschneiden. Der Raum dahinter ist 35 ein ausgetieft, 
damit der Junge leichter und besser aufsetzen kann. Vor dem Planum 
önnte eine Stufe angebracht werden, eventuell auch eine unter— 
zalb der Kugelrille, damit der Junge die Kugeln in die Rille 
»cquemer und nur ganz sachte zu legen braucht. nicht werfen, 
denn sie laufen ja von selbst. 
Eine Polsterwand muß ungefähr 1,23 m hinter dem 
Kegelbrette sein. Außerdem au beiden Seiten soviel Gelaß 
für den Jungen, damit ein Tisch und einige Schemel da— 
tehen können; desgleichen auch Raum für weitern Bedürfnisse! 
Die Beleuchtung muß derart sein, daß kein sichtbarer 
Schatten auf der Bahn ist; besonders auch wegen des Aneckens. 
Auch muß eine Flamme dicht vor und eine über den Kegeln sein! 
Am Tage wäre das Licht von oben, eventuell von links 
»orzuziehen! Da die Rille mit Kugelfang links ist und auch 
der Kegler links steht, so muß naturgemäß der Anschreiber 
rechts sitzen und zwar zu ebener Erde. Der Anschreibetisch darf 
nicht näher, als höchstens 50 cmm, vor dem Aufsaßbrette sich be— 
inden. Die Kegelanten sitzen hinter dem Schieber und dem 
Anschreiber amphitheatralisch, sodaß einer über den andern 
sinweg sehen kann, in festen Stühlen mit Armlehnen. Bei 
»ier Sitzen in einer Reihe ist in der Mitte ein Durchgang, da— 
nit jeder leicht vorkommen kann. Links und rechts von den 
Sitzen muß noch genügend viel Raum für Tische ꝛc. sein, auch 
Vorrichtung und Raum, um ein Faß Bier auflegen zu koͤnnen. 
Henügende Vorrichtungen zum Waschen müssen ferner vorhanden 
ein, dergleichen auch für Toilette. (Eine ähnliche, wenn auch 
zrimitive Einrichtung ist in Lichterfelde bei Berlin im Gesell— 
chaftshause.) 
Die Bahn selbst, wie der Raum für die Kegler und Zu— 
chauer muß so groß und bequem wie möglich, auch mit guten 
Heizvorrichtungen versehen sein. Ob nun noch Jemand sonstige 
Nebenräume oder besondere Ausschmückungen verlangt, ist alle— 
mal Spezialsache. 
Die Kegel sind wohl meistens 40 em hoch. 
— — 
Gasbeleuchtung mit Lüftung und Heizung. 
Seit dem Auftauchen des elektrischen Lichtes, sowohl des 
Bogen- wie des Glühlichtes, hat man von diesem neuen Licht— 
pender den großen Vorzug nachdrücklichst hervorgehoben, daß 
er die Luft nicht verschlechtere und die Hitze nicht vermehre und 
daher schon aus gesundheitlichen Rücksichten die Beleuchtung 
durch Gas und andere Stoffe beseitigen müsse. Die Gegner 
des elektrischen Lichtes haben diesen Vorzug bedingungslos und 
mit saurer Miene anerkennen müssen; um so überraschender 
sst es, jetzt zu hören, daß dieser Vorzug nur unter gewissen 
Bedingungen eine Berechtigung hat. 
In München ist vor Kuͤrzem, wie wir dem „Metallarbeiter“ 
entnehmen, eine Anlage ausgeführt, welche bewiesen hat, daß 
nan mit Gasbeleuchtung und gleichzeitiger Bentilation in stark 
»esuchten Räumen normale Temperatur- und Luftverhältnisse 
yerstellen kann, und zwar vollständiger und billiger, als mittelst 
lektrischer Belenchtung ohne gleichzeitige Ventilation. Diese 
Anlage! ist die des arekzen Konzertsaales des könialichen Odeons 
in München. 
Die Münchener Gasbeleuchtungsgesellschaft hat ein namhaftes 
Opfer nicht geschent, um obigen Beweis zu erbringen, und hat 
hre Anlage fofort nach deren Fertigstellung einer gründlichen 
wissenschaftlichen Prüfung unterstellt, welche das Resultat ergeben 
hat, daß dieselbe ihrem Zwecke vollkommen entspricht. Die 
Temperatursteigerung im Odeonssaale betrug nach den Messungen 
des hygienischen Institutes bei gefülltem Hause unten wie oben 
nahezu' gleichmäßig im Mittel 4550 G., während fie in dem 
mit elektrischem Lichte beleuchteten königlichen Hoftheater 7,4 
und 7,70 C. betrug. Der Kohlensäuregehalt stieg dabei im 
SZnialichen Odeon im Marimum auf 1.83 pro Mille, im
	        

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