Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 47, Bd. 6, 1887)

Mittheilungen aus der Praxis. — Berichte aus Städten. 
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Thatsache erwähnt, daß dieselbe weder in Stücken, noch in zu 
Staub zerfallenem Zustande zur Cementfabrikation geeignet ift. 
Dagegen habe Hutchinson in Skinningrove eine Fabrik nach 
Bosse's System mit der Abweichung errichtet, daß dort zu Wolle 
jeblasene Schlacke verarbeitet werde, welche vorläufig zum Bau 
eines Seehafens für das Eisenwerk des Genannten im großen 
Maßstabe gebraucht werde und sich dabei bestens bewährt habe. 
Zur Erklärung des Verfahrens der verschiedenen Behandlung 
der Schlacke beim Austritt ans dem Hochofen führte Redner 
Proben seiner zu Saulnes in Frankreich praktisch vorgenommenen 
»ergleichenden Versuche über Granulation und Blaserei vor. 
Durch letztere wird die kostspielige Trocknung der Schlacke um— 
zangen, während die hydraulische Wirkung nahezu die gleiche ist. 
Bei Beschreibung der Fabrikanlage in Braunschweig wurde 
erwähnt, daß die Produktion auf jährlich 60 000 Faß Cement 
eingerichtet ist. 2 Dampfkessel von 6 Atmosphären Ueberdruck, 
10 m Länge, 2,20 m Durchmesser erzeugen die Kraft, welche 
hurch eine 250 pferdige Maschine auf das Werk übertragen wird; 
davon werden z. 3. 170 Pferdekräfte gebraucht. 
Die Fabrik hat 4 Mahlgänge, 4 Sichtmaschinen, 4 Kugel— 
nühlen, eine Trockenanlage für Schlacke, eine Kalklöschstation 
nit Steinbrecher, Aufzug, Hängebahn, 4 massive Silos für den 
Kalkstaub, eine Kalksichtvorrichtung mit 2 Sichtmaschinen. 
Die Aufbewahrung des fertigen Cements geschieht gleich— 
'alls in einem aus Holzwerk hergestellten Silo. 
Bei der Beschreibung des sehr vollständig mit Prüfungs— 
ipparaten, wie solche auf der Königl. Prüfungsstation zu finden 
ind, ausgerüsteten Laboratoriums erwähnte Redner die Schickertsche 
Hebelpresse zur Prüfung der Druckfestigkeit, welche für einen 
Maximaldruck von 50 000 xkg konstruirt ist, ferner namentlich 
»en neueren Apparat zur Bestimmung des Wasserbedarfs und 
»er Abbindezeit, seine Methoden zur Ermittelung des Material— 
jedarfs für Mörtel, Concret und Beton und die sich daran 
chließende Berechnung der Dichtigkeit, sowie die praktische Prüfung 
»urch einen neuen, von ihm selbst konstruirten Apparat für Be— 
timmung der Wasserdurchlässigkeit. 
Redner führte schließlich noch aus, daß die Raumeinheit 
»es Puzzolan⸗Cementes eine gleiche Dichtigkeit wie der Portland⸗ 
Fement habe, daß aber die Gewichtseinheit ca. 22 pCt. mehr 
Raumtheile ausgäbe und daß hierin die Ursache vieler vortheil— 
jaften Eigenschaften zu fuchen sei. 
Dichtung für Wasserleitungsröhren. Bei 
Rohrleitungen, welche mit gespanntem Wasser von einigen 
Atmosphären gefüllt sind, kommen theils gußeiserne, theils Stein— 
eugrohre zur Verwendung. Bei ersteren geschieht die Abdich— 
ung der Muffen mittelst Hanfstricken, welche mit Blei ver— 
zossen und dann verstemmt werden. Bei den Steinzeugröhren 
zeschieht die Dichtung ebenfalls mit Stricken, die aber mit 
fettem Lehm, oder besser Cement imprägnirt werden. Die 
Dichtung der gußeisernen Rohre ist in vollkommener Ausführung 
vasserdicht, selbst für höhere Wasserpressungen, was von der 
etzt üblichen Dichtung für Steinzeugrohre nicht behauptet wer— 
»en kann, indem sich der Cement bei seinen Volumänderungen 
nit Rissen durchsetzt. Beide dieser Muffendichtungen haben 
iber den Nachtheil, daß sie nur schwer und meist nur durch 
zertrümmerung der Muffe lösbar werden. Im Folgenden ist 
eiine neue Muffendichtung, welche dem eben genannten Uebel— 
tande sowohl bei Eisen- als auch bei Thonröhren abhelfen 
»ürfte, angeführt: Die Rohrverbindung zeigt als wesentlichen 
Bestandtheil eine aus Celluloid nach dem Patent des Ameri— 
aners Hyatt hergestellte Manschette, welche sich einerseits gegen 
inen ringförmigen Wulst des Rohrendes, andererseits an die 
nnere Wandfläche der Muffe angelegt. Der Theil hinter dem 
Wulste, der noch als Zwischenraum zwischen Muffe und Rohr 
»leibt, wird mit cementirten Hanfstricken ausgefüllt und ver— 
zossen. Das Celluloid, ein von den Gebrüdern Hyatt in 
Amerika erfundenes Produkt, wird jetzt häufig als Surrogat 
ür vulkanisirten Kautschuck verwendet. Dasselbe wird aus 
nitrirtem Papier (durch Einwirkung eines Gemenges von fünf 
Theilen Schwefelsäure und zwei Theilen Salpetersäure auf 
Papier und Auswaschen des Reaktionsproduktes dargestellt) und 
sampher bereitet, indem das noch feuchte nitrirte Papier zer—⸗ 
nahlen, innig mit Kampher gemengt und das Gemenge stark 
'omprimirt wird. Das so erhaltene Celluloid bildet sehr elastische 
Platten oder Stäbe, welche durchscheinend, hellfarbig und dem 
Horn ziemlich ähnlich sind. Beim Erhitzen auf 1250 C. wird 
s plastisch. An sich ist die Masse geruchlos und nur durch 
Reibung tritt der Kamphergeruch hervor. Es wird wegen seiner 
yölligen Unlöslichkeit im Wasser und in Säuren für die verschie— 
densten Zwecke gebraucht. Die Manschette wird sich, da sie 
etwas konisch geformt ist, beim Einführen anlegen und wird 
»urch den Wasserdruck desto mehr angepreßt und dichter, je 
yöher derselbe ist. Gegenüber den jetzt üblichen Verbindungen 
ommt hier die Herstellung des Wulstes dazu, welche nament— 
ich bei Steinzeugröhren Fabrikationsschwierigkeiten hervorbringt, 
die jedoch nicht solcher Art sind, daß sie das Fabrikat übermäßig 
nertheuern würden. 
Feuersicherheit und Heizeinrichtungen in 
den Münchener Volksschulen. Die Gebälke der Schul— 
äle liegen, unterstützt durch eiserne, auf den Fensterpfeilern auf— 
uhende Querträger parallel den Umfassungsmauern, so daß in 
etztere keine Balkenköpfe kommen und ein Anfaulen derselben 
rusgeschlossen ist. Säle wie Korridore haben auf Blindboöden 
zelegte eichene Riemenböden. Die Treppenhäuser sind gegen 
»en Dachraum feuersicher überwölbt, die Treppenpodeste wie 
äufe in Eisen konstruirt und mit Gewölben versehen, welche 
eichene, aufgefattelte Stufen tragen. Ebenso sind die Abort— 
äume auf Eisen unterwölbt. Sämmtliche inneren und äußeren 
Thüren dürfen behufs möglichst rascher Entleerung der Häuser 
iur nach außen aufgehen, und es sind zur Meldung von Feuers— 
jefahr elektrische, überall hörbare Alarmwerke angebracht, die 
»on der Hausmeisterwohnung aus in Bewegung gesetzt werden. 
fine besondere Feuerlöschleitung mit Hydranten ist in den Hof— 
aum geführt. Weiter ist die Feuergefahr gemindert durch die 
Beheizungkart des Schulgebäudes, indem eine Niederdruckdampf— 
seizung, kombinirt mit Luftheizung, eingerichtet wird. Letztere 
sat nur den Zweck, die nöthige Ventilationsluft, 750 cbme in 
er Stunde, mit Zimmertemperatur in jeden Saal zu bringen, 
vährend die eigentliche Erwärmung der Säle durch regulirbare, 
nit Dampfspiralen ausgestattete Zimmercaloriferen erfolgt. Ob— 
vohl diese Beheizungweise in der Anlage höher als Luftheizung 
ommt, so sind die entsprechende Beschaffenheit der Luft, die 
illigen Betriebskosten (18 Pf. für den Saal und Tag), wie 
ie geringen Unterhaltungskosten weit aufwiegende Vortheile. 
Die Feuerung der mit offenem Standrohr versehenen und nur 
inter einem Drucke von einer halben Atmosphäre stehenden, ganz 
ingefährlichen Dampfkessel regulirt sich nach dem Bedürfniß 
der Waͤrme von selbst, so daß ohne Vergeudung von Brenn— 
naterial das Feuer Tag und Nacht brennt und eine Abkühlung 
des Hauses während der ganzen Heizperiode nicht stattfindet. 
Väad. 3ta.) 
Berichte aus Städten. 
Berlin. Der Atelierbau macht in Berlin jetzt nam— 
jafte Fortschritte. Während früher die Künstler in gemietheten 
Räumen, die sonst irgend welchem andern Zweck dienten, ihre 
Werke schufen, baut man nun Räumlichkeiten, die allen etwa 
zu stellenden Anforderungen Genüge leisten. Besonders war 
es ein Uebelstand, daß man in durch Wände geschlossenen 
Häumen niemals die volle Tagesbeleuchtung studiren konnte, 
ein Umstand, der vor Allem dem Maler hinderlich war. Dem 
st nun abgeholfen. Auf den Grundstücken Lützowstr. 59 und 60 
jat Herr Baumeister Ravoth mustergiltige Ateliers hergestellt. 
Vor jedem Atelier befindet sich ein greßer, ganz aus Glas— 
cheiben hergestellter Pavillen, in dem der Käünftler seine 
Studien machen kann; durch Anbringung von Vorhängen kann 
er sich jede gewünschte Beleuchtung schaffen. Das eine dieser 
Ateliers wird von Herrn Prof. Werner-Schuch, das andere von 
derrn Historienmaler H. Vogel benutzt. Die Ateliers sind 
atürlich mit allem Komfort ausgestattet und das von H. Vogel 
zesitzt eine Loggia, von der man das ganze Innere übersehen 
ann, zu der eine reichgestaltete Holztreppe emporführt. In 
olchen Räumen zu arbeiten, muß allerdings ein wahrer Genuß sein. 
Mainz. Die im Juni l. J. dem allgemeinen Verkehr 
ibergebenen neuen Hafenanlagen der Stadt Mainz fangen, nach 
em ,„Allgem. Bau-Anzeiger“, bereits an, in den Betriebs— 
hebäuden Mangel an Raum aufzuweisen. Das großze Lager— 
saus ist in allen Stockwerken gefüllt, für die öffentliche Zell— 
stiederlage ist mehr Platz erforderlich, als gegeben und der Be—
	        

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