Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 47, Bd. 6, 1887)

Briefkasten. — Bautechnische Nolizen. 
7. 
— “ 
eines Hauptgeschosses gewinnen. Als ein gewaltiges Viereck 
von 1362,, m Länge und 88 m Breite liegt die Baumasse da. 
Ihre vier Ecken werden durch mäßig vorspringende Risalite und 
ihre innere Gliedernng durch vier symmetrisch vertheilte Höfe 
pon 22mm zu 14 mm markirt. In den beiden Mittelaxen machen 
ich die Poͤrtale durch gewaltige Oeffnungen in den Facçaden— 
nauern bemerkbar. Die gewöhnlichen Eingänge für die von der 
Stadt kommenden Mitglieder des Hauses werden sich an der, 
dem Brandenburger Thor zugerichteten Südfront und der ent— 
zegengesetzten Nordfront befinden. Das eigentliche Haupt- und 
Festportal wird am Königsplatz liegen und sich dort in drei ge— 
valtigen Rundbogenthoren öffnen. Hinter diesem Portal dehnt 
ich die 335 melange und 27 mm breite Halle aus, an welche sich 
rechts und links nach dem Königsplatze zu die langgestreckten 
Restaurations- und Lesesäle anschließen. Geradeaus gelangt man 
in's Foyer und aus diesem in den großen Parlamentssaal. Die 
richtigen Dimensionen des letzteren sind 28 im zu 22 m, nicht, 
vie jüngst in verschiedenen Blättern angegeben wurde, 29 m 
zu 21m. Die ihn umschließenden Mauern sind gegen 4 m 
dick — eine Stärke, welche nothwendig ist, um dem Kuppelbau, 
der sich über dem Saal erheben wird, eine genügend stabile Unter— 
age zu geben. Während die Höhe des Saales 13 mmebetragen 
wird, ist jene der Kuppel, und zwar bis zur äußersten Spitze der 
Laterne, auf 72 m, selbstverständlich vom Niveau des Königs— 
AAatzes an gerechnet, festgesetzt. Im Anschluß an die östliche 
Seite des Parlamentssaales wird nach der Reichstagsstraße zu 
ein 65 mm langer Vorbau vorspringen, in welchem Präsident und 
Reichskanzler ihre Räume erhalten sollen. Jetzt ist an seiner 
Stelle noch leerer Raum, da die bequeme Herbeischaffung der 
Materialien zum Zentrum des Baues eine Freilassfung jener Stelle 
gebot. An der Nordseite sieht man die langgestreckten Räume 
ür die Bibliothek: drei große Büchersäle von zusammen 55 m 
ränge und 14 mm Breite, sowie ein großer Lesesaal von 14) 14 m 
Brundfläche. Das sind im Großen und Ganzen die Räume, 
velche sich schon jetzt aus dem Chaos von Mauern und Gerüsten 
»eutlich erkennbar herausheben. Im Baubureau des Reichstages 
wird unter Wallot's Leitung bereits seit geraumer Zeit an den 
Intwürfen zu einem Ausbau gearbeitet. Die Werkzeichnungen 
für die Sandstembekleidung und den übrigen architektonischen 
A 0 
Arbeit gegeben worden. Schließlich sei noch erwähnt, daß in 
Berliner Künstlerkreisen der Vollendung des Riesenbaues mit 
einer gewissen Sehnsucht entgegengesehen wird, denn man giebt 
ich der Hoffnung hin, daß sowohl Malerei wie Skulptur zu 
einer würdigen Ausschmückung des Innern in ausgaedehntester 
Weise herangezogen werden. 
Koöln. Bei dem seiner Zeit stattgefundenen — auch in 
diesen Blättern besprochenen — Häusereinsturz an der Roon— 
straße büßten drei Handwerker das Leben ein, vier wurden mehr 
oder minder erheblich verletzt. Der mit der Ausführung der 
Bauarbeiten betraute Maurermeister stand kürzlich vor der hie— 
'igen Strafkammer, der fahrlässigen Tödtung, bezw. Körper— 
»erletzung angeklagt. Es wurden sechs Sachverständige ver— 
nommen. Der Moörtel, welcher verwandt worden, war von guter 
Qualität; die Sachverständigen bezeichneten als Grund des Ein— 
sturzes zu schnelle Ausführung des in großen Massen gehaltenen 
Neubaues, sodann schlechte Verankerung und nicht genügende 
Einlassung der eisernen Träger. Das Ürtheil lauiete auf sechs 
Monate Gefängniß 
Aus Leipzig wird mitgetheilt, daß man dort jetzt ernst— 
ich an's Werk gehen werde, eine Markthalle nach Berliner 
Muster zu errichten. Ein Sachverständiger Leipzig's hat zu 
diesem Zweck die Berliner Central Markthalle eingehend studirt.“ 
Lin anderes älteres Project, die Vorstadtdörfer um Leipzig dieser 
Stadt anzuschlietzen, ist von der Stadtverordneten-Versammlung 
etzt ebenfalls im Prinzip genehmigt, dürfte aber noch manchen 
Bedenken von beiden Seilen bis zu seiner Durchführung be— 
zegnen. Den Hauptanstoß bildet wie gewöhnlich der Finanz- 
ounkt. In Leipzig fürchtet man die Schulden der Vororte, in 
den Vororten die höhere Besteuerung Leipzig's. 
Hriefkasten. 
Gebr. B. in A. schreiben: Als längfährige Abonnenten erlauben wir 
ius hiermit, an die verehrliche Redaktion folgende Fragen zu richten, um deren 
zefällige Beantwortung wir gebeten haben möchten: 
1 Welche Bedachungsweise hält man überhaupt für Kirchendächer als 
im geeiguetsten? 
2. Sind Ihnen Bedachungen aus flachem verzinkten Eisenblech auf 
dolzschaalung bekannt, aus welchem Jahre und wie haben sich diese bewährt? 
3. Wie viel mmwird bei Kupferbedachung die Stärke der Bleche ge— 
nommen ev. wieviel kg soll das qm wiegen? 
Wir steben im Begriff, das Kirchendach an hiesigem Orte, welches zur Zeit 
nit Schiefer eingedeckt ist, zu erneuern und möchten deshalb gern wissen, 
velche Erfabrungen unter Anderem in Betreff verzinkten Eisenblechs gemacht 
ind und ob überhaupt eine solche Eindeckung für Kirchen zu empfehlen sei 
Autwort. 
Zu 1. Die Eindeckung mit Kupfer; denn mit Kupferblech wird die halt— 
»arste und solideste Dachdeckung hergestellt, allerdings auch die theuerste. — 
Dann die Dachdeckung mit Schiefer und zwar mit gutem französischen, 
»cezw. englischen Schiefer, aber in doppelter Deckung auf Lattung. 
Zu 2. Eindeckungen (wohl mit die ersten in Deutschland) mit Tafeln von 
erzinktem Eisensenblech sind auf den Güterschuppen des Güterbahnhofs 
dannover im Jahre 1877 in großer Ausdehnung zur Anwendung gekommen. 
leber die Bewäbrung derfelben wird das dortige Eisenbahn-Betriebsamt 
im besten Auskunft ertheilen können. Für Kirchendächer kann dieses Material 
edoch des Aussebens wegen wohl nie zur Anwendung gelangen. 
Zu 3. Die Stärke des Kupferbleches zu Dachdeckungen beträat in der 
Redel 1 mm und es wiegt 1l am 8s bis 93.0 ke 
Bautechnische Notizen. 
Puzzolan-Gementfabrikation. Während sich das abgelaufene 
dahr für die Portland-Cenent-Industrie im Allgemeinen ungünstig ge— 
taltete, indem Preise und Absatz Einbuße erlitten, während der Export in 
ussischer und österreichischer Zollerhöͤhungen ganz stockte, hat sich nach einem Be⸗ 
ichte der ‚ Bau⸗ Kunstgewerbe-8tg.“ die Puzzolan-Cement-Fabrikation mehr 
ind mehr entwickelt und ihre Produktion derart ausgedehnt, daß nicht allein 
ie größeren Hüttenwerke zur Verwerthung ihrer Schlacken Cementfabriken 
nlegten, sondern daß sich in jüngster Zeit sogar unter Leitung der neu— 
egruͤndeten Cementfabritk Victoria, Actien-Gesellschaft Berlin (Belle-Alliance- 
blatz 15) die bestehenden Puzzolan-Cenentfabriken zu einem Verbande ver⸗ 
inigen konnten, welchem der gesammte Verkauf für gemeinschaftliche Rechnung 
ibertragen worden ist. Der Trieb der Selbsterhaltung veranlaßte wohl 
auptfächlich die Portland-Cementfabrikanten, diese neue Industrie in arger 
Weise anzufeinden und zu verdächtigen, indessen ist es in Anbetracht der für 
»ie Güte des Puzzolan-Cements sprechenden Thatfachen nicht gelungen, diesen 
»om Markte zu verdrängen, wenn auch die Befürchtungen, welche man in 
den Kreisen der Portland-Cementfabrikanten hegte, überaus berechtigt waren. 
Erwägt man, in welch' einfacher Weise die Puzzolan-Cementfabrikation be— 
rieben und welche Menge von Arbeitslöhnen im Verhältniß zur Portland— 
Fement-Industrie (100: 18) erspart wird, so muß es jedem Laien einleuchten, 
»aß die Puzzolan⸗Cemente erheblich billiger als die Vortland-Gemente hor- 
gestellt werden können. 
Um die Schlacke für die Verarbeitung zu Cement verwendbar zu machen, 
eitet man sie im siedenden Zustande in einen Granulationsapparat, wo fie 
ich, abgeschreckt in Folge der plötzlichen Erkaltung, in erbsengroße Theilchen, 
Schlackensand“, zersetzt. Die granulirte Schlacke wird auf gewöhnlichen 
Mahl- oder Kollergängen gemahlen, mit Kalk und einem Zusaß von Thon— 
rdesilikaten vermischt, gesiebt, gekugelt und als fertiger Cement in Gefäße 
»der Säcke gefüllt. Vergegenwärtigen wir uns hingegen das Verfahren der 
Lortland-Cemeunt-Industrie, welche den Thon und Kalkerst graben, zusammen— 
nischen und schlemmen muß, um die so gewonnene Masse, nachdem sie durch 
inen Thonschneider verarbeitungsfähig gemacht ist, in Ziegelformen streichen, 
die gestrichenen Ziegel trocknen und brennen zu lassen, so finden wir, daß 
ille diese Vorbereitungsarbeiten in der Puzzolan-Cement-Industrie gespart 
verden. Die Billigkeit und die vorzüglichen hydraulischen Eigenschaften 
zaben das Fabrikat nicht nur exportfähig — überseeische Plätze wie Sidney, 
Palparaiso, Rio ꝛc. beziehen es bereits — sondern auch allen gegnerischen 
Behauptungen zuwider selbst für fiskalische Zwecke lieferungsfähig gemacht. 
Während nach dem Gutachten der königlichen Ministerial Baukommission 
der Oppelner Portland-Cement, — bekannklich eines der besten Fabrikate — 
iur 22,28 kgepro qem Zugfestigkeit im Mittel aus zehn Proben besitzt, er⸗ 
jab das Prüfungsresultat der Handelswaare des Puzzolan-Cementes am 
J. August 1886 26,7s kg und beim Reichstagsbau — zu welchem Puzzolan⸗ 
Lement verwendet wird — sogar 27,80 kg pro dgem. Aber auch die an—⸗ 
estellten Siebversuche fallen bedeutend zu Gunsten der Puzzolan-Cement⸗ 
endustrie aus, weshalb wir die vergleichenden Zahlen folgen lafsen. 
Portland⸗-Cement: Puzzolan⸗Cement: 
für 324 Maschen pro gem 1,0 pCt., nur OA pét. grober Rückstand. 
u 600 n * u 26 n n 1,3 * 
t 900 / 112 * n I,v e. t. . 
Es konnte daher auch nicht ausbleiben, daß die Regierung das neue 
Fabrikat anstandslos für sämmtliche Bauten in Verwendung nahm und 
hasselbe nicht nur statt Mörtel, sondern auch als Cement zu Tiefbauten be⸗ 
rutzte. So wurde erst jüngst beim Bau der physikalisch-technischen Reichs— 
instalt in Charlottenburg eine Betonplatte von ca. 2000 ebmn Gesammit⸗ 
nhalt nur aus Kies und Puzzolan-Cement hergestellt, Beweis genug, welches 
Vertrauen man in den maßgebenden Fachkreisen dieser neuen Industrie 
dereits heute entgegenbrinat. Ludwia Morik Krause 
kedaltion: R. Matthey in Verlin. — Verlag von Juhius Engelmann in Berlin. — Drud der „Volls-RZeitung“, Act-Ges. in Berlip 
Unter Merantwortlichkeit des Berlegerk
	        

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