Kericht uber einige zu Magdeburg an verschiedenen Baumateriglien und Konstruktionen angestellte Brandproben
Bericht über einige zu Magdeburg an verschiedenen Baumaterialien und
Konstruktionen angestellte Brandproben.
hergestellt war. Die Balken lagen frei ohne Zwischendecke und
Fußboden. Neben einer, in der Giebelwand angebrachten Well—
blechthür befand sich eine Oeffnung wie in Raum 2, durch zwei
Rohglasscheiben von 3 em Stärke geschlossen.
Raum 8. Tragbare Kappe nach Rabitz, durch aufgepackte
Ziegelsteine mit 750 kg pro qm belastet.
Raum 9. Tragbare horizontale Decke nach Rabitz, belastel
wie vorher.
Raum 10. Decke, durch doppeltes Rohrgewebe und Kalk
mörtelputz hergestellt.
Raum 11. Decke, durch Holzleistengewebe und Kalkmörtel
putz bewirkt.
Das Ergebniß war folgendes:
Der auf den 28. September Nachmittags 3 Uhr festgesetzte
Brandversuch fand unter Leitung des städtischen Branddirektors,
Regierungs-Baumeister Stolz statt. Eine vorherige Besichtigung
des Gebäudes ergab, daß dasselbe den Regeln der Technik ent—
prechend ausgeführt war.
Zur Messung der Temperaturen waren durch den Physiker
Dr. Krieg in den einzelnen Räumen des Gebäudes Metallegirungen
yon verschiedenen Schmelzpunkten aufgestellt und diese Metalle
nelektrische Stromkreise eingeschaltet, welche in einem besonderen
leinen Gebäude zusammengeführt waren. Hier waren alle
dilfsmittel vorhanden, um die Zeitpunkte des Schmelzens durch
die alsdann eintretende Unterbrechung des elektrischen Stromes
estzustellen. Um aber auch für den Fall von Störungen in den
Leitfungen wenigstens die größten Hitzegrade jedes Raumes nach
tattgehabtem Brande bestimmen zu können, hatte man im Inneren
des Gebäudes noch weitere Metalle und Normalkegel mit be—
annten Schmelzpunkten aufgestellt. Ferner waren am Aeußeren
des Gebäudes an denjenigen Stellen, welche (wie Thüren, Fenster
u. s. w.) den Einwirkungen des Feuers besonders ausgesetzt
waren, leicht schmelzbare Körper, wie Wachs, Stearin, Schwefel
u. dergl., aufgestellt, um die Zeit des Schwelzvorganges direk
beobachten zu können.
Sämmtliche unteren Räume des Gebäudes waren etwa
1,50 m hoch mit Brennstoffen, bestehend aus Holz und Stein—
sohle, mit Theer und Petroleum getränkt, angefüllt, außerdem
agen in den Dachräumen über 3 und 5 ebenfalls Brennma—
erialien angehäuft. Es wurden die Brennstoffe zunächst in den
stäumen 1bis 5 und später in den Räumen 6, 10 und 11
ingezündet. Nach etwa 1u/, Stunden erfolgte die Löschung des
hrennenden Gebäudes.
Die einzelnen Vorgänge während des Brandes wurden wie
olgt beobachtet:
3 Uhr 57 Min. wurden die Brennstoffe in den Räumen
Ebis 5 und 7 bis 9 angezündet. Der sich sofort entwickelnde
Rauch entweicht durch die Schlote; aus den Oeffnungen an der
gegenüberliegenden Seite schlagen Flammen hervor.
Naäch 6 Min. beginnt der Dachüberstand beim Raum 5 zu
brennen; die Flamme greift aber nicht um sich,
sondern verlöscht und entzündet sich abwechelnd;
war die Weißblechthür am Giebel schon so heiß,
daß ein dagegen gestelltes Brett sich entzündete
und in 4 Min. brannte.
zeigten die aus Rabitzwänden hergestellten Schlote
feine Risse;
war die Flamme so lebhaft geworden, daß sie auch
ohne Schlote im Brennen bleiben konnte; um die
Hitze zurückzuhalten und stärker zu entwickeln,
wurden daher die Schlote geschlossen, sodaß der
Rauch und die Hitze nicht mehr durch dieselben
entweichen konnten.
brennen die Dachüberstände der Anbauten 10
und 11;
stürzt die horizontale Betondecke im Raume lein,
das Feuer verbreitet sich im Inneren des Dach—
aumes;
werden die Dachüberstände der Räume 10 und
11 angespritzt und dadurch die kleinen Flammen
an denselben gelöscht:
Im Laufe dieses Sommers wurde von dem Baugeschäft
Rückert & Schoeckel auf ihrem Grundstück, Sudenburg, Breiten—
weg No. 74, ein Gebäude von 15m Länge, 7,5m Breite und
5mn Höhe eigens zu dem Zwecke erbaut, um in wissenschaft—
lichem und praktischem Interesse festzustellen, wie verschiedene, in
zer Neuzeit mehrfach verwendete Baukonstruktionen und Materi—
alien den Einwirkungen eines starken Feuers zu widerstehen im
Stande sind.
Der Architekten- und Ingenieurverein hatte sich bereit erklärt,
durch eine Kommission die gewählten Ausführungen einer Prüfung
zu unterziehen, sowie den Brandproben beizuwohnen und die Be—
»bachtungen in einer Verhandlung niederzulegen.
Das für die Brandprobe ausgeführte Gebäude bestand aus
7 Räumen von je 3 qm, zwei von 3mm Länge und 1,3 mw Breite
Nr. 8 u. 9) und zwei kleinen Anbauten von 2,36 m Länge
und 2,15 m Breite (Nr. 10 u. 11). Die mittlere Höhe der
Räume No. 1 bis 9 betrug 2,80 m, die der Nebenräume 10
und 11 ca. 2m.
Die Umfassungswände waren massiv von Mauersteinen in
Lehmmörtel hergestellt und über dem Erdgeschoß Drempelwände
»on 1 Stein Stärke und 1,10 m Höhe errichtet; das Ganze war
urch ein zweiseitiges Dach aus Holzwerk mit Brettschaalung bedacht.
Raum 1. Die Decke desselben war getheilt durch einen
eisernen Längsträger, welcher mit einem Ende in der Umfassungs—
nauer auflag, während das andere Ende auf der Flansche des
Zuerträgers ruhte. Die eine Hälfte war eben, die andere in
Busenform durch Zementbeton 1:3 hergestellt (Zement Quistorp).
Raum 2. Die Decke wurde getragen durch 3 Längs- und
Querträger von T-Eisen. Von den letzteren lag der eine in
zleicher Höhe mit den Längsträgern und zwar von beiden Seiten
eingemauert; der andere lag frei unter den Längsträgern. Die
Finwölbung bestand aus ditee und Kalkmörtel. Der
Raum war vom Giebel durch eine Rabitzthür zugänglich. Am
Schlot befand sich eine eingesetzte Glasscheibe von 3 em Stärke
uind neben der Rabitzthür war eine kleine Oeffnung in der Wand,
iuf beiden Seiten gleichfalls mit Glasscheiben geschlossen.
Raum 3. Die Decke war durch eiserne Träger unterstützt
und dicht unter den Flanschen derselben zur Hälfte in Zement
ind zur Hälfte (nach Pat. Rabitz) in Gips hergestellt, ebenso der
zußboden über den Trägern in Gips (nach Pat. Rabitz) aus—
zeführt.
Raum 4. Die durch eiserne Träger getragene Rabitz-Oecke
hatte vorschriftsmäßig 18 em Asche-Isolirung, darüber Stakung,
ꝛehmentirung, Sandirung und Bretfußboden. Der Raum 4
var von Nr. 6 durch eine Wand getrennt, von der !, nach
Patent Rabitz, !/, in Zement mit eingelegten, 8 em starken Längs—
ind Querstäben in S—10 mm Maschenweite und , aus Tri—
»olith mit Drathgewebeeinlage bestand. In dem Raume befanden
ich 2 eiserne Säulen, horizontal verlegt, deren eines Ende in
der Umfassungswand, das andere auf 195 Stein starken Pfeilern
ruhte, beide mit Luftisolirung, die eine mit Gips, die andere
nit Zement ummantelt.
Raum 5. Die Decke ruhte auf Holzbalken und bestand zu
e einem Drittel aus Tripolith, Gips und Magnesia-Zement mit
Rabitzgewebeeinlage. Dieselbe war 10 em von den Balken ent⸗
sernt und von denselben durch Asche isolirt. Der Fußboden über
en Balken bestand zur Hälfte aus Gips mit Drahtgewebe nach
Rabitz, zur anderen Hälfte aus doppeltem Bretfußboden mit da—
wischen liegender Papplage.
Raum 6. Holzbalken mit Bretschaalung, Berohrung, gewöhn—
icher Kalkmörtelputz, Stakung, Lehmentirung, Sandirung und
Bretfußboden. Der Raum No. 6 war von No. 7 durch eine
Wand getrennt, welche zur Hälfte nach Patent Rabitz mit Gips
und zur anderen Hälfte mit Zement wie in Raum'4 bestand.
Die Scheidewände des Raumes 6 waren 50 em über die Dach—
läche, die Zwischenwände sämmtlicher übrigen Räume im Dach—
zescheß 70 em hoch über Oberkante der Balken geführt.
, Raum 7. Holzbalken, darunter eine gewölbte Decke, deren
Scheitel 10 em unter Balken lag und welche zur Hälfte von
Bips nach Patent Rabitz, zur anderen Haͤlfte von gement
Quistorp) mit Eisendrahleinlagen wie die Wand in Ruum