Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 49, Bd. 8, 1889)

Mochmals Dr. Kas' Sprentaieln. 
—X 
Nochmals Dr. Ratz' Spreutafeln. 
Mitaetheilt von W. Wagner, Architekt in Main 
(Hierzu 6 Figuren.) 
Im „Baugewerksblatt“ Nr. 6 dieses Jahrgangs Seite 85—80 
habe ich auf drei höchst interessante Baumateriälien aufmerksam 
gemacht, die Dank ihrer vorzüglichen Eigenschaften berufen scheinen, 
alsbald eine wichtige Rolle in der Bautechnik zu spielen. Gips— 
diele und Schilfbretter waren bereits seit längerer Zeit bekannt 
und lagen über deren Verwendungsweifen und praktischen Erfolge 
genügende Erfahrungen vor, um zu jenen Urtheilen zu berechtigen 
während die Spreutafeln des Herrn Regierungsbaumeister Dr. Kat 
in Stuttgart damals erst seit wenigen Monaten fabrizirt wurden 
Erfahrungsresultate und Vergleichszahlen also noch nicht anzugeben 
waren. —* damals gemachte Mittheilung über die Spreutafeln —*— 
sich demnach auch nur auf die in den Ankündigungen des Fabrikanten 
zegebenen Ausfuͤhrungen, sowie auf eine kurze Veröffentlichung dee 
Herrn Baurath Reinhardt in Stuttgart im Cente lan da preuß 
Bauperwaltung, welche ein äußerst günstiges Urtheil über die Spreu 
tafeln enthält; mittlerweile hat die Massenfabrikation der Spreu— 
tafeln in der Fabrik des Herrn Dr. Katz in Cannstadt begonnen 
Licenzfabrik fur Rheinprovinz und Westfalen von J. Carstanjen in 
Duisburg a. Rh.) und liegt bereits eine Anzahl praktischer Versuche 
80 —0 cm veoen einander entiernt sein dürfen, weil bei grötzeren 
Weiten ein Verziehen und Durchbiegen derselben bei gelindem Drucke 
ind daher Reißen des dünnen Verputzes leicht stattfindet. Bei den 
Spreutafeln, die zu Zwischenwänden am besten wie Schwemmsteine 
in einem Mörtel mit 152520 Raumtheilen Gipszuiatz vermauert 
— 
dicke Haut aus Gipsmörtel, besser auf den rauben Flächen der Spreu— 
tafeln, als auf den Gipsdielen; namentlich die von Giraudi und 
Brunner werden mit allzuglatten Oberflächen bhergestellt 
p 
Während obenstehende Figur 3 die hier übliche Zwischendecke mit 
Streifboden, Lehmperstrich, Sandauffüllung, Deckenschaalung mit 
Rohrung und Putz darstellt, ist in Figur 4 eine solche Zwischendecke 
wo an Stelle von Streifboden und Lehmverstrich Spreutaäfeln treten. 
— — 
—— 
— —— 
— — — 
F — 
— 
— — 
— 
— 
—— 
7 
J 
— 7 
— 
— 
—IT 
— 79 
DVV 
Fiqur 4 
dargestellt; Figur 5 zeigt gleichfalls die Verwendung der Spreutafeln 
bei abgehobelten, unken sichtbaren Balken, oder solche für untergeord— 
nete Räume, wenn rauh gelassen. Die allerneueste Zwischendecken— 
konstruktion des Herrn Dr. Katz mit Spreutafeln, die erst jüngst zum 
—AI 
Fiau— 
Patent angemeldet ist, daher auch hier nicht in vollem Umfange be— 
chrieben werden kann, ist es, die mich namentlich nochmals auf die 
Spreutafeln zurückbrachte, weil diese Konstruktion geeignet erscheint, alle 
is jetzt derart versuchten Zwischendeckenkoustruktionen in den Schatten 
ADV 
Figur 
5.0 
Figur? 
mit Spreutafeln vor, um erkennen zu können, daß die im Gewerbeblatt 
. Hessen s. Z. gerühmten Vorzüge dieses äußerst wichtigen Baumaterials 
in vollem Maße deregtfertigt waren, ja in mancher Hinsicht die hoch— 
gestellten Erwartungen noch, übertreffen. Es ist unstreitig, daß die 
Spreutafeln in den mannigfachsten Verwendungsweisen die Gips— 
dielen bald übertreffen werden, weil sie bei gleicher Billigkeit 
und größerer Leichtigkeit außerdem größere Widerstandsfähigkeit und 
alle sonstigen guten Eigenschaften der Gipsdiele in noch erhöhtem 
Maaße besitzen. Namentlich zur Herstellung leichter, schalldämpfender 
Zwischenwände und für Gebälkausfüllungen (Zwischendecken⸗ Kon— 
struktionen) sind die Spreutafeln geradezu ein unschätzbares Bau— 
material, dem die allerumfassendste Verwendung alsbald gesichert sein 
wird. Vor Allem verdient hervorgehoben zu werden, daß bei Zwischen 
wänden mit Spreutafeln das dazu nöthige Holzgerippe auf das aller 
jeringste Maaß beschränkt werden kann, daß sich eine solche Riegel 
wand erheblich billiger stellt, als eine mit Backsteinen oder Tuffsteinen 
Schwemmsteinen) ausgemauerte Fachwand hier üblicher Konstruktion 
Siehe beistehende Zeichnung einer Fachwand mit Backsteinen, Tuff— 
steinen und Spreutafeln ausgemauert, Figur 1u. 2.) Bei den Gips 
dielenwänden hat die Erfahrung gelehrt, daß die Pfosten doch höchsten 
zu stellen. Mit Erlaubniß des Erfinders ist dieselbe in Figur 6 hier ab 
gebildet. Da bei dieser Zwischendecke, wie ersichtlich, Streisboden, Lehm— 
verstrich, Deckenverschaalung und Verrohrung hinwegfallen, ist ie nicht 
allein ganz wesentlich biltiger, als die hier üblichen Zwischendecken, 
ondern sie bietet außerdem wesentlich größere Leichtigkeit, erhöhte 
Feuersicherheit (Spreutafeln brennen nicht wie Schaalung und Streif⸗ 
boden), Schalldämpfung und Rissefreiheit, also überhaupt längeren 
Bestand, als die geradezu bald gänzlich veralteten Zwischendecken 
unserer jetzigen, noch meist üblichen Ausführungsweise. Die Spreu— 
safeln bilden hier die Deckenausfüllung (10 cm dick) und den Plafond— 
untergrund zugleich; die Balkenuntersichten werden mit einer Jsolir— 
chichte bekleidet, so daß der Deckenputz mit dem Holzwerk in keinerlei 
Berührung kommt, dasselbe sich also frei bewegen kann, wodurch Risse 
ind Sprünge vermieden werden. Die Spreutafeln liegen auf einem 
n äußerst ingenieuser Weise im Bau hergestellten Draltnetz ), welches 
den Ausfüllungen der Fache eine derartige Festigkeit und Widerstands— 
raft verleiht, daß ein Mann 20—30 Mal hintereinander darauf 
züpfende Bewegung ausführen kann, ohne dadurch den Deckenputz zum 
Abfallen zu bringen. Der Erfinder hatte eine Reihe hoher württem— 
ergischer Staatskechniker, u. A. die Herren Oberbaurath Dr. von Leins, 
Bauräthe Berna und Großz, Postbaurath Ockert zur Beiichtigung 
einer neuen Deckenkonstruktion eingeladen und dann den'elben in 
oben beschriebener Weise die überraschende Haltbarkeit der Anordnung 
ad oculos demonstrirt. 
Bei Verwendung von auf Blindböden verlegten Parkettboden 
kann der Raum zwischen Spreutafeln und Blindboden leer bleiben 
bei gewöhnlichen Böden dürfte es sich indeßz empfehlen, diesen Zwischen— 
raum mit gewaschenem Flußsande auszufüllen. Daß dieser Zwiichen— 
*Patentgeheimniß
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.