Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 49, Bd. 8, 1889)

mMittheilungen aus der Praris 
Mittheilungen aus der Praris. 
Ein Buch über Feuerungs-Anlagen. Von Herrn Paul 
Schimpke in Frankfurt a.O. geht der „Thonindustrie-3ta.“ 
nachstehende Zuschrift zu: 
Im Verlage von J. Bielefeld in Karlsrube erscheint ein 
Werk: „Feuerungs-Anlagen für häusliche und Gewerbezwcecke,“ 
1889, zugleich als vierte Auflage von Menzel's „Bau der 
Feuerungs-Anlagen“, neu bearbeitet von Dr. Ferd. Fischer in 
dannover. 
Im Vorwort sagt der Verfasser, er wolle von der dritten, 
m Jahre 1876 erschienenen Auflage nur sehr wenig verwenden, 
dagegen, den Fortschritten der Feuerungstechnik Rechnung tragend, 
hie sachgemäße Beurtheilung der Feuerungs Anlagen ausfübrlich 
esprechen. Die Art, wie er dieses Versprechen zu erfüllen sucht, 
»eranlaßt mich zu der nachfolgenden Meinungsäußerung: 
Die Fortschritte auf dem Gebiete der Fenerungstechnik sind 
in den letzten zehn Jahren allerdinas bedeutende gewesen und 
die ganze Heizungsfrage ist in wissenschaftliche Bahnen gedrängt, 
odaß Techniker der alten Schule auf manchen Gebieten von 
»en Technikern der Neuzeit lernen müssen. 
Ich begrüße daher den winenschaftlichen Theil des Buches 
nit Hochachtung, ebenso diejenigen Abhandlungen, welche sich 
auf Centralheizungen, Dampfkessel-Anlagen ꝛc. beziehen. Wenn 
dagegen Herr Dr. Ferd. Fischer auf Seite 44 wörtlich sagt: 
„Der Forderung, die Wärme möglichst an das Zimmer 
„abzugeben, entsprechen die eisernen Oefen weit besser, als 
die Kachclöfen. 
„In der That scheint es fast, als ob die Kacheloöfen be— 
stimmt wären, den Schornstein, nicht aber das Zimmer zu 
heizen“ ꝛc. — Ferner: 
„Die eisernen Oefen sind überall da vorzuziehen, wo 
„man Ursache hat, sparsam zu sein“ — 
o muß ich gegen eine solche Verartheilung des Kachelofens ent— 
chieden Verwahrung einlegen, denn sie beruht meines Erachtens 
uuf mangelnder Erfahrung und Unkenntniß und ist geeignet, 
eine große Industrie zu schädigen. Der Herr Veifasser scheint 
eine Ahnung zu haben von der Entwickelung, welche der Bau 
»es Kachelofens seit den letzten zehn Jahren genommen hat; 
»enn es sind in dem betreffenden Werke über Kachelöfen die 
ängst überwundenen veralteten Konstruktionen behandelt; die 
Zeichnungen sind einfach aus der 1866 erschienenen ersten Auf— 
age des Werkes von Dr. Menzel kopirt und manches Bessere 
ius der dritten Auflage von 1855 ist einfach weggelassen. 
Beweis: Das Buch von 18889 bringt: 
einen Mauersteinofen ohne Rost, 
»einen Kachelofen mit Hohlzügen ganz unpraktischer Kon— 
struktion — und 
einige Kachelöfen, wie sie unsere Vorfahren gebaut haben. 
Es scheint, als hat Herr Ferd. Fischer die Ausgabe für 
Neuzeichnung von Kachelöfen gescheut, während er bei eisernen 
Defen neue Konstruktionen, wie die Mantelöfen von Sturm 
in Würzburg und die Spielerei der Lönhold'schen Glimmer— 
cheibenoͤfen, mit auffallender Liebe behandelt. Da weiß er auch 
auszurechnen, daß ein eiserner Füllofen nur mit 15 pEt. Wärme— 
»erlust arbeitet, während ein Kachelofen 80 v(Ct. Märme ver— 
lieren soll. — 
Allen Respekt vor der Wissenschaft! Aber mit solchen Be— 
hauptungen und Begründungen steht der Verfasser nicht auf 
vissenschaftlichem Boden; ich beschuldige ibn der Oberflächlichkeit 
und Voreingenemmenbeit. — Ich big so vorurtheilsfrei, dem 
eisernen Ofen für gewisse Zwecke und Räume den Vorzug ein— 
zuräumen, trotzden ich weiß, daß bei vielen eisernen Oefen, 
. B. dem vielberühmten Meidinger, die Flamme direkt in den 
Schornstein schlägt. Wo bleiben da die 15 pCt. Wärmeverlust, 
und was wird geheizt, der Schornstein oder das Zimmer? 
Als erfahrener Fabrikant und Ofenbaumeister behaupte ich 
negen den Verfasser: 
daß richtig konstruirte und gut behandelte Kachelöfen in 
Bezug auf Wärmeausnutzung mehr leisten, als der vem 
Verfasser auf Seite 11 und 12 ansgerechnete Effekt der 
eisernen Oefen; 
ch behaupte ferner: 
daß Herr Dr. Ferd. Fischer seine Ausführungen über Kachel— 
zfen nur an mangelhaften und vperalteten Konstruktionen 
beweisen kann, und daßz Eifahrungen, die den Verfasser 
zu einem maaßgebenden Urtheile über Kachelöfen berechtigen, 
genanntem Herrn feblen. 
Ich bedauere schließlich, daß ein Werk, welches von Bau— 
neistern und Laien zum Studium über gewisse Heizanlagen be— 
utzt werden wird und auch benutzt werden kann, zur Ver— 
reitung von irrigen Auffassungen über Kachelöfen führt, die 
chließlich eine große und berechtigte Industrie auf das Schwerste 
chädigen müssen. Paul Schimpke, 
in Firma: Aug. Schimpte K Sobn. 
Gasbehälter-Bassin aus Stampfbeton. In Band VIII 
der „Schweizer Bauztg.“ finden sich einige interessante Mit— 
heilungen über ein gerissenes Gasbehälter-Bassin aus Stampf— 
»eton. Vielleicht wird es von Interesse sein, Näheres über Er— 
ahrungen zu vernehmen, die wir hier in Freiburg i. B. mit 
olchen Betonbauten gemacht haben. 
Vor ungefähr zwei Jahren hatten wir für das städtische 
Haswerk die Frage zu entscheiden, ob zu dem beschlossenen Neu— 
au eines Gasbehälters von 5000 chm Inhalt ein Bassin aus 
Mauerwerk, Eisen oder Stampibeton hergestellt werden seollte. 
Mauerwerk bietet nach unserem Dafürhalten keine größere 
Harantie für diesen Zweck, als guter Beton, und ist dabei theurer 
ils letzterer, so daß nur Eisen oder Beton in Frage kommen 
onnten. Obschon nun in den letzten Jahren viele größere Bassins 
nit Erfo'g aus Eisen konstruirt wurden, während gerade in 
ener Zeit die Nachricht vom Reißen des Betonbassins in Augs— 
urg eintraf, so entschlossen wir uns dennoch zu Stampfbeton. 
kinmal sind wir der Ueberzeugung, daß ein guͤtes Betonbafsin 
on größerer Dauer sein muß, als ein eisernes, und keine Unter— 
altung kostet; dann waren wir in der glücklichen Lage, das 
Bassin zu zwei Deitttheilen seiner Höhe in den Boden stellen 
u können bei sehr gutem Baugrund, und endlich hatten wir 
im Orte selbst den thatsächlichen Beweis dafür, daß sich Stampf— 
»eton zu solchen Zwecken ganz gut eignet. Im Jahre 1883 
vurden nämlich für die hiesige neue Gasfabrik zwei zusammen— 
ängende Gasbehälter-Bassins ven je 23,50 melichtem Durch— 
nesser und 6,ad m Höhe durch die Bangesellschaft Heilbronn 
erstellt. Dieselben sind seit September 1884 in Betrieb und 
yaben sich bisher tadellos erwiesen. 
Diesem Entschluß zufolge wurden einige bekannte Firmen 
ur Submission für das neue Bassin eingeladen und dabei die 
Wandstärke dem Unternebmer überlassen. Obschon wir durchaus 
der Ansicht des Herrn Professors Ritter sind, daß Pfeiler der 
Festigkeit nihtt nützen und daß deren kubischer Inhalt zweck— 
näßiger auf den ganzen Umfang vertheilt würde, so waren 
dieselben doch nicht zu umgehen, da für die Verankerung der 
»ierzehn Führungsständer der Gasbehälteralocke die nöthige Basis 
aicht fehlen durfte. 
Die Ausfuührung des Bassins konnte wiederum der Bau— 
gesellschaft Heilbronn übertragen werden; sie wurde im vorverflos— 
enen Jahre 1887 vorgenommen. Die Wandftärken sind: an der 
Basis 185, an der Krone 9 em, der lichte Durchmesser mißt 
31,320 m, die lichte Höhe 7,15mm. Aeußere und innere Wand— 
läche wurden durch eine saubere Verschaalung mit gefalzten 
Brettern hergestellt und der Beton sorgfältigst in Schichten von 
20—-30 em fest eingestampft. Es wurde dabei stets bei Aus— 
zreitung einer weiteren Schicht der untere Beton tüchtig an— 
senäßt und mit Cementwasser übergossen. Von den Schichten— 
ugen ist auch an der rauhen äußeren Wandfläche wenig be— 
nerkbar, der Beton bildet eine gleichmätßige kompakte Masse, 
ind es ist von einem leichten Abbröckeln desselben, wie Herr 
dern vom Augsburger Bassin erzählt, nirgends eine Spur. 
Als Zeichen sorgfältigen Einstampfens darf wohl erwähnt werden, 
daß überall die Fugen der Schaalbretter leicht erkennbar sind. 
Die Löcher für die 2 m langen Ankerschrauben wurden aus— 
espart und sollen nach aufgestelltem Führungsgerüst mit Cement 
tusgegossen werden. Ein nachträgliches Aushauen einzelner 
Theile des Betons kann dem innigen Zusammenhange der Masse 
entschieden nachtheilig werden. 
Das Mischungsverhältniß war vertragsmäßig folgendes: 
Theil Ia Portland-Cement (Schiefferdecker in Heidelberg), 
3 Theile Sand, 2 Cheile Kies und 5 Theile Kleingeschläge. 
Wir halten das letztere Material zur Bereitung eines guten 
Betons für wesentlich. Die Aufbereitung geschah nach einer 
Methode ganz ähnlich derjenigen, wie sie Seitens der Firma
	        

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