Full text: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 49, Bd. 8, 1889)

Bautechnische Notizen. — Vermischtes. 
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raufe eines Jahres, wenn das Regenwasser in den Poren der Steine kleine 
Pilzgebilde erzeugt hat, welche die Poren soweit verschließen, daß das Wasser 
nicht mehr durchdringen kann. Nun kommien aber bei RNeubauten zablreiche 
Fälle vor, wo man diesen natürlichen Verdichtungsprozeß des Taächziegel— 
stteins nicht abwarten kann, sendern für sofortige Trockenbhaltung des uͤn— 
nittelbar unter dem Dache befindlichen Raumes des Gebäudes besorgt sein 
nuß. In solchen Fällen mußte bisher von der Anwendung von Ziegel— 
teinen abgesehen werden, wenn man nicht etwa dieselben mit einem An— 
trich von Theer versehen wollte, wodurch natürlich das also behandelte 
Dach seine freundlich rethe Farbe mit einem zweifelhaften Schwarz ver— 
auschte. Neuerdings hat man nun gefunden, daß die Zuckerrüben-Melasse 
soch in erheblicher Verdünnung durch Wasser die gleiche Wirkung bei den 
Dachziegeln übt, wie ein solcher Theeranstrich. Der Zuckergebalt der Me— 
asse verklebt die Poren der Ziegel, sodaß diese für Wasser undurchdringlich 
verden. Die Steine können vor der Eindeckung des Daches mit der Me— 
afse-Verdünnung bebandelt, oder es kann auch mit derfelben das fertige 
Dach begossen werden. Das Verfahren wird als durchaus zuverlässig ge— 
childert und hat in den Kreisen der Bau-Interessenten arosse Aufmerksam— 
eit erregt. 
Beseitigung der Rauchbelästigung durch Elektrizität. Die 
Rauchbelästigüng ist mit dem schnellen Wachsthum der Industrie und der 
Städte zu einem großen Uebelstand geworden, und so zabhlreiche Vor— 
ichtungen auch bereits besteben, so beweist die Zunahme dieses Uebetstandes, 
aß sie ihren Zweck nur unvollkommen erfüllen. Auch hier scheint es nun 
die Elektrizität zu sein, von welcher uns eine ganz unerwartete Hilfe kommen 
oll. Durch einen kürzlich von Professor Lodge in Liverpool ausgefübrten 
Versuch von babhnbrechender Bedeutung dürfte die Lösung dieser brennenden 
Frage bald zu erwarten sein In der Münchener „Medizinischen Wochen— 
chrift“ wird dieser Versuch, wie folgt, beschrieben: Herr Professor Lodge 
üllte ein großes, würfelförmiges Glasgefäß von 1060 Kubikfuß Inhalt mit 
dichtem, schweren Petreleumruß derart aus, daß man nicht inStande war, 
»on einer, an der andern Seite befindlichen Lichtquelle von etwa 80 Normal-— 
erzen Leuchtkraft auch nur den geringsten Schimmer an der andern Seite 
vabrzunehmen. In den Gefäßen hatte er in gleichen Abständen zwei Eisen— 
olatten befestigt, deren Oberfläche mit zahlreichen dünnen Spitzen versehen 
var. Diese Platten brachte er in leitende Verbindung mit den Polen einer 
dleinen Wechselstrom-Dynamo. TDie erzielte Wirkung war einée wahrbaft 
iberraschende. In der dichten, schwarzen Masse entstand eine wallende Be— 
vegung, sämmtliche festen Ruß- und Köohlentheilchen wurden von den Spitzen 
»er Eisenplatten angezogen und schlugen sich in einer dicken Schicht da— 
auf nieder, so daß in zwei bis drei Minuten das Glasgefäß vollkommen 
zurchsichtig uund frei von Ruß war und das Licht mit voller Kraft auf der 
indern Seite wabhrgenommen werden konnte. Einer Anbringung derartiger, 
nit Elektrizität zu ladender Metallplatten in den Rauchabzügen von Feuc— 
ungs-Anlagen steht nichts im Wege und die Kosten find außerdem geringer, 
ils diejenigen von anderen Vorrichtungen, welche diesen Weck verfolaͤen 
iber nicht erreichen. 
Ein Thurm von 320 mn soll anf dem Hügel von Rotre Dame 
»e la Garde vor Marseille errichtet werden. Derselbe soll sechsseitig sein 
ind eine Reihe von Stockwerken enthalten, welche theils zu Vergnügungs— 
äumen ausgestattet werden, theils als Observatorien, dienen sollen. Bis 
um ersten Stockwerk würden Treppen führen, Aufzüge würden die Be— 
örderung nach größeren Höhen besorgen. Der Plan ruͤhrt von einem In— 
oustriellen der Stadt Marseille her. 
— Zur Herstellung eines Mittels zur Erhöhung der Bindekraft, der 
Festigkeit und Widerständsfähigkeit von Kalkmörtel (Pat. 451946) und 
ur Beschleunigung der Erhärtung desselben verfabhren C. G. Reisert und 
M. Schmetz in Aachen folgendermaaßen: Unterschwefligsaures Natrou oder 
Kali wird in kochendem Wasser aufgelöst und dieser Lösung Glycerin zu— 
Jesetzt, sodaß die erzielte Flüfsigkeit etwa 43 pPCt. unterschwefligsaures Natron 
Der Kali und 15 ppEt. Glyceriu enthält. Tiese Flüssigkeit wird am besten 
dem Kalkbrei vor dessen Vermengung mit Sand zugesetzt und zwar in einer 
olchen Menge, daß auf ungefähr J chm Kalkmörtel 2 Kg der Flüssigkeit 
ommen, 
osten für Berlin zutreffend. Bei dem Ansatz der Erböbung der Eisenpreise 
liegt ersichtlich ein Irrtbum vor, denn vor zwei Jabren war Eisen billiger, 
als 14 Mk. pro DToppelzentner. Die angegebene Gesammtdifferenz wollen 
wir indeß gelten lassen, obschon der betreffende Eisenverbrauch danach für 
»in gewöbnliches Woebnbaus etwas hoch gegriffen erscheint. Für Berlin 
ommt indeß in Bezug auf die Verthunerung ein Faktor in Betracht, der 
noch viel wichtiger ist, als die Erböhung der Materialpreise und Arbeitslöbne. 
Das ist die Steigerung des Preises für Yrund und Boden. Es werden 
etzt selbst in den entlegeneren Straßen Preife bezahlt, welche sich mit der 
Rentabilität, wie solche nach dem Miethswerth zu bercchnen ist, durchaus 
richt zusammenreimen lassen. Dieser Umstand ist ganz geeignuet, die Ban— 
bätigkeit, soweit sie reelle Unternebmer anbetrifft, wesentlich zu beichränken, 
namentlich in den Außenbezirken, in denen die Wohnungemietbhen verbältnißz 
näßig billig sind und theüre Ladenmiethen überbaupt nicht eristiren. Eine 
Sorte von Bauuuternehmern und namentlich deren Hintermänner stoßen 
ich allerdings weder an hobe Herstellungskosten, noch an bobe Grundpreise. 
Diese Art Bauunt rnebmer lebt eben nur wäbhrend der Bauzeit gut, und 
war auf Kosten der meist schwer geschädigten Haudwerker, und der Hinter— 
nann nimmt in der unvermeidlichen Subbastation das Grundstück zu einem 
billigen Preise in seinen Besitz. 
Der schwedische Eisenberg. Ein Unternebmen ist im Gange, 
das nach seiner Vollendung den Eifenbandel der Welt beeinflussen muß: 
die bergmännische Eröfinnug des ausgedehntesten Eifenlagers der ganzen 
Erde, in welchem ganze Berge fast nur aus diesem werthvollen Erze be— 
tehen. Es befindet sich im äußersten Norden Schwedens, an Lappland 
zreuzend, wobin eine Eisenbabn gebaut ist, um das Metall zu Markte zu 
zringen. Tiese neue europäische Eisenbahn, die nördlichste der Welt, be— 
sinnt von der Hafenstadt Lulea (am nördlichsten Ende des Bottnischen 
Meerbusens mit etwa 4040 Einwohbnern und lebhaftem Holzbandel, mit 
inem guten Hafen, in welchen selbst große Seeschiffe bequem einlaufen 
önnen), und geht quer durch die stkandinavische Halbinsel nach Ofoton 
Fiord am Atlaäntischen Ozean. Sie folgt dem Thale des Lulea-Flusses 
etwa 180 Kmeweit, wendet fich dann nördlich, schneidet den nördlichen 
Volarkreis und gebt nach Gellivare, etwa 600 kmevon Lulea. 
Der Berg Gellivaré besteht vollständig aus reichstem Eisenerze, er ist 
116m boch ünd nimmt eine fast 1 Quadratmeile weite Fläche ein. Da 
das Erz dicht an der Oberfläche liegt, so ist kein Minenban nöthig; es 
vird in Tagebau wie ein Steinbruch ausgebeutet und direkt auf die Wagen 
der Eisenbahn verladen, die zu diesem Zwecke rund um den Berg angelegt 
st. Der Berg erstreckt sich meilenweit und erbebt sich 280 m über den 
Zpiegel des Sees Pauki; seinen oberirdischen Gebalt schätzt man auf etwa 
280 ) Mο t sà IGVX:) Kg) metallisches Eisen. Man bat berechnet, daß 
nit Abbau und Verladen die Tonne Erz sich bier auf ? Mk—, stellen wird. 
Etwa 5 Kin nordwestlich von dem Kirunavara erbebt sich der ziemlich 
ꝛbenso bobe Eisenberg Luosavara, der ebenfalls gigantische Mengen ebenso 
eichen Erzes enthält“ Beide Berge sind durch ein Thalgetrennt, durch 
velches die Eisenbabn an dem großen Tornesee vorbei it) kmebis zur nor— 
vegischen Grenze durch Fichtenwälder läuft und die Grenze auf, einem 
Hochplateau von 500 1n über dem Meeresspiegel passirt. Der Abstieg von 
dem Kjölengebirge bis zur Endstatien, 42 kKin, eriordert kostfpielige und 
umfängliche Bauten. 
Pferdekraft und Atmosphäre. Mit der Verbreitung der Dampf— 
naschine hat sich im großen Publikum allgemein der Ausdruck Pferdekraft 
ingebürgert, doch berrschen sehr bäufig noch Zweifel und Unklarbeiten da— 
über, was unter Pferdekraft verstanden wird. Jedermann weiß, daß irgend 
ine Maschine zu ihrem Betriebe eine gewisse Kraft benöthigt, welche jedoch 
erschieden je nach der Art der Maschine ist. Um nun diese Kraft messen 
n können, ist es nöthig, ein bestimmes Maaß zu haben. Diesem Maaße 
jat man die Bezeichnung Pferdekraft gegeben. Eine Pferdekraft ist gleich 
53 Sekunden-Kilsogramm-Meter, d. h. ein Gewicht von 75 Kg. wird in! 
Zekunde genau 1m, oder ein Gewicht von 1 Kg. in 1 Sekunde 75 mm 
soch geboben. Nimmt man z. B. einen Motor, mag es nun Dampf- Gas— 
der Heißluftmotor sein, von6 Pferdekräften an, so muß derselbe nach der 
»ben gegebenen Erläuterung die Kraft besitzen, in 1 Sekunde 6X7TSH Kg. 
-450 Kg genau ein in hoch zu heben; oder eine Arbeitsmaschine, welche 
nn ibrem' Betriebe 6 Pferdekraft benöthigt, muß durch ein Gewicht von 
3x75 - 450 Kg., welches im Fall begriffen pro Sekunde, genau 1 uu 
Weg zurücklegt, betrieben werden. Ist der pro Sekunde zurückgelegte Weg 
roͤßer' als 1 Mitr., so wird das Gewicht kleiner; der Motor hebt in 1 Se— 
untde 75 Kg.6 mtoder 6Kg. 75 m oder 25 89. 181n boch, resp. 
die Arbeitsmaschine wird durch ein fallendes Gewicht betrieben, welches in 
Sekunde 6mn Weg zurücklegt und 75 Kg. wiegt, oder bei 18 1n 
Weg 25 Kg. oder 75 mm Weg 18g. wiegt. Alle diese Leistungen würden 
; Pferdekräfte repräsentiren. Die Kraft eines Menschen rechnet man zu 
318 Kilogramimeter, je nach der erforderlichen Arbeit. Als Raddreher 
echnet man F Männer auf eine Pferdekraft. Hieraus ist zu erseben, wie 
wortbeilbaft es ist, bei nur cinigermaaßen größerem Kraftbedarf stets Motor 
raft anzuwenden. Eine Tampfpferdetraft kostet nach angestellter Berechnung 
a. 30 Pf. pro Stunde, eine Gaspferdekraft stellt sich unter Umständen noch 
swas billiger, wäbrend 6G Mann am Schwungrad doch mindestens 1 big 2 Mt. 
ro Stunde an Löbnen erfordern. 
Sebr häufig findet man die Ansicht verkreten, daß die Zabl der Atmo— 
pbären-Ueberdrücke im Tampfkessel die Anzabhl der Pferdestärken angeben; 
aß dieses nicht der Fall, mag Nachstebendes beweisen: Wenn man bei 
dem oben angeführten Beispiel bleibt vom fallenden Gewicht und dem in 
Sekunde zurückgelegten Weg, so repräsentirt die Dampfspannung des 
defsels das Gewicht und die Maschine den Weg: es ergiebt sich weiter mit 
»bigem Beispiel, daß der Druck im Ressel größer, wenn die Maschine 
angsam, und kleiner sein muß,, wenn dieselbe schneller gebt, vorausgejetzt, 
aß“ eine gleiche Anzahl Pierdestärken gebraucht wird. Es giebt also der 
druck im Kessel, der Atmosphären-Neberdruck, die Anzahl der Pierdestärken 
iner Dampfmajschine nicht an, kann aber wobl zufälligerweise gleich jein; 
ner Atmosphärendruck giebt nur ein Gewicht an, waͤhrend man unter Pferde— 
raft das Produkt von Gewicht und Weg per Sekunde verstebt. (Leipz. Tagebl.) 
Hermischtes. 
Ueber die Vertheuerung der Wohnhans-Bauten und die 
dadurch bedingte Theuerung der Veßeral dürfniise brinat die Ostsee-Beitung 
olgende Notiz: 
Ein Bauunternehmer, der vor zwei Jahren ein Wohnhaus gebaut und 
etzt den Bau eines vollkommen, gleichen in Angriff genommen hat, giebt 
iber das Verhältniß der Materialienpreise und Loͤhne folgende Auskunft: 
Das polnische Holz, welches er in Stettin kauft und schneiden läßt, 
st von Mk. 35 auf Mk. 45 pro chm gestiegen: dies vertbeuert den jetzigen 
VBau um 
Eisen ist von Mk. 14 auf * 
tiegen; dies macht 
Mauersteine sind von Mk. 25 an 
restiegen; macht.. . — 
Kalk und Sand kosten jetzt mehr 
Dachsteine und Kacheln ebers 
Arbeitelöhne, früher 38—40, jetzt 435245 Pf. 
Stunde. macht 
Mk. 7000, — 
2500, — 
1500, — 
504), — 
D.XM. — 
000, — 
Mt. 18 0645, — 
Der Preis des fertigen Hauses,, früher Mk. 105 000, stellt sich jetzt 
uf Mk. 123 000; der Aufschlag beträgt, 17 pEt. 
Bei dem obigen Beispiel bandelt es sich nach dem angegebenen Verbrauch 
»on Mauersteinen von 700, Mille um ein mittleres Wohnbbaus, und wenn 
ie Rechnungssätze auch nicht mit den Berliner Preisen ganz übereinstimmen, 
o sind sie doch im Aligemeinen auch in Bezug auf die Erhöhung der Bau— 
I4ro
	        

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