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Die Windfahnen. — Ueber Verschiedenheiten in der Holzcement-Eindeckung.
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Hitze und somit die Entzündung brennbarer Stoffe zu verhindern.
Wie leicht wird das Gebäude mit den Holzbalkendecken, mit den
Holztreppen ꝛc. ein Raub der Flammen, wie leicht fällt das Bau—
werk mit eisernen Trägern ꝛc. der Zerstörung anheim, was bei
einem Gebäude mit Steindecken und Steintreppen undenkbar und
thatsächlich ummöglich ist. Als im Jahre 1873 ein furchtbarer
Brand die Stadt Cham in Bayern in wenigen Stunden zu etwa
2/3 in Asche legte, konnte man die Wahrnehmung machen, daß
oon Gebäuden, welche durch ihre ganze Tiefe sich erstreckende
Steinwände und Steindecken hatten, diese Theile völlig unver—
sehrt blieben und damit ihre Bewohner nicht nur vor dem Feuer—
lode bewahrten, sondern denselben auch den ferneren Aufenthalt
gestatteten, während links und rechts ein Chaos von Trümmern
und Schutthaufen herrschte. Ueberhaupt kann man gelegentlich
stattgehabter Brände, namentlich bei gewerblichen Anlagen, oft
genug beobachten, daß die Treppenhäuser — die meistens durch—
weg aus Stein bestehen — erhalten bleiben, während alles, wo
nur irgendwie Holz oder Eisen vorhanden war, völlig zerstört
wird. Ueberdies vermag der Stein den zahlreichen Einflüssen,
die durch den Fabrikbetrieb erzeugt, die Vergänglichkeit des
Holzes beschleunigen, sicher zu widerstehen; weder Zer—
störung durch lebende Wesen, noch Vernichtung durch Feuchtig—
keit, oder durch allzu große Hitze ꝛc. läßt sich bei ihm irgendwie
efürchten.
geschlossen und eine Glaskugel eingelegt ist, um die Reibung
zu vermeiden. Oder es sind Eiseustäbe zur Werstärkung
ingebracht, welche zugleich die Scharnire bilden. So
liegt die ganze Vorrichtung dem Wetter preisgegeben, wird in
urzer Zeit durch Rost zerfressen, und, da ein Einölen bei der
chweren Zugänglichkeit des Aufstellungsortes nicht, oder nur in
angen Zwischenräumen thunlich, stockt die Bewegung, wird unge—
iau und macht sich die mangelhafte Einrichtung und die erhöhte
Reibung durch lantes Kreischen bemerkbar.
In unserer technisch vorgerückten und mit Vorliebe gerade
die Konstruktionsseite betonenden Zeit konnte es daher nicht au
Versuchen fehlen, auch die genannten Vorrichtungen zu verbessern.
Die ersten durchschlagenden Verbesserungen nach dieser Richtung
hin sind die von Menzel-Klette angebrachten, die 1871 zuerst in
Daarmann's Zeitschrift beschrieben wurden. Dieses Systent ist
eitdem von vielen Gewerken angenommen worden. Es beruhen
zdieselben im Wesentlichen auf der Einrichtung der Fischbänder,
hei denen die beiden Dorne innerhalb der von den Bändern
gebildeten Düse aufeinander ruhen und so das ganze Gewicht
einer Thür auf einen Punkt konzentrirt und die Reibung ent—
prechend vermindert wird. Im Aufang waren die fraglichen
Windfahnen in derselben Weise eingerichtet. Doch hat die Ein—
richtung späterhin insofern eine Verbesserung erfahren, als die
)eiden Stangen nicht mehr, wie Anfangs, mit ihren abgerundeten
Enden aufeinander sitzen, sondern so eingerichtet sind, daß eine
Spitze in einer Pfanne läuft.
Eine solche Windfahne nun besteht aus zwei Theilen. Da
st zunächst die Hauptstange, deren äußere Form und Ausstattung
eine beliebige sein kann. Dieselbe läuft oberhalb in ein schwächeres
Fnde aus, das am besten rund abgedreht wird. Am Kopf ist
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etzten Ende der Stange verstählt. Die Fahne besteht, außer der
igentlichen Fahne, aus der Stalge, die unten zugespitzt ist. Diese
Zpitze ist ebenfalls verstählt und sitzt in einem Rohre fest, das
nur wenig weiter als das obere runde Ende der Hauptstange
ist. An dem Rohre ist außerdem die Querstange befestigt, an
der das Blech und die Verzierung der Fahne eingenietet sind;
die Querstange läuft auf der Windseite in einen Schrauben—
„ung auv, auf dem ein KRopfi. eine WMreitving nder deralticht
orehbar ist.
Die Hauptstange wird lothrecht auf ihrem Platze aufgestellt
ind befestigt. Dann wird das Rohr mit der Fahne darüber
gesteckt, sodaß die Spitze des in das Rohr eingelassenen oberen
Stangenendes in die Pfanne des oberen runden Endes der Haupt—
tange zu stehen kommt. Da der Schwerpunkt bei der Gesammt—
mordnung der Fahne tief genug ist, ruht dieselbe nur auf der
Zpitze, während das Rohr als Führung dient. Um das Gleich—
gewicht ganz genau zu justiren und ein Reiben der Innenseite
es Rohres an der Hauptstange zu verhindern, dient der Knopf
ils Gegengewicht, der durch Vor- und Rückwärtsdrehen auf der
Schraube eingesteilt wird. Hierdurch wird ein allseitiger Sviel—
raum von etwa 1 nmm hergestellt.
Das runde Ende der Hauptstange wird nur etwas mit Fett
eingerieben, in die Pfanne aber kein Oel gegeben, sondern etwas
Braphit eingestreut, wodurch ein Rosten der Spitze und der
nneren Fläche der Pfanne vermieden wird. Spitze und Pfanne
holiren sich vielmehr bald blank, sodaß die Reibung sich auf das
geringste Maaß reduzirt. In solcher Weise genan eingestellte
dahnen bewegen sich mit außerordentlicher Leichtigkeit, der leiseste
ufthauch bringt sie zum Drehen. Die Befürchtung, daß die
Fahne, weil sie eben nur lose und frei aufsitzt, durch den Wind
aufgehoben werden könnte, trifft nicht zu, da sie eben jeder Luft—
hewegung nachgiebt und dem Winde nach jeder anderen als
„sorizentalen Richtung nur scharfe Kanten darbietet. Dabes
st die Drehvorrichtung vor Regen und Nässe vollständig ge—
chützt und ein Einrosten nicht möglich. Reparaturen, wenn sie
iberhaupt vorkommen, können leicht vorgenommen werden, da
man jederzeit die Fahne ohne Mühe abnehmen und wieder auf—
setzen kann.
Ueber Verschiedenheiten in der Holzcement-Cindechung.
Bei dem Eindecken von Holzcementdächern haben sich all—
mälich verschiedene Arten in der Praxis ausgebildet. Da jent
nit Recht immer mehr Anwendung finden, so erscheint es nicht
überflüssig, einige der verschiedenen Deckungsarten hier zu be—
sprechen, um unsere Leser zur Mittheilung über ihre Erfahrungen
bei der einen oder der anderen, sowie über weitere interessante
Finzelheiten anzuregen
Schluß folgt.)
Die Windfahnen.
Die Windfahnen haben zweierlei Zweck zu erfüllen: sie
sollen die Windrichtung anzeigen und als architektonischer Schmuck
dienen. Den ersteren werden sie erfüllen, wenn sie an völlig
ungeschützten Stellen aufgebracht sind, und der Nebenzweck, als
architektonischer Schmuck, als äußerste Gebäude-Krönung zu dienen,
wird erreicht, wenn nicht schablonenmäßig verfahren, sondern die
Gestalt des Windarmes der Abschlußgliederung härmonisch an—
gepaßt erscheint. Eine Windfahne auf einem niedrigen, von hohen
Nebenbauten überragten Gebäude anzubringen, ist zwecklos, ein
Kuppelgewölbe unvermittelt mit ihr zu krönen, geschmacklos
Schon die jehßt üblichen Sonuen auf hohen Stangen, mit denen
derartige Aufbaue abgeschlossen werden, können einem geläutertem
Geschmack wenig zusagen; sie nehmen sich wie aufgespießte Stech—
üpfel oder Disteln aus.
In früheren Zeiten, ganz besonders aber im Mittelalter,
waren die Windfahnen ein besonderes Studienobjekt, und wenig
andere Theile des Gebäudes erfuhren eine so geradezu künstlerische
Behandlung, wie sie. Die Wahrnehmung, daß die Schwankungen
und Strömungen des die Erde umhüllenden Luftmeeres mit den
derschiedenen Erscheinungen der Witterung in eugstem ursächlichen
Zusammenhang stehen, führte zur Herstellung von Instrumenten
derschiedener Art, besonders dazu, die Windrichtung annähernd genau
festzustellen. Wie sich aber alle Vorstellungen und Wahrnehmungen
des Menschen in seiner Kunst wiederspiegeln, so sehen wir auch
bei den Windfahnen die schöpferische Phantasie thätig, deren
Gestaltung in Zusammenhang einestheils mit den Vorgängen des
Lebens zu bringen, wie nicht minder die in den Köpfen vor—
handenen Wahngebilde aus dem Fabel- und Geisterreiche an
ihnen zu versinnbildlichen. So sehen wir die Windfahne in den
verschiedenen Zeitläufen mit Bildern der verschiedensten Art in
Verbindung gebracht, von der einfach natürlichen Form der Fahne
his zu den wunderlichsten Darstellungen, immer aber von dem
Bestreben getragen, diese Form stilgerecht und schön auszubilden.
Wir sehen unter Mitwirkung geomeirischer oder pflanzlicher Ge—
bilde Sterne, Wappen-Schilder, Wappen-Thiere, Adler, Drachen
und andere Fabelthiere als Anklänge an eine längst vergangene
Zeit, schwebende Genien, besonders häufig den Hahn als Sinn—
bild der Wachsamkeit, dann den gefiederten Pfeil. Auf Brunnen—
häuschen, wahrscheinlich über Quellen, die in heidnischer Zeit der
Göttin Freia gewidmet waren und deren Wasser deshalb
noch bis in spätere Jahrhunderte als die Fruchtbarkeit fördernd
angesehen wurde, ist selbst der Klapperstorch als Kinderhringer
vertreten.
Bei der Vorliebe für diesen Gegenstand in seiner äußeren
Gestalt ist es zu verwundern, daß gerade der wichtigste Theil
desselben, die technische Seite, also die Drehvorrichtungen, bis
dahin auf einer niederen Stufe der Vollendung stehen geblieben
ist. Diese Vorrichtungen beschränken sich im einfachsten Falle
darauf, daß die Blechtafel einfach entweder im Ganzen zu einer
Röhre, oder an einzelnen Stellen umgebogen und auf die Stange
gesteckt, letztere mit einem Knopfsatz als Führung, auf dem die
Röhre frei schleift. Höchstens kommt es vor, daß die Düse oben