Feuersichere Baumaterialien
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Feuersichere Baumaterialien.
Die „Badische Gewerbezettung“ schreibt: In unserem
Blatte haben wir schon des öfteren Veranlassung genommen,
neuere Baumaterialien unter besonderer Berücksichtigung ihres
Verhaltens gegen Feuer zu besprechen, sofern denselben gerade
in dieser Hinsicht als Schutzmittel gegen Feuersgefahr eine
Stellung im Bauwesen einzuräumen ist. Solche Materialien
sind: Gypsdielen, Schilfbretter, Cementdielen, Xylolith, Asbest
rement, Isolirbimstein, auch das Drahtglas zählt hierher und
noch verschiedene andere Stoffe, deren wir bis jetzt hinsichtlich
des von ihnen gewährten Feuerschutzes noch nicht Erwähnung
geschehen ließen Wiewohl die sogenannten feuersicheren Bau—
materialien Brennproben im Kleinen schon wiederholt unter—
zogen worden sind und man über deren Wirkung und Werth
ein ungefähres Bild sich verschaffen konnte, hat bisher doch
bei vielen derselben die Gelegenheit gemangelt, ihr Ver—
halten bei dem großen Brand eines ganzen Gebäudes mit
hinreichender Zuverlässigkeit kennen zu lernen und namentlich
die verschiedenen Arten dieser Baumaterialien hinsichtlich ihres
Fruerschutzes gleichzeitig nebeneinander zu beobachten. Ver—
suche im größeren Riaaßstabe wurden durch pekuniäre Unter—
stützung vom Verband deutscher Privat-Feuerversicherungs—
gesellschaften veranlaßt, indem derselbe dem Vorstand der
Deutschen Allgem. Ausstellung für Unfallverhütung in Berlin“
im Jahre 1889 einen Betrag von 10 000 M. zur Verfügung
stellte, um denselben zu Prämien für hervorragende Leistungen
auf dem Gebiete des Schutzes gegen Feuersgefahr zu ver—
wenden. Branddirektor Stude war mit dem Preisrichteramt
betraut worden. Die zur Prüfung eingesandten Baumaterialien
wurden, um der Wirklichkeit möglichst zu entsprechen, in
ein altes Haus eingebaut, welches der Berliner Magistrat zu
dem Zwecke zur Verfügung gestellt hatte. Anfangs Februar
dieses Jahres wurde die Feuerprobe vorgenommen; das Er—
gebniß derselben ist bereits durch eine Druckschrifts) publizirt
worden, und hielt ferner hieruber Direkior Stude in der
Sitzung vom 5. Juni d. J. des Vereins zur Beförderung
des Gewerbfleißes einen Vortrag, aus welchem wir das
Wichtigste nachstehend (an der Hand der Veröffentlichung des
Berichtes im Organ des genannten Vereins) auszüglich
wiedergeben, nachdem wir bereits in den Nummern 7 und 8
dieses Jahrg. vom „Deutschen Baugewerks-Blatt“ einen all—
gemeinen Bericht veröffentlichten.
Ueber Cemente verschiedener Konsistenz und mit ver—
schiedenen Zusätzen ist zunächst zu berichten daß sich dieselben
gaunz vorzüglich gegen die Einwirkung des Feuers gehalten
haben; und zwar nicht nur für sich, sondern auch als Schutz—
mittel für Eisen, obgleich hier ein Abblättern stattgefunden
hatte, dessen Ursache auf die Einwirkung des Wasserstrahls
bei der Löscharbeit zurückzuführen sein dürfte. Hinsichtlich
des Cements, für sich allein angewendet, wurde im Wider—
spruch mit den obigen Wahrnehmungen schon anderen Orts
beobachtet, daß bei unmittelbarem Aufschlagen des Feuers auf
Cement aus ebenen Flächen desselben große Stücke unter einem
Knall abgesprungen sind; es lag dies aber vermuthlich daran,
daß der Cement Wasserblasen einschloß. — Besonderes Inte
resse bei der Brennprobe erregte eine Asbest-Cement-Mischung
Dieselbe zeigte überaus große Festigteit und war widerstands—
jähig gegenüber Temperaturen bis zu 13000. Ummante—
lungen von Eisen mit Asbestcement nach dem Verfahren von
Jugenieur Kühlewein schützten das Eisen vollkommen. Selbst
mit den großen und schweren Aexten der Feuerwehrleute war
„s nach dem Brande nur mit Mühe möglich, einige Oeffnungen
inzuschlagen, um das Eisen untersuchen zu können. Aehnliche
Beobachtungen wurden auch mit einer von Kühlewein her—
zestellen Wand und zwei Thüren gemacht. Der Bericht—
erstatter ist der Ansicht, daß sich der Asbestcement eine Zu—
kunft erringen wird, wenn noch einige kleine Verbesserungen
mit demselhen agetroffen merden
Neben dem Cement in seinen verschiedenen Formen
haben sich die Schönweider Kunstsandstein-Treppen von G. A.
Schultz &eCo., Berlin, vorzüglich bewährt. Die Stufen waren
abwechselnd eingebaut mit gewöhnlichen Granit- und eisernen
Stufen; nur die Kunstsandstein-Stufen haben dem Feuer
bollkommen widerstanden und haben bei der Probe dasselbe
Verhalten gezeigt, wie im Ernstfalle früher in einem Gebäude
Berlins, wo eine heftige, lang andauernde Stichflamme durch
das Treppenhaus schlug, das Gelände verzehrend, die Unter—
zugschienen verbiegend, während die Treppe äußerlich fast
unverletzt und nach dem Brande begehbar blieb.
Außer dem Cement als Fußboden, Decken, als Um—
mantelung von Eisenkonstruktionen und außer diesen Sand—
teintreppen sind noch einige andere Stoffe in den Vorder—
zrund getreten, die bis dahin nach der Richtung der Feuer—
icherheit weniger bekannt waren, die sich aber vorzüglich
dewährt haben. Dahin gehört das Drahtglas von Fr.
Siemens in Dresden. Bei den Proben handelte es sich
um die Frage, ob es zulässig wäre, in Wänden z, B. große
Drahtglasplatten einzubauen, oder sie innerhalb von Treppen
—
so auch als Oberlicht im Dachbelage, hat sich das Drahtglas
zut gehalten. Es waren große, zentnerschwere Eisenbarren
mausefallenartig mit Holzscheiten derartig abgesteift worden,
daß der Eisenbarren mit dem einen Ende auf dem Fußboden
aufsaß, das Oberlicht vorläufig noch unbelastet war; erst nach
dem Durchbrennen des Holzes sollte der Eisenbarren auf die
vom Feuer bereits stark beanspruchte Glasplatte fallen. Nach—
dem das stützende Holz fortgebrannt war, d. h. nach längerer
Zeit und nachdem alles rothglühend war, schlug der Eisen—
barren herunter, doch die Platte wurde nur verbogen, blieb
rauchdicht und war nachher noch zu begehen. — Wenn man
die Drahtglasplatten, vertikal aufgestellt, als Wandtheile
benutzt, muß man die Vorsicht gebrauchen, daß nicht auf
beiden Seiten brennbare Stoffe gelagert werden, weil fit
zegen die Uebertragung der Hitze keinen ausreichenden Schutz
gewähren.
Als Stoffe, welche sich ferner gut gehalten haben, sind
besonders die Korksteine zu nennen, die für gewisse Zwecke
iehr zu empfehlen sind. Der Korkstein, der von Grünzweig und
Hartmann in Ludwigshafen a. Rh hergestellt wird, ist eine
Mischung von klein geschnittenem Kork; es werden die Kork
abfälle verwendet, die mit einem Bindemittel — Luftkalk und
Thon — zusammengepreßt werden; sie geben nun Steine
etwa in der Form der gewöhnlichen Backsteine. Sie sind
sehr leicht und verarbeiten sich gut, da sie sowohl im Mörtel
haften, als mit Schrauben und Nägeln befestigt werden
können. Ueberall da, wo es sich darum handelt, mit einem
ceichten Material Hohlräume auszufüllen, oder wo man
Zwischenwände ohne Unterstützung aufstellen will, wäre der
Korkstein gut anzuwenden; denn daß er eine genügende
Feuersicherheit besitzt, ist bei den Brennproben erwiesen. Es
wurden aus dem Material eine feuersichere Thüre, sowie eine
Mansardenauskleidung hergestellt, die sich als durchaus feuer—
sicher bewährt haben. Korkstein nimmt auch Putz an und es
empfiehlt sich, ihn nach der Benutzung mit Kalkmörtel abzuputzen.
Von den übrigen, in die Untersuchung gezogenen feuer—
sicheren Baumaterialien und Baukonstruktionen nennen wir in
kurzer Uebersicht nur noch das neue System eines Decken—
und Wandputzes von Zimmermeister Schubert in Breslau;
an Stelle des Mauerrohrs werden vierkantige Stäbe ver—
wendet, deren Kanten gegen die zu schützende Decke oder Wand
gelegt, dort leicht befestigt und mit Verputz versehen werden;
der Halt des Putzes soll durch diese Konstruktion erheblich
verbessert sein, was bei Feuersbrunst von großem Werth ist
Ferner sind zu erwähnen die Böckler'schen Patent-Cementdielen,
ausgestellt von P. Stolte in Genthin; Gipsdielen von A
Mack in Ludwigsburg; Deckenkonstruktionen nach dem System
Kleine (Komposition von Schwammsteinen mit Cementmoͤrtel,
ausgestellt vom Asphaltwerke Wigankow in Berlin; Decken
und Treppenkonstruktionen der Aktiengesellschaft fur Monier
hauten; Thüren von HuüberCo. in Berlin. heraestellt nack
*) Bericht über die am 9. 12. Februar 1893 in Berlin vorgenommenen
Prüfungen feuersicherer Baukonstruktidnen von Stuüde u. Reichel. Berlin
Syrinder. 180838