fullscreen : Württembergische Kirchengeschichte bis zum Ende der Stauferzeit

——

A—

28

Die Merowingerzeit

Beim Entstehen der Dorfkirchen mag der fromme Sinn der einzel—
nen Dorfhäupter und Dorfbewohner, die Anregung des Hundert—⸗
schaftsführers oder das Drängen des Inhabers der Urkirche, auch des
Bischofs, ausschlaggebend gewesen, die jeweilige Gründung somit
bis zu einem gewissen Grade zufällig sein; ein planmäßiges, durch—
gängiges Handeln ist doch nicht zu verkennen. Die Loslösung einer
Tochterpfarrei von den Pflichten und Rechten der Urparochie war
wohl nicht ganz leicht; sie erforderte eine Abscheidung der Befugnisse,
die sich erst im Laufe der Zeit ganz klar und reibungslos herausge—
stellt haben mag. Häufig erhielten die Dorfkirchen denselben Heiligen
wie ihre Mutterkirchen, so z. B. (Ober-) Lenningen den heiligen Mar—
tin wie Kirchheim unter Teck, oft werden auch neue Heilige gewählt
worden sein, etwa Dionysius, der spätere Hauspatron des Merowin—⸗
gerhauses, in Böblingen, Stephanus der Erzmärtyrer in Kuppingen
bei Herrenberg, Mähringen bei Tübingen und Sondelfingen bei
Metzingen. In den ältesten Urkunden des Landes aus der zweiten
Hälfte des 8. Jahrhunderts begegnen Dorfkirchen schon recht
zahlreich.
Während des 7. Jahrhunderts hatten sich die inneren Zustände im
Frankenreiche verschlimmert. Eine furchtbare Verderbnis und Sitten⸗
verwilderung machte sich in den leitenden Kreisen geltend und griff
auch auf das kirchliche Gebiet über. Den fortgesetzten Teilungen waren
Wirren und wüste Parteikämpfe gefolgt, die oberste Gewalt mehr und
mehr in Zerfall geraten. Die einzelnen Länder wurden immer unab—
hängiger; die Herzöge im rechtsrheinischen Alamannien, im Elsaß, in
Thüringen, in Aquitanien erkannten nur noch eben die Oberhoheit
der Könige an, die Bayernherzöge traten wie völlig selbständige Lan—
desherren auf. Die Macht der Merowingerkönige wurde von deren
obersten Beamten, den Hausmaiern aus dem karolingischen Geschlecht,
die auch Herzöge des Austrasischen Frankens waren, verdunkelt; zu⸗
letzt verloren sie jede Bedeutung, wenn auch Sprossen des Königs—
hauses der Form nach bis über die Mitte des 8. Jahrhunderts auf
dem Thron verblieben. Mit dem Siege Pippins des Mittleren über
den Hausmaier von Neustrien, dem westlichen Teil des Frankenreichs,
387 war die Reichsgewalt wieder in kraftvolle Hände gekommen. Pip⸗
pin suchte der Unabhängigkeit der Stämme ein Ende zu
bereiten. In den Jahren 709 und 710 rückte er gegen den alamanni—
schen Herzog Willehari, den Sohn Herzog Gotefrids, zu Felde und
ließ in den beiden folgenden Jahren das Land durch seinen Feldherrn
verwüsten. Nach Pippins Tode 714 hatte sein Sohn Karl Martell
harte Kämpfe zu bestehen, bis er das ganze Reich in seine Gewalt
brachte. Seit 716 war er Herr von Austrasien; er mußte aber noch
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.