Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Sehr geehrter Herr Kuhnert. Aber es lohnt wohl nicht, diesem 
; hr NS Aufsatz voller Häme noch mehr 
Eee den Texten und Bei. Aufmerksamkeit zu schenken - nur 
- trägen gute Quellen zur eigenen so ein Wortpaar in diesem Zusam- 
Betr.: 78 ARCH”, Hugo Kükelhaus B Sechäft!  OnE der Arbeit von 11 menhang „Naturgeheimnis und 
K Ihr 5  Meinungsteil” dagegen Kriegswirtschaft” zeigt die Unkennt- 
widerspricht allen Ihren Absichtser- "a Autors über die damalige 
ENT ERS 0er Dear Sie mögen diesen Brief dem Autor 
Sehr geehrter Herr Kuhnert, famierungen aufzuführen, die noch Das Pamphlet von Herrn Hoff- zuleiten oder Auch nicht ich mußte 
Ein Teil dieses Heftes ist dem Päda- fortgesetzt werden könnten. Hier mann-Axtheim ist so unpraktisch einfach schreiben! 
gogen, Architekten, Mathematiker, wird mit Gemeinplätzen versucht wie unwürdig. Es ist unpraktisch, Maria Voigt 
Philosophen, etc. Hugo Kükelhaus CINen Menschen zu zerstören. Hier weil man mit arroganten ideologie- 
gewidmet. Wie das Titelbild schon wird das niedrigste Niveau einer kritischen Pointen einer Diskussion 
erkennen läßt, nicht ohne Polemik. Auseinandersetzung gewählt. Wer der behaupteten Widersprüche in 
Ein klarer Kopf graphisch so wirrab- „Urzahl und Gebärde” als Gedan- die Empörung eines billigen besse- Sehr geehrter Herr Kuhnert, 
gebildet, wie es Ihrem Eric Peters ge- kengewimmel bezeichnet disqualifi- ren Gewissens ausweicht. Dabei ist Es ehrt Ihre Zeitschrift, daß sie sich 
raten ist, stimmt bedenklich. ziert sich. Keine Geringeren als das Gewissen von Herrn Hoffmann- mit so besonderen Menschen und 
Zunächst ist zum Inhalt über das Albert Einstein und Eduard Spran- Axtheim umso uninteressanter, als Könnern, wie Emil Steffann und 
Interview mit Graubner, der behaup- ger haben sich nicht nur verstehend er mit seinen hinterhältigen Ka- Hugo Kükelhaus, befaßt. Druck und 
tet, Kükelhaus sei an der Fassade Sondern auch begreifend geäußert. jauern zu verstehen gibt, daß diean- Typographie gefallen mir bei diesem 
dieses Hauses gar nicht beteiligt ge- Im Kontext überschätzt Ihr Autor stehenden „Probleme”, nämlich Heft, die Seiten 20-23, Schwarz- 
wesen, er habe einige grundsätzli- offenbar seine Möglichkeiten. Wer Widersprüche zwischen den sachli- Weiß-Wiedergaben von Schrift und 
che Überlegungen beigesteuert, fol- aus Kükelhaus dialektischer Posi. chen und den politischen Seiten Zeichnung Hugo Kükelhaus’ sind 
gendes richtig zu stellen: Kükelhaus tion eine Balance, Schaukel, usw. mehr oder weniger jeder Arbeit für schön. Mit dem Umschlagbild tat 
hat mir wiederholt durch Zeichnun- Haltung filtert und meint, sie aufsei- das Leben der Menschen, ihn nicht ich mich schon schwerer und über- 
gen und Aussagen deutlich ge- ne Stellung im 3. Reich übertragen betreffen. Damit wird Kritik zum legte wie Hugo Kükelhaus wohl dar- 
macht, daß er der eigentliche Gestal- zu können, muß zur Rede gestellt Geschimpfe, Frage nach Verantwor- auf reagieren würde. Ich komme 
terist. werden. Nur zu genau kenne ich tung zur Denunziation. Dies ist vor daraufzurück. Die Kükelhaus-Texte 
Zum Beitrag von Hoffmann- Hugo Kükelhaus’ Position in Bezug allem deshalb auch unwürdig, weil sprechen für sich selbst - jeder muß 
Axthelm: Brauchbare Sinnlichkeit- auf den 20. Juli. (Kreisauer Kreis) dieses Heft inzwischen von H. K. sie nach seinem Vermögen erarbei- 
was immer diese Aussage heißen Die entscheidenden Menschen ha- nicht mehrgelesen, den Behauptun- ten. Sicher ist es in einem solchen 
mag - steht im deutlichen Zusam ben sich im Hause von Kükelhaus gen und Interpretationen nicht Falle das Beste, die Person, die man 
menhang mit dem Titelbild Ihre: getroffen. Bemerkenswert, daß Ihr mehr entgegnet werden kann. Über vorstellen will, selbst sprechen zu 
Heftes und der Position des Autors, Autor davon keine Kenntnis hat. den guten Geschmack solcher Art lassen - es sei denn, man habe kon- 
Es werden zunächst unhaltbare Be; _Yin und Yang sind ein Urprinzip, von Nachrufen wurde ja in Deut- geniale, durch und durch wohlun- 
ziehungen.. zwischen. Kükelhaus/ ine dialektische Figur, das gehörte schland vor einigen Jahren intensiv terrichtete, verantwortungsbewußte 
den Architekten und der Architek zu Kükelhaus’ These, niemals hater genug diskutiert. Kommentatoren. 
tur konstruiert, ohne daß auch nur e$ als seine philosophische Gedan- Ihr Rudolf zur Lippe Im Gespräch „Haus Graubner” S. 
ein konkretes Beispiel angeführt Kenschöpfung betrachtet, Wissen- Fr Kudo!! Zur LIPPS_ 74 wird das ganze wunderbare letz- 
wird. Der erste Absatz des Autors schaftlicher Quellennachweise be- te Werk von Hugo Kükelhaus, für 
endet mit der hämischen Frage, ob darfes nicht, wenn man in keine wis- ihn eine Krönung seines Schaffens, 
Kükelhaus wirklich über Architek senschaftliche. Diskussion treten Sehr geehrter Herr Kuhnert, liebevoll, in vielen Einzelheiten, wie 
tur gesprochen habe. Zu dieser Be, will. Wenngleich Kükelhaus jeder- Ich möchte mich nochmals bedan- er es wünschte, dargestellt. Die Vor- 
hauptung nur einige exemplarische zeit bereit war seine Quellen preis ken, daß Sie aufgrund meines telef aussetzungen, die H. K. für den Bau 
Hinweise: Gestaltung mehrerer Sa- zugeben. Anrufs mir umgehend das Kükel. vorfand, waren nahezu ideal, in der 
kral-Bauten; „Das unbezahlbäre Die Schlußfolgerung von Hoff- hausheft zugesandt haben. Landschaft, in dem reichen Holzvor- 
Haus” (Merianheft über Soest); Un‘ Mmann-Axthelm, daß Kükelhaus Nun möchte ich mich äußern über rat und der Aufnahmebereitschaft 
menschliche Architektur, . Gaya- nach dem Kriege vorhandene Texte den Aufsatz (S. 56) „Brauchbare des Bauherren und der meisten 
Verlag. Köln; Fensterlose Schule nur mıt anderen Begriffen variiert, Sinnlichkeit” von Dieter Hoffmann- Handwerker, Ein Haus „nur vom 
Neuisenburg, Vortrag am NDR.Die istabsurd. Warum jetzt noch weitere A xthelm. Reisbrett” gibt es natürlich nicht. 
Beispiele ließen sich erweitern. Stellungnahme, wennIhr Autornur Meine erste Frage: wie alt (oder si- Wer die Arbeiten von H. K. über vie- 
Im Abschnitt I versteigt sich Ihr N0ch polemisiert? Es geht um Klar- cher wie jung) ist der Autor? le Jahrzehnte kennt und den Ablauf 
Autor in einen Stil, der jede Seriosi- Stellung! Ungefährheit des Griechi- Und dann: werist bloß dieser Die- des Projektes Herrischried von An- 
tät vermissen läßt: Sic: „In seinen Schen, der Philosophie, der Soziolo- ter Hoffmann-Axthelm? fang an verfolgt hat, wie ich, weiß, 
zahlreichen Schriften steht in ermü-. gie, der Psychologie, usw. reicht Mein Mann war Dr. Voigt, der Ver- wie der Gesamtentwurf sowie jede 
dender Eintönigkeit und immer Nicht zu apodiktischen Aussagen. leger von „Werde Tischler” - „Ur- BEinzelheit, aber auch jede noch so 
gleichen Durcheinander seit fünfzig Es wird polemisch die Frage ge- zahl und Gebärde” - „Deutsche Wa- kleine, in Form und Farbe, von Kü- 
Jahren im. Grunde dasselbe” stellt, warum die Alternativbewe- renkunde” - „Wort des Johannes” _Kelhaus stammt - innen und außen - 
„Sprachliche Geiselnahmen” gungdas Mißverständnis Kükelhaus etc pp. und deshalb treffen uns (ich  Selbstverständlich, wie immer, in 
(welchtein unsinniger Ausdruck). Es überhaupt brauche, Vielleicht ist peziehe mich durchaus ein) solche ständigem Austausch mit dem Bau- 
wird von?dem Sehen.als‘von dem von vielen mehr begriffen worden UJnterstellungen, wie Kükelhaus _herrn und den Handwerkern. Aus 
theoretischsten‘ Sinn gesprochen, als von einem. nn war ein liebevoller Spinner, den die dem Fundament seines handwerkli- 
ohne, daß diese Behauptung belegt Ihr Beitrag gerät ins Unerträgli. Nazis zu brauchen verstanden ... Chen Könnens war seine Treffsicher- 
wird. Sehr erstaunlich. Und Kükel- che, indem behauptet wird, Kükel furchtbare Harmlosigkeit und Lie. heit und Exaktheit in Detailzeich- 
haus kaue darauf herum. Die Be- haus habesichselbstsabotiert, seies be zur Sache für d. Nazi-Deutsch nungen und Anweisungen an Hand- 
hauptüfig, Das Wort des Johanfies im NS-Staat, durch Organisationstä- and...” „Yin und Yang... in entwaff Wwerker sehenswert und wurde mir 
sei eine Wiederholung von „Urzahl tigkeit, sei es in der Bundesrepublik ender Offenheit das Propagandare. Wieder vor Ort von Leuten vom Bau 
und Gebärde” und andere Bücher Mit pädagogischen Maschinen. Er 7ept der Nazis ...” „als Handwerks. bestätigt. Die theoretischen Hinter- 
auch, wobei Ihr Autor/bei einer un” gipfelt in der Aussage: Kükelhaus’ funktionär hat er (K.) die Handwer. gründe im Gespräch stammen na- 
terstellten Unentschiedenheit frech. 8aNze Heilslehre der Wahrnehmung ker an die Kriegsproduktion der NS türlich ebenfalls aus dem Munde 
von praktischem UÜberlebenswert mündete in nichts anderem als tech- verraten ... das ist eine ungeheuerli- von Hugo Kükelhaus - man kann sie 
spricht, zeugt nicht nur von Un; nischen Vorkehrungen, wie Man che Behauptung von Hoffmann! nachlesen. Das ist gut so - es wird ei- 
kefintnis, sondern auch von Uhver. den Kindern in der Schule diejeni- Weiter: Kükelhaus hätte alles aus nes hohen Grades eigener Verarbei- 
ständnis. Das bezieht sich insbeson‘ gen sinnlichen Reibeflächen wieder „weiter Hand. Er (K.) hat nie ein tung des Gelernten bedürfen, um 
dere auf die zitierten Quellen. verschaffen könnte, die die Schule Hehl daraus.gemacht, daß andere die von Kükelhaus noch in seinem 
Im Abschnitt II wird dann deut! aus Prinzip, weil sie Schule ist, ent-  ;ipnm Erkenntnisse vermittelt haben, letzten Seminar am 30. 9. 84 skizzier- 
lich, worauf das Vorangegangene ab- zieht. Etwas ist von Hugo Kükelhaus underhatseine Quellen immerwie- ten gemeinsamen Pläne der Zukunft 
zielte: „Kükelhaus doch kein liebe- enthalten, von Pestalozzi, Fröbel, dgergenannt-„MitermüdenderEin. zu verwirklichen. Vermutlich bedarf 
voller Spinner, handfestere Ebene Montessori usw., wenngleich in der tönigkeit” (darüber hätte nun Kükel es großer Souveränität, die Dinge 
der Kükelhaus’schen Unentschie- Sprache nach wie vor die Polemik haus gelacht - „meine Gebetsmüh- beim Namen zu nennen, z. B. das 
denheit „seiner Balance#(die ja Schwingt. I le”, hätte er gesagt: om mane padme Werk ein „Kükelhaus Graubner” zu 
durchaus auch ihrem®richtigen Ort Eines sei festgehalten: Kükelhaus pum... Das war seine Taktik, Metho- nennen, wie eine Zeitung in richti- 
haben könnte)” - wie bedenklich War cin hervorragender Kenner So- de, vielleicht doch „Botschaft”? Was ger Erkenntnis es tat. Das würde den 
ußsicher Stellt sich hier der Autor wohl Heideggers als auch Gehlens sollichnoch schreiben? Vom Freun- Schüler ehren. 
dar. - ”%ideentechnokrat in seiner und anderer, aber er war einer, dem deskreis? Der Männer und Frauen Wenn nach dem bewundernswer- 
furchtbären Harmlosigkeit und Lie- es zuallererst um die Pädagogik und gq_20, Juli? ten knappen, engagierten Beitrag 
be zur Sache:”für das Nazi ihre Folgen ging, auch die der Archi- Weiß Herr Hoffmann-Axthelm das von Rudolf zur Lippe die Kükel- 
Deutschland typisch. Dieses Orga- tektur. alles nicht? hauswürdigung endete, könnten wir 
nisieren von Herzblut ist eigentlich UweBalzer Wir sind zutiefst gekränkt - wie ich Ihnen dankbar sein. Nun aber be- 
das Problem.” Es genüge diese Dif auch von Frau Kükelhaus weiß ginnt das Verhängnis in der Gestalt 
ie
	        
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