Volltext: Programm des Königlich Württembergischen Polytechnikums zu Stuttgart für das Jahr 1877 auf 1878 (1877)

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2. Naturwissenschaften. 
Zoologie. 
Im Winter 2, im Sommer 3 Stunden mit Eicursionen: 
Professor Dr. G. Jäger. 
1) Allgemeiner Theil (im Wintersemester): a. Zooclie- 
mie: die Stoffe des Thierkörpers in ihrer Bedeutung für Struk 
tur und Funktion. b. Morphologie: die Formbestandtheile des 
Thierköpers und ihre architektonische Verbindung von dem 
Protoplasma und der Zelle an bis zu den systematischen Indivi 
duenvereinigungen hinauf in aufsteigender Reihe geschildert an 
der Hand der Entwicklungsgeschichte, c. Physiologie: allge 
meine Einleitung über Stoff- und Kraftwechsel überhaupt, Stoff 
und Kraftwechsel des thierischen Protoplasmas; die sociologische 
Complikation und Arbeitstkeilung in Bezug auf die Funktionen 
im Leibe höher organisirter Tliiere in aufsteigender Reihenfolge 
geschildert, d. Biologie: die Beziehungen zwischen Thier und 
Aussenwelt. e. Geschichte: Ontogenesis und Phylogenesis. 
2) Spezieller Theil (im Sommersemester): Systematischer 
Überblick über das Thierreich in aufsteigender Reihenfolge, hie 
bei eingehendere Schilderung derjenigen Arten, Gattungen, 
Familien oder Ordnungen, welche entweder als Gesteinsbildner, 
Leitthiere, Lieferanten von Handelswaaren oder Nahrungsmitteln, 
Materialzerstörer, Parasiten im Menschen und seinen Hausthieren, 
Schädlinge an Culturpflanzen (hier nur die allerwichtigsten) oder 
Ungeziefervertilger näheres Interesse erregen. Bei den Spezial 
schilderungen wird das Hauptgewicht auf diese Beziehungen zum 
Haushalt der Natur oder des Menschen gelegt. 
Anthropologie. 
Im Winter 2 Stunden: Professor Dr. G. Jäger. 
1) Morpliogenesis: postfötale Entwicklung der mensch 
lichen Gestalt unter Angabe der erforderlichen erzieherischen 
Mittel und des Werthes der Proportionalität sowie der Körper 
haltung für körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. 
2) Physiogenesis: Wesen der menschlichen Arbeitskraft 
(körperlicher und geistiger). Betheiligung der einzelnen Theil- 
maschinen des Körpers an deren Zustandekommen, die Momente 
für das Maass ihrer Leistungsfähigkeit und die erzieherischen 
Mittel zu deren Steigerung. 
3) Psychogenesis: aufsteigende Entwicklungsgeschichte 
der Seele nach Inhalt, Vermögen und Thätigkeitsrichtung unter 
Angabe der auf diese einwirkenden erzieherischen Umstände. 
Hiebei wird sowohl die ontogenetische Entwicklung der Seele 
beim Einzelnwesen, als auch die in der Oulturgeschichte sich 
äussernde phylogenetische Entwicklung berücksichtigt und die 
praktische Consequenz für die intellektuelle und moralische Er 
ziehung gezogen. 
4) Sociogenesis: Aufsteigende Entwicklungsgeschichte der 
gesellschaftlichen und politischen Formen unter Abwägung ihres 
praktischen Werthes für den Kampf um’s Dasein. Verhältniss 
von Krieg und Arbeit. Philosophie des Rechts und der Geschichte 
vom Standpunkte des Naturforschers. Die Arbeitstheilung. Die 
Interessenconfiikte. 
Botanik. 
3 Stunden: Professor Dr. Ahles. 
Im Winter (Anatomie und Physiologie der Pflanzen) : 
Morphologie der Zelle. Entstehung der Zellen. Die Zellhaut. Pro 
toplasma und Zellkern. Chlorophyll- und Stärkekörner. Kry- 
stalle. Zellsaft. Morphologie der Gewebe. Die Gewebesysteme. 
Intercellularräume. Das Hautgewebe. Die Gefässbündel. Das 
Grundgewebe. Milchsaftgefässe. Das Urmeristem. 
Die Lebensvorgänge in der Pflanze (Physiologie). 
Chemische Vorgänge in derselben. Die Bewegung des Was 
sers und der Gase. Das Wachsthum. Die Reizbewegungen aus 
gewachsener Organe. Abhängigkeit von Licht und Wärme. Die 
Fortpflanzung und der Generationswechsel. 
Im Sommer (Allgemeine Botanik einschliesslich der 
Grundzüge der Systematik): Fortsetzung der Morphologie.
	        

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