Full text: Programm der Württembergischen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1929/30 (1929)

1. Abteilung für allgemeine Wissenschaften. 
Für Kandidaten des höheren Lehramts mathematisch-physikalischer 
und naturwissenschaftlicher Richtung, 
Zufolge der Prüfungsordnung für das höhere Lehramt vom 18. Juni 1913 
können Kandidaten des höheren Lehramts der mathematisch-physikalischen 
und der naturwissenschaftlichen Richtung von der für das Hochschulstudium 
vorgeschriebenen Zeit sechs Semester an der Technischen Hochschule zu- 
bringen. 
Von der Aufstellung besonderer Studienpläne wurde abgesehen. Der Ab- 
teilungsvorstand und die einzelnen Dozenten sind jederzeit bereit, den 
Studierenden Ratschläge bezüglich der Wahl der Vorlesungen zu erteilen. 
Studienplan für technische Physik. 
Der technische Physiker hat in den ersten Semestern zu hören: in erster 
Linie Mathematik I—IV, ferner Experimental-Physik I—IV (kann bei ge- 
nügender Schulvorbildung in 2 Semestern — I und III und II und IV 
parallel — gehört werden). Neben Experimental-Physik wird im ersten 
Semester zweckmäßig die Vorlesung über physikalische Messungen gehört, 
an die sich vom zweiten Semester an der Besuch des physikalischen An- 
fängerpraktikums anschließt. 
Außerdem ist möglichst bald (u. a. zur Vorbereitung für die Vorlesungen 
über theoretische Physik) zu hören: technische Mechanik und technische 
Wärmelehre (Prof. Grammel), sowie etwas später Elektromagnetisches Feld 
(Prof. Emde). 
Die Vorlesungen über Maschinenkunde sind ebenfalls frühzeitig zu be- 
ginnen mit der Vorlesung: „Einführung in den Maschinenbau‘‘ (Professor 
Häbich) nebst Zeichenübungen, woran sich im folgenden Semester die Vor- 
lesung über Apparatebau (Direktor Schlee) anschließt. 
Die Elektrotechnik einschließlich Meßmethoden (Prof. Herrmann) und 
anorganische Chemie (Prof. Wilke-Dörfurt), beide mit Übungen, sind mög- ; 
lichst mit Schluß des vierten Semesters zu erledigen. 
Der Studiengang nach der Vorprüfung führt über die Vorlesungen über 
theoretische Physik, die weitere experimentelle Fortbildung im Praktikum 
für Fortgeschrittenere zur experimentellen oder theoretischen Diplomarbeit. 
Betreffs Spezialvorlesungen, insbesondere in Mathematik und Physik, steht 
der Rat der Fachprofessoren zur Verfügung. 
Die Erledigung des vorgeschriebenen Halbjahrs praktischer Tätigkeit 
möglichst in einer mechanischen Werkstätte, ist unbedingt vor Beginn des 
Studiums anzuraten. 
  
2. Abteilung für Architektur. 
Ausführungsbestimmungen für die praktische Tätigkeit der 
ordentlichen Studierenden. 
Für die praktische Tätigkeit sind die Vorschriften der Prüfungsordnung 
bindend: 
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Wer zur Diplomvorprüfung zugelassen werden will, muß eine praktische 
Tätigkeit im Maurer-, Zimmermann-, Bauschreiner- oder einem verwandten 
Handwerk von insgesamt 6 Monaten zurückgelegt haben. Hiervon müssen 
5 Monate zusammenhängend vor dem Hochschulstudium, davon mindestens 
2 Monate im gleichen Betrieb, abgeleistet sein. Diese 5 Monate Handwerks- 
praxis sind Bedingung zur Aufnahme als Studierender. 
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Im Anschluß an die Unterstufe (Diplomvorprüfung) ist vor Eintritt in 
die Oberstufe eine zusammenhängende praktische Tätigkeit im Büro und bei 
Bauführungen von 12 Monaten abzuleisten. 
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Über Ausnahmen von den Bestimmungen 88 18 und 19 in besonderen 
Fällen entscheidet die Abteilung. 
Die Tätigkeit auf dem Bauplatz soll dem Studierenden Gelegenheit geben, 
alles, was zum Bauvorgang gehört, durch eigene Mitarbeit kennenzulernen. 
Der Studierende soll sich auch auf einem der praktischen Arbeitsgebiete, ın 
einer Tischlerei oder Schlosserei, möglichste Handfertigkeit selbst zu er- 
ringen suchen, um beurteilen zu können, welche Zeit, welche Ausdauer, 
welche Kenntnisse zu den Arbeiten nötig sind. Besonders wichtig ist dabei auch 
umfangreiche Kenntnis des Materials und der Werkzeuge. Es wird also emp- 
fohlen, die Handwerkspraxis in 2 oder 3 verschiedenen Betrieben abzuleisten. 
Die vorgeschriebenen 12 Monate Zwischenpraxis sind mit Tätigkeit als 
Zeichner in einem Büro oder als Bauführer abzuleisten. | 
Über beide Praxiszeiten ıst ein Nachweis vorzulegen, der die Art der 
Beschäftigung klar erkennen läßt. Am besten ist es, wenn die Praktikanten 
selbst ein Arbeitsnachweisbuch führen, in dem sie über ihre Arbeit berichten 
und ihnen wichtig erscheinende Gegenstände durch Skizzen auch erläutern. 
Das Buch ist von dem vorgesetzten Bauleiter, Handwerksmeister oder Archi- 
tekten zu bescheinigen. Praktische Tätigkeit im väterlichen Unternehmen 
wird in der Regel nur halb in Anrechnung gebracht. Bei besonders begrün- 
deten Ausnahmen oder in zweifelhaften Fällen entscheidet die Abteilung 
darüber, ob die Nachweise ausreichen. BA 
Es empfiehlt sich, die Werkstatt- oder Bauplatzpraxis in die Zeit vom 
1. April bis 1. Oktober zu verlegen. 
  
  
  
  
 
	        

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